zurück 
counter 26.9.2018

Bevölkerung mit Migrationshintergrund I

In absoluten Zahlen, Anteile an der Gesamtbevölkerung in Prozent, 2017
Bevölkerung mit Migrationshintergrund I

Quelle: Statistisches Bundesamt: Mikrozensus – Bevölkerung mit Migrationshintergrund
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

In Deutschland hat knapp jede vierte Person einen Migrationshintergrund – in Westdeutschland gut jede vierte, in Ostdeutschland jede fünfzehnte Person (2017: 26,5 bzw. 6,8 Prozent). Bezogen auf die Bundesländer leben die meisten Personen mit Migrationshintergrund in Nordrhein-Westfalen (26,2 Prozent). Ihr Anteil an der Bevölkerung ist in Bremen am höchsten (32,0 Prozent). Von allen Personen mit Migrationshintergrund sind rund zwei Drittel selbst eingewandert und ein Drittel ist in Deutschland geboren (68,4 bzw. 31,6 Prozent). Etwas mehr als die Hälfte der Personen mit Migrationshintergrund sind Deutsche (51,1 Prozent). Mittelfristig wird sich der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund weiter erhöhen: 2017 hatten 39,1 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren einen Migrationshintergrund.

Fakten



Im Jahr 2017 hatten 19,3 Millionen der insgesamt 81,7 Millionen Einwohner in Deutschland einen Migrationshintergrund (Zugewanderte und ihre Nachkommen). Von diesen 19,3 Millionen Personen waren 9,8 Millionen Deutsche und 9,4 Millionen Ausländer (51,1 bzw. 48,9 Prozent).

Gut zwei Drittel der Personen mit Migrationshintergrund – 13,2 Millionen bzw. 68,4 Prozent – waren 2017 selbst Migranten (erste Generation). Die Personen mit eigener Migrationserfahrung unterteilen sich in Ausländer (41,2 Prozent) und Deutsche (27,2 Prozent) – zusammen die genannten 68,4 Prozent. Personen ohne eigene Migrationserfahrung, also Migranten in zweiter oder dritter Generation, machten knapp ein Drittel der Personen mit Migrationshintergrund aus (31,6 Prozent). Diese Gruppe teilt sich in Deutsche ohne eigene Migrationserfahrung (23,9 Prozent) und Ausländer, die ebenfalls in Deutschland geboren wurden (7,7 Prozent).

Die Deutschen mit eigener Migrationserfahrung (27,2 Prozent aller Personen mit Migrationshintergrund) untergliedern sich in selbst zugewanderte (Spät-)Aussiedler (14,8 Prozent), selbst zugewanderte Eingebürgerte (10,5 Prozent) sowie selbst zugewanderte Adoptierte und als Deutsche Geborene (0,2 bzw. 1,6 Prozent). Die Deutschen mit Migrationshintergrund aber ohne eigene Migrationserfahrung (23,9 Prozent aller Personen mit Migrationshintergrund) lassen sich ebenfalls unterteilen: Die beiden Gruppen Eingebürgerte (2,8 Prozent) und Adoptierte (0,1 Prozent) sind dabei deutlich kleiner als die Gruppe der als Deutsche Geborenen (21,1 Prozent). Letztere sind zum Beispiel Kinder von Eingebürgerten, deutsche Kinder ausländischer Eltern oder Kinder von (Spät-)Aussiedlern.

Im Jahr 2017 lebten 95,6 Prozent der Personen mit Migrationshintergrund in Westdeutschland und Berlin. Mehr als jede vierte Person mit Migrationshintergrund lebte dabei in Nordrhein-Westfalen (26,2 Prozent), jeweils etwa jede Sechste in Baden-Württemberg und Bayern (17,5 bzw. 15,9 Prozent). Bezogen auf die jeweilige Bevölkerung der Bundesländer war ihr Anteil in den Stadtstaaten Bremen (32,0 Prozent), Hamburg (30,6 Prozent) und Berlin (29,4 Prozent) sowie in den Flächenländern Hessen (31,1 Prozent), Baden-Württemberg (30,9 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (28,4 Prozent) am höchsten. In Ostdeutschland lag der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung bei lediglich 6,8 Prozent (Westdeutschland mit Berlin: 26,5 Prozent, Deutschland: 23,6 Prozent).

59,9 Prozent aller Personen mit Migrationshintergrund lebten 2017 in städtischen, 13,0 Prozent in ländlichen Regionen. Auf Gemeindeebene gilt, dass je größer die Einwohnerzahl der Gemeinde ist, desto größer ist tendenziell auch der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung: Während beispielsweise der Anteil in den Gemeinden mit weniger als 2.000 Einwohnern im Jahr 2017 bei 8,0 Prozent lag, hatte in den Gemeinden mit 20.000 bis unter 50.000 Einwohnern durchschnittlich etwa jede vierte Person einen Migrationshintergrund (24,4 Prozent). In den Gemeinden mit 500.000 Einwohnern und mehr lag der entsprechende Anteil bei 32,7 Prozent.

Mittelfristig wird sich der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund weiter erhöhen: Im Jahr 2017 hatten in Deutschland 39,1 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren einen Migrationshintergrund – in der Gruppe der 35- bis unter 45-Jährigen lag der entsprechende Anteil im selben Jahr bei 30,9 Prozent und bei den 85- bis unter 95-Jährigen bei 8,9 Prozent.

Europa ist für die Migration in Deutschland besonders bedeutsam: 36,0 Prozent der 19,3 Millionen Personen mit Migrationshintergrund stammten 2017 aus einem der 27 anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union, weitere 31,9 Prozent aus einem anderen europäischen Staat. Die meisten der 19,3 Millionen Personen mit Migrationshintergrund stammten im Jahr 2017 aus der Türkei (14,4 Prozent), gefolgt von Polen (10,9 Prozent), Russland (7,2 Prozent), Italien und Rumänien (jeweils 4,5 Prozent). Kasachstan und Syrien sind mit Anteilen von 6,4 bzw. 3,7 Prozent die wichtigsten nicht-europäischen Herkunftsländer.

Im Mikrozensus 2017 gaben rund 2,9 Millionen zugewanderte Deutsche (einschließlich zeitgleich eingereister Ehegatten und Kinder) an, mit dem Aussiedler- bzw. Spätaussiedlerstatus nach Deutschland eingereist zu sein. Die meisten (Spät-)Aussiedler kommen aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion (2017: 1,6 Mio.) – darunter vor allem aus Kasachstan (730.000) und aus Russland (683.000). Daneben sind Polen (790.000) und Rumänien (239.000) wichtige Herkunftsländer.

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: Mikrozensus – Bevölkerung mit Migrationshintergrund

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Nach der Definition des Statistischen Bundesamtes hat eine Person einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt besitzt: Die Vertriebenen des Zweiten Weltkrieges und ihre Nachkommen gehören nicht zur Bevölkerung mit Migrationshintergrund, da sie und ihre Eltern mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren sind.

Eine Person hat dann eine eigene Migrationserfahrung, wenn sie im Ausland geboren ist. Sie ist damit ein Zuwanderer. Eine Person hat keine eigene Migrationserfahrung, wenn sie in Deutschland geboren ist.

Ausländer/innen sind Personen, die nicht Deutsche im Sinne des Artikels 116 Absatz 1 des Grundgesetzes sind, das heißt nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Dazu zählen auch Staatenlose und Personen mit ungeklärter Staatsangehörigkeit. Sie können in Deutschland geboren oder zugewandert sein.

(Spät-)Aussiedler/innen: Spätaussiedler sind im amtlichen Sprachgebrauch seit dem 1. Januar 1993 Menschen, die im Rahmen eines Aufnahmeverfahrens als deutsche Volkszugehörige nach Deutschland übergesiedelt sind. Vorher wurden sie nach dem Bundesvertriebenengesetz als Aussiedler bezeichnet. Der Begriff umfasst vor allem die Angehörigen von deutschen Minderheiten, deren Familien teilweise seit Generationen in Ostmitteleuropa, Osteuropa, Südosteuropa und teilweise in Asien gelebt haben und die verstärkt seit 1989 in die Bundesrepublik Deutschland eingereist sind.

Der Mikrozensus ist eine repräsentative Haushaltsbefragung der amtlichen Statistik in Deutschland. Rund 830.000 Personen in etwa 370.000 privaten Haushalten und Gemeinschaftsunterkünften werden stellvertretend für die gesamte Bevölkerung zu ihren Lebensbedingungen befragt. Dies sind ein Prozent der Bevölkerung, die nach einem festgelegten statistischen Zufallsverfahren ausgewählt werden. Die Befragung ist absolut vertraulich und die Daten werden nur für statistische Zwecke verwendet.

Ab 2017 werden beim Mikrozensus nur noch bei der Bevölkerung in Privathaushalten alle Merkmale erhoben. Für die 1,315 Millionen Menschen in Gemeinschaftsunterkünften liegen hingegen nur noch einige ausgewählte Angaben vor, die eine Bestimmung des Migrationshintergrunds nicht mehr zulassen. Die hier gemachten Angaben beziehen sich daher nur noch auf die Bevölkerung in Privathaushalten. Zu weiteren methodischen Effekten beim Mikrozensus 2017 siehe PDF-Icon "Methodische Bemerkungen" der Fachserie 1 Reihe 2.2.

In den Jahren 2005, 2009 und 2013 wurde beim Mikrozensus zusätzlich die Bevölkerung mit Migrationshintergrund "im weiteren Sinn" abgebildet. Diese umfasst auch in Deutschland geborene Personen mit Migrationshintergrund, die die deutsche Staatsangehörigkeit seit Geburt haben, aber nicht mehr mit ihren Eltern in einem Haushalt leben. Diese Personen mit Migrationshintergrund tauchen in der Statistik nur auf, wenn die Befragten explizit nach den Migrationsmerkmalen der Eltern gefragt werden. Dies geschieht jedoch nicht bei jedem Mikrozensus. Die Zahl der Bevölkerung mit Migrationshintergrund im weiteren Sinn lag 2013 bei 16,5 Millionen (20,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) und die Zahl der Bevölkerung mit Migrationshintergrund im engeren Sinn bei 15,9 Millionen (19,7 Prozent) – rund 624.000 Personen weniger. Die Angaben im Text beziehen sich ausschließlich auf die Bevölkerung mit Migrationshintergrund im engeren Sinn.

Informationen zum Thema Einbürgerung erhalten Sie hier...

Informationen zum Thema (Spät-)Aussiedler erhalten Sie hier...

Bevölkerung mit Migrationshintergrund I

In absoluten Zahlen, Anteile an der Gesamtbevölkerung in Prozent, 2017

in Tsd. in Prozent
Gesamtbevölkerung 81.740 100,0
davon:
ohne Migrationshintergrund 62.482 76,4
mit Migrationshintergrund1 19.258 23,6
davon:
Ausländer mit eigener Migrationserfahrung 7.937 9,2
Ausländer ohne eigene Migrationserfahrung 1.479 1,8
Deutsche mit eigener Migrationserfahrung 5.235 6,4
Deutsche ohne eigene Migrationserfahrung 4.608 5,6
1 im engeren Sinn; siehe hierzu: Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen.

Quelle: Statistisches Bundesamt: Mikrozensus – Bevölkerung mit Migrationshintergrund
Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.

Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln