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22.3.2019

Israel und Ägypten: Ein Frieden auf Umwegen

Am 26. März 1979 unterzeichneten Israel und Ägypten ein Friedensabkommen. Bis zu dieser Einigung war es jedoch ein langer Weg, der in den Friedensverhandlungen von Camp David ein halbes Jahr zuvor einen entscheidenden Höhepunkt hatte.

Ägyptens Präsident Anwar al-Sadat (l), US-Präsident Jimmy Carter und der israelische Ministerpräsident Menachem Begin (r) nach der Unterzeichnung des ägyptisch-israelischen Friedensvertrages vor dem Weißen Haus in Washington am 26. März 1979. (© picture-alliance/dpa)


Als Wegbereiter der Camp-David-Verhandlungen gilt der US-amerikanische Präsident Jimmy Carter. Er hatte bereits als Gouverneur des Bundesstaates Georgia eine Reise nach Israel und ins Westjordanland unternommen. Nachdem er am 20. Januar 1977 als Präsident vereidigt wurde, belebte er den Friedensprozess im Nahen Osten neu.

Die Vorgängerregierungen, allen voran der frühere Außenminister Henry Kissinger, hatten nach dem Jom-Kippur-Krieg von 1973 auf schrittweise, bilaterale Verhandlungen gesetzt. Die wegen Kissingers zahlreichen Flügen zwischen Kairo und Jerusalem als "Shuttle-Diplomatie" bezeichneten Gespräche führten zwar zu Anfangserfolgen – es gab bis 1975 erste Abzugsvereinbarungen zwischen Ägypten und Israel – doch von einer Normalisierung der Beziehungen waren beide Länder noch weit entfernt.

Sadats Besuch in Israel



Allerdings stießen Carters Pläne eines umfassenden Lösungsansatzes unter Teilnahme aller im Nahostkonflikt beteiligten Parteien anfangs auf Ablehnung. Insbesondere Israel wollte weiter an der "Shuttle-Diplomatie" festhalten. Am 9. November 1977 überraschte der ägyptische Präsident Anwar al-Sadat die Weltöffentlichkeit. Bei einer Rede anlässlich der ägyptischen Parlamentseröffnung verkündete Sadat, er sei bereit "bis ans Ende der Welt" und "sogar in die Knesset zu gehen“, wenn er damit den Tod eines einzigen ägyptischen Soldaten verhindern könne.

Israels Ministerpräsident Menachem Begin nahm Sadat beim Wort und lud den ägyptischen Staatschef nach Israel ein. Am 19. November 1977 besuchte Sadat Israel und bot der israelischen Regierung in einer Rede vor der Knesset einen "gerechten Frieden" an. Die israelische Regierung ließ die Öffentlichkeit wissen, dass sie an die Friedensabsichten Sadats glaube. Andere arabische Staaten jedoch brachen aus Protest gegen die ägyptische Annäherung an Israel den diplomatischen Kontakt zu Ägypten ab.

Zähe Verhandlungen in Camp David



Zwei wesentliche Ereignisse markieren den Prozess zum Friedensvertrag: Einerseits die Verhandlungen in Camp David vom 5. bis 17. September 1978, an deren Ende das Camp-David-Abkommen stand. Andererseits die Überführung dieser Verhandlungsergebnisse in den Israelisch-Ägyptischen Friedensvertrag, der am 26. März 1979 in Washington D. C. unterschrieben wurde.

Auf Vermittlung von Carter trafen sich im September 1978 Begin und Sadat auf dem Landsitz des amerikanischen Präsidenten in Camp David, um die Inhalte eines möglichen Friedensabkommens zu verhandeln. Die Verhandlungen waren mit großen diplomatischen Schwierigkeiten verbunden. Sadats Delegation wollte dem Kurs des eigenen Präsidenten nicht folgen. Auch die israelische Delegation soll tief gespalten gewesen sein.

Sowohl Sadat als auch Begin wollten abreisen



Mehrfach standen die Verhandlungen vor dem Abbruch, sowohl Begin als auch Sadat wollten abreisen. Carter überredete beide, zu bleiben. Der amerikanische Journalist Lawrence Wright schildert in seinem Buch „Dreizehn Tage im September“, wie Carter nach dem fünften Tag die stockenden Verhandlungen wieder in Bewegung brachte: Er habe einen "amerikanischen Friedensplan" entworfen und beiden Seiten klar gemacht, dass ihr Verhältnis zu den USA auf dem Spiel stünde. Mit dieser Taktik habe er dafür gesorgt, dass Israel und Ägypten den USA gegenüber Zugeständnisse machten, die sie sich gegenseitig nicht machen konnten, so Lawrence Wright.

Am Ende der Verhandlungen unterschrieben Sadat und Begin zwei Dokumente: Eines behandelte das Verhältnis zwischen Ägypten und Israel und beinhaltete bereits wesentliche Punkte des späteren Friedensvertrags. Ein zweites Dokument betraf den Aufbau eines Autonomieregimes im Westjordanland und im Gazastreifen.

Vertrag regelt das israelisch-ägyptische Verhältnis



Aufgrund dieser Vereinbarungen für einen Frieden im Nahen Osten – oft als Camp-David-Abkommen bezeichnet – wurden Sadat und Begin noch im gleichen Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Der Israelisch-Ägyptische Friedensvertrag bedurfte jedoch noch weiterer, intensiver Verhandlungen. Erst am 26. März 1979 wurde er in Washington unterzeichnet und beendete den seit 1948 herrschenden Kriegszustand zwischen Ägypten und Israel. Der Seitdem bildet er eine wichtige Grundlage für die Beziehungen zwischen beiden Ländern.

Mit dem Friedensvertrag versprach Israel, seine Truppen von der im Jahr 1973 besetzten Sinai-Halbinsel abzuziehen. Zudem sicherten sich beide Länder die Unverletzbarkeit der Staatsgrenzen zu. Sowohl Ägypten als auch Israel verpflichteten sich "dafür zu sorgen, dass Akte oder Drohungen von Aggressivität, Feindseligkeit oder Gewalt" weder von staatlichen noch von nicht-staatlichen Akteuren ausgingen. Mögliche Aggressionen sollen von der Justiz der jeweiligen Länder verfolgt und geahndet werden.

Geostrategisch führte der Friedensvertrag für Israel zu einer veränderten Lage: Israelischen Schiffen wurde der Zugang zum Suez-Kanal gewährt. Der Golf von Akaba und die Straße von Tiran wurden als internationale Wasserstraßen anerkannt.

Sadat wurde von Gegnern seiner Politik ermordet



Mit dem Israelisch-Ägyptischen Friedensabkommen hatte erstmals ein arabischer Staat Israel anerkannt und mit ihm diplomatische Beziehungen aufgenommen. Israel war nicht mehr ausschließlich von feindseligen Nationen umgeben.

Doch auch für Ägypten hatte der Vertrag weitreichende Folgen: Im Zuge der Vertragsunterzeichnung wurde das Land aus der Arabischen Liga ausgeschlossen und erst im Jahr 1989 wieder aufgenommen. Erst im Jahr 1994 erkannte auch Jordanien Israel an.

Sadat selbst wurde im Jahr 1981 bei einer Militärparade erschossen. Die Attentäter kamen aus dem Kreis des ägyptischen islamischen Jihads, einer militanten religiösen Bewegung. Sadats Aussöhnungspolitik mit Israel galt als einer der Gründe für die Tat.

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