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16.11.2016

Unterschiede bei den Durchschnittsrenten nach Bundesländern

Der aktuelle Rentenwert als ein Bestandteil der Rentenformel unterscheidet sich zwischen den alten und neuen Bundesländern, aber nicht innerhalb der alten und der neuen Bundesländer. Dennoch zeigen sich signifikante Abweichungen in der durchschnittlichen Höhe der Renten, wenn zwischen Bundesländern und Regierungsbezirken unterschieden wird. Erfasst werden bei dieser Berechnung alle Renten, neben den Versichertenrenten also auch die Hinterbliebenenrenten.

Verkäuferin in Baden-Württemberg: Es zeigen sich signifikante Abweichungen in der durchschnittlichen Höhe der Renten, wenn zwischen Bundesländern und Regierungsbezirken unterschieden wird. (© AP)



Die Abbildung "Durchschnittliche Zahlbeträge den Versichertenrenten im Rentenbestand 2014 nach Bundesländern/Regierungsbezirken" zeigt in der regionalen Differenzierung die höchsten Zahlbeträge der Bestandsrenten in den ostdeutschen Bundesländern Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Im Westen weisen die Regierungsbezirke Darmstadt und Stuttgart noch relativ hohe durchschnittliche Zahlbeträge im Rentenbestand auf. In Ostbayern sind dagegen die Werte viel niedriger. Dahinter stehen die regional abweichenden Erwerbsquoten und Erwerbsverläufe, aber auch die unterschiedlichen Niveaus und Strukturen der Arbeitsentgelte in den zurück liegenden Jahrzehnten (So war Bayern in den 70'er Jahren noch stärker agrarisch strukturiert, was sich bei den heutigen Bestandsrenten noch direkt auswirkt). Auch die traditionell hohe Frauenerwerbsquote − primär in Teilzeit − in diesem Bundesland ist hier zu erwähnen, ebenso die große Bedeutung von Niedriglohnbranchen wie z. B. im Tourismus.

Durchschnittliche Zahlbeträge der Versichertenrenten im Rentenbestand 2014 nach Bundesländern/Regierungsbezirken (PDF-Icon Grafik zum Download 766 KB) (© bpb)

Durchschnittliche Zahlbeträge der Versichertenrenten im Rentenzugang 2014 nach Bundesländern/Regierungsbezirken (PDF-Icon Grafik zum Download 765 KB) (© bpb)



Die auf den Rentenbestand bezogene Darstellung lässt sich auch auf die Rentenzugänge übertragen (vgl. Abbildung "Durchschnittliche Zahlbeträge der Versichertenrenten im Rentenzugang 2014 nach Bundesländern/Regierungsbezirken"). Zwischen beispielsweise den - teils ehemaligen - Regierungsbezirken Niederbayern (656 €) und Münster (679) auf der einen Seite und den Bundesländern Brandenburg (858 €) bzw. Sachsen (855 €) besteht ein breites Spektrum. Dies ist nicht nur für die regionale Einkommenslage von Älteren relevant (da häufig relativ niedrige Rentenzahlbeträge auch mit eher geringeren anderen Alterseinkommen zusammentreffen vgl. Einkommensquellen und Einkommensarten im Alter). Zugleich ist zu befürchten, dass solche Regionen, wenn sie gleichzeitig auch von einer starken Alterung und Bevölkerungsabnahme (durch den Wegzug Jüngerer) betroffen sind, durch einen Rückgang der regionalen Kaufkraft in regionale Abwärtsspiralen geraten.
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Autoren: Gerhard Bäcker, Ernst Kistler für bpb.de
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Gerhard Bäcker, Ernst Kistler

Gerhard Bäcker

Gerhard Bäcker, Prof. Dr., geboren 1947 in Wülfrath ist Senior Professor im Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen. Bis zur Emeritierung Inhaber des Lehrstuhls "Soziologie des Sozialstaates" in der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen. Forschungsschwerpunkte: Theorie und Empirie des Wohlfahrtsstaates in Deutschland und im internationalen Vergleich, Ökonomische Grundlagen und Finanzierung des Sozialstaates, Systeme der sozialen Sicherung, insbesondere Alterssicherung, Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik, Lebenslagen- und Armutsforschung.


Ernst Kistler

Ernst Kistler, Prof. Dr., geboren 1952 in Windach/Ammersee ist Direktor des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie, INIFES gGmbH in Stadtbergen bei Augsburg. Forschungsschwerpunkte: Sozial- und Arbeitsmarktberichterstattung, Demografie, Sozialpolitik, Armutsforschung.


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