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11.7.2016

Transkript zum Ethnopluralismus

Ethnopluralismus hört sich vielleicht harmlos an, ist aber auch rassistisch, nur dass nicht von Rassen die Rede ist. Das Konzept des Ethnopluralismus dient Rechtsextremen dazu, ihren Rassismus zu verschleiern und damit weniger angreifbar zu machen. Der Ethnopluralismus ist ein Konzept der sogenannten Neuen Rechten. Statt von verschiedenen Rassen sprechen diese jetzt von einer Völkervielfalt. Genau das steckt in dem Wort Ethno, vom griechischen Wort ethnos für Volk und Pluralismus, abgeleitet vom lateinischen Wort pluralis für Mehrzahl - Völkervielfalt also. Hört sich gar nicht so schlimm an? Nun, Ethnopluralisten behaupten, dass Völker unveränderliche Eigenschaften hätten. Anders als im, nennen wir ihn mal klassischen Rassismus, werden diese Eigenschaften aber nicht biologistisch begründet. Als biologistisch bezeichnet man eine Denkweise, die behauptet, dass jegliche Unterschiede zwischen Menschen von der Natur und der Biologie vorgegeben und damit unveränderbar seien.

Ethnopluralisten führen Unterschiede zwischen Menschen auf die verschiedenen Kulturen der Völker zurück. Jedes Volk, so wird behauptet, sei umso besser und stärker, je reiner es sei, je mehr die eigene Kultur von anderen Einflüssen abgeschottet sei. Dass sich Kulturen schon immer gegenseitig beeinflusst und verändert haben, wird dabei ignoriert. Rechtsextreme fordern, dass sich Kulturen auf keinen Fall vermischen sollten, denn das würde den jeweiligen Kulturen nur schaden. Mit dieser Begründung wenden sich Ethnopluralisten zum Beispiel gegen Einwanderung und Flüchtlinge. In einem Schulungsheft der NPD heißt es zum Beispiel: "Nur ethnisch-geschlossene Gesellschaftskörper mit geringem Ausländeranteil sind solidar- und belastungsfähig. Nur sie können positive Gemeinschaftskräfte zur Krisenbewältigung entwickeln." Hier verschleiert die NPD offenkundig ihr biologistisches Volksverständnis im Jargon der Ethnopluralisten.

Auch der Ethnopluralismus ist also ein ausgrenzender Nationalismus wie es in der Wissenschaft heißt. Zwar wird nicht mehr behauptet, dass die eine Kultur besser und mehr wert sei als eine andere, aber trotzdem kann man mit diesem Konzept typische rechtsextreme Forderungen begründen wie "Deutschland den Deutschen", "die Türkei den Türken" und so weiter und so fort. In dieser Überbetonung, die eigene Kultur schützen zu müssen, verschwimmen letztlich die Grenzen zwischen Kulturalismus und Rassismus. Was den Ethnopluralismus aber so gefährlich macht, ist, dass das Konzept von der kulturellen Völkervielfalt anschlussfähig ist. Es lässt sich leichter behaupten, dass ein Mensch, der mit einem anderen kulturellen Hintergrund aufgewachsen ist, nicht zur eigenen Kultur passt, als ein Mensch, der zum Beispiel eine andere Hautfarbe hat. Der Wissenschaftler Richard Stöss hat einmal geschrieben: "Der Neo-Rassismus könnte eher als der traditionelle biologische Rassismus geeignet sein, die Bedürfnisse breiterer sozialer Schichten nach Orientierung, Identität und Schutz in einer Situation des raschen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruchs zufriedenzustellen." Ethnopluralisten, sagt Stöss, würden ihre Fremdenfeindlichkeit nämlich als Deutsch-Freundlichkeit ausgeben und für ihren Rassismus also auch noch ein humanitäres Anliegen in Anspruch nehmen.
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