zurück 
30.6.2014

Islamischer Religionsunterricht als Extremismusprävention

Ein Weg zum besseren Verständnis

Bernd Ridwan Bauknecht, Lehrer für islamischen Religionsunterricht in Bonn, spricht im World Café über Unterricht und Extremismusprävention. (© Tobias Vollmer/bpb)

Wissen um die eigene Religion fördern, die religiöse Artikulationsfähigkeit stärken, Reflexion aus der Innen- und Außenperspektive ermöglichen, um so einen interreligiösen Blick zu schaffen – das sind laut Bernd Ridwan Bauknecht, Religionspädagoge und Lehrer an einer Bonner Hauptschule, Kernaufgaben des islamischen Religionsunterricht, mit denen er auch ein Beitrag zur Extremismusprävention leisten kann. Islamischer Religionsunterricht wird in Nordrhein-Westfalen zurzeit als Modellversuch an 133 Grund- und Weiterbildungsschulen erprobt. Rund 10.000 muslimische Schülerinnen und Schüler nehmen daran teil. Laut Bauknecht biete er die Möglichkeit, neben der Familie und der Moschee eine dritte Säule zu errichten, um das Wissen um die eigene Religion zu fördern und vor allem die sprachliche Ausdrucksfähigkeit zu verbessern, die oftmals Grund für religiöse Missverständnisse sei. Als Beispiel nannte Bauknecht den Fall einer Schülerin, die aufgrund einer falschen Interpretation des arabischen Begriffs “taqwa", zu deutsch Gottesfurcht darauf bestand, dass man vor Gott Angst haben müsse. Allerdings besteht zwischen Gottesfurcht und Angst ein großer Unterschied, der u.a. im Unterricht geklärt werden kann. Eine genaue Klärung der religiösen Begriffe sei daher zentrale Aufgabe eines deutschsprachigen islamischen Religionsunterrichts.

Inhaltlich ähnelt der islamische Religionsunterricht in vielen Bereichen dem Lehrplan der katholischer oder evangelischer Religionslehre, etwa in Themen wie "Aufbruch: Miteinander leben" oder "Meine Clique und die anderen". Allerdings gebe es auch Islamkunde-spezifische Themen wie "Die Moschee – ein besonderes Haus" oder "Fasten im Ramadan". Bei der Koranauslegung betone der islamische Religionsunterricht die Ambiguität des Buches. Der Koran sei, so Bauknecht, als ein Buch des Lernens zu verstehen, das jedem einen persönlichen Zugang ermögliche.

In der anschließenden Diskussion kam die Frage auf, wie die Inhalte des Lehrplans von den Eltern der Schüler angenommen werden. Bauknecht berichtete von überwiegend positiven Reaktion der Eltern, die er vor allem darauf zurückführt, dass der Unterricht von Lehrerinnen und Lehrern übernommen werde, die selber islamischen Glaubens seien und somit über größere Glaubwürdigkeit verfügten. Eine andere Frage galt der religiösen Vorbildung der Schülerinnen und Schüler. Diese sei sehr unterschiedlich ausgeprägt, so Bauknecht. Es gebe Kinder, die sogar schon in der Grundschule Passagen des Korans auswendig könnten, es allerdings an Reflexionsfähigkeit vermissen ließen, andererseits gebe es auch Schülerinnen und Schüler mit wenig Vorbildung, dafür aber mit einer differenzierten Haltung zu den Glaubenssätzen.
Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln