zurück 
31.8.2007

Editorial

Was treibt Menschen dazu, sich abwertend, feindselig oder gar gewalttätig gegenüber meist als schwächer wahrgenommenen Menschen zu verhalten? Welche Rolle spielen die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen? Welche Sozialisationsbedingungen fördern die Herausbildung abwertender Einstellungen? Wie lässt sich diese negative Entwicklung stoppen, verhindern, umkehren?

Was treibt Menschen dazu, sich abwertend, feindselig oder gargewalttätig gegenüber anderen, meist schwächeren oder als schwächer wahrgenommenen Menschen - Migranten, Schwule, Juden, Muslime, Behinderte, Obdachlose, Punks - zu verhalten? Welches sind die Hintergründe für die Verdichtung solcher Verhaltensweisen zu Mentalitäten? Welche Rolle spielen die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen? Welche Sozialisationsbedingungen fördern die Herausbildung abwertender Einstellungen? Wie lässt sich diese negative Entwicklung stoppen, verhindern, umkehren?

In der sozialwissenschaftlichen Forschung dominieren Erklärungsansätze, die sich vor allem auf gesamtgesellschaftliche und sozialstrukturelle Bedingungen beziehen, wie die mehrteilige Bielefelder Langzeitstudie "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit". Daneben gibt es - etwa am Deutschen Jugendinstitut München und Halle - Untersuchungen, die die Entwicklung der Persönlichkeit in den Mittelpunkt rücken und nach den Sozialisationsbedingungen fremdenfeindlicher und gewalttätiger Jugendlicher fragen.

Die Forschungsgebnisse bieten der Politik wertvolle Hilfe bei der Entscheidung über Maßnahmen gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt. Um nachhaltige Wirkungen zu erzielen, sind allerdings grundsätzliche Weichenstellungen notwendig: Es gilt, strukturelle Bedingungen zu schaffen, unter denen alle Angehörigen der nachwachsenden Generation gleiche Chancen auf Bildung und gesellschaftliche Teilhabe haben - unabhängig vom sozialen Status der Eltern. Auf diese Weise könnten ungünstige Sozialisationsbedingungen zumindest zum Teil kompensiert und bessere Voraussetzungen für die soziale Integration von "Problemfällen" geschaffen werden.

Belwe, Katharina

Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln