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9.12.2016

Leitmedium Fernsehen?

Wie prägt Fernsehen die öffentliche Kommunikation und welchen Stellenwert hat es gegenwärtig? Ist es noch ein Leitmedium? Insbesondere junge Menschen bevorzugen inzwischen in fast allen für sie relevanten Lebensbereichen das Internet.

Apollo 11 – die erste bemannte Mondlandung im Juli 1969. (© picture-alliance/dpa)



Einleitung: Bilder im Kopf

Die Zahlenfolge "9-11" löst bei den allermeisten Menschen die gleiche Reaktion aus: Sie sehen bestimmte Bilder vor sich. Sie sehen, wie sich ein Flugzeug in einen Wolkenkratzer bohrt, aus dem dann ein Feuerball austritt. Und beim Stichwort "Mauerfall" erinnern sich die meisten Deutschen an Bilder, auf denen Trabi-Kolonnen durch ein Spalier applaudierender Menschen fahren oder auf denen sich Menschen auf der Berliner Mauer drängeln. Bei "Mondlandung" denken die meisten Älteren daran, wie sie 1969 die erste Mondlandung nachts am Fernsehen verfolgt haben. Viele von ihnen erinnern sich beim Stichwort "Wembley-Tor" an den Ausschnitt in Zeitlupe aus der Übertragung des Endspiels der Fußball-Weltmeisterschaft 1966. Sie entsinnen sich auch, wie erbittert darüber debattiert wurde, ob nun ein Tor oder kein Tor zu erkennen gewesen sei.

Alle diese Bilder haben wir ursprünglich im Fernsehen wahrgenommen. Das Fernsehen prägt die Bilder im Kopf, und zwar nicht nur die Standbilder, sondern auch die bewegten Bildsequenzen, die sich vor unserem inneren Auge abspielen. Wir erinnern uns sowohl an den ersten Fußabdruck des Astronauten im Mondstaub als auch an die Ruckelbilder, auf denen seine ersten Schritte auf dem Mond zu sehen sind.

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Bild-Ikone

Ursprünglich aus dem Griechischen stammend, ist eine Ikone eigentlich eine besondere Form kirchlicher Kult- bzw. Heiligenbilder. Im umgangssprachlichen Gebrauch wird unter einer Ikone dagegen eine Person oder Sache verstanden, die stellvertretend für eine bestimmte Zeit oder ein Lebensgefühl steht (Stil-Ikone). Bild-Ikone betont demgegenüber die Verdichtung eines Zeit- oder Lebensgefühls bzw. eines besonderen historischen Moments in einem durch moderne technische Verfahren entstandenen Bild (analoge und digitale Fotografie, Fernseh- bzw. Filmaufnahme). Solche Bild-Ikonen ragen aus der alltäglichen Bilderflut heraus und gehen stellvertretend für die Zeit oder das Ereignis in das kollektive Gedächtnis über.

Leitfrage: Ist das Fernsehen noch das Leitmedium der öffentlichen Kommunikation?

Unser kollektives Gedächtnis ist durch Fernsehbilder geprägt, durch Ereignisse, die sich durch das Fernsehen eingebrannt haben. Das Fernsehen formt also unsere gemeinsame Erinnerung ebenso wie unser Erleben der Gegenwart und unseren Blick in die Zukunft. Man kann sogar sagen, dass es unsere Weltsicht insgesamt prägt: Das, was wir mit sehr vielen Anderen teilen, entnehmen wir dem Fernsehen. Unsere Vorstellungen von Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und Lebenswelt sind vom Fernsehen bestimmt, so wie es die Vorstellungen der Generationen zuvor vom Hörfunk und von der Presse waren.

Aber neigt sich das Fernsehzeitalter nicht seinem Ende zu? Haben die originären Fernsehbilder noch das Gewicht, das sie vor zehn Jahren hatten? Wird das Fernsehen inzwischen nicht durch das Internet überholt, so wie das Fernsehen den Hörfunk als Leitmedium abgelöst hat und der Hörfunk zuvor wiederum die Presse? Unsere Leitfrage lautet also: Ist das Fernsehen noch das Leitmedium der öffentlichen Kommunikation?

Diese Frage klingt auch ohne das "noch" skeptisch. Es ist schon ein Teil der Antwort, dass diese Frage überhaupt erst gestellt wird: Die Position des Fernsehens in der öffentlichen Kommunikation ist bereits nicht mehr selbstverständlich, so wie einst auch die Fotoreportagen der Zeitschrift Stern oder die Sportübertragungen im Hörfunk nicht mehr selbstverständlich das öffentliche Erleben geprägt haben.

Was verstehen wir unter einem Leitmedium?

"Leitmedium" ist eine soziale Konstruktion, also eine gesellschaftlich übereinstimmend getroffene Zuschreibung. Sie beinhaltet die Zuschreibung einer Leitungsfunktion für die öffentliche Kommunikation. Dies kann man nach Aspekten, Ebenen, Prozessen Räumen und Zeiträumen differenzieren und damit konkretisieren [1].

Die Zuschreibung "Leitmedium" erfolgt unter verschiedenen Aspekten, aus denen sich jeweils andere Wirkungsbereiche ergeben: Diese Zuschreibungen von Teilfunktionen ziehen Handlungen und Entscheidungen nach sich, beispielsweise die Zuwendung von Aufmerksamkeit oder die Ausstattung mit Ressourcen.

Dabei können Ebenen des Medienangebots und damit Urheber der Leitwirkung unterschieden werden: Zu unterscheiden sind außerdem die Prozesse, durch die eine Leitfunktion ermöglicht wird, die Wirkungsmechanismen, die ein Leitmedium auszeichnen: Eine weitere Unterscheidung ist die nach dem Raum, für den eine Leitfunktion zugeschrieben wird: Das Leitmedium ist ein variabler Begriff

Zuletzt ist bei dem Konzept des Leitmediums zu berücksichtigen, dass dies keine festgefügte Zuschreibung ist, sondern in der Zeit variiert. In diesem Wandel ergibt sich keine scharfe Ablösung des einen Leitmediums durch ein anderes; vielmehr ergeben sich gleitende Übergänge mit sehr langen Fristen. Leitmedien, die ihre Leitfunktion verloren haben, sind trotzdem noch lange von Bedeutung. So genießt das Buch nach wie vor eine enorme kulturelle Wertschätzung, obwohl es nur noch von sehr begrenzter Bedeutung für die öffentliche Meinungsbildung ist. Ein Leitmedium muss sich ständig aktualisieren und die veränderlichen Ansprüche an ein Leitmedium erfüllen, um Leitmedium bleiben zu können. Diese Vielzahl von Facetten können wir nur am Rande berücksichtigen, wenn wir im Folgenden erörtern, ob Fernsehen noch das Leitmedium ist.

Was verstehen wir unter Fernsehen?

Fernsehen ist der Inbegriff des Massenmediums, also eines Mediums, das es einem Kommunikator ermöglicht, mit einer hohen Effizienz standardisierte Kommunikate (Informationsträger) an eine unbegrenzte Zahl von Rezipienten zu verbreiten. Diese wissen zwar voneinander, kennen sich aber nicht. Fernsehen ermöglicht in einem vorher nicht gekannten Maße eine Selbstbeobachtung der Gesellschaft und eine Strukturierung ihrer Kommunikation. Das wiederum hat Folgen für alle gesellschaftlichen Bereiche – von der Politik bis zur Lebenswelt. Entsprechend intensiv sind die Auseinandersetzungen um den Zugang zum Fernsehen und um seine Regulierung [3].

Spezielles Kennzeichen des Massenmediums Fernsehen ist dass es die Eigenschaften der vorher dominierenden Massenmedien Presse, Radio und Film gesteigert und miteinander kombiniert hat. Schon Fernsehen ist bereits ein Hybridmedium [4], weil es die Eigenschaften von Hörfunk (Aktualität), Film (Multimedialität) und Presse (journalistische Professionalität) kombiniert.

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Das Fernsehen

Fernsehen zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:
  • Sehr hohe Werte bei der Publizität, weil es einen unbegrenzten Zugang bietet.
  • Sehr hohe Werte bei der Aktualität, da technisch eine Berichterstattung in Echtzeit möglich wurde.
  • Sehr hohe Werte bei der Effizienz in der Signalverbreitung, sofern die grundlegenden technischen und organisatorischen Voraussetzungen bei Produktion, Distribution und Konsumtion geschaffen worden sind.
  • Im Hinblick auf die Periodizität des Angebots ist Fernsehen gekennzeichnet durch die Linearität des nach einem festen Sendeplan geordneten Programms und seines zeitgleichen Empfangs.
  • Bei der Universalität der Inhalte ist für Fernsehen die Kombination von Information, Unterhaltung und Bildung kennzeichnend.
  • Die Interaktivität zwischen Kommunikator und Rezipient ist gering.
  • In der Nutzung ist wenig Spielraum gegeben.
  • Die Produktion des Fernsehangebots erfordert eine hohe Professionalität der beteiligten Kommunikatoren und komplexe Organisationsstrukturen, insbesondere in Gestalt von fachlich und hierarchisch gegliederten Redaktionen.
  • Im Hinblick auf die Territorialität spielen natürliche Grenzen nur eine geringe Rolle für die Verbreitung; insofern ist die Metapher des "globalen Dorfs" gerechtfertigt (vgl. McLuhan 1968a, 1968b).

Das Medienrecht braucht eine scharfe Abgrenzung von Fernsehen und Nicht-Fernsehen aus der Angebotsperspektive[5]. Im kommunikationswissenschaftlichen Kontext ist es daher hilfreicher, verschiedene Abstufungen von Fernsehen zu unterscheiden: Je mehr die genannten Eigenschaften auf eine Kommunikation zutreffen, desto gerechtfertigter ist es, diese Kommunikation als "Fernsehen" zu bezeichnen. Je linearer beispielsweise ein Medienangebot produziert und rezipiert wird, desto mehr kann das als "Fernsehen" bezeichnet werden. Daraus ergibt sich ein komplexer Begriff des Fernsehens, der auf die vielen Phänomene der heutigen Medienkommunikation angewendet werden kann: von der zeitversetzten Nutzung der "Tagesschau" über das Weiterleiten von TV-Schnipseln in Sozialen Online-Netzwerken bis zum Publizieren von Videos durch Privatpersonen.

Fernsehen kann nach verschiedenen Gesichtspunkten differenziert werden:

Aufstieg des Fernsehens zum Leitmedium

Die Entwicklung zum Leitmedium kann an der Diffusionskurve in Deutschland abgelesen werden (eine Diffusionskurve beschreibt den Zeitablauf z. B. einer Produktverbreitung bzw. -nutzung). Deutlich wird, dass ab Mitte der 1960er Jahre das Fernsehen in mehr als der Hälfte der deutschen Haushalte empfangen wurde und damit die öffentliche Kommunikation zu prägen begann (siehe Abb. unten).

Diffusion der Fernsehnutzung in der Bundesrepublik Deutschland (PDF-Icon Grafik zum Download) Quelle: Köcher/Bruttel 2011, S. 15; vgl. auch Krüger 1997. Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Grafik zu öffnen. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)



Die Ursachen für die schnelle Durchsetzung des Fernsehens waren folgende: So hat sich mit der Zeit eine beeindruckende Dauer des Fernsehkonsums entwickelt (siehe Abb. unten).

Entwicklung der durchschnittlichen Fernsehdauer pro Tag, Zuschauer ab 14 Jahren, in Minuten. Quelle: Reitze/Ridder 2011, Engel/Breunig 2015, S. 312. Bis 1990 nur Darstellung der alten Bundesländer. (PDF-Icon Grafik als PDF zum Download) Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Grafik zu öffnen. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)



Die Durchsetzung des Fernsehens hatte zur Folge, dass sich die Mediennutzung insgesamt veränderte und die herkömmlichen Massenmedien an Boden verloren. Das Kinosterben und die Einstellung zahlreicher Publikumszeitschriften in den 60er Jahren sind deutliche Indizien dafür. Aber die herkömmlichen Medien konnten sich dann behaupten, wenn sie sich an die veränderten Bedingungen anpassten und ihr Profil veränderten: Ein Teil der herkömmlichen Medien wurde also durch das Fernsehen substituiert (ersetzt) und hatte sich zunehmend einzuschränken. Ein anderer Teil wurde zur Komplementarität (durch ergänzende Umorientierung) gezwungen und musste sich ein verändertes Profil aufbauen.


Prägung der öffentlichen Kommunikation durch das Fernsehen

"Wer sich mit wem wie eng verbunden fühlt, ist zu einem guten Teil auf das Fernsehen zurückzuführen." (© picture-alliance/Rainer Hackenberg)



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Überblick

Wie prägt das Fernsehen die öffentliche Kommunikation?

Hier werden fünf Wirkungsvermutungen unterschieden, die im Folgenden ausgeführt werden:
  1. Fernsehen strukturiert den Alltag in zeitlicher, inhaltlicher und sozialer Hinsicht.
  2. Fernsehen beeinflusst die politische Meinungsbildung.
  3. Fernsehen dominiert die öffentliche Kommunikation in ökonomischer Hinsicht.
  4. Fernsehen prägt den Journalismus.
  5. Fernsehen bildet den Schwerpunkt der Medienbeobachtung.

Strukturierung des Alltags durch das Fernsehen

Das Fernsehen prägt den Alltag der Menschen vor allem durch eine zeitliche Strukturierung, und zwar des Tages, der Woche und des Jahres. Dies geschieht insbesondere bei Personen, deren Alltag ansonsten schwach strukturiert ist, da sie beispielsweise nicht (mehr) im Arbeitsprozess stehen. Eine inhaltliche Strukturierung der Kommunikation im Alltag geschieht vor allem dadurch, dass das Fernsehen kontinuierlich und in breitem Umfange für Anschlusskommunikation sorgt. Dafür ist Fernsehen besonders geeignet, da die Chancen hoch sind, bei anderen auf ein gemeinsames Reservoir von Medienerlebnissen zu treffen. Durch die besondere Überzeugungskraft bewegter Bilder vermag das Fernsehen persuasive (überredende) Qualitäten zu entwickeln und kann nicht nur Fakten, sondern auch Denkmuster vermitteln und damit Einstellungen beeinflussen. Die große Verbreitung und die starke Bindung haben eine Angleichung der Weltbilder zur Folge ("Kultivierung", Gerbner 1969). In welchem Maße das Fernsehen das Wissen, Meinen, Wollen und Reden der Menschen substantiell prägt, kann dadurch belegt werden, dass Fernsehen nach wie vor als wichtigste Informationsquelle genannt wird [7].

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Kultivierung

Die Kultivierungshypothese besagt, dass die Wahrnehmung und damit auch Bewertung der Lebenswelt von Personen, die viel fernsehen, stark durch die Fernsehinhalte geprägt wird. Dies kann zu starken Abweichungen von der Realität führen (z. B. ständige Angst vor Gewalt und kriminellen Übergriffen).

Die soziale Strukturierung der Kommunikation durch das Fernsehen ergibt sich aus gegenläufigen Prozessen der Integration und Differenzierung. Wer sich mit wem wie eng verbunden fühlt, ist zu einem guten Teil auf das Fernsehen zurückzuführen.

Einerseits sorgt das Fernsehen durch seine große Reichweite für eine Homogenisierung, denn das Angebot einer Agenda und eines Deutungsmusters für aktuelle Probleme wirkt integrativ. Die Fernsehübertragung von großen Sportereignissen sorgt für Publika, die praktisch alle einschließen [8]. In abgestufter Form sind solche Reichweiten auch bei Kandidatenduellen im Vorfeld von Wahlen der Fall. Im Wahljahr 2013 waren unter den zehn meistgesehenen Einzelsendungen sechs Fußballübertragungen, drei "Tatort"-Folgen und das TV-Duell Merkel-Steinbrück auf Platz 2. An der Spitze stand das Finale der Champions League zwischen Borussia Dortmund und Bayern München, das von 21,61 Millionen Zuschauern im ZDF verfolgt wurde [9]).

Auf der anderen Seite erlaubt das Fernsehen durch die Vielfalt von Sendern und Sendungen eine Differenzierung von Gruppen, die sich über eine enge Bindung an einzelne Formate und ihre intensive Nutzung definieren. Und nicht zuletzt werden durch den gemeinsamen Empfang im privaten Bereich (Familie, Nachbarschaft, Freundeskreis) oder im öffentlichen Bereich (Public Viewing) Gemeinschaften gestiftet [10].

Prägung der politischen Meinungsbildung

Dieser Aspekt ist in der Wahrnehmung des Fernsehens von besonderer Bedeutung: Dem Fernsehen wird ein erheblicher Einfluss auf die politische Meinungsbildung zugeschrieben und darüber dann auf die politischen Entscheidungen. Dies beginnt bei den Themen. Zwar wird dem Fernsehen weniger zugerechnet, dass es Themen setzt, indem es Probleme aufdeckt. Aber es sorgt dafür, dass Themen aus Pressemedien eine weite Verbreitung finden (Agenda Setting [11]).

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Prägung der politischen Meinungsbildung

Einzelne Positionen können vom Fernsehen so verbreitet werden, dass sie eine politische Bedeutung gewinnen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn entsprechende Bewegtbilder veröffentlicht werden, z. B. in kriegerischen Auseinandersetzungen. Davon sind Sympathien und Antipathien stark bestimmt.

Kandidaten bei Wahlentscheidungen setzen in hohem Maße auf das Fernsehen. Das Kandidatenduell im deutschen Fernsehen oder die Presidential Debates im US-amerikanischen Fernsehen sind die Höhepunkte im Wahlkampf. Von ihnen werden vor allem die noch Unentschlossenen beeinflusst.

Für den Einfluss auf die Meinungsbildung ist nicht nur die absolute Reichweite von Bedeutung. Sondern es ist auch wichtig, dass durch das Fernsehen die politisch wenig Interessierten erreicht werden, also diejenigen Gruppen, die ansonsten wenig in politische Kommunikation eingebunden werden. Dies ist vor allem deswegen der Fall, weil dem Fernsehen durch das visuelle Element hohe Glaubwürdigkeit unterstellt wird.

Im Fernsehen ist für die politische Meinungsbildung eine Reihe von Formaten entwickelt worden. Wichtigstes Format sind die Abendnachrichten, deren Prototyp die "Tagesschau" ist. Das hohe Vertrauen, das diesem Format entgegengebracht wird, sorgt für ein großes Einflusspotential. Andere Formate sind die verschiedenen Journale der Nachrichtenredaktionen, die Reportage-Magazine mit politischem Schwerpunkt, die politischen Talk-Shows und nicht zuletzt Formate, denen eine politische Bedeutung nicht sofort unterstellt wird, wie Satiresendungen. Auch politisch relevante Themen in Unterhaltungssendungen haben Einfluss auf politische Einstellungen.

Dominanz in der Ökonomie öffentlicher Kommunikation

Unter den Fernsehanbietern finden sich Organisationen von beeindruckender Größe. So beträgt das Gebührenaufkommen des WDR etwa 1,2 Milliarden EUR im Jahr [12]. Die RTL Group bilanzierte 2015 einen Umsatz von 6 Milliarden EUR [13]. Vergleicht man dies allerdings mit dem Umsatz von DAX-Unternehmen, wird die Größe relativiert. So erzielte die Deutsche Telekom im Jahr 2015 einen Umsatz von 69,2 Milliarden EUR [14]. Und die Zahl der Beschäftigten der RTL Group beträgt gerade einmal ca. 5 % der Zahl der Beschäftigten der Telekom.

Auch bei den Rezipienten relativiert sich die Bedeutung des Fernsehens in ökonomischer Hinsicht ebenfalls: Die Haushaltsgebühr für Fernsehempfang beträgt 17,50 € im Monat, für ein Sky-Abonnement "Sky Starter" sind 16,99 € zu entrichten [15]. Jeder Haushalt gibt aber durchschnittlich 61 € pro Monat für Post und Telekommunikation und 326 € für Lebensmittel und Tabakwaren aus (siehe Statistisches Bundesamt).

Der Fernsehproduktionsbereich insgesamt entspricht mit knapp über 1,8 Milliarden EUR im Jahr [16] in etwa dem Umsatz von Unternehmen wie der Otto-Tochter Hermes Europe GmbH [17]. Das liegt auch daran, dass der Fernsehmarkt ein nach wie vor stark national strukturierter Markt ist. Zwar werden Sendungen und Formate grenzüberschreitend gehandelt und manche Fernsehereignisse haben globalen Charakter, aber dies macht nur einen kleinen Prozentsatz des Programms und des Umsatzes aus.

Die entscheidende ökonomische Bedeutung bekommt das Fernsehen durch die Werbekraft, die ihm zugeschrieben wird und die sich in entsprechenden Aufwendungen niederschlägt. Auch dies ist sehr stark national strukturiert. Im Jahr 2015 entfielen 46,1 % der Bruttowerbeaufwendungen (2.986.329.000 €) auf Fernsehwerbung. Der Anteil ist in den letzten Jahren also gestiegen [18]:

Bruttowerbeaufwendungen 2006-2015

Anteil in Prozent

Werbeträger20062009201220142015
Fernsehen 41 42 43 4546
Zeitungen 26 23 19 1717
Publikumszeitschriften 21 15 14 1312
Internet - 8 11 1111
Sonstige Medien 12 12 13 1414
Gesamt 100 100 100 100100

Eigene Darstellung; Daten aus Media Perspektiven 1/2007-7/8/2015

Prägung des Journalismus

Quantitativ spielen die Fernsehjournalisten eine untergeordnete Rolle. Zwar hat sich der Anteil an den Journalisten in Deutschland seit der Ausweitung des Angebots stark vergrößert, dennoch waren 2005 lediglich 15 % aller Journalisten beim Fernsehen tätig [19]. Bei den Fernsehanbietern selbst bilden die Journalisten eine Minderheit gegenüber dem Personal mit technischen und betriebswirtschaftlichen Aufgaben.

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Daten über Journalisten

Daten zur Berufsstruktur von Journalisten in Deutschland sind grundsätzlich schwierig zu erheben. Das liegt vor allem daran, dass „Journalist“ keine geschützte Berufsbezeichnung ist. Die Grundgesamtheit aller Journalisten in Deutschland kann also kaum bestimmt werden. Eine Möglichkeit, zumindest einen Teil der Berufsgruppe zu erreichen, ist der Weg über die Journalistenverbände. Auch diese sind aber in der Regel nur bedingt bereit, ihre Mitglieder für Forschungszwecke anzuschreiben, geschweige denn, die Daten der Mitglieder an Forscher herauszugeben. Erschwerend kommt zusätzlich hinzu, dass Journalisten sehr häufig von Forschern und Studierenden für Studien kontaktiert werden, was ihre Antwortbereitschaft senkt (s. dazu Pürer 2015, S. 34-37).

Andere Indikatoren für die Relevanz der Fernsehjournalisten zeigen ein widersprüchliches Bild. So stehen die Fernsehjournalisten im Durchschnitt ihres Einkommens an der Spitze der Einkommensskala von Journalisten. Entsprechend gering ist die Fluktuation. In ihrem Image zeigen sich starke Unterschiede: Einerseits ist der Fernsehauslandskorrespondent der positiv besetzte Inbegriff eines Journalisten. Andererseits haben etwa Fernsehmoderatoren ein noch schlechteres Image als Journalisten generell [20].

Schwerpunkt der Medienbeobachtung

Dem Fernsehen wird eine alle anderen Medien überragende politische Bedeutung zugeschrieben – von Politikern, von Journalisten selbst und von der Bevölkerung[21]. Diese Bedeutung wird aber auch problematisch gesehen: Die Vermutung starker Wirkung ist die Grundlage dafür, dass das Fernsehen der Hauptgegenstand von Medienkritik ist; an Fernsehformaten scheiden sich regelmäßig die Geister [22]. Die vermutete Wirkungskraft bildet auch die kognitive und normative Grundlage von intensiver Regulierung: Das Fernsehen steht deswegen seit jeher im Mittelpunkt der Medienpolitik.

Auch in der Medienforschung widmet man dem Fernsehen bevorzugt Aufmerksamkeit. Allerdings sorgen die Probleme bei der Materialbeschaffung und die klassische Textlastigkeit der Inhaltsanalyse für eine Relativierung zugunsten der Presse.

Erosion der Vormachtstellung

Die ersten Worte. (© picture-alliance/beyond/Kalle Singer)



Insgesamt zeigt sich, dass das Fernsehen nach wie vor einen großen Stellenwert für die öffentliche Kommunikation hat. Unter den verschiedenen Aspekten zeigen sich beeindruckende Befunde. Schaut man aber genauer hin, so deuten einige Indikatoren auf eine Erosion dieser Vormachtstellung. Die wichtigsten drei Indikatoren sind: Das Fernsehen hat für die jüngeren Kohorten nicht die Bedeutung, die es früher einmal in den jeweiligen Altersgruppen hatte. Die Nutzung nimmt im Vergleich zu früheren Kohorten ab: Jugendliche verbringen mittlerweile mehr Zeit mit dem Internet als mit Fernsehen [23]. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass Parallelnutzung und Nutzung von Fernsehangeboten über das Netz methodische Probleme aufwerfen [24].

Es geht jedoch nur ein Teil der im Internet verbrachten Zeit auf Kosten der Fernsehzeit; der Großteil kommt durch die Ausdehnung der Medienzeit insgesamt zustande. Folglich nimmt die Dauer der Fernsehnutzung auch bei diesen Altersgruppen nicht rapide ab. Aber selbst wenn dort ferngesehen wird, dann sieht man anders fern, als es früher der Fall war. Und die Prioritäten haben sich verschoben: In der Medienwelt dieser Generation steht das Internet ganz oben, erst danach kommt das Fernsehen (siehe Abb. unten).

Durchschnittliche tägliche Nutzungsdauer junger Menschen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung (2015). Quelle: Engel/Breunig 2015, S. 312; (PDF-Icon Grafik als PDF zum Download) Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Grafik zu öffnen. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)



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Ergebnisse von Befragungen

Grundsätzlich müssen Befragungen zur Mediennutzungsdauer mit Vorsicht betrachtet werden. In der Regel handelt es sich um Selbstauskünfte der Befragten, die grob einschätzen sollen, wie häufig oder lange sie bestimmte Medien nutzen. Neben der schlechten Erinnerungsleistung werden die Ergebnisse dabei auch durch Effekte sozialer Erwünschtheit verzerrt: Niemand gibt beispielsweise gerne zu, dass sie oder er viele Stunden am Tag zur bloßen Unterhaltung vor dem Fernseher sitzt.

Für Onlinemedien kommt eine weitere Mess-Schwierigkeit hinzu: Was genau soll unter "Online-Mediennutzung" fallen? Nur die aktive Nutzung von traditionellen Webseiten? Oder auch z. B. die mobile Nutzung von Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Apps wie Snapchat auf dem Smartphone? Wenn letzteres mitgerechnet wird, dann gibt es für viele jüngere Leute kaum noch eine Zeit am Tag, in der sie nicht online sind ("permanently online, permanently connected", Vorderer 2015).

Außerdem kann man zunehmend in Frage stellen, ob die Unterteilung in Fernsehen und Internet aus inhaltlicher Perspektive noch sinnvoll ist: Inhalte aus dem Fernsehprogramm können über Mediatheken, Streamingdienste und Videoplattformen online angeschaut werden. Und Online-Inhalte, wie z. B. häufig angeklickte Videos, schaffen es ins reguläre Fernsehprogramm. Zu wissen, wer wie lange ein bestimmtes Medium nutzt, sagt uns also noch nicht unbedingt etwas darüber, was derjenige dabei genau konsumiert.

Dies ist kein kurzfristiger Ausreißer, sondern ein langfristiger Trend. Die nachrückenden Kohorten wenden sich vom Fernsehen ab, und sie wenden sich vor allem anderen Medien zu. Ihre Aufmerksamkeit wird von anderen Angeboten gefesselt, insbesondere von den Sozialen Netzwerken. Diese Verschiebungen sind nicht so zu erklären, dass sich die Rezipienten erst dem Fernsehen zugewandt und dann wieder abgewandt hätten. Vielmehr sind diese Gruppen in einer Medienwelt groß geworden, in der die Stellung des Fernsehens bereits relativiert war: Für die Digital Natives stehen Online-Medien selbstverständlich an erster Stelle und dabei wird es bleiben. Diese Kohorten werden nicht wieder in eine Kultur des linearen Fernsehens zurückfinden, wenn sie älter geworden sind, sondern sie werden ihre eigenen Nutzungsformen auf der Basis von Online-Medien entwickeln.

Das bedeutet: Je älter diese Kohorten werden und je mehr weitere Jahrgänge nachwachsen, die wiederum andere Nutzungsformen entwickelt haben, desto stärker wird der Rückgang des "klassischen" Fernsehens sein. Vorgezeichnet hat diese Entwicklung der sich beschleunigende Rückgang des Einflusses der Presse, aber auch der klassischen Tonträger und des klassischen Spielfilms. Aber nicht nur bei den "Digital Natives" zeigt sich eine Verschiebung in den Präferenzen: Es ist also absehbar, wann die Präferenzreihung sich auch insgesamt verschiebt.

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Wichtigste Informationsquellen der 14- bis 29-Jährigen

  • 33 % der 14- bis 29-Jährigen geben als wichtigste Informationsquelle das Internet an
  • 25 % das Fernsehen
  • 20 % die Zeitung
  • 11 % das Radio.
  • 30 % der Gesamtbevölkerung nennen noch das Fernsehen als ihre wichtigste Informationsquelle,
  • 25 % die Zeitung,
  • 19 % das Radio
  • 18 % das Internet. (vgl. Hasebrink/Schmidt 2013, S. 4)

Doch nicht nur für die aktuelle Information und für die Hintergrundberichterstattung, für andere Bereiche ist es ebenfalls eine Frage der Zeit, bis das Fernsehen hinter das Internet zurückfällt, also für Unterhaltung, Werbung oder Public Relations. Auch die Bindung der Rezipienten an einzelne Programme und Formate ist heute wesentlich schwächer, als sie es früher war. Und schließlich verändern sich auch die Nutzungsstile: Fernsehen hat vielfach auch für Ältere die Funktion eines Begleitmediums übernommen – ein visuelles Radio. Damit wird dem Fernsehen von den Rezipienten nicht mehr die Bedeutung zugeschrieben, wie es früher der Fall war. Das ist mit weniger und kürzerer Aufmerksamkeit verbunden. Folglich verliert das Fernsehen an Attraktivität für Werbung und das untergräbt wiederum seine finanzielle Basis. Allerdings ist von diesen Verschiebungen die Presse in viel größerem Ausmaß bedroht. Anders als beim Fernsehen müssen hier die Anbieter um ihr Überleben fürchten und sich auf rasch schrumpfende Anteile auf allen relevanten Märkten einstellen.

Mit dieser Entwicklung einher geht ein Wechsel in der öffentlichen Aufmerksamkeit generell. Der Fokus hat sich insgesamt vom Fernsehen auf die Online-Medien verschoben. In der Öffentlichkeit wird wesentlich intensiver verfolgt, was sich in den Online-Medien tut, als was im Fernsehen geschieht. Damit geht auch einher, dass Medientalente und auch Forschungskapazitäten vom Online-Bereich stärker angezogen werden. Das bereitet den Boden für weitere grundlegende Innovationen, die wiederum öffentlich thematisiert werden.

Umgekehrt geschieht folgendes: Das Fernsehen, seine Protagonisten und Organisationen, gewöhnt daran, im Mittelpunkt gesellschaftlicher Aufmerksamkeit zu stehen, werden auf die Plätze verwiesen. Dies ist mit tiefen Kränkungen verbunden, die Kreativität eher hemmen als hervorrufen. Damit gerät das Fernsehen in eine Abwehrhaltung. Das hat dann eine weitere Abwendung vom Fernsehen zur Folge. In diesem Zusammenhang verliert Fernsehen in der Öffentlichkeit generell an Bedeutung. Ihm wird nicht mehr die Kraft zugesprochen, eine Gesellschaft zu binden, zu informieren, zu strukturieren. Fernsehen hat sich zwar ausgedehnt – in der Fülle der Angebote, über den ganzen Tag und bis in die letzte Einöde. Dabei hat es aber an Konturen verloren. Dies ist eine innere Erosion, nicht zuletzt der zugeschriebenen publizistischen Bedeutung, also der Bedeutung für die öffentliche Meinungsbildung.

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"Gefühlte Erosion"

Ein Leitmedium wird dadurch zum Leitmedium, dass ihm Funktionen und Bedeutungen zugeschrieben werden. Je mehr sie ihm nicht mehr zugeschrieben werden, desto mehr verliert es diesen Status. Es ist also eine "gefühlte Erosion" (Bedeutungsabnahme) zu beobachten, aber gerade dies ist eine soziale Tatsache. (vgl. Thomas/Thomas 1928)

Fazit: Schrumpfen und Lernen

Nach wie vor ist das Fernsehen ein Medium von großem Einfluss. Aber das Fernsehen trägt nicht mehr wie selbstverständlich die Krone der Medienwelt. In Gestalt der Online-Medien ist ihm auf dem Rezipienten-, dem Werbe- und dem Inhaltemarkt eine mächtige Konkurrenz erwachsen. Zwar sind die einzelnen Online-Angebote nicht in der Lage, das Fernsehen zu ersetzen. Aber in der Gesamtheit beginnen sie, das Fernsehen aus der Rolle des Leitmediums zu drängen und Funktionen zu übernehmen, wie beispielsweise die Erinnerung durch Bilder zu prägen. Noch hat sich keine Arbeitsteilung herausgebildet, wie dies früher zwischen Presse und Fernsehen oder zwischen Hörfunk und Fernsehen der Fall war.

Sicherlich wird das Fernsehen nicht verschwinden; die über Jahrzehnte gewachsene Größe und die eingeschliffenen Gewohnheiten garantieren den Fortbestand. Das Riepl'sche Gesetz [25] konstatiert, dass einmal eingeführte Medien auch unter veränderten Bedingungen weiter bestehen. Aber sie müssen sich den veränderten Bedingungen anpassen sowie Form und Funktion ändern. So ist selbst der Steintafel ein "Überleben" als Grabstein und als Denkmal vergönnt. Auch Zeitungen und Radio sind nicht verschwunden, obgleich das Fernsehen eine übermächtige Konkurrenz darstellte. Sie haben überlebt, weil sie sich gewandelt, sich mit dem Verlust der Vormachtstellung arrangiert, ihre Funktionsnische gefunden und ihre Formen gewandelt haben.

Was wird aus dem Fernsehen?

Auch das Fernsehen wird sich damit abfinden müssen, seinen bisher erfolgreichen Weg nicht mehr einfach nur fortsetzen zu können. Fernsehen wird eingebettet in Medienrepertoires und bestimmt nicht mehr dieses Repertoire. Es wird sich in die veränderte Medienlandschaft ein- und an eine von Online-Medien dominierte Welt anpassen. Es wird unter den veränderten Bedingungen schrumpfen und lernen müssen: Selbst wenn sich das Fernsehangebot gerade durch die Digitalisierung weiter ausdehnt, wird die Bedeutung des Fernsehens sinken. Und Fernsehen wird sich verändern müssen, wie sich auch das Radio verändert hat.

Fernsehen sollte sich also der veränderten Medienlogik anpassen: Es muss flexibler, pluraler, schneller, emotionaler werden. Es wird neue Mischformen mit Online-Medien geben, wie z. B. Web-TV, Videoplattformen, Internet-TV (IPTV), Video on Demand, Mediatheken, Online-Ableger der Fernsehanbieter, durch die Fernsehanbieter gewünschte und gesteuerte Bildung von virtuellen Gemeinschaften rund um Sender und Formate, Übernahme von Online-Ästhetik in das Fernsehen [26]. Es wird eine stärkere Integration von Sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook ins Fernsehprogramm geben (Social TV), und umgekehrt wird Fernsehen stärker eingebettet in Online-Angebote. Die Parallelnutzung wird zunehmen. In dem Maße, in dem einzelne Fernsehanbieter oder Teile von Fernsehanbietern lernen, werden sie weniger schrumpfen müssen, als andere Teile, die nicht bereit sind, sich im erforderlichen Maße zu wandeln.

Und so wird das Spektrum von Fernsehen breiter – zugleich wird es durch die Ausdehnung der Grauzone konturloser. Im Zuge der Konvergenz verschiedener Dienste und Geräte, wie z. B. die Entwicklung von Fernseher, Computer, DVD- und Blu-ray-Spieler sowie Spielkonsole zu multifunktionalen Entertainment- und Informationssystemen, verliert das Fernsehen den Status des Leitmediums: Stattdessen wird Fernsehen der massenmediale Teil von neuen Hybridmedien.

Zum Weiterlesen auf bpb.de

Deutsche Fernsehgeschichte in Ost und West: Dossier USA: Die TV-Duelle und ihre Wirkungen

Literatur

ARD/ZDF-Onlinestudie 2014: http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/index.php?id=506

Bernhard, Uli / Dohle, Marco (2014). Do even journalists support media restrictions? Presumed political media influences and the consequences. In: Journalism & Mass Communication Quarterly, 91(2), S. 250-271.

Bernhard, Uli / Dohle, Marco / Vowe, Gerhard (2014): Wie werden Medien zur politischen Information genutzt und wahrgenommen? Online- und Offlinemedien im Vergleich. In: Media Perspektiven 3/2015, S. 159-168: http://www.ard-werbung.de/fileadmin/user_upload/media-perspektiven/pdf/2014/03-2014_Bernhard_Dohle_Vowe.pdf.

Bertelsmann SE & Co. KGaA: Geschäftsbericht 2014: Bertelsmann SE & Co. KGaA Geschäftsbericht 2014.

Best, Stefanie / Breunig, Christian (2011): Parallele und exklusive Mediennutzung. Ergebnisse auf Basis der ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation. In: Media Perspektiven 1/2011, S. 16-35: http://www.ard-werbung.de/fileadmin/user_upload/media-perspektiven/pdf/2011/01-2011_Best_Breunig_01.pdf.

Best, Stefanie / Engel, Bernhard (2016): Generationenprofile in der konvergenten Medienwelt. Kohortenanalysen auf Basis der ARD/ZDF Langzeitstudie Massenkommunikation. In: Media Perspektiven 1/2016, S. 2-26: http://www.ard-werbung.de/fileadmin/user_upload/media-perspektiven/pdf/2016/01-2016_Best_Engel.pdf.

Breunig, Christian (2007): IPTV und Web-TV im digitalen Fernsehmarkt. Fernsehen und Internet rücken weiter zusammen. In: Media Perspektiven 10/2007, S. 478-491: http://www.ard-werbung.de/fileadmin/user_upload/media-perspektiven/pdf/2007/10-2007_Breunig.pdf.

Bleicher, Joan Kristin (2001): Mediengeschichte des Fernsehens. In: Schanze, Helmut (Hrsg.): Handbuch der Mediengeschichte. Stuttgart, S. 490-518.

Castendyk, Oliver / Goldhammer, Klaus (2012): Die Produzentenstudie. Daten und Fakten zur Film- und TV-Produktionsbranche in Deutschland. In: Funkkorrespondenz 50/2012, S. 3-14: http://www.film-dienst.de/fileadmin/dokumente/pdfs/FK50-12_Produzentenstudie_neu.pdf.

Deutsche Telekom: Geschäftsbericht für 2015: Deutsche Telekom Geschäftsbericht 2014.

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Fußnoten

1.
Vgl. Jarren/Vogel 2011; Künzler 2013, S. 183-184.
2.
Pfetsch/Eilders/Neidhardt 2004.
3.
Vgl. McQuail 2000, S. 26.
4.
Höflich 1997.
5.
Siehe § 2 (1) Rundfunkstaatsvertrag.
6.
Vgl. Zubayr/Gerhard 2014 und 2016; 2013 sahen die Tagesschau um 20:00 Uhr 8,87 Mio. Menschen (=31,9 % Marktanteil).
7.
Vgl. Hasebrink/Schmidt 2013, S. 4 zu Medienübergreifenden Informationsrepertoires; betrachtet man nur die 14- bis 29-Jährigen, dann steht auf die allgemeine Frage nach der wichtigsten Informationsquelle das Internet mit 33 Prozent der Nennungen klar an erster Stelle vor dem Fernsehen (25 %), der Zeitung (20 %) und dem Radio (11 %). Interessant ist aber, dass in den konkreteren Informationsszenarien das Internet nicht an erster Stelle steht. Wie auch in der Gesamtgruppe, entfallen bei Informationen zur politischen Meinungsbildung, zum Weltgeschehen sowie zu Deutschland die meisten Nennungen auf das Fernsehen, bei regionalen Informationen auf die Zeitung.
8.
Vgl. Rühle 2012.
9.
Vgl. Zubayr/Gerhard 2014.
10.
Vgl. Kessler/Kupferschmitt 2012.
11.
McCombs/Shaw 1972.
12.
Vgl. Jahresabschluss WDR 2015, http://www1.wdr.de/unternehmen/der-wdr/profil/haushaltsrechnung/geschaeftsbericht-100.pdf.
13.
Vgl. Bertelsmann Geschäftsbericht 2015: http://gb2015.bertelsmann.de/reports/bertelsmann/annual/2015/gb/German/30/finanzen.html
14.
Geschäftsbericht Deutsche Telekom für 2015: http://www.geschaeftsbericht.telekom.com/site0216/zahlen-und-fakten/die-deutsche-telekom-auf-einen-blick.html.
15.
Vgl. Angebot auf Sky.de im April 2016.
16.
vgl. Castendyk/Goldhammer 2012, S. 5
17.
Vgl. auch Heinrich 1999, S. 451.
18.
Vgl. Media Perspektiven 7/8/2015, S. 362:
19.
Vgl. Weischenberg/Malik/Scholl 2006, S. 38.
20.
Vgl. Weischenberg/Malik/Scholl 2006, S. 15, 27.
21.
Vgl. Bernhard/Dohle 2014, Bernhard/Dohle/Vowe 2014, Dohle/Bernard 2014.
22.
Vgl. Linke/Peckl 2000; Weiß 2005, S. 20.
23.
Vgl. Best/Engel 2016, van Eimeren/Frees 2012 und ARD-ZDF-Onlinestudie 2014, Mediennutzung http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/index.php?id=483.
24.
Siehe z. B. Best/Breunig 2011; Breunig 2007.
25.
Riepl 1913, S. 4.
26.
Siehe z. B. Sewczyk/Wenk 2012.

Gerhard Vowe, Philipp Henn

Gerhard Vowe

Gerhard Vowe

Dr. Gerhard Vowe ist Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seine Forschungsinteressen umfassen unter anderem politische Online-Kommunikation, Medienpolitik und Sicherheit in den Medien. Er ist Sprecher der DFG-Forschergruppe "Politische Kommunikation in der Online-Welt". www.fgpk.de


Philipp Henn

Philipp Henn

Philipp Henn ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Koordinator der DFG-Forschergruppe "Politische Kommunikation in der Online-Welt". Seine Forschungsschwerpunkte sind politische Online-Kommunikation und Sicherheit in den Medien. www.fgpk.de


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