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Die Geschichte der Lebewesen ist immer schon dynamisch, sehr früh hat der Mensch hier eingegriffen: Tier- und Pflanzenzucht sind ein integraler Teil der Kulturgeschichte. Diese Prozesse verliefen allerdings langsam, allmählich. Seit der Entdeckung der Gene als Bauplan des Lebens vor über 60 Jahren ist etwas radikal anders geworden. Erfolgversprechende Gentherapien in der Medizin, Forschungen an Stammzellen und Embryonen zeigen, dass nun sogar der Mensch selbst zum Gegenstand gentechnischer Manipulationen wird. Damit geht es inzwischen um nichts weniger als die natürlichen Grundlagen des Menschseins. Die dem Kapitalismus eigene Tendenz, solche Prozesse großen Konzernen und Quasi-Monopolen zu übereignen, hatte bereits bei der Pflanzengenetik fatale Folgen. Auch die Erfahrungen mit der Big-Data-Industrie und ihrer am Profit orientierten Aneignung persönlicher Daten können ein Menetekel sein. Die Frage bleibt im Raum: Wem gehört das Leben? Die digitalen Technologien beschleunigen alle Prozesse enorm, gemeinsam mit dem drängenden Kapital verringern sie die Zeit, die den Gesellschaften gegeben ist, sich über Ziele und Tabus der Gentechnik zu verständigen. Wir brauchen den Mut zur Entwicklung, zur Nutzung der faszinierenden Möglichkeiten der Gentechnik. Doch wir brauchen auch den organisierten Willen zur Gestaltung und politischen Verantwortung. Ethikräte, parlamentarische Beratungen und Gesetzgebungen sind erste, vielversprechende Formen. Die Debatte muss aber viel breiter und stetiger werden, nur so kann sie rechtzeitig an die entfesselte Dynamik des wissenschaftlich-technischen Fortschritts aufschließen.


Herausgeber: bpb, Seiten: 52, Erscheinungsdatum: 27.09.2016, Erscheinungsort: Bonn, Bestellnummer: 5860

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