zurück 
24.3.2017

Meinung: Roboter haben keine Verantwortung

Prof. Dr. Oliver Bendel am 27.07.2017

Der Wirtschaftsinformatiker Oliver Bendel ist für ein bedingungsloses Grundeinkommen, aber gegen eine Robotersteuer. Wie das zusammenpasst, erklärt er im Interview mit der Redaktion.

Roboter erleichtern unseren Alltag, sollen sie dafür auch Steuern bezahlen? Lizenz: cc by/2.0/de (CC, von Alex Knight)


Sie bezeichnen sich selbst als robolinks. Was verstehen Sie darunter?

Oliver Bendel: Mir fällt auf, dass wenn über die Automatisierung gesprochen wird, oft zu stark die Nachteile gesehen werden und nicht die Vorteile. Andererseits wird auch der Roboter selbst zu viel in die Verantwortung genommen. Ich glaube Probleme wie die ungerechte Verteilung, die vielleicht durch die Automatisierung noch verstärkt werden, bestehen schon lange. Ich bin kein Marxist, aber ich denke, in diesem Kontext hat Marx bereits einiges erkannt und zur Sprache gebracht. Letzten Endes geht es darum, die Gewinne, die weiterhin erwirtschaftet werden, gerecht zu verteilen und diese Gewinne werden mehr denn je mit Robotern erzielt werden. Ich würde davon abraten, jetzt zu sehr nach Schuldigen zu suchen und sie nur bei den Robotern zu erkennen.

i

Kurz und knapp zur Robotersteuer

Die Robotersteuer ist eine Ausprägung der Maschinensteuer, die man wiederum als Wertschöpfungsabgabe begreifen kann. Die Idee ist, den Betrieb respektive die Arbeit von Robotern (allenfalls von Agenten) in der Produktion und in anderen Bereichen zu besteuern und die Gelder entweder dem System der Sozialversicherung oder bspw. dem Bildungswesen zuzuführen. Auch eine Kopplung an das bedingungslose Grundeinkommen wird vorgeschlagen. Zugleich ist die Frage, ob im Gegenzug die Arbeit von Menschen steuerlich entlastet werden soll. (Springer Gabler Verlag (Herausgeber), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Robotersteuer)

Wie genau meinen Sie das?

Zunächst einmal halte ich Roboter für sehr hilfreich. Vor allem in den Fabriken können sie uns bei sehr anstrengenden Arbeiten unterstützen oder diese sogar übernehmen. Damit meine ich aber nicht, dass wir Fabriken voll automatisieren sollten.

Sie sprachen ja bereits die ungerechte Verteilung an, die sich durch die zunehmende Automatisierung noch weiter verschärfen könnte. Als Ausgleich schlagen manche eine Robotersteuer vor. Was halten Sie von dieser Idee?

Ich bin kein Anhänger der Robotersteuer. Zunächst einmal fällt auf: Das ist nichts Neues. Schon mein Vater hat mir erzählt, dass man unter den Studierenden in den 50er-Jahren über eine Maschinensteuer diskutiert hat. Heutzutage gibt es verschiedene Konzepte. Manche wollen die Arbeitskraft des Roboters mit einem fiktionalen Stundenlohn besteuern, manche wollen den reinen Besitz des Roboters besteuern. Da fangen für mich aber schon die Probleme an. Denn ich frage mich: Was genau soll besteuert werden? Welcher Roboter soll besteuert werden? Es gibt ja "Hardware-Roboter", wie sie in der Fabrik üblich sind. Aber es gibt auch "Software-Roboter", wie zum Beispiel Algorithmen oder Crawler. Soll man die auch besteuern? Welche Art von Arbeit soll besteuert werden? Bei Kooperationsrobotern geht die Arbeit Hand in Hand mit dem Menschen und es wird sehr schwer zu sagen sein, wie viel der Roboter und wie viel der Mensch nach einer Stunde erledigt hat. Außerdem könnte die höhere Besteuerung Innovationen hemmen, da sich vielleicht manche Betriebe dann gegen den Einsatz von Robotern entscheiden. Aus diesen Gründen halte ich es für schwierig, eine Robotersteuer auch wirklich umzusetzen. Aber ich bin dennoch dafür, dass man diesen Ansatz diskutiert.

Können Sie eine Alternative anbieten?

Ich bin ein Sympathisant des bedingungslosen Grundeinkommens. Dafür hätte ich auch eine Variante anzubieten, die ist allerdings noch nicht ganz ausgereift. Man könnte nicht nur über ein Grundeinkommen nachdenken, sondern auch über ein bedingungsloses Grundeigentum. Wir werden auf die Welt geworfen und die Welt ist schon aufgeteilt und man könnte darüber nachdenken, ob jeder, der auf die Welt kommt, eine Art Willkommensgeschenk erhält.

Ihr Kommentar:

(*) Diese Felder sind Pflichtfelder

Ihr Kommentar wird von der Redaktion geprüft und dann freigeschaltet


Captcha



Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln