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23.7.2021

Editorial

Krankenhäuser im Sinne des Krankenhausfinanzierungsgesetzes sind "Einrichtungen, in denen durch ärztliche und pflegerische Hilfeleistung Krankheiten, Leiden oder Körperschäden festgestellt, geheilt oder gelindert werden sollen oder Geburtshilfe geleistet wird und in denen die zu versorgenden Personen untergebracht und verpflegt werden können". Die moderne Medizin ist ohne die Entstehung des modernen Krankenhauses, in dem Krankheiten studiert und Behandlungen erprobt werden können, nicht denkbar. Im Laufe der Zeit sind Krankenhäuser in Gesundheitssystemen weltweit zu Eckpfeilern der Krankenversorgung geworden.

Wohl niemals zuvor hat es einen derart tiefen Einblick in Alltag und Ausnahmezustand in Krankenhäusern gegeben wie im Verlauf der Corona-Krise. Bilder und Berichte von erschöpften Ärztinnen und Krankenpflegern haben die Dramatik der Lage greifbar gemacht und ihre "Systemrelevanz" verdeutlicht. Auch die für die Krankenhaushygiene so wichtige Arbeit der Reinigungskräfte wurde sichtbarer. Mit fortschreitender Impfkampagne wird die Kennzahl der freien Betten auf den Intensivstationen eine noch größere Rolle in der Bewertung der Pandemie spielen als zuvor.

"Freie Betten" ist auch das Stichwort, das auf zwei zentrale Debatten um die Zukunft der Krankenhäuser in Deutschland verweist. Zum einen ist das jene um Bettendichte, Spezialisierungen und damit verbunden mögliche Schließungen; zum anderen jene um die Personalnot im Pflegebereich – Betten sind schließlich nur verfügbar, wenn die darin liegenden Patient:innen auch versorgt werden können. Eingebettet sind diese und andere Fragen in einen übergreifenden Diskurs um eine "Ökonomisierung", die, befürwortend oder kritisch, mit der Einführung von diagnosebezogenen Fallpauschalen und der Privatisierung von Krankenhäusern in Verbindung gebracht wird.
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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autor/-in: Anne Seibring für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de

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Anne Seibring

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