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Es kommt, wie es kommt. Allerdings ist es mit der sprichwörtlichen Gelassenheit nicht weit her, wenn es um die Zukunft geht. In unseren Gesellschaften ist die Prognose allgegenwärtig – das Verlangen zu wissen, was morgen sein wird, ein Massenphänomen. Das geht von wissenschaftlichen Studien über die Trendforschung bis hin zu magischen Praktiken, mit denen Millionen umgesetzt werden. Es ist ein Zeichen von Dynamik und der mit ihr verbundenen permanenten Unsicherheit.

Die Zukunft ist mitten unter uns. Wer heute zur Schule geht oder seine Ausbildung macht, kann in ein paar Jahren das Land regieren, Unternehmen führen, Entdeckungen machen oder die verfehlten Zukunftschancen öffentlich zur Debatte stellen. Vor 30 Jahren war Barack Obama nur ein ehrgeiziger College-Student unter vielen, die ihre Zukunft noch vor sich hatten. Heute trägt er Verantwortung für die Politik der Weltmacht USA und wird weltweit an deren Ergebnissen gemessen.

Wenn man wie fluter einen Streifzug durch die Zukünfte unternimmt, fällt dabei zweierlei auf: Wir wissen schon erstaunlich viel, aber der vorherrschende Zukunftshorizont ist extrem kurz. Die Methoden der Erkundung naher Zukunftsmöglichkeiten sind inzwischen sehr ausgefeilt und fast alltagstauglich. Ob demografische Entwicklung, Klimawandel oder Konsumtrends – die grundlegenden Entwicklungen der nächsten zehn Jahre sind kein Geheimnis. Wenn der risikobewusste Teil des Finanzkapitals bereit ist, in den massiven Ausbau von Solarenergie zu investieren, kann die Energiewende nicht weit sein. Wenn ein konservativer Staatspräsident nach Alternativen zum ökonomischen Wachstumsfetischismus suchen lässt, ist die zugrunde liegende Fragestellung im Mainstream angekommen. Auch demografische Entwicklungen, die in den nächsten Jahren wirksam werden, geben uns heute die Möglichkeit zu reagieren und die politische Debatte darüber zu führen. Und die Fortschritte der Biotechnologie sind jetzt schon eine Herausforderung für unsere ethische Konstitution.

Der Blick in die Schatzkammern unseres kulturellen Gedächtnisses zeigt aber auch die extreme Kurzsichtigkeit unserer Gesellschaft. Die Festplatten, auf denen wir unsere in Echtzeit vernetzte mediale Allgegenwart organisieren, sind nicht wirklich zukunftsfest. Jede Tontafel hält länger als ein USB-Stick. Die Überwindung dieser strukturellen Kurzatmigkeit ist eine der entscheidenden Zukunftsaufgaben.


Herausgeber: Bundeszentrale für politische Bildung, Seiten: 50, Erscheinungsdatum: Frühjahr 2010, Erscheinungsort: Bonn, Bestellnummer: 5834

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