Die Geheimnisse des Schönen Leo

Dokumentarfilm

von: Benedikt Schwarzer

Zahlreiche Indizien deuten mittlerweile darauf hin, dass der CSU-Politiker und langjährige Franz-Josef-Strauß-Vertraute Leo Wagner einer der beiden entscheidenden "Verräter" war, die 1972 das Misstrauensvotum der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gegen Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) durch Stimmenthaltung scheitern ließen – für Geld, das Wagners Lebenswandel verschlang. Der DDR-Geheimdienst Stasi nutzte dies aus. Leo Wagners Enkel, Benedikt Schwarzer, macht sich auf eine filmische Spurensuche, die nicht nur seine Familiengeschichte ergründet, sondern anschaulich in die Zeit der Bonner Republik zurückführt und die erbitterte Auseinandersetzung über die Entspannungspolitik anhand vieler Zeitzeugnisse vor Augen führt.

Inhalt

Leo Wagner gehörte von 1961 bis 1976 dem Deutschen Bundestag an, in dem er zwischen 1963 und 1975 parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe und enger Vertrauter des CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß war. Doch Wagner war laut Zeugenaussagen auch eine schillernde Figur im Kölner Nachtleben und ließ seine Familie mit vielen Fragen und offenen Wunden zurück. Denn der schöne Schein von Leo Wagners Bilderbuchkarriere und Vorzeigefamilie trog. Seine Ehe war zerrüttet, er hatte sich in dubiose Geschäfte verwickelt und war Informant der Stasi. Es dauerte lange, bis seine Tochter über diese Vergangenheit sprechen konnte. Ihrem Sohn Benedikt, der seinen Großvater nie wirklich kennenlernen konnte, gibt sie nun tiefe Einblicke. Außerdem kommen politische Wegbegleiter, Wagners Stasi-Führungsoffizier und weitere Zeitzeugen zu Wort. Benedikt Schwarzers außergewöhnliche Recherchen eröffnen einen ungeschönten Blick auf die Widersprüche von Leo Wagners Generation und die Abgründe der Bonner Republik, die tiefe Spuren in seiner Familie hinterlassen haben.

Über seinen Dokumentarfilm sagt Benedikt Schwarzer: „Meinen Großvater habe ich als Kind nie richtig kennengelernt. Mit der Zeit wurde mir jedoch klar, dass durch ihn in meiner Familie Politik und Privatleben auf schmerzvolle Weise aufeinander geprallt sind. Familie dient im Wahlkampf zur Repräsentation. Ansonsten muss sie im Stillen funktionieren. Der Preis für Politiker-Karrieren ist hoch. Mein Großvater steht durchaus prototypisch für seine Generation. Und Nationalsozialismus, Krieg und der Wechsel von Held zum Täter 1945 bedeutete auch eine bestimmte Prägung und Zugzwänge, gerade als Mann. Es muss in ihm rumort haben. Doch was sein Leben und seine Entscheidungen für mich bedeuten, das wurde mir erst bei der intensiven Beschäftigung mit meiner Mutter so richtig klar. Manche Fragen hatte ich nie zuvor gestellt. Umso mehr überraschten mich die Antworten. Meine eigenen Recherchen führten mich dazu immer weiter in unbekanntes Terrain, zwischen Familie und Politik, Stasi und Rotlichtmilieu. So wurde der Versuch meinen toten Großvater kennenzulernen zu einer bewegenden Reise des ganz Persönlichen und der großen Historie.“

Das Bayerische Fernsehen zeigte das mit dem Starter-Filmpreis der Stadt München ausgezeichnete Filmdebüt Benedikt Schwarzers "Die Geheimnisse des schönen Leo" als deutsche Erstausstrahlung am 31. März 2021 im Bayerischen Fernsehen. Zuvor wurde die Recherche am 19. November 2019 als Audiopodcast im SWR 2 ausgestrahlt, nachhörbar und nachlesbar unter https://www.swr.de/swr2/leben-und-gesellschaft/swr2-leben-2019-11-19-100.html. Die zugehörige Filmwebsite lautet: https://schoenerleo.de/.

Weitere Informationen

  • Buch und Regie: Benedikt Schwarzer Redaktion: Jutta Krug (WDR), Claudia Gladziejewski (BR) Produktion: Lichtblick Film- und Fernsehproduktion (Produzent: Carl-Ludwig Rettinger) in Koproduktion mit WDR und BR, gefördert von BKM, FFF Bayern, Film- und Medienstiftung NRW, FFA, DOK.forum

  • Produktion: 2018

  • Spieldauer: 80:00:00

  • hrsg. von: Lichtblick Film- und Fernsehproduktion, Köln

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