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10.3.2021

Kaufverhalten, Verbraucherpreise und Steuern

Kaufverhalten

Im Kontext von Vorratskäufen und leeren Supermarktregalen zu Beginn der Coronakrise hat das Statistische Bundesamt digitale Kassendaten als sogenannte experimentelle Daten im Hinblick auf das Kaufverhalten der Bürgerinnen und Bürger ausgewertet. Diese Scannerdaten sind eine neue vielversprechende Datenquelle zur Qualitätssicherung und Prozessoptimierung für die Preisstatistik. Sie sind aber auch geeignet, um Veränderungen beim Kaufverhalten der Konsumentinnen und Konsumenten schnell zu erkennen. Vor allem bei Seife, Toilettenpapier und Desinfektionsmittel zeigt sich die sprunghaft angestiegene Nachfrage deutlich in den ausgewerteten Daten.

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Info 1

Was sind »experimentelle Daten«?

Die Daten, die das Statistische Bundesamt erhebt und veröffentlicht, haben amtlichen Charakter. Sie bilden auf gesetzlicher Grundlage die wirtschaftliche und soziale Lage, die demografische Entwicklung und die Situation der Umwelt in Deutschland ab. Darüber hinaus erprobt das Amt aber auch neue Methoden der Datengewinnung, zum Beispiel das Darstellen der räumlichen Mobilität durch Mobilfunkdaten oder das Erfassen der Nachfrage nach bestimmten Produkten sowie deren Preise mithilfe digitaler Kassendaten. Während der Erprobungsphase sind diese Daten noch nicht amtlich, sondern experimentell, da sie sich im Reifegrad von amtlichen Daten unterscheiden. Sie bieten jedoch oft interessante und – gerade in Krisenzeiten besonders wichtig – aktuellere Erkenntnisse zu den Themen der amtlichen Statistik und darüber hinaus. Experimen-telle Daten sind daher von öffentlichem Interesse und werden zusätzlich zum amtlichen Statistikprogramm veröffentlicht.


In der ersten Märzwoche (Kalenderwoche 10) des Jahres 2020 stieg der Absatz von Desinfektionsmittel auf mehr als das Achtfache des Niveaus vor der Coronakrise (+ 751 % verglichen mit dem Durchschnitt der Vorkrisenmonate August 2019 bis Januar 2020). In den beiden Wochen danach brach der Absatz ein und lag Mitte März nur noch bei der Hälfte des sonst üblichen Absatzes. Dies ist darauf zurückzuführen, dass das Produkt vorübergehend praktisch ausverkauft war.

Die Verkaufszahlen von Seife und Toilettenpapier erreichten ihre Spitzenwerte in der 12. Kalenderwoche 2020. Sie lagen mehr als viermal beziehungsweise dreimal so hoch wie in der Phase vor der Coronakrise (Seife: + 337 %, Toilettenpapier: + 211 %) und gingen bis Anfang April (15. Kalenderwoche) wieder stark zurück. In den danach folgenden Sommermonaten lagen die Absatzzahlen von Desinfektionsmittel und Seife weitgehend konstant über dem Niveau des Vergleichszeitraums. Vermutlich hängt dies mit einem höheren Hygienebewusstsein der Verbraucherinnen und Verbraucher, aber auch mit den Hygienevorschriften in Gastronomie, Handel und Praxen zusammen.

Unmittelbar vor dem Teil-Lockdown in Deutschland, der am 2. November 2020 in Kraft trat, hat sich die Nachfrage nach ausgewählten Hygieneartikeln und Lebensmitteln teilweise wieder deutlich erhöht (Toilettenpapier: + 139 %, Desinfektionsmittel: + 104 %, Mehl: + 101 %, Hefe: + 74 % gegenüber dem Vorkrisenniveau). Die sehr hohen Absatzzahlen aus der Phase vor und während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 wurden allerdings nicht beobachtet.

Absatzindex von ausgewählten Verbrauchsgütern — Durchschnitt von 32. Kalenderwoche 2019 bis 5. Kalenderwoche 2020 = 100 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Mehrwertsteuersenkung und Verbraucherpreise

Zum 1. Juli 2020 hat die Bundesregierung ein Konjunkturpaket auf den Weg gebracht, um die Folgen der Coronakrise zu bewältigen. Ein Bestandteil davon war die temporäre Senkung der Mehrwertsteuersätze von 19 auf 16 % beziehungsweise für Güter mit ermäßigtem Steuersatz von 7 auf 5 % ab dem 1. Juli, befristet bis 31. Dezember 2020. Die Maßnahme zielte unter anderem darauf ab, die Bürgerinnen und Bürger zu entlasten, den privaten Konsum zu steigern und die Unternehmen zu unterstützen. Die Analyse der Wirkung dieser Maßnahmen ist sehr vielschichtig. Doch zunächst stellt sich die Frage, ob die Steuersenkung bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankam und zu sinkenden Preisen führte. Nach einer Modellrechnung des Statistischen Bundesamtes hat die Steuersatzsenkung bei vollständiger Weitergabe an die Verbraucherinnen und Verbraucher rein rechnerisch einen preisdämpfenden Effekt auf die Entwicklung der Verbraucherpreise von bis zu 1,6 Prozentpunkten. Es ist allerdings nur schwer messbar, in welchem Umfang die niedrigeren Steuersätze weitergegeben wurden, da auch viele andere Faktoren die Preisentwicklung beeinflussen. Tatsächlich betrug die amtliche Inflationsrate im Juli 2020, gemessen am Verbraucherpreisindex gegenüber dem Vorjahresmonat, – 0,1 % und ist damit ins Minus gerutscht. Auch in den Folgemonaten zeigte die Mehrwertsteuersenkung Wirkung: Im August 2020 lag die Inflationsrate bei 0,0 %, im September und Oktober 2020 betrug sie jeweils – 0,2 %, im November – 0,3 %.

Verbraucherpreisindex (2015 = 100) — Veränderung gegenüber dem Vorjahresmonat in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Kassenmäßige Steuereinnahmen

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie haben sich auch auf die Einnahmen aus der Luftverkehrsteuer, der Biersteuer und der Energiesteuer ausgewirkt. Ab März beziehungsweise April 2020 gingen die Einnahmen aus diesen Steuern rapide zurück und erreichten im Mai (Biersteuer) beziehungsweise Juni (Energie- und Luftverkehrsteuer) ihren Tiefpunkt. Im August lagen die Einnahmen aus der Biersteuer bereits über dem Vorkrisenniveau von Februar. Bei der Energiesteuer befanden sie sich noch leicht, bei der Luftverkehrsteuer deutlich darunter.

Basis dieser Daten sind die saison- und kalenderbereinigten Ergebnisse zum Steueraufkommen, mit denen die Auswirkungen auf die kassenmäßigen Steuereinnahmen dargestellt werden können. Mit der Saisonbereinigung werden Schwankungen aus den Zeitreihenwerten herausgerechnet – zum Beispiel die Auswirkungen von jahresüblichen Schwankungen durch die verschiedenen Zahlungsfristen der verschiedenen Steuerarten.

Bereinigte Einnahmen aus ausgewählten Bundes- und Landessteuern Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


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