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1.3.2013

NOCs sind nicht rein Markt orientiert

Wie ist zusammenfassend der Trend zu nationalen Energiekonzernen zu bewerten? Für den Ölmarkt ist es zunächst prinzipiell gleichgültig, ob ein Staatsunternehmen oder ein privater Spieler fördert, da jedes zusätzliche Barrel, ob es nun auf dem Markt landet oder nicht, die Angebotssituation entlastet. Allerdings ist es fraglich, ob NOCs die in den kommenden Jahren notwendigen Investitionen tätigen werden – nach IEA Schätzungen bis 2035 10 Billionen US-Dollar allein im Ölsektor. Der Grund: Staatsunternehmen tendieren wie beschrieben dazu, Entscheidungen nicht aus rein unternehmerischen Motivationen zu treffen. Daher birgt der Trend zu NOCs die Gefahr, dass sich das globale Ölangebot nicht mit der Nachfrage entwickelt, was weiter zunehmende Knappheit auf den Märkten bedeuten würde. Ähnliches gilt, allerdings mit regional beschränkter Reichweite, im Gassektor, der bis 2035 einen Investitionsbedarf von etwa 9,5 Billionen US-Dollar aufweist. Für die privaten, westlichen Wettbewerber bedeutet der Aufstieg der NOCs, dass sie zwar weiter vor allem Technologie und Managementerfahrung in Förderprojekte einbringen können, sich jedoch wohl zunehmend mit der Rolle des Juniorpartners begnügen müssen.

Allerdings ist ein wichtiger Faktor nicht zu unterschätzen: technologischer Fortschritt. So galt es noch vor wenigen Jahren als erwiesen, dass die Ölförderung in den OECD-Ländern ihren Höhepunkt erreicht hat und nun langsam zurück gehen würde. Aufgrund neuer und modernerer Bohrtechniken allerdings kann sich dieser Trend nun wieder umkehren. Die IEA schätzt, dass die USA, der weltweit grösste Ölkonsument, bis 2035 sogar wieder zum Nettoexporteur werden könnten. Dieses Beispiel zeigt, dass der Ölmarkt nicht statisch ist, sondern dynamisch. Die Rolle der gegenwärtig so dominanten NOCs kann sich damit langfristig ebenfalls wieder ändern.
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