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Veranstaltungsdokumentation (Dezember 2017)

Fachtagung "Grenzenloser Salafismus - Grenzenlose Prävention?"


Radikalisierung, politische Bildung und internationale Ansätze der Prävention

Während der Salafismus als Ideologie keine Ländergrenzen kennt, verharren die Präventionsansätze meist in den Nationalstaaten. Die Fachtagung nimmt eine Bestandsaufnahme der aktuellen Entwicklungen vor, fördert die internationale Vernetzung und regt den fachlichen Austausch an.


2015 wird die Ausreise in den sogenannten "Islamischen Staat" (IS) unter Strafe gestellt. Knapp ein Jahr später ereignet sich der erste Terroranschlag des IS auf deutschem Boden. Es werden Vereinsverbote verhängt, die nachrichtendienstliche und polizeiliche Überwachung wird ausgeweitet, die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden ausgebaut. Gleichzeitig sinken die Ausreisezahlen sowohl nach Syrien als auch in den Irak und der IS verliert Stellungen. Man könnte 2017 schlussfolgern, dass der Mythos des "Kalifats" erloschen ist und die Radikalisierungsprävention zu den Akten legen. Ein beliebiges Gespräch mit Schulen, Jugendarbeit oder Verwaltung zu den Stichworten Salafismus und Radikalisierung zeigt jedoch: Der Bedarf nach Präventionsprojekten und neuen Formaten der politischen Bildung ist weiterhin hoch.

Viele Ansätze der Radikalisierungsprävention sind allerdings umstritten: Wie viel theologisches Wissen braucht die politische Bildung? Wo hört Demokratieförderung auf und wo fängt die Einschränkung der Religionsfreiheit an? Wie umgehen mit durch den Krieg traumatisierten Rückkehrerinnen und Rückkehrern? Was fördert die psychische Resilienz? An welcher Stelle müssen die Beteiligten von Prävention zu Repression übergehen? Und wie kann ein Ausstieg aus der salafistischen Szene gelingen? Kaum eine Präventionsmaßnahme im Bereich des Salafismus ist bisher evaluiert. Es gibt keine allseits anerkannten Standards in der Präventionsarbeit und trotz einer verschärften Sicherheitslage bleibt Radikalisierung eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die nicht an Polizei und Nachrichtendienste abgeschoben werden kann.

Manche sehen in einer einheitlichen nationalen Präventionsstrategie den Schlüssel zu erfolgreicher Prävention. Andere halten in Zeiten, in denen es noch keine unangefochtenen Ansätze gibt, zunächst föderale Experimentierfelder für vielversprechender, auch um regionalen und lokalen Herausforderungen differenziert begegnen zu können. Was bei diesen Diskussionen manchmal untergeht: Andere europäische Länder stehen nun schon seit einigen Jahren vor denselben Herausforderungen und machen eigene Präventionserfahrungen. Dabei zeigen sich durchaus verheißungsvolle Resultate und – für die Konzeption von Maßnahmen mindestens ebenso wichtige – Beispiele des Scheiterns gut gemeinter Projekte im Praxistest.

Klar ist: Während der Salafismus als Ideologie keine Ländergrenzen kennt, verharren die Präventionsansätze meist in den Nationalstaaten.

Die Fachtagung am 04. und 05. Dezember 2017 in Mannheim nahm eine Bestandsaufnahme der aktuellen Entwicklungen vor. Mit dem Ziel, die Präventionslandschaft in Deutschland und Europa zu stärken, förderte sie die internationale Vernetzung und die Anregung eines fachlichen Austausches. Eingerahmt war sie mit 3 Plenarvorträgen, ihren Kern bildeten aber 21 Workshops zu verschiedenen Themen.

Bildergalerie

Bpb Leiterin des Fachbereichs „Extremismus“ Hanne Wurzel bei der BegrüßungsredeBpb Leiterin des Fachbereichs „Extremismus“ Hanne Wurzel und lpb Baden-Württemberg Fachreferent der Extremismusprävention Felix Steinbrenner geben den Auftakt zur FachtagungBpb Vizepräsidentin und Fachabteilungsleiterin Dr. Caroline Hornstein Tomić bei der EröffnungsredeEinleitende Überlegungen der bpb Vizepräsidentin und Fachabteilungsleiterin Dr. Caroline Hornstein TomićProf. Dr. Gilles Kepel von der Sciences Po Paris mit einem englischen Vortrag zum Thema „Salafismus und Dschihadismus in Deutschland und Europa – Aktuelle Trends“Prof. Dr. Gilles Kepel von der Sciences Po Paris über die Strukturen der salafistischen Szene und ihren WandelMilena Uhlmann und Dr. Harald Weilnböck mit ihrem Vortrag zum internationalen Stand der ExtremismuspräventionDr. Michael Kiefer mit einem Kommentar zu den Akteuren und Trägern der PräventionsarbeitDiskussion mit Milena Uhlmann, Dr. Harald Weilnböck und Dr. Michael KieferDer Vortrag von Milena Uhlmann, Dr. Harald Weilnböck und Dr. Michael Kiefer stößt auf rege Nachfrage im PublikumBpb Referent Resa Memarnia moderiert den Workshop „Globale Politik und Auswirkungen auf die Szene in Deutschland“ von Claudia Dantschke, Leiterin der Initiative HAYAT-Deutschland und Dr. Jochen Müller von ufuq.deLea Manjana Sold, Dr. Julian Junk, Patrick Frankenberger und Moderatorin Jana Kärgel lauschen einem Redebeitrag im Workshop „Islamistische Propaganda im Netz“Der Workshop „Netzwerke und Akteure: Der Anschlag am Breitscheidplatz“ wird von Moderator Alexander Kitterer und Referent Ulrich Kraetzer geleitet.„Kinder salafistischer Eltern“ stellte ein Thema dar, das auf breites Interesse des Publikums stieß.„Szenarienentwicklung Salafismus 2025: Randphänomen oder Welle der Gewalt?“: 	Dr. Benno Köpfer wagte einen Zukunftsausblick.Florian Endres und André Taubert sprachen über unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und die Rolle der Radikalisierung als Herausforderung für die Jugendhilfe.Die Radikalisierungshintergründe und- verläufe von Syrien/ Irak-Ausreiserinnen und Ausreisern war Thema in einem Workshop mit Dr. Uwe Kemmesies, Hazim Fouad und Moderatorin Sarah Bunk.Der Workshop „Psychologische Faktoren bei Radikalisierungsprozessen“ mit Kerstin 	Sischka, Dr. Nahlah Saimeh und Moderatorin Stefanie Beck konnte am ersten Tag großes Interesse wecken.Beim Europahopping am Abend stellte Frau Tarja Mankkinen das finnische Präventionsmodell dar.Erwin van Vlierberghe reiste für das Europahopping aus Belgien an.Das schweizerische Modell wurde von Flora Häfliger vorgestellt.Am Dienstagmorgen ging es unter anderem mit dem Workshop „Case Management und Clearingverfahren in der Schule“ weiter.Theologie vs. Sozialarbeit: David Aufsess und Matthias Schmidt stellen verschiedene Ansätze im Umgang mit Radikalisierten vor.Die Evaluation und Qualitätssicherung in der Präventionsarbeit wurden in einem Workshop mit Daniel Köhler und Prof. Dr. Kurt Möller sowie Moderation Stella Covaci aufgegriffen.Silke Baer und Moderator Lars Meierwisch zeigten sich als gutes Team im Workshop „Bräute für den Dschihad? Genderreflektierte Radikalisierungsprävention“.Die Rolle der Beratungsstellen als Teil der Prävention war Thema eines weiteren Workshops.Ethem Ebrem erläuterte inwieweit Antidiskriminierungsarbeit als Radikalisierungsprävention angesehen werden kann.Prävention und Deradikalisierung in Frankreich: Dr. Asiem El Difraoui berichtete wie gut Gemeintes schief gehen kann.Den Abschluss der Tagung bildete ein Vortrag von Bart Brandsma.Die Frage des Abschlussvortrags lautete: Wie kann Präventionsarbeit in Zeiten steigender Polarisierung gelingen?

Vorträge

Workshops

Weitere Interviews

Aus der Mediathek

Gilles Kepel mit einer Einschätzung zum Phänomen Salafismus in Europa


Aus der Mediathek

Milena Uhlmann über die Arbeit des BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge)

Beratungsstelle Radikalisierung des BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge)


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