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30.1.2020

Heraufsetzung der Altersgrenzen

Bis zum Jahr 2029 wird das gesetzliche Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre erhöht. Wie sieht diese Regelung aus, gibt es noch Möglichkeiten eine vorgezogene Altersrente zu beziehen?

Stempel mit der Aufschrift Rente und 67. Im Jahr 2007 beschloss der Bundestag das gesetzliche Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre anzuheben. (© picture-alliance, chromorange)


Das am 09.03.2007 vom Deutschen Bundestag beschlossene "Gesetz zur Anpassung der Regelaltersgrenze an die demografische Entwicklung und zur Stärkung der Finanzierungsgrundlagen der gesetzlichen Rentenversicherung" stellt den bisherigen Endpunkt eines seit den 1990er Jahren beginnenden Paradigmenwechsels in der Rentenpolitik dar. Danach erfolgt seit 2012 bis hin zum Jahr 2029 eine schrittweise Anhebung der Regelaltersgrenze, zunächst für die Geburtsjahrgänge 1947 bis 1958 jährlich um jeweils einen Monat, dann für die Geburtsjahrgänge 1959 bis 1963 um jeweils zwei Monate. Ab dem Geburtsjahrgang 1964 liegt die Regelaltersgrenze dann bei 67 Jahren. Von einigen Ausnahmen eines vorzeitigen Rentenbezugs abgesehen, ist also ab dem Jahr 2029 ein Renteneintritt in eine abschlagsfreie Altersrente vor dem Erreichen des 67. Lebensjahres nicht mehr möglich (vgl. Tabelle).

Die stufenweise Anhebung der Altersgrenze bei der Regelaltersrente

Versicherte
Geburtsjahr
Anhebung
um Monate
auf Alter
JahrMonat
1947 1 65 1
1948 2 65 2
1949 3 65 3
1950 4 65 4
1951 5 65 5
1952 6 65 6
1953 7 65 7
1954 8 65 8
1955 9 65 9
1956 10 65 10
1957 11 65 11
1958 12 66 0
1959 14 66 2
1960 16 66 4
1961 18 66 6
1962 20 66 8
1963 22 66 10
1964 24 67 0


Dabei gelten (nach Abschluss der Anpassung) nur noch die vier folgenden Sonderregelungen / Sonderaltersgrenzen: Bei der Erwerbsminderungsrente wurde die Altersgrenze für einen abschlagsfreien Rentenbezug auf das vollendete 65. Lebensjahr festgelegt, mit einer stufenweisen Anhebung zwischen 2012 und 2024. Eine Ausnahme besteht für besonders langjährig Versicherte mit 40 Pflichtversicherungsjahren. Stufenweise wird auch die Altersgrenze für den Bezug einer großen Witwen-/Witwerrente vom 45. auf das 47. Lebensjahr angehoben (Ausnahmen: während aktueller Kindererziehung oder bei Erwerbsminderung).

Als zentrale Begründungen für die Anhebung der Regelaltersgrenze wurden und werden folgende Argumente ins Feld geführt: Allerdings ist die Heraufsetzung der Regelaltersgrenze bis heute strittig. Die Frage ist vor allem, ob die in den Argumenten enthalten Annahmen tatsächlich zutreffen: Sind die älteren Beschäftigten angesichts ihrer gesundheitlichen und beruflichen Leistungsfähigkeit tatsächlich in der Lage länger zu arbeiten? Was ist mit denen, die es nicht schaffen? Stehen genügend Arbeitsplätze für Ältere zur Verfügung?

Für den Einzelnen ist "sein" Rentenalter, in seinen persönlichen, beruflichen und familiären Planungen sehr wichtig. Gerade eine Erhöhung des Rentenalters findet bei vielen keine Zustimmung, da sie in die Lebensplanung eingreift.
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Gerhard Bäcker, Ernst Kistler

Gerhard Bäcker

Gerhard Bäcker, Prof. Dr., geboren 1947 in Wülfrath ist Senior Professor im Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen. Bis zur Emeritierung Inhaber des Lehrstuhls "Soziologie des Sozialstaates" in der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen. Forschungsschwerpunkte: Theorie und Empirie des Wohlfahrtsstaates in Deutschland und im internationalen Vergleich, Ökonomische Grundlagen und Finanzierung des Sozialstaates, Systeme der sozialen Sicherung, insbesondere Alterssicherung, Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik, Lebenslagen- und Armutsforschung.


Ernst Kistler

Ernst Kistler, Prof. Dr., geboren 1952 in Windach/Ammersee ist Direktor des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie, INIFES gGmbH in Stadtbergen bei Augsburg. Forschungsschwerpunkte: Sozial- und Arbeitsmarktberichterstattung, Demografie, Sozialpolitik, Armutsforschung.


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