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6.9.2021

Vor 20 Jahren: Terroranschläge vom 11. September

Am 11. September 2001 verübten islamistische Terroristen Anschläge auf das World Trade Center in New York, auf das Pentagon in Washington D.C. und auf einen Linienjet, bei denen etwa 3.000 Menschen starben. Die Ereignisse gelten heute als Wendepunkt der jüngeren Geschichte.

Das zweite Flugzeug von United Airlines, Flug 175 von Boston, steuert auf den noch unversehrten Turm des World Trade Centers in New York zu (Archivfoto vom 11.09.2001). (© picture-alliance/dpa, epa afp Seth Mcallister)


Am 11. September 2001 verübte die islamistische Terrororganisation Al-Qaida den bisher folgenreichsten Terrorakt in der jüngeren Geschichte. Terroristen kaperten vier Linienflugzeuge, erlangten mit Gewalt die Kontrolle über die Cockpits und steuerten die Maschinen in vorher dafür bestimmte Ziele. Der American-Airlines-Flug 11 wurde um 8:46 Uhr Ortszeit in den Nordturm des World Trade Centers gelenkt und schlug zwischen dem 93. und dem 99. Stockwerk ein. Ab diesem Zeitpunkt waren Fernsehteams vor Ort, die Bilder aus Manhattan live in die gesamte Welt übertrugen.

Nur 17 Minuten später schlug der United-Airlines-Flug 175 zwischen dem 77. und 85. Stock in den Südturm des World Trade Centers ein. Um 9:37 Uhr schließlich lenkten die Terroristen den American-Airlines-Flug 77 in den Westteil des Pentagons in Washington D.C., dem Sitz des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums.

Die Folgen der Anschläge waren verheerend: Alle Passagiere an Bord starben sofort, ebenso zahlreiche Menschen, die sich in den Gebäuden aufhielten. Allein im Pentagon kamen 125 Menschen ums Leben. Das Kerosin entfachte Brände in den beiden Türmen des World Trade Centers. Die Hitze sorgte dafür, dass tragende Stahlteile in den Türmen nachgaben. Der Südturm stürzte um 9:59 Uhr ein, der Nordturm um 10:28 Uhr.

Tote und Verletzte

Ein weiteres Flugzeug, der United-Airlines-Flug 93, wurde von den Terroristen in Richtung Washington D.C. gelenkt – es ist unklar, welches Ziel sie damit ansteuern wollten. Passagiere an Bord, die von den Anschlägen in New York erfahren hatten, versuchten die Terroristen von ihrem Vorhaben abzuhalten. Es wird angenommen, dass die Terroristen durch den Widerstand erkannten, dass sie ihr Ziel nicht erreichen konnten und deswegen in den Sinkflug übergingen. Die Maschine schlug um 10:03 Uhr auf einem Feld im US-Bundestaat Pennsylvania ein.

Insgesamt starben bei den Attentaten etwa 3.000 Menschen, davon 2.052, die sich in den beiden Türmen des World Trade Centers aufhielten. Staatsbürgerinnen und Staatsbürger aus 92 Nationen waren unter den Todesopfern. Mehr als 6.000 Menschen wurden bei den Anschlägen verletzt. Insgesamt befanden sich am Morgen des 11. September 2001 zwischen 16.400 und 18.800 Menschen im World Trade Center. Weit mehr als 90 Prozent der Todesopfer befanden sich zum Zeitpunkt der Anschläge auf Höhe der Einschlagsstellen oder darüber. Sie hatten kaum eine Chance zu entkommen, weil die Explosionen Fahrstühle und Treppenhäuser zerstörten. Manche stürzten sich deswegen von den über 400 Meter hohen Türmen in den Tod.

Der Terrorakt löste in den USA und weltweit Entsetzen aus. Es kam zu spontanen Trauerkundgebungen in zahlreichen größeren Städten. Fernsehsender änderten ihr Programm oder setzten sogar zeitweise den Sendebetrieb aus.

Reaktionen auf die Anschläge

Der damalige US-Präsident George W. Bush erfuhr von den Anschlägen während eines Besuchs in einer Grundschule. Er sagte das anschließende Pressebriefing mit der Begründung ab, dass es eine "nationale Tragödie" gegeben habe und wurde mit dem Präsidentenflieger "Air Force One" in die Luftwaffenbasis Barksdale geflogen. Dort äußerte er sich zu den Ereignissen: "Die Vereinigten Staaten werden die Verantwortlichen für diese feigen Taten zur Strecke bringen und bestrafen." Die Streitkräfte der USA wurden in erhöhte Einsatzbereitschaft versetzt.

Im deutschen Bundestag wurden am 12. September 2001 die laufenden Haushaltsberatungen unterbrochen, um der Opfer zu gedenken. Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sprach von einer "Kriegserklärung an die zivilisierte Völkergemeinschaft" und sicherte US-Präsident Bush die "uneingeschränkte Solidarität Deutschlands" zu. Zum ersten und bisher einzigen Mal erklärte die Nato am gleichen Tag den Bündnisfall auf Basis von Artikel 5 des Nordatlantikvertrags. Ebenfalls am 12. September verurteilte der UN-Sicherheitsrat die Anschläge und rief alle Staaten dazu auf, die Drahtzieher sowie deren Helfer und Organisatoren zur Rechenschaft zu ziehen.

"Krieg gegen den Terror"

Bereits kurz nach den Anschlägen deuteten Indizien darauf hin, dass Osama bin Laden und das Terrornetzwerk Al-Qaida hinter den Anschlägen stecken könnten. In einer Rede vor dem US-Kongress am 20. September 2001 kündigte US-Präsident Bush Vergeltung für die Attentate an. Er machte Al-Qaida für die Anschläge verantwortlich und brachte das Netzwerk in Verbindung zu dem in Afghanistan herrschenden Taliban-Regime. „Der Krieg gegen den Terror wird erst enden, wenn jede einzelne terroristische Gruppe mit weltweiter Reichweite gefunden, gestoppt und besiegt ist", sagte Bush.

Al-Qaida

Al-Qaida (Arabisch: "die Basis") ist ein islamistisches Terrornetzwerk, das von dem aus Saudi-Arabien stammenden Osama bin Laden gegründet wurde. Neu an Al-Qaida war der internationale Charakter des Netzwerks: Bis dato operierten terroristische Organisationen meist regional, wie etwa die Euskadi ta Askatasuna (ETA) im spanischen und französischen Baskenland, die Provisional Irish Republican Army (IRA) im Vereinigten Königreich und Irland sowie die Rote Armee Fraktion (RAF) in Deutschland. Al-Qaida dagegen bot radikalislamistischen Kräften in der ganzen Welt eine Plattform. Entstanden ist die terroristische Vereinigung nach dem Sowjetisch-Afghanischen Krieg von 1979 bis 1989, wo bin Laden auf Seiten der Mudschaheddin gegen die Sowjetarmee kämpfte. Besonders durch den Zweiten Golfkrieg im Jahr 1991 radikalisierten sich die Mitglieder des Netzwerks.


Die Rede ging als "War-on-Terror-Rede" in die Geschichte ein und markiert den Beginn des US-amerikanischen Kampfes gegen den weltweiten Terrorismus, der unter anderem die Kriegseinsätze in Afghanistan, im Irak und weitere Militärmissionen zur Folge hatte. Auch zahlreiche innenpolitische Maßnahmen wurden ergriffen, wie beispielsweise der US Patriot Act vom Oktober 2001, der Bürgerrechte zum Teil beschnitt.

Intervention in Afghanistan

Der Nato-Bündnisfall wurde offiziell am 2. Oktober 2001 erklärt. Am 7. Oktober begann die "Operation Enduring Freedom", die sich auf Resolution 1368 des UN-Sicherheitsrates stützte. Deren Ziel war es zunächst, Al-Qaida in Afghanistan zu zerschlagen, Osama bin Laden zu fassen und das Taliban-Regime zu stürzen. Der Bundestag beschloss am 16. November, dass auch die Bundeswehr sich an der "Operation Enduring Freedom" beteiligen werde. Afghanistan wurde von den Nato-Truppen und der verbündeten Mudschaheddin-Gruppe "Nordallianz" bis Dezember 2001 vollständig eingenommen. Osama bin Laden konnte jedoch zunächst nicht gefasst werden.

Die Operation Enduring Freedom wurde fortgesetzt. Zeitweise bis zu 5.350 deutsche Soldatinnen und Soldaten waren bis 2010 im Rahmen der bis Ende 2014 dauernden UN- Mission im Einsatz. Auf Basis der Resolution 1386 des UN-Sicherheitsrates, die am 20. Dezember 2001 verabschiedet wurde, bildeten die USA und ihre Verbündeten die International Security Assistance Force (ISAF), die die neue afghanischen Regierung beim Aufbau eines demokratischen Staates unterstützen und Sicherheit für internationale Institutionen schaffen sollte. Mit zunehmender Dauer nahmen dabei heftige Kämpfe gegen die wiedererstarkenden Taliban zu. Danach folgte die Mission "Resolute Support", die der Ausbildung von afghanischen Sicherheitskräften diente. Sie endete mit dem Abzug der alliierten Truppen im Frühjahr und Sommer 2021.

Gefangenenlager Guantanamo

In Guantanamo, einem US-Marine-Stützpunkt auf Kuba, schufen die USA ein Gefangenenlager, in das ab Januar 2002 Menschen überführt wurden, die die USA nicht als Kriegsgefangene, sondern als "unrechtmäßige Kombatanten" betrachteten. Erst auf internationalen Druck wurden den Gefangenen einige grundsätzliche verfassungsmäßige Rechte zugestanden. Es gibt Berichte über dort verübte Folterungen. Trotz mehrmaliger Versprechen, das Lager aufzulösen, befanden sich im Sommer 2021 dort noch 39 Gefangene.

Im Jahr 2002 begann sich abzuzeichnen, dass die USA auch im Irak militärisch intervenieren wollen. Einerseits behaupteten die USA, dass es Verbindungen zwischen Al-Qaida und dem Regime des damaligen irakischen Herrschers Saddam Hussein gebe. Die so genannte "Bush-Doktrin" ging von der Notwendigkeit präventiver Militärschläge aus. Später wurde ein möglicher Präventivkrieg mit dem Vorwurf gerechtfertigt, dass der Irak über Massenvernichtungswaffen verfüge. Vor den Vereinten Nationen präsentierte US-Außenminister Colin Powell dafür im Februar 2003 vermeintliche Beweise, die sich aber ein Jahr später als falsch herausstellten. Der UN-Sicherheitsrat verweigerte die Zustimmung für eine Resolution, die einen solchen Einsatz legitimiert hätte. Auch in Deutschland zeichnete sich bereits früh massiver Widerstand gegen eine Beteiligung an einer solchen Intervention ab. Die USA bildeten daraufhin die so genannte "Koalition der Willigen". Nach verschiedenen von der US-Regierung verbreiteten Versionen umfasste sie bis zu 49 Staaten, darunter auch zahlreiche EU-Länder wie Polen, Italien, Großbritannien und Spanien. Die Regierungen Deutschlands und Frankreichs lehnten eine Beteiligung ab.

Irakkrieg

In der Nacht zum 20. März 2003 (MEZ) begann unter dem Namen "Operation Iraqi Freedom" die US-geführte Militärintervention in den Irak, die ohne UN-Mandat und nur mit einem Teil der Nato-Staaten durchgeführt wurde. Bereits Anfang Mai 2003 erklärte US-Präsident Bush die Hauptkampfhandlungen für beendet. Tatsächlich entwickelte sich aus dem Konflikt in der Folge ein teilweise erbittert geführter Guerillakrieg mit Aufständischen im gesamten arabischen Teil des Iraks. Ende 2011 verließen die letzten US-amerikanischen Kampftruppen das Land. Im Kampf gegen die islamistische Terrororganisation "Islamischer Staat" intervenierten die USA erneut. Bis heute sind 2.500 US-Soldaten im Irak stationiert. Der Einsatz soll in diesem Jahr beendet werden.

Der Irakkrieg und der Afghanistankrieg kosteten insgesamt mehr als 7.000 US-Soldaten das Leben. Wie viele Zivilisten im Irak durch Kampfeinwirkungen gestorben sind, ist umstritten. Schätzungen gehen von bis zu zweihunderttausend aus, die durch die Gewalt von Aufständischen oder den Koalitionstruppen getötet wurden. Hinzu kommen etwa 50.000 Tote unter den irakischen Sicherheitskräften und bis zu 40.000 Toten unter den Aufständischen. In Afghanistan starben laut Zahlen der Brown University mehr als 64.000 einheimische Sicherheitskräfte, etwa 43.000 Zivilisten und 42.000 Aufständische.

Nachwirkungen und Gedenken in den USA

Die Anschläge vom 11. September sind für die USA bis heute ein tiefes gesamtgesellschaftliches Trauma. Für viele US-Amerikanerinnen und Amerikaner ging damals die Gewissheit verloren, dass ihr Land aufgrund seiner militärischen Größe und seiner geografischen Lage quasi unverwundbar sei. Tausende feierten in New York die gezielte Tötung von Osama bin Laden durch US-amerikanische Spezialeinheiten in Pakistan im Mai 2011.

An der Stelle des früheren World Trade Centers steht heute das "One World Trade Center", mit 541 Metern eines der höchsten Gebäude der Welt. An dessen Fundament liegt das "9/11 Memorial and Museum", dessen Grundstruktur mit zwei großen Brunnen die Abdrücke der beiden Türme abbildet. Die Entschädigung für die Opfer der Anschläge, die durch Staub, Rauch und Trümmer bei den Rettungsarbeiten verletzt wurden, verlief schleppend.

Ende der Militäreinsätze in Afghanistan und Irak

Während seiner US-Präsidentschaft beendete Barack Obama den Krieg im Irak und begann ab Juni 2011 auch in Afghanistan mit dem Abzug der Truppen. Er erklärte 2013, dass die USA abseits von dem damals noch laufenden Einsatz in Afghanistan ihre Bemühungen über den "Global War on Terror" und Kampfeinsätzen in anderen Staaten hinausdenken müssten – etwa durch gezielte Anstrengungen, Netzwerke zu zerschlagen, was er unter anderem mit ausgeweiteten Drohnenangriffen erreichen wollte. So befahl er den Einsatz gegen den "Islamischen Staat" im Irak und in Syrien.

Der auf Obama folgende US-Präsident Donald Trump kündigte bereits im Wahlkampf 2016 an, die Einsätze gegen den IS und in Afghanistan zu beenden. Während seiner Amtszeit leitete Trump umstrittene Verhandlungen mit den Taliban ein.

Taliban

Die Bewegung der Taliban (Paschtu und Dari: "Studenten") entstand Anfang der 1990er-Jahre in Pakistan. Ihr gehörten paschtunische Flüchtlinge aus Afghanistan und Veteranen des Sowjetisch-Afghanischen Krieges an, die auf den orthodoxen Koranschulen der Gemeinschaft der Gelehrten des Islam (Jamiat Ulema-e-Islam, JUI) ausgebildet wurden.


Jedoch kündigte erst US-Präsident Joe Biden im April 2021 den vollständigen Abzug der US-Truppen bis zum 11. September 2021 an, dem 20. Jahrestag der Anschläge vom 11. September. Bis zuletzt hatte die US-Regierung gehofft, dass die Hauptstadt Kabul bis zum vorgesehenen Abzugsdatum von der mit US-amerikanischem Militärmaterial ausgerüsteten afghanischen Armee gehalten werden könnte. Doch der Vormarsch der Taliban beschleunigte sich im Juli und August 2021. Binnen weniger Tage nahmen die Taliban einen Großteil der afghanischen Provinzhauptstädte ein. Das afghanische Militär ergab sich vielerorts kampflos. Am 15. August eroberten die Taliban auch die afghanische Hautstadt Kabul. Bis Ende August sicherten US-amerikanische Streitkräfte den Flughafen der afghanischen Hauptstadt für eine Evakuierungsmission. Am 30. August verließ nach fast 20 Jahren der letzte US-Soldat afghanischen Boden.

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