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26.10.2009

Editorial

Der Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildungserfolg tritt wieder deutlicher hervor. Niedrige Qualifikationen oder gar ein fehlender Schulabschluss erhöhen das Risiko erheblich, arbeitslos zu werden.

Das seit dem Bildungsgipfel von Bund und Ländern viel strapazierte Wort von der "Bildungsrepublik Deutschland" stößt sich immer wieder an der Wirklichkeit: Mit der Föderalismusreform sind die bildungspolitischen Kompetenzen nahezu vollständig den Ländern zugeordnet worden. Im Ergebnis leistet sich jedes Bundesland ein anderes Bildungssystem. Bildungspolitik war trotz aller Sonntagsreden kaum ein Thema im Bundestagswahlkampf. Immerhin hat die tiefe Rezession ein Konjunkturprogramm bewirkt, das auch Sondermaßnahmen zur Sanierung maroder Schulgebäude vorsieht.

Eine gute Ausbildung wird in der vom demografischen Wandel sowie von fortschreitender Europäisierung und Globalisierung erfassten Migrationsgesellschaft immer wichtiger. Doch bei den Bildungsausgaben liegt Deutschland im OECD-Vergleich noch immer nur im unteren Mittelfeld. Ein großes Manko ist das unzureichende Ganztagsangebot. Denn gerade dort ließen sich wohl "Bildungsschicksale" korrigieren, tritt doch der Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildungserfolg, auch beim Übergang in die berufliche Bildung, in jüngster Zeit wieder deutlicher hervor. Es ist eine Binsenweisheit: Niedrige Qualifikationen oder gar ein fehlender Schulabschluss erhöhen das Risiko erheblich, arbeitslos zu werden.

Kaum zu überschätzen ist die Bedeutung von Kindergärten und Krippen: In diesem "ersten Lernfenster", dessen Bildungsauftrag einer Ausweitung bedarf, werden die Weichen für das gesamte Berufsleben gestellt. Gerade Kindern aus sozial benachteiligten, "bildungsfernen" Schichten oder aus Migrantenfamilien gebührt die beste und frühestmögliche individuelle Unterstützung. Um aus dem Schul- tatsächlich ein Fördersystem zu machen, müssen Erzieherinnen und Erzieher zudem besser qualifiziert und auch besser bezahlt werden.

Golz, Hans-Georg

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