30 Jahre Mauerfall Mehr erfahren
zurück 
16.11.2016

Rentenschichtung bei den Versichertenrenten, alte Bundesländer

Einen differenzierteren Einblick über die Höhe der Renten gewinnt man, wenn aufgeschlüsselt wird, wie sich die Zahlbeträge der einzelnen Renten in ihrer Höhe verteilen: Wie hoch ist der Anteil der Renten, die als Niedrigrenten – wie immer man solche abgrenzt − anzusehen sind? Welche Bedeutung haben recht hohe Renten bei den Rentenzahlbeträgen?

Während bei den Frauen in den alten Bundesländern fast die Hälfte aller Versichertenrenten unter 450 Euro liegen, sind solche sehr niedrigen Renten bei Männern viel seltener. (© picture-alliance/AP)



Verteilung der Versichertenrenten im Bestand, alte Bundesländer 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download 50 KB) (© bpb)

Die Abbildung "Verteilung der Versichertenrenten im Bestand, alte Bundesländer 2014" zeigt für die alten Bundesländer im Jahr 2014 die Schichtung der Zahlbeträge der Versichertenrenten (Altersrenten und Erwerbsminderungsrenten) im Rentenbestand für Männer und Frauen. Der Befund ist eindeutig und wenig überraschend: Frauen beziehen viel häufiger sehr niedrige Renten aus eigener Versicherung.

Während bei den Frauen 42 Prozent aller Versichertenrenten unter 450 Euro liegen (und 6,8 Prozent sogar in einer Höhe von unter 150 €), sind solche sehr niedrigen Renten bei Männern viel seltener. 19,1 Prozent der Männer beziehen eine Rente von unter 450 Euro. Auf der anderen Seite erzielen 16,8 Prozent der Männer eine Rente von 1.500 Euro und mehr - bei den Frauen sind dies gerade einmal 1,1 Prozent aller Bezieherinnen einer eigenen Versichertenrente.

Verteilung der Versicherungsjahre¹ von Männern und Frauen, alte Bundesländer 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download 62 KB) (© bpb)

Die Ursachen für diese Geschlechterdifferenz bei den Rentenzahlbeträgen wurden bereits erwähnt: Frauen scheiden (in den alten Bundesländern) – deutlich weniger Versicherungsjahre auf und haben weniger verdient, was im Ergebnis zu nur wenigen Entgeltpunkten führt. Mehrere Faktoren überlagern und verstärken sich: Kurze und durchbrochene Versicherungsverläufe aufgrund von Kindererziehung und Pflege von älteren Angehörigen, Teilzeitarbeit, versicherungsfreie Minjobs, niedrige Stundenlöhne. Durch die rentenrechtliche Anerkennung von Kindererziehungs- und Pflegezeiten (vgl. „Anerkennung von Kindererziehungs- und Pflegezeiten“) werden zwar die Rentenansprüche erhöht, dies führt aber keineswegs zu einem vollständigen Ausgleich der Benachteiligung von Frauen. Allerdings stellt sich die Frage, warum es auch bei den Männern einen mit 19,1 Prozent nicht unerheblichen Anteil mit einem Rentenzahlbetrag von unter 450 Euro gibt. Eine der Ursachen dafür ist in Wechseln der sozialen Stellung im Beruf und damit des Versichertenstatus zu suchen – ein Phänomen, das es natürlich auch in weiblichen Erwerbsbiografien gibt. Vereinfacht: Eine Person ist eine gewisse Zeit in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis tätig und erwirbt dabei einen Anspruch auf eine gesetzliche Rente. Dann macht sie sich aber z. B. selbstständig oder wechselt in ein Beamtenverhältnis. Dadurch bleibt ein passives Versicherungsverhältnis bei der GRV bestehen. Im Rentenalter wird dann, wie oben schon erwähnt, der Rentenantrag für die Regelaltersrente gestellt und eine – häufig geringe – Rente ausbezahlt, die neben den hohen Alterseinkommen aus einem anderen Versorgungssystem steht.

Verteilung der Altersrenten mit mind. 35 Versicherungsjahren, im Bestand, alte Bundesländer 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download 50 KB) (© bpb)

Um die dadurch entstehende Verzerrung in der Verteilung der Rentenzahlbeträge zu "korrigieren" werden in der Forschung oft nur solche Renten betrachtet, die auf zumindest einer gewissen Zahl von Beitragszeiten oder Anrechnungszeiten beruhen. Die Abbildung "Verteilung der Altersrenten nach Zahlbetragsklassen" zeigt die Verteilung der bestehenden Altersrenten, hier für das Jahr 2014, nach Rentenzahlbetragsklassen, nur für solche Rentnerinnen und Rentner, die mindestens 35 Versicherungsjahre aufweisen. Damit ist ein Großteil der Wechsler des Versicherungsstatus aus der Betrachtung ausgeschlossen.

Wie zu erwarten, sind jetzt bei den Männern nur noch selten niedrige Renten mit einem Zahlbetrag unterhalb von 750 Euro festzustellen. Nahezu zwei Drittel (65,9 %) der Männerrenten (Altersrenten) im Bestand konzentrieren auf die Einkommensklassen zwischen 750 und 1.500 Euro. Auch bei den Frauen haben bei 35 Versicherungsjahren die sehr niedrigen Renten keine große Bedeutung mehr. Aber: Es bleibt ein deutlicher Geschlechterunterschied bestehen: Renten unter 750 Euro erhalten 28,2 % der Frauen. Und am oberen Ende der Skala erreichen nur 3,3 Prozent der westdeutschen Versichertenrenten an Frauen bei 35 und mehr Beitragsjahren einen Zahlbetrag von über 1.500 Euro und dagegen 26,9 Prozent bei den Männern. Wirklich hohe Renten sind aber auch bei den Männern nicht weit verbreitet (Das liegt nicht zuletzt daran, dass es aufgrund der Beitragsbemessungsgrenze eine maximale Rentenhöhe gibt).

Bei dieser Eingrenzung der Rentenschichtung auf Personen, die 35 Beitragsjahre aufzuweisen haben, bleibt allerdings zu berücksichtigen, dass damit der Großteil der Frauen gar nicht mehr erfasst wird. Denn fast zwei Drittel der westdeutschen Frauen (im Rentenbestand) weisen 2014 weniger als 35 Versicherungsjahre auf.
Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/ Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/
Autoren: Gerhard Bäcker, Ernst Kistler für bpb.de
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.

Gerhard Bäcker, Ernst Kistler

Gerhard Bäcker

Gerhard Bäcker, Prof. Dr., geboren 1947 in Wülfrath ist Senior Professor im Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen. Bis zur Emeritierung Inhaber des Lehrstuhls "Soziologie des Sozialstaates" in der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen. Forschungsschwerpunkte: Theorie und Empirie des Wohlfahrtsstaates in Deutschland und im internationalen Vergleich, Ökonomische Grundlagen und Finanzierung des Sozialstaates, Systeme der sozialen Sicherung, insbesondere Alterssicherung, Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik, Lebenslagen- und Armutsforschung.


Ernst Kistler

Ernst Kistler, Prof. Dr., geboren 1952 in Windach/Ammersee ist Direktor des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie, INIFES gGmbH in Stadtbergen bei Augsburg. Forschungsschwerpunkte: Sozial- und Arbeitsmarktberichterstattung, Demografie, Sozialpolitik, Armutsforschung.


Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln