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1.10.2020

Religion – eine Ressource in der Radikalisierungsprävention?

Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) hat Modellprojekte zum Thema Radikalisierungsprävention im Rahmen von "Demokratie leben!" wissenschaftlich begleitet. Unter anderem zeigt sich, dass die Angebote Religion nutzen, um einen Zugang zu den Adressatinnen und Adressaten zu erschließen, um sich inhaltlich mit extremistischer Ideologie auseinanderzusetzen und um die Eigenposition der Teilnehmenden zu stärken. Joachim Langner vom DJI beschreibt die Forschungsergebnisse und skizziert, welche Herausforderungen sich aus dem Einsatz von Religion in der Präventionsarbeit ergeben.

Ausgewählte Angebote der Radikalisierungsprävention nutzen Religion als eine Ressource ihrer Arbeit. (© Free-Photos auf Pixabay)


Die pädagogische Prävention von demokratiefeindlichem und gewaltorientiertem Islamismus hat sich in den 2010er Jahren als neues Arbeitsfeld entwickelt. Durch Soziale Arbeit, politische Bildung und zum Teil durch Elemente religiöser Bildung zielt diese Arbeit darauf ab, junge Menschen gegen mögliche Radikalisierungsgefährdungen zu stärken oder die Distanzierung von gewaltorientierten oder demokratiefeindlichen islamistischen Kontexten zu fördern. In dieser Praxis spielen teilweise religiöse Elemente des Islams eine Rolle, was sie von etablierteren Arbeitsfeldern wie der Rechtsextremismusprävention unterscheidet. Ausschlaggebend dafür ist unter anderem, dass sich demokratiefeindlicher Islamismus in vielfältiger Weise auf den Islam bezieht und Religion im Radikalisierungsprozess selbst eine Rolle spielen kann (vgl. Kiefer 2020).

Der vorliegende Beitrag geht der Frage nach, inwiefern ausgewählte Angebote der Radikalisierungsprävention Religion als eine Ressource ihrer Arbeit nutzen und welche Herausforderungen sich daraus ergeben. Das zugrundeliegende Datenmaterial ist im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung des Programmbereichs "Radikalisierungsprävention" im Bundesprogramm "Demokratie leben!" in den Jahren 2015 bis 2019 erhoben und ausgewertet worden (vgl. Figlestahler et al. 2020). "Demokratie leben!" wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert. Im Programmbereich "Radikalisierungsprävention" erprobten über 40 Modellprojekte Ansätze der (sozial-)pädagogischen Auseinandersetzung mit demokratiefeindlichem und gewaltorientiertem Islamismus. [1] Die wissenschaftliche Begleitung am Deutschen Jugendinstitut (DJI) untersuchte den Programmbereich unter anderem mit dem Ziel, die unterschiedlichen pädagogischen Strategien der Projekte zu systematisieren sowie projektübergreifend pädagogische Lernerfahrungen zu bündeln. [2] Dabei wurden unterschiedliche qualitative und quantitative Forschungsmethoden genutzt, wie (Online-)Umfragen für Projektmitarbeitende, Adressatenfragebögen, Leitfaden-Interviews mit Projektmitarbeitenden, Gruppendiskussionen mit jungen Projektteilnehmenden, teilnehmende Beobachtung bei pädagogischen Maßnahmen und Dokumentenanalyse. Der vorliegende Beitrag bündelt einige Ergebnisse und Zwischenergebnisse dieser Erhebungen. Schwerpunktmäßig wurden dafür Interviews mit Mitarbeitenden von acht Projekten und Teilnehmenden von drei Projekten einbezogen, in deren Angeboten Religion eine besondere Rolle zukam. Für die Darstellung der Ergebnisse wurden die Projektnamen anonymisiert und durch internationale Städtenamen ersetzt.

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Vorgehensweisen religionsbezogener Radikalisierungsprävention

Viele der untersuchten Projekte thematisieren und adressieren religionsbezogene Ebenen in ihren Angeboten. Sie wenden sich dabei vor allem an religiös praktizierende junge Musliminnen und Muslime. In Bezug auf den Umgang mit Religion finden sich unter diesen Angeboten zwei grundsätzliche Typen: Das prägende Merkmal des ersten Typs ist, dass der Islam selbst eine zentrale Rolle in der präventiven Handlungslogik der Arbeit einnimmt; so dass der Islam "Teil der Lösung" sei, wie ein Projektmitarbeiter im Interview sagt (Interview "Budapest" 2018). Dabei nehmen innerislamische Perspektiven eine relevante Rolle ein, das heißt religiöses Sprechen und theologisches Argumentieren. Die Vorgehensweisen beinhalten dabei Anleihen aus dem Feld der religiösen Bildung.

Beispielhaft sind hier Projekte, die in Moscheegemeinden Beratungsstellen oder Jugendarbeit mit inhaltlichen Diskussionen anbieten. Häufig sind islamische Organisationen wie Dachverbände islamischer Gemeinden die Träger der Projekte (gegebenenfalls in Kooperation mit anderen Organisationen).

Der zweite Typ zeichnet sich dadurch aus, dass den Adressatinnen und Adressaten gegenüber eine besondere Aufmerksamkeit auf religionsbezogene Themen und den Aspekt des Muslimischseins gelegt wird. Die Projekte versuchen dabei für muslimische Jugendliche einen geschützten Raum für offene Diskussionen über politische und religiöse Themen zu schaffen. Der Islam ist ein explizites Thema der pädagogischen Arbeit – im Gegensatz zu Typ 1 steht aber nicht das religiöse Sprechen, sondern das Sprechen über Religion im Mittelpunkt.

In diesem Typ finden sich verschiedene etablierte Träger der Sozialen Arbeit beziehungsweise der Jugend- und der Bildungsarbeit. Sie können häufig auf langjährige Erfahrungen in diesen Feldern aufbauen. Ihre Arbeit in der Radikalisierungsprävention zielt letztlich darauf ab, die Teilnehmenden gegen mögliche Angebote demokratiefeindlicher islamistischer Gruppen in ihrem sozialen Umfeld zu stärken – beispielsweise durch die Festigung eines demokratischen Verständnisses und einer positiven Einstellung gegenüber Vielfältigkeit.

Darüber hinaus haben einige Projekte keinen Bezug zu Religion in ihrer pädagogischen Praxis, beispielsweise da sie Extremismus nur auf einer allgemeinen und abstrakten Ebene thematisieren. Der Fokus dieses Beitrags soll jedoch auf Angeboten liegen, in denen Religion relevant ist.

Nutzung von Religion als Ressource der Radikalisierungsprävention

Die empirische Analyse gibt einen systematischen Einblick, ob und wie die Angebote Religion als Ressource, also als etwas dem (sozial-)pädagogischen Prozess Zuträgliches nutzen. Es zeigt sich, dass die Angebote Religion für die folgenden Zwecke adressieren: 1) Religion in der Zugangserschließung
Eine grundsätzliche Herausforderung der (sozial-)pädagogischen Auseinandersetzung mit islamistischer Radikalisierung ist es, junge Menschen zu erreichen, die bereits Bindungen zu extremistischen Gruppen oder Ideologien haben oder sich von diesen angesprochen fühlen (Figlestahler et al. 2020, S. 60 ff.). Dabei gilt es sowohl, die adressierten Zielgruppen zur (in der Regel freiwilligen) Teilnahme an dem Angebot, als auch zur aktiven Beteiligung und Aneignung zu motivieren.

Den hier dargestellten Projekten mit religionsbezogenen Vorgehensweisen gelingt es, diese Zielgruppen in ihre pädagogischen Prozesse einzubeziehen. Einige Projekte betonen in diesem Zusammenhang die Rolle religiöser Themen und Rahmungen. Beispielsweise haben Mitarbeitende eines Projekts die Erfahrung gemacht, dass es ihnen gelingt, mit den Adressatinnen und Adressaten über ernsthafte persönliche Problemlagen ins Gespräch zu kommen, wenn sie sich "von der religiösen Seite an sie wenden" (Interview "Bangkok" 2017). Diese "religiöse Seite" könnten sie unter anderem darüber ansprechen, dass sie das Angebot in einer Moschee umsetzen, deren Atmosphäre die Teilnehmenden dazu bewege, sich zu öffnen. Durch die Beteiligung haben diese das Gefühl, etwas Religiöses zu tun. Die Projektmitarbeitenden sehen gerade darin auch ein generelles Attraktivitätsmoment des Angebots für die Teilnehmenden. So habe die Moschee das Angebot authentisch gemacht, sei für die Arbeit Türöffner und Vertrauensbonus gewesen (Interview "Bangkok" 2019).

Diese religionsbezogene Rahmung bettet hier die Beziehungen so ein, dass die von den Adressatinnen und Adressaten als vertrauenswürdig empfundene religiöse Ebene den Kontakt zu dem Angebot der Radikalisierungsprävention bestimmt. Die religiöse Rahmung des Angebots trägt somit dazu bei, dass das Angebot überhaupt in Anspruch genommen wird.

Auch in der aufsuchenden Arbeit beschreiben Projektmitarbeitende in Typ 1 (der Islam nimmt eine zentrale Rolle in der präventiven Handlungslogik ein), wie sie eine islamische Rahmung herstellen, um Vertrauen und eine Offenheit für ihr Angebot zu schaffen. So beschreibt ein Mitarbeiter, wie er einen Klienten beim ersten Treffen bewusst mit der islamischen Begrüßungsformel "Salam Aleikum" begrüßt, und so als "Glaubensbruder" den Zugang realisiert (Interview "Budapest" 2018).

Auch in den Projekten des Typ 2 (besonderes Augenmerk auf religiöse Themen) ist Religion ein relevanter Aspekt, wenn es darum geht, mit Teilnehmenden eine Arbeitsbeziehung aufzubauen: Dazu trägt beispielsweise bei, dass die Angebote auf Flyern und Ankündigungen über eine Sprache und Ästhetik kommuniziert werden, die auf den Islam verweisen – etwa über religiös konnotierte arabische Begriffe. Damit werden religiös interessierte muslimische Adressatinnen und Adressaten angesprochen. Für eben diese bieten die Angebote einen geschützten Diskussionsraum. Das Muslimischsein ist dabei ein verbindendes Element der Gruppe, das die Art und Weise, wie die Themen diskutiert werden, prägt und maßgeblich zur Beteiligung an dem Angebot beiträgt.

2) Religion in der inhaltlichen Auseinandersetzung mit extremistischer Ideologie
Ein Teil der Projekte – vor allem aus Typ 1 – nutzt Religion als eine wesentliche Ebene der Auseinandersetzung mit islamistisch-extremistischer Ideologie. Dabei dekonstruieren sie ideologische Narrative und vermitteln fachlich fundierte und kritische Umgangsweisen mit islamischen Quellen. So diskutieren beispielsweise Projektmitarbeitende mit den Klientinnen und Klienten über islamische Begriffe, die in islamistisch-extremistischen Ideologien von Bedeutung sind. In diesem Gespräch arbeiten sie erst die Vorstellungen der Klientinnen und Klienten zu diesen Begriffen heraus. Über Quellenarbeit, beispielsweise am Koran, ergründen sie dann alternative Bedeutungen und zeigen innerreligiöse Pluralität auf. Sie erweitern so den Blick auf den Islam und ermöglichen dabei eine Neubewertung demokratiefeindlicher Positionen (Interview "Brasilia" 2019).

Mit ähnlichen Vorgehensweisen versuchen verschiedene Projekte das Islambild der Adressierten um neue Perspektiven zu erweitern. Diese Arbeit liegt zumeist im Aufgabenbereich einzelner Mitarbeitender, die über theologisches Spezialwissen verfügen.

Die Angebote in Typ 2 setzen sich zwar nicht auf einer religiösen Ebene mit islamistisch-extremistischer Ideologie auseinander, sie adressieren und konfrontieren aber problematische Aussagen der Teilnehmenden, indem sie offene Diskussionen anregen und dabei problematische Themen durch sachliche Gespräche differenzieren.

3) Religion zur Stärkung der Eigenposition gegenüber extremistischen Angeboten
Einige Angebote versuchen junge Menschen auf genau den Ebenen zu stärken, an denen extremistische Argumentationen häufig ansetzen. So soll deren Anfälligkeit für extremistische Angebote reduziert und damit ihre Widerständigkeit gestärkt werden.

Bei Typ 1 steht dabei die Stärkung des islamischen Grundverständnisses der Teilnehmenden durch religiöse Bildung im Vordergrund. Die Projekte warnen davor, sich auf Internetquellen zum Islam zu verlassen und sie vermitteln Wissen über den Islam, sowie grundlegende Fähigkeiten im Umgang mit den islamischen Quellentexten und Autoritäten. Den Projektmitarbeitenden ist wichtig, dass sie mit dieser religiösen Bildung an die Fragen der Jugendlichen und deren Lebenswelt anschließen.

Einige Projekte vermitteln außerdem, dass Laieninterpretationen grundsätzlich fehleranfällig seien und verweisen auf Expertinnen und Experten in den Moscheen. Dazu vermitteln sie Kriterien zur Auswahl geeigneter Ansprechpersonen – beispielsweise, dass sie den lokalen Kontext der Fragen verstehen und einschätzen können und dass sie eine theologische Ausbildung haben sollten.

Vereinzelt stärken Projekte auch die regulären Angebotsstrukturen religiöser Bildung. Sie bilden zum Beispiel Mitarbeitende islamischer Gemeinden darin weiter, wie sie besser auf die Fragen junger Menschen reagieren können oder wie es ihnen gelingen kann, mit Jugendlichen über Extremismus zu sprechen. Bei Typ 2 finden sich ebenfalls Elemente der Bildung zum Islam, die jedoch in der Regel nicht explizit als Ziel formuliert werden. Stattdessen werden eher Konfliktthemen mit Islambezug aufgegriffen und diskutiert – wie die Situation in der Türkei, Erfahrungen mit Diskriminierung oder Diskussionen zu Islam und Demokratie. Religion und religiösen Perspektiven kommt eine wichtige Rolle in der Diskussion zu, die häufig auf eine Reflexion von Vorstellungen des Muslimischseins abzielt.

Religion als Ressource der Fachkräfte oder der Teilnehmenden?
Die untersuchten Angebote nutzen Religion auf unterschiedliche Weisen als Ressource für ihre Arbeit in der Radikalisierungsprävention. Für einige Fachkräfte ist Religion ein Mittel, um die Zielstellung ihrer pädagogischen Strategie zu erreichen: Religion soll dabei insbesondere Nähe herstellen, so dass eine Kommunikation auf einer gemeinsamen religionsbezogenen Gesprächsebene stattfindet. Diese Gesprächsebene ermöglicht sowohl Beziehungsarbeit als auch eine Auseinandersetzung mit inhaltlichen und ideologischen Positionen. Für andere steht Religion als zu fördernde Ressource der Adressatinnen und Adressaten im Vordergrund, die es zu aktivieren gilt, um Eigenpositionen zu stärken und ideologische Positionen zu reflektieren. Diese beiden Perspektiven auf Religion als Ressource in der Arbeit ergänzen einander zum Teil. Beide finden sich in beiden Typen, jedoch jeweils stärker in Typ 1.

Herausforderungen religionsbezogener Radikalisierungsprävention

Auch wenn sich Religion in der Analyse als eine zentrale Ressource vieler Projekte zeigt, nennen die meisten der interviewten Projektmitarbeitenden, "Religion" als eine ihrer größten Herausforderungen (Figlestahler et al. 2020, S. 86).

Für Projekte, deren (sozial-)pädagogische Arbeit von einer Kooperation mit islamischen Akteurinnen beziehungsweise Akteuren abhängt, ist es eine zentrale Herausforderung, belastbare Kooperationsbeziehungen mit islamischen Organisationen und den darin relevanten Autoritäten aufzubauen und dauerhaft zu etablieren. Als einen Grund für diese Schwierigkeiten führen fast alle Projekte eine grundsätzliche Skepsis dieser Organisationen gegenüber der Präventionsarbeit an (vgl. Figlestahler/Langner 2019, S. 228 f.). Diese Skepsis begründet sich unter anderem in Vorbehalten gegenüber sogenannter mehrheitsgesellschaftlicher Interventionen im migrantischen Kontext. Zum Teil sind aber auch habituelle und weltanschauliche Unterschiede zwischen jungen Projektmitarbeitenden und älteren Autoritäten ausschlaggebend oder die Befürchtung, dass Maßnahmen der Radikalisierungsprävention die Gemeinde als potenziell radikalisiert stigmatisieren könnten. Insgesamt müssen die Projekte mit stetiger Beziehungsarbeit in den Erhalt der jeweiligen Kooperationen investieren.

Außerdem beschreiben einige der Projekte von Typ 1 es als herausfordernd, Mitarbeitende zu finden, die pädagogische Fachlichkeit mitbringen und sich zugleich in der jeweiligen islamischen Communitys und ihren Institutionen zurechtfinden. Dieses spezifische Doppelprofil zu erfüllen, bedeutet für die Mitarbeitenden mitunter, unterschiedliche Rollenerwartungen abzuwägen.

Auf der pädagogischen Ebene ist anzumerken, dass beiden oben genannten Perspektiven auf Religion als Ressource eine hierarchische Ebene innewohnen kann – beispielsweise im Umgang mit Ansprüchen religiöser Wahrheit –, die mitunter in Spannung zu den Zielen der (sozial-)pädagogischen Arbeit steht. Für die Praxis empfiehlt es sich, diese Spannungsfelder in der Arbeit fortwährend zu reflektieren.

Fazit

Die untersuchten Angebote beider Typen nutzen Religion, um einen Zugang zu den Adressatinnen und Adressaten zu erschließen, um sich inhaltlich mit extremistischer Ideologie auseinanderzusetzen und um die Eigenposition der Teilnehmenden zu stärken. Insbesondere findet sich Religion in den Angeboten aus Typ 1, für die Religion eine zentrale Ebene der Auseinandersetzung mit demokratiefeindlichem Islamismus ist. Damit geht einher, dass die Angebote stärker mit religionsbezogenen Herausforderungen konfrontiert sind. In Typ 2 hingegen kommt Religion eher indirekt zum Tragen, indem über Religion gesprochen wird und Erfahrungen als Musliminnen und Muslime geteilt werden. Für beide Typen zeigen sich Herausforderungen, unter anderem dabei, belastbare Kooperationsbeziehungen zu islamischen "Gatekeepern" aufzubauen und zu erhalten.

Es ist davon auszugehen, dass beide vorgestellten Typen für bestimmte Gruppen von Adressatinnen und Adressaten ein passendes Angebot darstellen. Die verschiedenen Wege, auf denen Religion in die (sozial-)pädagogische Arbeit der Projekte einfließt, zeigen sich dabei als ein Teil der innovativen Leistung des Programmbereichs "Modellprojekte zur Radikalisierungsprävention" in Demokratie Leben! Die Umgangsweisen mit Religion erscheinen aber zugleich noch sehr experimentell: Als Suchbewegungen in einem Feld sich überlappender fachlicher Logiken religiöser und nichtreligiöser (sozial-)pädagogischer Arbeit müssen nachhaltige Strukturen und ein angemessenes Fachlichkeitsfundament mit einer weiteren Entwicklung solcher Angebote erst noch wachsen.

Dieser Beitrag ist eine Kurzfassung des Beitrags "Religion als Ressource in der Radikalisierungsprävention", der in dem Band "Religion in der pädagogischen Auseinandersetzung mit islamistischem Extremismus" (Herausgegeben von Joachim Langner, Maruta Herding, Sally Hohnstein und Björn Milbradt) erschienen ist. Der Band ist abrufbar unter www.dji.de/afs.

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Radikalisierung, Prävention und Islamismus

(© büro u-53, Peter Pichler)

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Literatur

Figlestahler, Carmen/Langner, Joachim (2019): Religion as a Challenge in Preventing Radicalization? Empirical Insights from Germany. In: Gutzwiller-Helfendinger, Eveline/Abs, Hermann J./Müller, Paulena (Hrsg.): Thematic papers based on the Conference. Migration, Social Transformation, and Education for Democratic Citizenship, S. 219-232.

Figlestahler, Carmen/Greuel, Frank/Grunow, Daniel/Langner, Joachim/Schott, Marco/Zierold, Diana/Zschach, Maren (2020): Fünfter Bericht: Modellprojekte. Programmevaluation "Demokratie leben!". Wissenschaftliche Begleitung der Modellprojekte Radikalisierungsprävention. Abschlussbericht 2019. DJI Halle (Saale).

Kiefer, Michael (2020): Religion in der Radikalisierung. In: Langner, Joachim/Herding, Maruta/Hohnstein, Sally/Milbradt, Björn (Hrsg.): Religion in der pädagogischen Auseinandersetzung mit islamistischem Extremismus. DJI Halle (Saale), S. 75-94.
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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autor/-in: Joachim Langner für bpb.de

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Fußnoten

1.
In dem Programmbereich wurden darüber hinaus Projekte zu Rechtsextremismus und Linker Militanz gefördert.
2.
Herzlicher Dank gilt den Kolleginnen und Kollegen der wissenschaftlichen Begleitung für die gemeinsame Erhebung und Auswertung und insbesondere Carmen Figlestahler, Katja Schau und Diana Zierold für die gemeinsamen Diskussionen!

Joachim Langner

Joachim Langner

(M.A. Islamwissenschaft, Politikwissenschaft und Ethnologie) arbeitet am Deutschen Jugendinstitut (DJI) als wissenschaftlicher Referent in der Arbeits- und Forschungsstelle Demokratieförderung und Extremismusprävention. Zuletzt war er auch in der wissenschaftlichen Begleitung von Modellprojekten der Radikalisierungsprävention im Rahmen der Programmevaluation von "Demokratie Leben!" am DJI tätig. Arbeitsschwerpunkte: (sozial-)pädagogische Radikalisierungsprävention und Demokratieförderung, sowie Distanzierungs- und Deradikalisierungsarbeit in der Auseinandersetzung mit islamistischem Extremismus und insbesondere die Arbeit muslimischer Akteure in diesen Feldern.


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