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30.6.2014

Pädagogische Islamismusprävention in der Schule

Kurt Edler spricht im World Café über die Möglichkeiten pädagogischer Islamismusprävention an Schulen. (© Tobias Vollmer/bpb)

Die Schule ist ein zentraler Bestandteil der Lebenswelt junger Menschen. Das wissen auch islamistische Gruppen. Und so tummeln sie sich zunehmend im Umfeld von Schulen, um dort möglichst unauffällig Werbung für sich und ihre Ideologie zu machen. Für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer bedeutet dies zahlreiche Herausforderungen und potentielle Konflikte. Das hat auch die Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik e.V. (kurz DeGeDe) erkannt und sich deshalb verstärkt der pädagogischen Islamismusprävention in der Schule angenommen. Kurt Edler, Vorsitzender der DeGeDe, selbst jahrelang Lehrer und heute Referent an Hamburger Schulen zum Thema "konfrontative Religionsbekundung", erläuterte den mehrdimensionalen Ansatz des Vereins im Rahmen des Weltcafés. Im ersten Schritt geht es demnach für die Pädagogen darum, bestimmte Verhaltensmuster zu erkennen und dementsprechend zu deuten.

Zwar spielt Salafismus an den Hamburger Schulen, in denen Edler arbeitet, bislang nur vereinzelt eine Rolle. Aber es gibt dennoch viele andere Reibungspunkte und kleinere Konflikte, in denen es um Religion geht, wenn zum Beispiel Jungs im Klassenraum plötzlich nicht mehr neben Mädchen sitzen wollen, Schülerinnen und Schüler aus religiösen Beweggründen plötzlich nicht mehr am Sportunterricht teilnehmen oder mit zur Klassenfahrt fahren wollen. Dies sind jedoch nur einige von vielen anderen Verhaltensmustern, die Pädagoginnen und Pädagogen zu erkennen lernen müssten, so Edler. Weitere Anzeichen seien unter anderem eine plötzliche Veränderung des Kleidungsstils in Richtung religiöser Kleidung, Forderungen nach Gebetsräumen oder auch religiöses Mobbing bis hin zur Propaganda- und Rekrutierungstätigkeit.

Probleme gibt es allerdings nicht nur durch die potentiell konfrontative Religionsbekundung seitens der Schülerinnen und Schüler. Denn – und das sei laut Edler mindestens genauso wichtig – "wir müssen auch über die Diskriminierung von Muslimen sprechen, das ist ganz klar.” Viel zu oft würden Lehrerinnen und Lehrer aufgrund ihrer eigenen Religionsferne und fehlenden Sachkenntnis zum Thema Islam Ressentiments entwickeln. Mit einem Beispiel aus seiner Berufspraxis – "Wenn du das Kopftuch abnimmst, bekommst du noch eine drei minus" – verdeutlichte Edler seinen Zuhörern eindringlich, wie durch die auf beiden Seiten fehlende Empathie für die Lebenswelt des anderen ein potentiell explosives Konflikt-Klima in der Schule entstehen könnte. Solche und ähnliche Herausforderungen zu erkennen, gehört zum zweiten Schritt des Konzepts zur Pädagogischen Islamismusprävention der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik.


Im Anschluss an diese beiden analytisch-beobachtenden Schritte gibt die DeGeDe einerseits Handlungsempfehlungen für den täglichen Umgang der Lehrer mit ihren Schülern und behält andererseits auch die Leitungsebene von Schulen im Blick. Für die Lehrkräfte heißt dies konkret: Statt sich mit religionsaffinen Jugendlichen, die dem Islamismus zuneigen, in eine Debatte über Glaubensdogmen zu versteigen und diese zu kritisieren, sollten die Pädagogen lieber positiv argumentieren und sich um eine Stärkung demokratischer Haltungen bemühen. Außerdem sei es wichtig, den Jugendlichen anhand von Einzelfällen zu zeigen, was mit jungen Islamisten geschieht, wenn sie z.B. in den Krieg nach Syrien ziehen, um das Geschehen so für die Schüler begreifbar zu machen und mögliche Folgen ihres Handelns aufzeigen zu können. Auf der Leitungsebene von Schulen spielt Sensibilisierung eine mindestens genauso wichtige Rolle: So müssten schulinterne Lehrerfortbildungen zur Stärkung der pädagogischen Handlungskompetenz gefördert und Hilfsangebote von außen, wie sie beispielsweise die DeGeDe oder andere zivilgesellschaftliche Träger anbieten, stärker in Anspruch genommen werden.
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