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8.4.2015

Editorial

"The German war is at an end" – mit diesen Worten richtete sich der britische Premierminister Winston Churchill am 8. Mai 1945 um 15 Uhr per Radioansprache an die britische Bevölkerung und verkündete das Weltkriegsende in Europa. Entfesselt vom Deutschen Reich, hatte der Krieg binnen sechs Jahren weltweit rund 60 Millionen Menschenleben gefordert; das europäische Judentum hatten die Deutschen nahezu ausgelöscht.

Das Kriegsende in Europa bedeutete keineswegs überall ein Ende der Gewalt. Im Pazifik dauerte der Krieg noch bis August. Und auch in Teilen Mittel- und Osteuropas wurde weitergekämpft – nun aber, um sich der zwangsweisen Eingliederung in den sowjetischen Herrschaftsbereich zu widersetzen. Ebenso verlief der einsetzende Prozess der Dekolonisierung alles andere als gewaltfrei. Der Kalte Krieg, der sich fast unmittelbar anschloss, prägte die sich herausbildende Nachkriegsordnung und schuf ein Bewusstsein für ihre Fragilität. Dennoch oder gerade deshalb garantierte sie in Europa eine jahrzehntelange Phase friedlicher Entwicklung.

In der Niederlage von 1945 auch eine Befreiung zu erkennen, fiel vielen Deutschen lange Zeit schwer. Aber, so die Historikerin Elke Fröhlich, "es war wohl gerade die unleugbare Totalität der Niederlage, die im Gegensatz zu der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg eine Rückbesinnung auf die freiheitlich-demokratischen Traditionen nahelegte. Erst sie machte letztlich den Weg frei zur Errichtung eines stabilen demokratischen Staates." Es dauerte 40 Jahre, bis dies in der Bundesrepublik offiziell anerkannt wurde. Zäh gestaltete sich auch die Aufarbeitung der von Deutschen begangenen Verbrechen. Einen Meilenstein bildete das Urteil im Frankfurter Auschwitz-Prozess 1965. Heute gilt es mehr denn je, sich den Wert und die Zerbrechlichkeit von Frieden in Europa vor Augen zu führen.

Johannes Piepenbrink

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