Kurzdossiers

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Migrantenselbstorganisationen – Umfang, Strukturen, Bedeutung

Menschen mit ähnlichen Lebensvorstellungen oder gemeinsamen Interessen organisieren sich in vielfältiger Weise in Verbänden. Dies gilt auch für Migrantinnen und Migranten, die sich aufgrund gemeinsamer kultureller, politischer, wirtschaftlicher oder sozialer Interessen bzw. Wertvorstellungen in Organisationen zusammenschließen. Etwa ein Fünftel aller in Deutschland Lebenden kann auf eigene Migrationserfahrungen oder solche in der Elterngeneration verweisen. Entsprechend breit ist das Spektrum an Migrantenorganisationen in Deutschland – Schätzungen reichen von 10.000 bis 20.000 Verbänden. Deren Rolle für die soziale Integration der Einzelnen und für die Interessenregulierung und Teilhabe wird kontrovers diskutiert: Fördern oder behindern Migrantenorganisationen die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund?

Im Folgenden wird nach einer Diskussion des Begriffes "Migrantenorganisationen" deren Verbreitung und Aktivitätsstruktur in Deutschland dargestellt. Anschließend wird auf der Grundlage des Standes der wissenschaftlichen Forschung die Bedeutung von Migrantenselbstorganisationen (MSOs) für gesellschaftliche Teilhabeprozesse erörtert. Ein kurzes Fazit schließt die Erörterungen ab.

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Menschen mit Migrationshintergrund

Als Menschen mit Migrationshintergrund werden offiziell "alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten, sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil" (Statistisches Bundesamt 2012, S. 6) bezeichnet. Im Jahre 2011 waren dies 16,0 Mio. Personen, was einem Bevölkerungsanteil von 19,5 Prozent entspricht (ebd., S. 7). Obwohl der Begriff nicht unumstritten ist, wird er hier in Ermangelung einer konsensfähigen Alternative für diejenigen Menschen verwendet, die durch eigene oder elterliche Wanderungserfahrungen über nationalstaatliche Grenzen hinweg einerseits besondere Fähigkeiten und Kompetenzen (z.B. Mehrsprachigkeit, Kenntnis von und Verständnis für verschiedene Kulturen) mobilisieren können, andererseits aber auch mit besonderen Herausforderungen konfrontiert sind, ihren Anspruch auf gesellschaftliche Teilhabe geltend zu machen.

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