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30.1.2020

Alterssicherung der Landwirte

Die Altersversorgung der Landwirte wurde 1957 durch das Gesetz zur Alterssicherung für Landwirte (ALG) eingeführt und 1995 durch das Agrarsozialreformgesetz umfassend reformiert. Die Alterssicherung der Landwirte ist kein Teil der GRV, sondern ein eigenständiger Zweig der Sozialversicherung.

Unterscheidet man nach dem Geschlecht, fällt auch bei der Alterssicherung für Landwirte auf, dass Frauen gegenüber den Männern schlechter gestellt sind. (© picture-alliance/dpa)


Grundlagen

Die Alterssicherung der Landwirte ist kein Teil der GRV, sondern ein eigenständiger Zweig der Sozialversicherung. Träger sind die landwirtschaftlichen Alterskassen, die jeweils bei den landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften eingerichtet sind. Pflichtversichert sind all diejenigen landwirtschaftlichen Unternehmer, für die die Tätigkeit als selbstständiger Landwirt oder Forstwirt, Winzer, Gartenbauer und dergleichen eine ausreichende Existenzgrundlage bildet. Seit 1995 sind ebenfalls mitarbeitende Familienangehörige des Unternehmers und seines Ehegatten pflichtversichert.

Die Alterssicherung der Landwirte gewährt Leistungen, die denen der gesetzlichen Rentenversicherung ähnlich sind: Außerdem werden Betriebs- und Haushaltshilfen oder Überbrückungshilfen gezahlt, damit das Unternehmen bei Krankheit oder Tod des Unternehmers weitergeführt werden kann.

Leistungshöhe

Im grundsätzlichen Unterschied zur Gesetzlichen Rentenversicherung stellt allerdings die Alterssicherung der Landwirte bei ihren Leistungen lediglich auf eine Teilsicherung ab. Dies schlägt sich sowohl in der Höhe der Beiträge als auch im Niveau der Renten nieder. Um einen ausreichenden Lebensunterhalt im Alter sicherzustellen, bedürfen die Renten der Alterssicherung der Landwirte deshalb einer individuellen Ergänzung, etwa durch Altenteilleistungen, Pachteinnahmen, Ansprüche gegenüber der gesetzlichen Rentenversicherung oder private Vorsorge.

Aus nachfolgender Tabelle ist ersichtlich, dass die durchschnittliche Rentenhöhe, hier bezogen auf die Regelaltersrente, recht niedrig liegt. So erhielten im Jahr 2017 Unternehmer im Durchschnitt eine Rente von 476 Euro, Ehegatten von 270 Euro und Familienangehörige von 184 Euro.

Unterscheidet man nach dem Geschlecht, fällt auch bei der Alterssicherung für Landwirte auf, dass Frauen gegenüber den Männern schlechter gestellt sind.

Regelaltersrenten in der Alterssicherung der Landwirte 2005-2017

durchschnittliche Rente in Euro/Monat nach Empfänger und Geschlecht

UnternehmerEhegattenFamilienangehörige
Männer und Frauen
2005 475 224 173
2007 462 226 173
2009 459 231 174
2011 459 237 176
2013 462 245 179
2015 459 251 180
2017 476 270 184
Männer
2005 483 233 198
2007 469 235 203
2009 466 243 206
2011 466 249 211
2013 469 255 221
2015 466 261 225
2017 484 278 233
Frauen
2005 356 224 164
2007 349 226 160
2009 347 231 158
2011 347 237 155
2013 349 245 153
2015 348 251 148
2017 361 269 148

Quelle: Bundesregierung 2009, S. 5; Bundesregierung 2017, S. 7.

In der Alterssicherung der Landwirte standen Mitte 2017 insgesamt 590 Tausend Empfängern von Alterssicherungsleistungen ab 65 Jahren nur noch 200 Tausend Versicherte gegenüber [1]. Die generelle Altersgrenze von 65 Jahren wird auch hier auf das 67. Lebensjahr angehoben. Ab dem 65. Lebensjahr wird in der Alterssicherung der Landwirte eine abschlagsbewehrte vorzeitige Altersrente möglich. Das sozialpolitische Ziel, dazu beizutragen, dass Landwirte und ihre Angehörigen ein ausreichendes Einkommen im Alter erhalten, hat zugleich auch agrarpolitische Hintergründe. Da die Zahlung von Altersrenten erst erfolgt, wenn der landwirtschaftliche Betrieb aufgegeben oder abgegeben worden ist, wird eine Überalterung und auch Zergliederung der Betriebe verhindert.

Finanzierung

Finanziert wird die Alterssicherung der Landwirte über Beiträge im Umlageverfahren. Der Bund beteiligt sich − begründet vor allem mit agrarstrukturpolitischen Argumenten − mit einer Defizitdeckung. 2016 beliefen sich die Gesamtausgaben auf 2,8 Milliarden Euro. Die Beiträge in der Alterssicherung der Landwirte sind einkommensunabhängig. Der monatliche Beitrag wird jährlich durch Rechtsverordnung festgesetzt. Er beträgt im Jahr 2017 für Landwirte, Ehegatten von Landwirten und freiwillig Versicherte jeweils 241 Euro (neue Bundesländer: 219 Euro).

Versicherungspflichtige Landwirte und ihre Ehegatten erhalten einen Zuschuss zu ihrem Beitrag, wenn das Einkommen des landwirtschaftlichen Unternehmens und seines nicht dauernd von ihm getrennt lebenden Ehegatten je 15.500 Euro (zusammen somit 31.000 €) nicht übersteigt. Der Beitragszuschuss ist nach der wirtschaftlichen Situation gestaffelt.
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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autoren/-innen: Gerhard Bäcker, Ernst Kistler für bpb.de

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Fußnoten

1.
Vgl. Bundesregierung 2017, S. 4f.

Gerhard Bäcker, Ernst Kistler

Gerhard Bäcker

Gerhard Bäcker, Prof. Dr., geboren 1947 in Wülfrath ist Senior Professor im Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen. Bis zur Emeritierung Inhaber des Lehrstuhls "Soziologie des Sozialstaates" in der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen. Forschungsschwerpunkte: Theorie und Empirie des Wohlfahrtsstaates in Deutschland und im internationalen Vergleich, Ökonomische Grundlagen und Finanzierung des Sozialstaates, Systeme der sozialen Sicherung, insbesondere Alterssicherung, Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik, Lebenslagen- und Armutsforschung.


Ernst Kistler

Ernst Kistler, Prof. Dr., geboren 1952 in Windach/Ammersee ist Direktor des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie, INIFES gGmbH in Stadtbergen bei Augsburg. Forschungsschwerpunkte: Sozial- und Arbeitsmarktberichterstattung, Demografie, Sozialpolitik, Armutsforschung.


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