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19.4.2020

Vor 25 Jahren: Bombenanschlag von Oklahoma City

Am 19. April 1995 zündete der Rechtsextremist Timothy McVeigh in Oklahoma City eine Autobombe. 168 Menschen starben, darunter 19 Kinder. Es war das bis dahin schwerste Attentat in der Geschichte der USA.

Die Nordseite des Alfred-P.-Murrah-Federal-Building in Oklahoma City nach dem Bombenanschlag am 19. April 1995. (© picture-alliance/AP)


Am Mittwochmorgen, dem 19. April 1995, parkte Timothy McVeigh einen Kleinlaster vor dem Alfred-P.-Murrah-Federal-Building, einem Gebäude des US-Bundesregierung in Oklahoma City. Im Laderaum des Wagens befand sich ein Sprengsatz aus Düngemittel und Treibstoff, der Zeitzünder war aktiviert. Um 9.02 Uhr explodierte die Bombe, riss die Frontfassade des Regierungsgebäudes ein und tötete 168 Menschen. Mehrere hundert Personen wurden verletzt.

Kurz nach dem Anschlag befand sich der Haupttäter bereits in Polizeigewahrsam. McVeigh war bei einer Verkehrskontrolle aufgefallen – bei seinem Fluchtauto fehlten die Kennzeichen und er trug verdeckt eine Schusswaffe. Noch wusste die Polizei aber nicht, dass der 26-Jährige hinter dem Attentat steckte. Erst zwei Tage später brachten ihn die Beamten mit der Explosion in Verbindung: Über die Seriennummer eines Autoteils des Miet-Lasters und eine Phantomzeichnung wurde McVeigh als Tatverdächtiger identifiziert.

FBI-Aktion von Waco als Vorwand

Das Datum für den Anschlag hatte McVeigh bewusst ausgewählt. Wie er später aussagte, wollte er die Tragödie um den militanten Sektenführer David Koresh in Waco (Texas) rächen. Dessen Sekte, die sogenannten Branch Davidians, hatte sich schwer bewaffnet, angeblich um für den Weltuntergang gerüstet zu sein. Als das zuständige staatliche Amt für Alkohol, Tabak und Schusswaffen (ATF) am 28. Februar 1993 eine Razzia durchführen wollte, kam es zum Schusswechsel – sowohl Beamte als auch Mitglieder der Sekte starben. Das FBI übernahm die Leitung der Operation und belagerte die Ranch der Sekte. Nach 51 Tagen stürmten die Sicherheitsbehörde am 19. April 1993 schließlich das Anwesen, das unter bislang ungeklärten Umständen in Flammen aufging. Über 70 Davidianer starben im Feuer, darunter auch Koresh.

Die Ereignisse in Waco gelten als ein Schlüsselmoment für die rechtsextremistische Szene der USA in den 1990er Jahren, die den FBI-Einsatz als Zeichen der Unterdrückung von Religionsausübung und Waffenbesitz durch die Bundesregierung bewertete. Auch McVeigh sympathisierte mit dem angeblich patriotischen Aufstand der Verbarrikadierten gegen den Staat.

Antisemitische Buchvorlage

McVeigh wollte sich mit dem Oklahoma-Attentat an der Regierung rächen. Unterstützt wurde der Golfkriegsveteran dabei von Terry Nichols und Michael Fortier, die er bei seinem dreijährigen Militärdienst kennengelernt hat. McVeigh und Nichols bereiten die Tat sechs Monate lang vor, dazu gehörten auch Tests mit selbstgebastelten Bomben.

Sein Weltbild entwickelte McVeigh über Jahre. Auf dem College hatte er 1986 zum Beispiel "Die Turner-Tagebücher" ("The Turner Diaries") gelesen, ein antisemitisches Werk des US-Rechtsextremisten William Luther Pierce von 1978. Der Roman beschreibt eine „weiße Revolution“, in der die Protagonisten als "einsame Wölfe" ("Lone Wolfs") nach dem Konzept des "führerlosen Widerstands" ("Leaderless Resistance") kämpfen. Geschildert wird unter anderem ein Autobomben-Anschlag auf die FBI-Zentrale.

Die rechtsextreme Verschwörungstheorie inspirierte McVeigh: Selbst bei der Uhrzeit des Bombenanschlags orientierte er sich an der Buchvorlage.

Kontakt zu rechtsextremen Milizen

McVeigh, Nichols und Fortier bewegten sich im Umfeld der sogenannten Militias im Mittleren Westen der USA. Diese selbsternannten rechtsextremen Bürgerwehren trainierten in den 1990er Jahren in abgelegenen Wäldern für den bewaffneten Kampf gegen die Staatsgewalt. Sie lehnten Schusswaffenkontrollen ab und verdächtigten die Bundesregierung, aufrechte Bürger entwaffnen zu wollen.

Das Gebäude in Oklahoma City wählte McVeigh den rechten Verschwörungstheorien folgend als Ziel aus, weil darin mehrere Bundesbehörden untergebracht waren, unter anderem auch das Amt für Alkohol, Tabak und Schusswaffen (ATF). Angeblich soll die Waco-Aktion gegen die Davidianer-Sekte von Oklahoma City aus gesteuert worden sein.

Todesurteil für den Attentäter

1997 wurde McVeigh zum Tode verurteilt und am 11. Juni 2001 hingerichtet. Mittäter Terry Nichols musste lebenslänglich ins Gefängnis. Ihr Komplize Michael Fortier und seine Frau Lori stellten sich als Kronzeuge zur Verfügung und sagten gegen McVeigh und Nichols aus. Im Gegenzug wurde Lori Fortier Immunität gewährt und Michael Fortier erhielt eine Haftstrafe von zwölf Jahren.

Als Konsequenz aus dem Oklahoma-Attentat baute das FBI die Abteilung für Inlandsterror aus. Die Zusammenarbeit von FBI und lokaler Polizei wurde verstärkt. Bei allen Bundesgebäuden wurden die Sicherheitsmaßnahmen erhöht. Das Justizministerium unter US-Präsident Bill Clinton richtete eine spezielle Taskforce ein. Nach den Anschlägen vom 11. September verschob sich der Fokus der Sicherheitsapparate auf den islamistischen Terrorismus. Rechtsextreme Morde, wie die Attentate von Charleston, Pittsburgh oder El Paso, erschüttern auch heute noch die USA, auch wenn sich die Strukturen und Vorgehensweisen innerhalb der rechten Szene verändert haben.

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