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Ob und auf welche Weise die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen, allen voran der Holocaust und der Vernichtungskrieg im Osten, in eine Beziehung zu kolonialen Genoziden und Gewalttaten gesetzt werden können oder sollten, ist in der Geschichtswissenschaft umstritten. Der Antisemitismusforscher Steffen Klävers rekonstruiert verschiedene Ansätze der Holocaustforschung, mit denen - einer postkolonialen Perspektive folgend - in den vergangenen Jahren postuliert wurde, eine vergleichende Bezugnahme auf koloniale Gewaltverbrechen könne zu einem besseren Verständnis der Shoah beitragen. In der Tat ließen sich, so Klävers, auf diese Weise einige Kontinuitäten etwa zwischen kolonialrassistischer und antisemitischer Ideologie und den mit ihnen verbundenen (Gewalt-)Praktiken ausmachen. Allerdings scheiterten solche Ansätze daran, die Differenz zwischen beiden in den Fokus zu nehmen. So sei der Antisemitismus der Nationalsozialisten wesentlich mit der wahnhaften Vorstellung verbunden gewesen, die Vernichtung der Jüdinnen und Juden würde zu einer Erlösung der deutschen "Volksgemeinschaft" führen. Nur wenn solche Zusammenhänge in den Blick gelangen, könne man verstehen, was den Holocaust von anderen Gewaltverbrechen der Moderne unterscheidet und ihn dadurch singulär macht.

Hier geht es zu SR 10745 Rothberg, Multidirektionale Erinnerung.


Autor: Steffen Klävers, Seiten: 250, Erscheinungsdatum: 01.10.2021, Erscheinungsort: Bonn, Bestellnummer: 10746

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