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12.4.2011

Editorial

Sport kann zwar die großen gesellschaftspolitischen Fragen nicht lösen, aber er verfügt über besonderes integratives Potenzial. Dadurch kann er dazu beitragen, dass mehr Menschen an der Gesellschaft teilhaben.

Am 26. Juni dieses Jahres wird in Sinsheim und Berlin die sechste "FIFA Frauen-WM" angepfiffen. Drei Wochen lang werden der Frauenfußball und seine Protagonistinnen so stark in der Öffentlichkeit stehen wie noch nie zuvor in Deutschland. Viele hoffen gar auf eine Fortsetzung des "Sommermärchens" 2006, als die Weltmeisterschaft der Männer eine landesweite Euphorie auslöste. Dabei ist es gerade einmal 40 Jahre her, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Frauen offiziell gestattete, unter seinem Dach gegen das runde Leder zu treten: Von 1955 bis 1970 galt in westdeutschen Fußballvereinen Spielverbot für Frauen.

Die Entwicklung des Frauenfußballs spiegelt in gewisser Weise die gesellschaftlichen Veränderungen durch die Frauenbewegung wider. Doch auch noch immer vorhandene Defizite zeigen sich sehr deutlich, etwa wenn man die Gehälter von Fußballerinnen und Fußballern vergleicht oder die Präsenz von Frauen und Männern in der Sportberichterstattung sowie die Art ihrer medialen Darstellung. Andererseits: Warum sollte ausgerechnet der Sport weiter sein als die Gesellschaft, die ihn trägt?

Es wäre vermessen, vom Sport zu erwarten, dass er Antworten auf die großen gesellschaftspolitischen Fragen liefert. Aber Sport, vor allem der Breitensport, verfügt über besonderes integratives Potenzial und kann dazu beitragen, dass mehr Menschen an der Gesellschaft teilhaben und sich über sportliches Engagement zum Beispiel in Vereinen einbringen, Verantwortung für sich und andere übernehmen, Fair Play und Teamwork einüben, den Wert von Unterschiedlichkeit erkennen und über das gemeinsame Sporttreiben Toleranz lernen. Umso wichtiger ist es, möglichst vielen Kindern und Jugendlichen die Ausübung einer Sportart im Verein zu ermöglichen.

Piepenbrink, Johannes

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