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20.4.2012

Identifikation und (ethnische) Selbstzuschreibungen

Die Erfahrung zweier unterschiedlicher gesellschaftlicher Bezugshorizonte wirft auch die Frage nach der Definition der eigenen Identität und "ethnisch-kulturellen" Selbstzuschreibungen auf.

Schülerinnen vorwiegend türkischer Abstammung einer Schule in Berlin-Kreuzberg. (© picture-alliance/dpa)


Sowohl die Ergebnisse der quantitativen TASD-Studie von Sezer/Dağlar (2009) als auch die qualitativen Untersuchungen von Pusch/Aydın (2011), Hanewinkel (2010) und Sievers et al. (2010) verweisen auf individuell sehr unterschiedliche, facettenreiche Identifikationsmuster, die aber den Schluss tendenziell "hybrider" Identitäten nahelegen. So bezeichnen sich befragte Abwanderer etwa als »Deutsch-Türken«, »Deutsche mit türkischen Wurzeln«, »Deutsche mit Türkischkenntnissen« [1], »Türkin mit deutschem Pass« [2] oder – nationalstaatliche Rahmungen hinter sich lassend – auch als »Europäer« [3]. Diese Selbstzuschreibungen sind nicht statisch, sondern wechseln situativ. Den durchaus spielerischen Umgang mit Identität führt eine Befragte Hanewinkels eindrücklich vor:
Deutlich wird, dass Identität immer wieder aktiv und (z.T. auch zweckrational und gezielt) hergestellt wird. Gemeinsam ist vielen Befragten, dass sie ihr "Deutschsein" erst durch ihren Aufenthalt in der Türkei entdeckt haben. [5]


Dieser Text ist Teil des Kurzdossiers "Die Abwanderung hochqualifizierter türkeistämmiger deutscher Staatsangehöriger in die Türkei".
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Fußnoten

1.
Pusch/Aydın (2011).
2.
Hanewinkel (2010).
3.
Sievers et al. (2010).
4.
Interviewausschnitt, Hanewinkel (2010).
5.
Pusch/Aydın (2011), Hanewinkel (2010), Tirier (2010).

Vera Hanewinkel

Zur Person

Vera Hanewinkel

Vera Hanewinkel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück und Redakteurin bei focus Migration. E-Mail: vera.hanewinkel@uni-osnabrueck.de


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