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16.11.2016

Niedrigrenten: Besonders betroffene Gruppen

Niedrige Renten werden dann zu einem sozialpolitischen Problem, wenn sie nicht durch hohe Alterseinkünfte aus anderen Sicherungssystemen ergänzt werden und/oder wenn die Gesamtversorgung durch den Haushaltskontext bzw. im Hinterbliebenenfall nicht durch die Zahlung von Hinterbliebenenrenten gewährleistet wird. Ist dies nicht oder nur sehr begrenzt der Fall, führen Niedrigrenten zu einem Armutsrisiko.

Besonders von Niedrigrenten betroffen sind drei Gruppen: Frauen, Migranten und in Zukunft auch Langzeitarbeitslose. (© AP)



Besonders betroffen von Niedrigrenten sind vor allem Frauen (vgl. dazu weiter unten) sowie Migranten und Langzeitarbeitslose. (zu den Erwerbsgeminderten vgl. Erwerbsminderungsrenten und zu Altersarmut vgl. Altersarmut).

Migranten



Niedrige Rentenanwartschaften und Renten charakterisieren auch die Situation vieler Migranten. Dies trifft verstärkt auf die jeweils erste Generation der Zuwanderer zu, die in Deutschland und auf dem deutschen Arbeitsmarkt erst Fuß fassen müssen. Geringere Verdienste und kürzere Versicherungsverläufe kumulieren auch hier. Hinzu kommt das Problem einer teilweise nur begrenzten rentenrechtlichen Anerkennung von Erwerbsphasen in den Herkunftsländern. Besondere Probleme beim Zugang zum Arbeitsmarkt und zu den Institutionen der Sozialen Sicherung ergeben sich für Asylbewerber und Bürgerkriegsflüchtlinge.

Demgegenüber gibt es für die Aussiedler, soweit sie als Deutschstämmige aus Osteuropa und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion nach Deutschland gekommen sind, keine Benachteiligungen bei der Anerkennung von Zeiten im Herkunftsland. Sie wurden nach dem Fremdrentenrecht im Prinzip so behandelt, als hätten sie ihr Erwerbsleben bis zur Übersiedlung bereits in Deutschland verbracht. Wegen der in aller Regel langen und ununterbrochenen Berufskarrieren erreichen solche Rentner eine Rentenhöhe, die etwa dem Durchschnitt der einheimischen Bevölkerung entspricht.

Langzeitarbeitslose



Absehbar ist, dass die große Gruppe der Langzeitarbeitslosen mit nur niedrigen Renten rechnen kann. Mehrere Faktoren wirken hier zusammen und verstärken sich wechselseitig:
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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autoren/-innen: Gerhard Bäcker, Ernst Kistler für bpb.de

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Gerhard Bäcker, Ernst Kistler

Gerhard Bäcker

Gerhard Bäcker, Prof. Dr., geboren 1947 in Wülfrath ist Senior Professor im Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen. Bis zur Emeritierung Inhaber des Lehrstuhls "Soziologie des Sozialstaates" in der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen. Forschungsschwerpunkte: Theorie und Empirie des Wohlfahrtsstaates in Deutschland und im internationalen Vergleich, Ökonomische Grundlagen und Finanzierung des Sozialstaates, Systeme der sozialen Sicherung, insbesondere Alterssicherung, Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik, Lebenslagen- und Armutsforschung.


Ernst Kistler

Ernst Kistler, Prof. Dr., geboren 1952 in Windach/Ammersee ist Direktor des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie, INIFES gGmbH in Stadtbergen bei Augsburg. Forschungsschwerpunkte: Sozial- und Arbeitsmarktberichterstattung, Demografie, Sozialpolitik, Armutsforschung.


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