zurück 
20.5.2009

Sozialstruktur und Milieus: Stammwählerschaft

Es gibt sie noch, die traditionellen Stammwähler-Milieus. Doch die Verschiebungen und regionalen Unterschiede sind beträchtlich, zeigt eine Analyse der Bundestagswahl 2005. Geradezu entgegengesetzte Zusammenhänge kennzeichnen die Wahlergebnisse in Ost und West.

Grundsätzlich haben traditionelle Wählermilieus nach wie vor eine gewisse Bedeutung für die Parteien. (© AP)

In der Vergangenheit konnten Wahlanalysen in der Tradition des soziologischen Ansatzes ihre Bedeutung immer wieder unter Beweis stellen. Auch für die Bundestagswahl 2005 lässt eine entsprechende Untersuchung der Wahlergebnisse wichtige Rückschlüsse auf die Existenz unterschiedlicher Stammwählerschaften der Parteien zu. Unter der Oberfläche des Gesamtergebnisses verbergen sich jedoch eine Reihe regionaler Unterschiede.


Nach wie vor existiert in Deutschland ein geografisch unterschiedliches Wahlverhalten:
Eine breite Diskussion wurde in der Öffentlichkeit über die Frage geführt, inwieweit das erstmalige Antreten einer Kanzlerkandidatin das Wahlverhalten beeinflussen würde. Dazu lässt sich nach der Wahl Folgendes feststellen:

Gewinne und Verluste der CDU/CSU und SPD bei den Zweitstimmen, Bundestagswahl 2005, in Prozent. (© Forschungsgruppe Wahlen, Politbarometer und Umfrage-Woche vor der Bundestagswahl 09/05)

Grundsätzlich sind die traditionellen Wählermilieus noch nicht verschwunden und haben nach wie vor eine gewisse Bedeutung für die Parteien. Insbesondere bei Reformschritten wie der Agenda 2010 ist die jeweilige Stammwählerschaft besonders zu pflegen. Dies sind immer noch die basisverwurzelten und extrem enttäuschungsresistenten Aktivisten. Wer sich nur tagesorientiert an Wechselwählerinnen und -wählern ausrichtet, verliert am Ende auch die Stammwählerschaft. Doch gerade sie wäre bereit, unpopuläre Entscheidungen mitzutragen, wenn man sie einbindet und überzeugt. Zeitgleich wird ihre Gewinnung immer wichtiger.

Deutliche Veränderungen gehen von der sinkenden Zustimmung der Wählerinnen und Wähler zu den Volksparteien aus. Hiervon können die kleinen Parteien profitieren, insbesondere die Linke im Osten als Alternative zur SPD, aber auch die FDP, die die Union 2005 in Süddeutschland viele Stimmen kostete.

Auszug aus: Karl-Rudolf Korte: Wahlen in Deutschland, Zeitbilder. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2009

Karl-Rudolf Korte

Zur Person

Karl-Rudolf Korte

Dr. rer. pol. habil., Dr. phil, geb. 1958; Professor für Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen und Direktor der NRW School of Governance, Lotharstraße 53, 47057 Duisburg.
E-Mail: krkorte@uni-duisburg-essen.de


Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln