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5.1.2012

Banken

Banken spielen eine zentrale Rolle auf den internationalen Finanzmärkten. Sie verwalten Sparguthaben und stellen Kredite zur Verfügung - an Privatleute, Unternehmen oder Staaten. In bestimmter Hinsicht sind sie jedoch fragile Gebilde.

Das Frankfurter Bankenviertel (© Photocase/Yunioshi)


Banken nehmen in modernen Volkswirtschaften eine zentrale Rolle ein. Sie verwalten Geld, das aktuell von seinen Besitzern nicht benötigt (gespart) wird und stellen es gegen Entgelt denjenigen als Kredit zur Verfügung, deren Mittel momentan nicht ausreichen. Im Rahmen dieser Mittlerrolle erfüllen Banken vor allem drei volkswirtschaftliche Funktionen:

Bank ist nicht gleich Bank



Die zunehmende Verbriefung von Krediten verweist darauf, dass in den letzten Jahrzehnten ein deutlicher Wandel im Finanzsektor stattgefunden hat und dass es neben den Geschäftsbanken auch noch andere Bankentypen gibt, insbesondere Investmentbanken. Investmentbanken beschäftigen sich vor allem mit der Unterstützung bei dem Kauf und Zusammenschluss von Unternehmen sowie betreiben spekulativen Eigenhandel mit Finanzprodukten und anderen Wertpapieren.

Banken bündeln kleinere Spareinlagen zu größeren Krediten. (© AP)

Ihre Tätigkeit ist wesentlich risikoreicher, aber potentiell auch profitabler als die Tätigkeit von Geschäftsbanken, was dazu führte, dass das relative Gewicht des Investmentbankings in den letzten Dekaden deutlich zugenommen hat. Angetrieben wurde dieser Prozess auch vom Interesse der Geschäftsbanken an der Verbriefung von Krediten, da jene ansonsten zu viel Eigenkapital binden und damit Verdienstmöglichkeiten mindern. Ergebnis dieser Entwicklung war ein dynamisches Kreditwachstum, nicht nur durch die (damit von Risiken entlasteten) Geschäftsbanken, sondern insbesondere auch durch Schattenbanken und Hedge-Fonds (siehe auch: Beitrag von Jan Fichtner und Thomas Rixen zu Offshore-Banken).

Unterstützt wurde dieses Wachstum durch niedrige Mindestreservesätze der Zentralbanken – beim aktuellen Satz von 2% der EZB können Banken bis zu 50mal so viel Kredit schöpfen wie sie dort hinterlegen.

Finanzialisierung



Diese Veränderungen sind Teil eines umfassenderen Prozesses, der als „Finanzialisierung“ bezeichnet wird. Damit ist die Zunahme der Bedeutung des Finanzsektors gegenüber der „realen“ Produktion von Gütern und Dienstleistungen gemeint. Dieses Phänomen hat inzwischen – von den USA und England ausgehend – auch das deutsche Finanzsystem erreicht, auch wenn etwa Sparkassen und Genossenschaftsbanken davon noch vergleichsweise wenig betroffen sind.

Der Prozess begann nach dem Zusammenbruch des Währungssystems von Bretton Woods Anfang der 1970er Jahre (siehe: Text von Hermann Sautter zum Bretton-Woods-System) und der nachfolgenden Liberalisierung des Finanzsektors, die den Wegfall von Zahlungsverkehrskontrollen, eine damit einhergehende Intensivierung der Transaktionen zwischen Banken und steigende Gewinne durch Finanzgeschäfte einschloss.

Finanzialisierung impliziert aber nicht nur, dass die Gewinne im Finanzsektor deutlich stärker gestiegen sind als in der „Realwirtschaft“, sondern auch, dass die Macht des Finanzsektors über die Realwirtschaft zugenommen hat, vermittelt etwa durch die Orientierung von Unternehmen an den auf den Finanzmärkten gängigen kurzfristigen Renditeerwartungen. Banken und Realwirtschaft lassen sich aber nicht trennen, da Realwirtschaft – angesichts der oben genannten Funktionen – ohne Banken nicht denkbar ist. Gleichzeitig ist hier aber eine Entwicklung erkennbar, die eine zunehmende Verselbständigung von Banken gegenüber der Realwirtschaft zeigt. Das ist ein problematischer Prozess, insbesondere wenn man die grundlegende, durch Finanzialisierung noch erheblich verstärkte Krisenanfälligkeit von Banken bedenkt.

“too big to fail“



Die Möglichkeit von Kreditausfällen und von „bank runs“ führt dazu, dass Banken grundsätzlich fragile Gebilde sind. Diese Fragilität hat sich durch Finanzialisierung gravierend verstärkt, einerseits durch das

Die Zentrale der Investmentbank Lemann Brothers in New York: Die Pleite des Geldinstituts führte 2008 zu starken Erschütterungen in der Realwirtschaft. (© AP)

dynamische Kreditwachstum, andererseits durch die stark intensivierten Interaktionen zwischen Banken. Insbesondere durch Verbriefungen ist es inzwischen schwerlich möglich, „faule Kredite“ präzise zu lokalisieren, so dass Banken bei der Gefahr von Kreditausfällen sich gegenseitig kaum noch Geld leihen.

Angesichts der intensiven Verflechtung kann damit auch der Ausfall einer einzelnen Bank zu schwersten Erschütterungen für die Finanzmärkte – und damit für die Realwirtschaft – führen, wie im Fall der Investmentbank Lehman Brothers 2008. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen werden selbst mittelgroße Banken inzwischen als „too big to fail“ angesehen - zu groß, um pleitezugehen (sogenannte Systemrelevanz). Im Fall einer Insolvenz ist somit die Unterstützung von Regierungen vorhersehbar („bail-out“). Diese Vorgehensweise benachteiligt nicht nur kleinere Banken, sondern verleitet die betroffenen Institute häufig dazu, noch größere Risiken einzugehen und damit die Fragilität des Bankensystems weiter zu erhöhen.

Angesichts einer ausgeprägten Fragilität und zugleich zentralen Rolle von Banken für die Realwirtschaft haben Regierungen eine Vielzahl von Regulierungsaktivitäten angestoßen. Zu den wichtigsten Formen der Regulierung gehört – neben der laufenden Aufsicht durch Institutionen wie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und die Bundesbank – die Einlagensicherung, die dafür sorgt, dass normale Sparer bei der Insolvenz einer Bank ihre Ersparnisse nicht verlieren.



Stabilisierung des Bankensystems



Potenziell wichtiger für die Stabilisierung des Bankensystems sind aber die bereits genannten Basel-Abkommen, die festlegen, mit wieviel Eigenkapital jeder Kredit einer Bank unterlegt werden muss, um im Fall einer Nichtzurückzahlung des Kredits einen Sicherheitspuffer zu haben. Da diese Unterlegung das Kreditvolumen (und damit die potenziellen Gewinne) von Banken stark beeinflusst, wenden diese sich gegen eine strenge Regulierung und werden dabei von manchen Unternehmen der Realwirtschaft unterstützt, die eine Beschränkung der Unternehmenskredite („Kreditklemme“) fürchten.

Zu den radikaleren Maßnahmen, die der Stabilisierung des Bankensystems dienen, gehört die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken, so wie sie die USA nach der Großen Depression 1933 im Rahmen des „Glass Steagall Acts“ durchgeführt (aber später wieder aufgehoben) haben. Hintergrund dieser Maßnahme ist die Erwägung, dass die für Sparer und Realwirtschaft essentiellen Geschäftsbanken vom risikoreicheren Investmentbankgeschäft ferngehalten werden sollen.

Ein Demonstrant in Oakland im US-Bundesstaat Kalifornien fordert höhere Steuern für die Finanzindustrie. (© AP)

Die meisten Banken wehren sich jedoch vehement gegen diese Trennung, einerseits mit dem Argument, dann Unternehmenskunden nicht mehr alle Dienstleistungen aus einer Hand bieten zu können, andererseits aber auch mit der Besorgnis, dass Geschäftsbanken dann weniger profitabler seien und Investmentbanken der Zugang zu Einlagen erschwert würde; Universalbanken wie der Deutschen Bank würde im Fall einer solchen Trennung möglicherweise sogar die zwangsweise Aufspaltung drohen. Weitreichendere Vorschläge zur Stabilisierung des Bankenwesens, wie eine generelle Entflechtung, Entschleunigung oder gar Verstaatlichung werden bisher – außerhalb der „Occupy“-Bewegung – politisch kaum gestützt, sind aber im Fall einer weiteren Zuspitzung der aktuellen Liquiditätskrise auch nicht mehr vollkommen unvorstellbar.

Banken und Staatsfinanzierung – die aktuelle Liquiditätskrise



Banken spielen für die Staatsfinanzierung ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie verwenden ihre Einlagen, um damit Staatsanleihen zu kaufen, leihen also dem Staat Geld. Die bisherige Bankenregulierung ging davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit der Rückzahlung dieser Schulden durch den Staat wesentlich höher ist als bei privaten Schuldnern. Sie verlangte daher für diese Ausleihungen keine Unterlegung mit Eigenkapital, für Banken also eine sichere und profitable Geldanlage.

Mit dem Aufkommen der Staatsschuldenkrise haben sich diese Bedingungen allerdings relativiert. Insbesondere der „freiwillige“ Verzicht auf 50% der Forderungen gegenüber der griechischen Regierung hat diese Sicherheit fundamental in Frage gestellt und die Banken zu deutlichen Wertberichtigungen in ihren Bilanzen gezwungen. Diese Wertberichtigungen bedrohen allerdings die Existenz so vieler Banken, dass die Regierungen der Eurozone dazu übergegangen sind, den Schuldnerregierungen erhebliche zusätzliche Kredite zur Verfügung zu stellen. Diese Kredite sollen insbesondere dazu dienen, den Banken Zeit zu geben, die sie dann für den Verkauf der entsprechenden Staatsanleihen oder die Bildung von Reserven für die erwarteten Verluste nutzen sollen.

Die von den Regierungen der Eurozone gewählte Strategie ist allerdings nicht ohne erhebliche Risiken. So setzt sie voraus, dass die Banken in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld ausreichende Rückstellungen bilden und eine Insolvenz letztendlich vermeiden können. Weiterhin nimmt sie an, dass die Schuldnerländer in absehbarer Zeit in der Lage sein werden, die ihnen gewährten Kredite trotz struktureller ökonomischer Probleme zurückzahlen zu können.

Sollten diese Voraussetzungen nicht erfüllt werden, droht den Steuerzahlern der Eurozone die Gefahr, im Rahmen dieser indirekten Bankenrettungsstrategie erhebliche Verpflichtungen übernehmen zu müssen. Die in den USA gängige Alternative, Banken direkt zu helfen, ist bei den Geldinstituten wenig populär – denn sie bedeutet eine zumindest vorübergehende Verstaatlichung. Allerdings wächst der Unmut breiter Bevölkerungsgruppen, dass große Banken in der Lage sind, demokratisch gewählte Regierungen mittelbar erpressen zu können.
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Prof. Dr. Andreas Nölke

Prof. Dr. Andreas Nölke

Andreas Nölke ist Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen und Internationale Politische Ökonomie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.


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