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16.1.2012

Internationaler Währungsfonds und Weltbankgruppe

Internationaler Währungsfonds (IWF) und Weltbank wurden 1944 auf der Konferenz von Bretton Woods gegründet. Zwar haben sich die Aufgaben der Organisationen seitdem geändert, sie spielen jedoch nach wie vor eine zentrale Rolle im globalen Wirtschaftssystem - und rufen Kritiker auf den Plan.

Jim Yong Kim, seit Juli 2012 Präsident der Weltbank-Gruppe, bei einem Treffen mit dem brasilianischen Wirtschaftsminister im April 2012. (© picture-alliance/AP)


Der Internationale Währungsfonds (IWF; engl.: International Monetary Fund, IMF) wurde im Juli 1944 in Bretton-Woods (USA) als Sonderorganisation der Vereinten Nationen (UNO) gegründet. Der IWF war der Kern des Währungssystems der westlichen Welt in der Nachkriegszeit. Nach der Weltwirtschaftskrise und dem Zweiten Weltkrieg waren der internationale Handel, Direktinvestitionen und Kapitalverkehr zusammengebrochen. Die Währungen der Länder (mit Ausnahme des US-Dollars) waren nicht mehr untereinander austauschbar (nicht konvertibel), sondern nur noch Zahlungsmittel im Inland.

Mit der Gründung des IWF wurde das Ziel verfolgt, für den Wiederaufbau der Weltwirtschaft eine funktionsfähige neue Währungsordnung zu schaffen. Als Ankerpunkt kamen nur die USA in Betracht: sie waren nach dem Zweiten Weltkrieg die bei weitem dominierende Wirtschaftsmacht, der Dollar war hoch begehrtes internationales Zahlungsmittel. Ziele des IWF waren zunächst Der Dollar wurde zur Leitwährung eines Währungssystems, das nach dem Gründungsort auch „Bretton-Woods-System“ genannt wurde. In den Fünfziger- und Sechzigerjahren erwies es sich als effizientes System zur Finanzierung des rasch wachsenden Welthandels. Der IWF stellte den Mitgliedsländern notwendige internationale Liquidität (Dollars, später auch Sonderziehungsrechte) zur Finanzierung von Importen zur Verfügung, mit denen sie ihre Wirtschaft aufbauten.

Währungskredite und Dollarabflüsse durch das zunehmende Handelsbilanzdefizit der USA sorgten für internationale Liquidität. Die internationale Verfügbarkeit von Dollars begünstigte Handel und Tourismus und ermöglichte Direktinvestitionen und Kreditaufnahme von Banken auf internationalen Finanzmärkten. Zur Erweiterung der finanziellen Möglichkeiten des IWF wurden ab 1969 Sonderziehungsrechte (Special Drawing Rights, SDR) geschaffen, ein „Kunstgeld“, das ausschließlich für Zahlungen der Zentralbanken untereinander verwendet werden kann.

Scheitern des Bretton-Woods-Systems



Ab Mitte der Sechzigerjahre geriet das Bretton-Woods-System zunehmend in Schwierigkeiten und ist schließlich gescheitert. Wichtigste Ursache war, dass die Spielregeln eines Systems fester Wechselkurse immer häufiger nicht eingehalten wurden: Länder mit Zahlungsbilanzdefiziten (bspw. USA, Großbritannien) waren nicht bereit, notwendige binnenwirtschaftliche Anpassungsmaßnahmen (Zinsanhebung, Steuererhöhungen) bzw. – das wäre die Alternative – eine Abwertung ihrer Währung vorzunehmen.

Länder mit Zahlungsbilanzüberschüssen (bspw. Deutschland) weigerten sich, binnenwirtschaftlich mehr Inflation zuzulassen bzw. – die systemkonforme Alternative – ihre Währung gegen den Widerstand der Exportwirtschaft aufzuwerten. Anpassungen des Wechselkurses wurden hinausgezögert, bis sie schließlich durch große Spekulationswellen erzwungen wurden. Nach mehreren Währungskrisen zerbrach das Bretton-Woods-System und wurde ab 1973 durch flexible Wechselkurse zwischen den wichtigsten Weltwährungen ersetzt.

Veränderte Rolle des IWF



Damit änderte sich auch die Rolle des IWF. Er war nun nicht mehr Kern eines Währungssystems, sondern eine internationale Organisation, die sich um Zusammenarbeit in der Geld- und Währungspolitik der westlichen Industrienationen bemühte. Und die als „Feuerwehr“ mit Krediten und wirtschaftspolitischen Hilfspaketen Entwicklungsländer in wirtschaftlichen Krisensituationen (Zahlungsbilanzkrisen, Staatsbankrott) unterstützte, wie beispielsweise während der Asienkrise 1997/98 und der Argentinienkrise 2001/02. Seit der internationalen Finanzkrise 2007 bis 2009 ist ein erneuter Wandel zu beobachten. Der IWF soll sich nach Auffassung vieler Politiker und Experten zum Kern einer internationalen Finanzmarktordnung entwickeln.

Auf dem G-20-Gipfel 2010 in Toronto wurde eine Reform des IWF verabredet. (© AP)

Auf Gipfeltreffen der G20-Regierungschefs der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer wurden in diese Richtung weisende Beschlüsse gefasst. Der IWF und ein neu eingerichteter Financial Stability Board (FSB) überwachen die makroökonomischen Daten der Mitgliedsländer speziell mit Blick auf Finanzmarktrisiken.

Zur Krisenprävention soll ferner durch erweiterte Kreditlinien ein „Sicherheitsnetz“ aufgespannt werden. Und seit der Verschuldungskrise in mehreren Euroländern (seit 2010) wird der IWF wieder zum Kreditgeber und „Aufpasser“ über die Finanz- und Wirtschaftspolitik auch von Industriestaaten: Am Rettungspaket für Griechenland und am „Euro-Rettungsschirm“ ist der IWF jeweils mit ca. einem Drittel beteiligt, und er überwacht zusammen mit der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank die Finanzpolitik Griechenlands und anderer Euro-Länder.

Organisation des IWF



Der IWF wurde 1944 von 45 Nationen gegründet. Die Bundesrepublik Deutschland trat 1952 bei. 2012 hat er 187 Mitgliedsstaaten. Sitz des IWF ist Washington (DC). Er wird geleitet von einem geschäftsführenden Direktor (managing director). Traditionell wird der IWF von einem Europäer und die Weltbank von einem Amerikaner geleitet. Diese Aufteilung wird seit langem von asiatischen und lateinamerikanischen Mitgliedstaaten und von Nichtregierungsorganisationen (bspw. Attac) kritisiert.

Gegenüber den stärker werdenden Schwellenländern wird sie sich kaum länger durchhalten lassen, auch wenn der Chefsessel noch einmal an Europa ging: Seit Juli 2011 steht erstmals eine Frau an der Spitze des IWF, die ehemalige französische Finanzministerin Christine Lagarde. Organe des IWF sind der Gouverneursrat, das Exekutivdirektorium, der Internationale Währungs- und Finanzausschuss (IMFC), der Entwicklungsausschuss; neu ist der bereits erwähnte Financial Stability Board (FSB).

Demonstranten protestieren im September 2003 in Buenos Aires gegen die IWF-Politik gegenüber Argentinien. (© AP)

Wichtigstes Beschlussgremium ist der Gouverneursrat. Er wählt auch den Managing Director. Im Gouverneursrat ist jedes Mitgliedsland durch einen Gouverneur und einen stellvertretenden Gouverneur (in den Regel der Finanzminister und den Notenbankchef) vertreten. Das Stimmrecht der einzelnen Staaten ist unterschiedlich; es richtet sich – vereinfacht – nach der finanzwirtschaftlichen Bedeutung eines Landes und muss deshalb im Laufe der Zeit veränderten Entwicklungen angepasst werden. Dies geschieht allerdings nur mit erheblichen Verzögerungen. Im Januar 2011 verfügten die USA über 16,74 % der Stimmen, Japan 6,01 %, Deutschland 5,87 %, Großbritannien und Frankreich jeweils 4,85 %, China 3,65 %, Italien 3,19 % usw. Da wichtige Entscheidungen im IWF 85 % Zustimmung erfordern, können die USA allein, aber auch die EU-Länder gemeinsam, Beschlüsse verhindern (Sperrminorität).

Ziele des IWF sind: Staaten, die aufgrund von Zahlungsbilanzdefiziten ihren internationalen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können, oder Länder (wie aktuell Griechenland), die aufgrund überbordender Staatsverschuldung auf internationalen Kapitalmärkten keine Kredite mehr erhalten (oder nur zu astronomischen Zinsen), können unter bestimmten Bedingungen Kredite vom IWF erhalten. Der IWF erarbeitet für das betreffende Land spezifische Strukturanpassungsprogramme. Sie enthalten Auflagen für die Finanz- und Wirtschaftspolitik des Landes (Konditionalitäten), deren Einhaltung überwacht wird. Solche Bedingungen können beispielsweise sein: Kürzung von Staatsausgaben und/oder Steuererhöhungen zum Abbau der Staatsverschuldung, Bekämpfung der Inflation, Reformen des Bankwesens, Privatisierung von Staatsbetrieben, Effizienzsteigerung in Verwaltung und Beamtenapparat, Liberalisierung des Arbeitsmarktes etc.

Darüber hinaus unterstützt der IWF durch Beratung und mit speziellen „Fazilitäten“ (Krediten) Wachstumsprojekte von Entwicklungsländern. Auch hier ist die Kreditvergabe an Bedingungen (Good Governance, Korruptionsbekämpfung, Demokratie) und Maßnahmen zur Strukturanpassung geknüft wie Kürzungen bei Staatsausgaben und Sozialleistungen und Liberalisierung von Märkten.

An solchen Auflagen für Kredite an Entwicklungsländer entzündet sich die Kritik von Nichtregierungsorganisationen am IWF. Die geforderten Sparprogramme und Einschnitte in Sozialprogramme seien für die Menschen in Entwicklungsländern unzumutbar und für das Wachstum schädlich. Allzu oft seien in der Vergangenheit – ohne nähere Kenntnis der spezifischen Gegebenheiten des jeweiligen Landes – Programme auferlegt worden, die vielleicht für entwickelte Staaten geeignet seien, in einem Land mit unterentwickeltem Finanz- und Geldwesen und anderen sozialen Strukturen hingegen nicht. Solche Programme seien auch der Dominanz der Industrieländer, insbesondere der USA, in den Entscheidungsgremien des IWF geschuldet. Der IWF sei ein Instrument der reichen Länder. Im IWF müsse deshalb das Stimmengewicht der Schwellen- und Entwicklungsländer gestärkt („demokratisiert“) werden.

Kritik am IWF gibt es aber auch von Ökonomen, die eher dem mainstream zugeordnet werden. Dem IWF wird zu großzügige Kreditvergabe vorgeworfen. Dies verleite Schuldnerländer zu weiterem Fehlverhalten und ermutige auch andere zum Schuldenmachen (moral hazard). Auch wird die Vermischung von Währungs- und Entwicklungspolitik kritisiert. Letztere gehöre nicht in den IWF, sondern ist Aufgabe der Weltbank.

Die Weltbank-Gruppe



Die Zentrale der Weltbank in Washington. (© AP)

Auch die Weltbank wurde 1944 in Bretton Woods als Sonderorganisation der UNO gegründet. Auch sie hat ihren Sitz in Washington (DC). Aufgabe der Weltbank war zunächst die finanzielle Unterstützung des Wiederaufbaus der vom Krieg zerstörten westeuropäischen Staaten. Heute obliegt ihr die Förderung von Entwicklungsländern. Die Weltbank-Gruppe umfasst fünf Organisationen:







Gemeinsames Ziel der Weltbankgruppe ist wirtschaftliche Hilfe für Entwicklungsländer durch finanzielle Unterstützung, Investitionsförderung und fachliche Beratung. Die IBRD vergibt langfristige Kredite zu marktnahen Konditionen. Die IDA unterstützt vor allem die ärmsten Entwicklungsländer: Aus Entwicklungshilfegeldern der wohlhabenden Mitgliedsstaaten finanziert sie zinslose Darlehen und Zuschüsse für Investitionsprojekte. Die IFC fördert insbesondere Projekte im privaten Sektor von Entwicklungsländern, und die MIGA dient zur Absicherung von Investitionsrisiken für ausländische Investoren in Entwicklungsländern. 2008 hat die Weltbankgruppe insgesamt Kredite, Zuschüsse, Beteiligungen und Investitionen in Höhe von 38 Milliarden US-Dollar an Entwicklungsländer und private Investoren vergeben. Ihr jährlich erscheinender Weltentwicklungsbericht (World Development Report) ist eine wichtige Quelle zur Entwicklungshilfepolitik.

Organe der IBRD (wie auch der anderen Institutionen) sind der Gouverneursrat aus Regierungsvertretern der Mitgliedsländer, das Exekutivkomitee und der Präsident der Weltbank (seit Juli 2012 der US-Amerikaner Jim Yong Kim). Die Stimmrechte im Gouverneursrat richten sich nach den Kapitalanteilen der Mitgliedsstaaten (USA 15,85 %, Japan 6,84 %, China 4,42, %, Deutschland 4 %, Großbritannien und Frankreich je 3,75 %). Die Kapitalgeber haben sich auch in dieser Organisation maßgeblichen Einfluss (Sperrminorität 15 %) gesichert.

Die Weltbank-Gruppe ist heute die wichtigste Einrichtung multilateraler staatlicher Entwicklungshilfe. Kritiker bemängeln die Dominanz der Kredit gebenden Industrieländer. Nach ihrer Meinung dienten die Kredite, Investitions- oder Rohstoffprojekte häufig eher der Markterschließung oder Rohstoffversorgung für die Industrieländer als den Interessen der Bevölkerung in den Entwicklungsländern. Insbesondere habe die Weltbank die Förderung der einheimischen Landwirtschaft und der ländlichen Strukturen vernachlässigt. In Zukunft solle (noch) stärker darauf geachtet werden, dass Arbeitsplätze entstehen und die Grundversorgung der Bevölkerung verbessert werde. Auch das Kriterium „gute Regierungsführung“ solle bei der Projektauswahl eine stärkere Rolle spielen.

Weitere Informationen zu IWF: www.imf.org und Weltbank: www.worldbank.org.
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Prof. Dr. Klaus-Peter Kruber

Prof. Dr. Klaus-Peter Kruber

Klaus-Peter Kruber ist Professor für Wirtschaft und Didaktik an der Christian-Albrechts-Universität Kiel.


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