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9.11.2005

Verknüpfung von Repression und Prävention in Oberhausen

Eine Kombination aus repressiven Maßnahmen und Prävention kann bewirken, dass junge Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer riskantes Verhalten abstellen. Im Ergebnis gehen die entsprechenden Unfallzahlen zurück.

Einleitung

Prävention hat im polizeilichen Alltag einen hohen Stellenwert. Straftaten und Verkehrsunfälle sollen durch präventive Maßnahmen von vornherein verhindert werden. Oft wissen wir aber nicht, ob wir mit unseren Maßnahmen tatsächlich länger anhaltende Verhaltensänderungen bewirken.


Das Polizeipräsidium Oberhausen ist mit einer Kombination aus Repression und einer besonderen Form von Prävention einen neuen erfolgreichen Weg gegangen, um junge PKW-Fahrerinnen und Fahrer vom Fahren unter Alkohol- und Drogeneinfluss abzuhalten. Dieses Vorhaben hat für Oberhausen nicht zuletzt wegen der vielen Großdiskotheken im Stadtgebiet eine besondere Bedeutung.


Grundlage für das auf 13 Monate angelegte Projekt ist das Konzept der Interventionsstelle Oberhausen e.V. (INTOB). Neben einer spürbaren Erhöhung des Verfolgungsdrucks durch Großkontrollen erhielten die Fahrzeugführer direkt nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen ein Angebot zu einem Vieraugengespräch. Für diese Gespräche wurden junge Studentinnen und Studenten in Systematischer motivierender Interventionslehre (SMIL) ausgebildet. Ihre Aufgabe bestand darin, die jungen Verkehrsteilnehmer nach der Polizeikontrolle in kurzen Beratungsgesprächen mit einer speziellen Gesprächstechnik für die Problematik des Fahrens unter Alkohol- oder Drogeneinwirkung und die damit verbundenen Gefahren zu sensibilisieren. Für den Diplompädagogen Michael Tentler (INTOB) ist genau dieser Zeitpunkt geeignet, die jungen Menschen zum Nachdenken zu bewegen.

Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt vom Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung an der Universität Duisburg-Essen (RISP). Rund 300 der kontrollierten jungen Leute hinterließen ihre Adresse, um im Abstand von drei Monaten einen zugesandten Fragebogen anonym zu beantworten. Unter anderem wurde nach individuellem Drogenkonsum und Verhalten im Straßenverkehr gefragt. Von besonderem Interesse war auch die subjektive Wahrnehmung der polizeilichen Maßnahmen und der motivierenden Kurzintervention.

Im Juni 2005 präsentierte Thomas Schweer (RISP) das Ergebnis der wissenschaftlichen Begleituntersuchung.[1] Besorgniserregend ist die Erkenntnis, dass rund ein Drittel der Befragten angaben, bereits mindestens einmal unter Alkohol- oder Drogeneinfluss ein Fahrzeug geführt zu haben. Fast jeder zweite aktuelle Drogen-Konsument ist demnach schon mehrfach "berauscht" gefahren, weil das Risiko, entdeckt zu werden, als gering eingeschätzt wird.

Erfreulich ist dagegen, dass fast jeder fünfte Teilnehmer eines Interventionsgesprächs erklärte, dass er sein Verhalten danach verändert habe und seitdem nicht mehr fahre, wenn er Alkohol oder Drogen konsumiert habe. Diese positiven Auswirkungen schlagen sich auch in der Unfallstatistik nieder. Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle unter dem Einfluss berauschender Mittel in Oberhausen verringerte sich um 23,2 Prozent. Betrachtet man nur die Zielgruppe der 18- bis 24-jährigen Fahrzeugführer, so ist hier ein vergleichbarer Rückgang von 21,5 Prozent festzustellen. 2004 wurde mit nur 31 Verkehrsunfällen der niedrigste Wert seit 1998 erreicht.

Das Untersuchungsergebnis und die Auswertung der polizeilichen Unfallstatistik zeigen, dass die von den Projektpartnern gesteckten Ziele erreicht wurden. Das Zusammenwirken von Repression und Prävention, gepaart mit einem pädagogischen Ansatz, hat den Schutz vor Verkehrsunfällen unter Drogeneinfluss erhöht. Die Sensibilisierung junger Fahrzeugführer für die Auswirkungen von Alkohol- und Drogenkonsum im Straßenverkehr ist in einem erfreulich großen Umfang gelungen. Es ist abschließend zwar schwer zu sagen, welche Maßnahmen zu welchen Erfolgen geführt haben. Sicher ist aber, dass die Kombination von Repression und Prävention sowie eine intensive Medienarbeit ihre Wirkung hinterlassen haben.

Das Polizeipräsidium Oberhausen plant, die Erfahrungen aus diesem Projekt mit Hilfe von INTOB e.V. auch für andere Bereiche nutzbar zu machen. Junge Straftäter sollen in engem zeitlichen Zusammenhang mit der Tat ein Gesprächsangebot im Sinne der oben beschriebenen Kurzintervention erhalten.

Fußnoten

1.
Vgl. die Ergebnisse unter: http://www.risp-duisburg.de/abtpro/ask/EmBJFDK.pdf (29.8. 2005).

Heide Flachskampf-Hagemann, Norbert Schmidt

Zur Person

Heide Flachskampf-Hagemann

Polizeipräsidentin in Oberhausen. Friedensplatz 2-5, 46045 Oberhausen.
E-Mail: Heide.Flachskampf-Hagemann@oberhausen.polizei.nrw.de


Zur Person

Norbert Schmidt

Erster Polizeihauptkommissar beim Polizeipräsidium Oberhausen, Leiter des Projekts "Junge Fahrer und Drogenkonsum", Friedensplatz 2-5, 46045 Oberhausen.
E-Mail: Norbert.Schmidt@oberhausen.polizei.nrw.de


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