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12.3.2012

Wirtschaft und Gesellschaft

Die Türkei hat eine rasante wirtschaftliche Entwicklung genommen und zählt heute zu den industriellen Schwellenländern. Allerdings profitieren längst nicht alle von der erfolgreichen Modernisierungspolitik. Problematisch sind die hohe Jugendarbeitslosigkeit, die Benachteiligung von Frauen und das verbreitete Analphabetentum.

Die Börse in Istanbul. (© picture-alliance/AP)


Einleitung



Wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wandel hängen eng zusammen, ohne dass die Kausalität immer eindeutig wäre. Doch ist zum Beispiel Industrialisierung ohne Verstädterung nicht vorstellbar und eine moderne Dienstleistungsgesellschaft nicht ohne ein entsprechendes Bildungswesen. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung verlaufen aber nicht überall gleichmäßig. Vielmehr entsteht eine in sich vielfältig gegliederte und gebrochene Wirtschafts- und Gesellschaftsstruktur. Das gilt auch für die Türkei. Es fällt deshalb schwer, landesweit gültige Aussagen zu treffen. Doch auch einfache regionale Unterscheidungskriterien (Ost/West oder Stadt/Land) können allenfalls erste Orientierungsschneisen in eine viel stärker differenzierte Wirklichkeit schlagen.

Industrielles "Schwellenland"




Die Türkei nahm im Jahr 2010 mit einem Sozialprodukt von 735,8 Milliarden US-Dollar (in laufenden Preisen) Platz 17 auf der Rangliste der größten Volkswirtschaften der Erde ein. Sie hat damit den Status eines Agrarlandes deutlich hinter sich gelassen und wird zu den sogenannten industriellen Schwellenländern gezählt. Mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von 10 100 US-Dollar (in laufenden Preisen) gehört sie mit ihren circa 74 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern nach den Kriterien der Weltbank zu den Ländern der "oberen mittleren Einkommenskategorie".

Die nach der letzten hausgemachten Krise von 2000/2001 in Angriff genommenen wirtschaftspolitischen Strukturreformen haben das Gerüst der türkischen Wirtschaft, insbesondere den Finanzsektor, nachhaltig stabilisiert. Dies gelang deshalb, weil die seit 2002 amtierende AKP-Regierung den von ihrer Vorgängerin unter dem damaligen Wirtschaftsminister Kemal Dervis mit Unterstützung und unter Aufsicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) eingeleiteten radikalen Reformkurs konsequent beibehielt. Begünstigt wurde sie dabei aber auch von der positiven weltwirtschaftlichen Entwicklung in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts. Diese erlaubte es der Türkei, an der starken Globalisierung der Finanz- und Warenmärkte teilzuhaben, was wesentlich zur positiven Wirkung der heimischen Reformmaßnahmen beitrug.

Die heutige Stärke der türkischen Wirtschaft wird durch den Umstand charakterisiert, dass es dem Land gelang, den im Gefolge der globalen Wirtschaftskrise 2008/2009 eingetretenen heftigen Abschwung schnell zu überwinden: Nachdem das Bruttosozialprodukt im Jahr 2009 um 4,7 Prozent geschrumpft war, wuchs die türkische Wirtschaft 2010 bereits wieder um 8,9 Prozent. Für 2011 wird eine ähnlich starke Entwicklung erwartet. Die Türkei knüpfte damit an die erfreulichen Wachstumsraten aus der Zeit vor der Krise an. In früheren Zeiten dauerte es immer mehrere Jahre, bis die Türkei eine schwere Wirtschaftskrise überwinden konnte.


Dieses anhaltende Wachstum bei einer (für türkische Verhältnisse) nur mäßigen Inflation seit 2004 von knapp über oder unter zehn Prozent im Jahr hat zu dem oben genannten Pro-Kopf-Einkommen geführt, dass jetzt etwa dreimal so hoch ist wie im Jahr 2002, als die AKP an die Macht kam. Für die Politik aller türkischen Regierungen im kommenden Jahrzehnt folgt daraus, dass das hohe wirtschaftliche Entwicklungstempo beibehalten werden muss, wenn die politische Stabilität gewahrt werden soll. Denn die Zufriedenheit der Wählerinnen und Wähler hängt nicht zuletzt von ihrem wirtschaftlichen Wohlergehen ab.

Bevölkerungsentwicklung



Das gilt umso mehr vor dem Hintergrund der demografischen Verhältnisse der Türkei: Über die Hälfte ihrer Bevölkerung war im Jahr 2010 jünger als dreißig Jahre. Dadurch entsteht jedes Jahr ein großer Bedarf an neuen Arbeitsplätzen, um den jungen Leuten eine dauerhafte Perspektive für ein auskömmliches Leben in einem sich wirtschaftlich und gesellschaftlich immer stärker modernisierenden Land zu geben. Ohne ein entsprechendes Wachstum ist diese Herausforderung kaum zu bewältigen. Wie groß diese Aufgabe ist, lässt sich daraus ersehen, dass die Jugendarbeitslosigkeit (Altersgruppe 15-24 Jahre) außerhalb der Landwirtschaft im Jahr 2010 bei 25,9 Prozent lag; die Arbeitslosenrate insgesamt betrug circa zwölf Prozent. Diese Zahlen erfassen allerdings nicht den großen Bereich der informellen Schattenwirtschaft. Die dort prekär Beschäftigten erwirtschaften gerade in (groß)städtischen Sektoren oft einen erheblichen Teil der Familieneinkommen.

Die allgemeine Bevölkerungsentwicklung bringt zunächst keine Abhilfe beim allgemeinen Beschäftigungsproblem. Zwar wächst die türkische Bevölkerung bei einer Geburtenrate von knapp unter zwei Prozent im Jahr 2010 langfristig nicht mehr, doch wird es kurz- und mittelfristig infolge des hohen Anteils der jüngeren Jahrgänge ein Wachstum geben. Schätzungen gehen davon aus, dass die Bevölkerungszahl der Türkei in etwa 20 Jahren mit dann 85 bis 95 Millionen Einwohnern ihren Höchststand erreicht haben wird.

Wirtschaftlicher Strukturwandel




Der Erfolg der türkischen Modernisierungspolitik zeigt sich im Wandel der Wirtschaftsstruktur des Landes. Bei ihrer Gründung war die Republik ein von den Folgen des Ersten Weltkriegs und des anschließenden Unabhängigkeitskrieges schwer getroffener Agrarstaat. Die Industrie war kaum entwickelt. Zudem litt die Wirtschaft unter dem Verlust des größten Teils ihrer nicht-türkischen christlichen Bevölkerungsgruppen infolge der vom Jungtürkenregime und der Atatürk-Regierung verfolgten Vertreibungspolitik. Damit war eine Gesellschaftsschicht verloren gegangen, aus der sich vor allem das Handwerk und die Kaufmannschaft re-krutiert hatten. Die in der jungen Republik erfolgende Übernahme wichtiger wirtschaftlicher Aufgaben durch staatliche Kräfte war so nahezu unvermeidlich. Trotz teilweise starker Wachstumsraten vollzog sich der Strukturwandel nur langsam, aber zielgerichtet, wie die folgende Tabelle zeigt:

Auch die Richtung des Wandels stimmt: Ein deutlich zunehmender Rückgang des Anteils der Landwirtschaft, ein langsames Anwachsen des Anteils der Industrie und ein stetiges, zunehmendes Wachstum des Dienstleistungssektors - das ist das typische Bild einer industriellen Volkswirtschaft. Allenfalls ist zu bemängeln, dass der Anteil der Industrie etwas niedrig ist.

Energiepolitik



Starkes wirtschaftliches und Bevölkerungswachstum gehen immer auch mit steigendem Energieeinsatz einher. Da die Türkei außer (schlechter) Kohle und Wasserkraft kaum über einheimische Energievorkommen verfügt, muss Energie importiert werden. Das gilt für zwei Drittel des türkischen Energiebedarfs. Erdöl und Erdgas stehen dabei im Vordergrund. Die Hälfte der türkischen Elektrizität wird durch Erdgas erzeugt, das zu 60 Prozent aus Russland importiert wird. Erdöl kommt hauptsächlich aus Aserbaidschan, dem Nordirak und dem Nahen Osten. Die langfristige Sicherung der notwendigen Energiebezüge ist eine andere große Herausforderung der türkischen Wirtschaftspolitik. Die hierbei theoretisch auch mögliche Nutzung erneuerbarer Energieformen - Windkraft, Solarenergie und geothermische Energie - wird bisher politisch eher vernachlässigt, wenngleich nach 2008 erste Gesetze zu ihrer Förderung verabschiedet wurden.

Bis jetzt gibt es keine klare Linie der AKP-Regierung. Relativ sichere Bezüge könnten aus Russland kommen. Doch dadurch würde die bereits hohe Abhängigkeit von diesem Lieferanten weiter gesteigert. Alternative Bezugsquellen wären die zen-tralasiatischen Staaten am Kaspischen Meer und/oder Iran, Irak und andere nah-/mittelöstliche Lieferländer, die alle auch über namhafte Erdöl- bzw. Erdgasreserven verfügen. Mit Blick auf diese Quellen gibt es unterschiedliche, aber immer erhebliche politische oder technische Unsicherheiten und Risiken. Hinzu kommt, dass die AKP-Regierung die geografische Lage der Türkei nutzen und das Land zu einer politisch und wirtschaftlich lukrativen Energiedrehscheibe für Erdgas zwischen Europa und dem Kaspischen Becken bzw. dem Nahen Osten machen will (Stichwort: Nabucco-Erdgasleitung). Diese Absicht kompliziert die türkische Entscheidungslage zusätzlich. Doch müssen bis circa 2015 Entscheidungen getroffen werden, wenn die Türkei mittelfristig das Entstehen einer prekären Energielücke vermeiden will. Trotz der Nuklearkatastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima im März 2011 hält die AKP-Regierung daran fest, auch Atomstrom in den Energiemix einzubeziehen.

Außenhandel, Direktinvestitionen und Tourismus



Die wachsende Modernisierung und Industrialisierung der türkischen Wirtschaft zeigt sich auch im Außenhandel. Längst bilden Fertigprodukte, das heißt industriell gefertigte Güter, mit über 90 Prozent den Hauptanteil der Exporte, die im Jahr 2010 bei 114 Milliarden US-Dollar lagen. Dies ist vor allem eine Folge der nach 1980 geänderten Wirtschaftspolitik: Die Politik der Importsubstitution (zollgeschützter Aufbau einer nationalen Industrie) mit ihrer starken Binnenorientierung, die seit etwa 1960 vorherrschte, wurde unter dem Regime von Ministerpräsident Turgut Özal von einer radikalen Öffnung der türkischen Wirtschaft nach außen abgelöst, die mit einer Liberalisierung der Märkte und einer Förderung des Exports verbunden war.

Türkische Exportprodukte weisen in der Regel bestenfalls einen mittleren technologischen Entwicklungsstand auf. Technologisch anspruchsvolle Erzeugnisse auf der Grundlage eigenständiger Innovationen machen nur einen sehr geringen Anteil von zwei Prozent aus. Industrielle Forschung und Entwicklung sind unterentwickelt. Die Türkei unternimmt erst seit 2008 deutliche Anstrengungen, sie voranzubringen. In diesem Jahr lag der Anteil entsprechender Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt mit 0,73 Prozent noch weit von der OECD-Zielmarke von zwei Prozent entfernt. Deshalb ist auch der Anteil von technologisch hochwertigen Erzeugnissen an den türkischen Importen hoch, die die Industrie braucht, um im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig bleiben zu können. Die in vielen Teilen des Landes entstehenden Technologieparks (Kooperationsverbünde von Hochschulen und Unternehmen) könnten bei entsprechender Förderung mittelfristig den Rückstand verringern.

Die große Bedeutung des Wirtschaftsraumes um das Marmarameer zeigt sich bei den Ausfuhren: Etwa 73 Prozent aller Exporte kommen aus dieser Region. Andere nennenswerte Exportzentren sind mit weitem Abstand Izmir, Ankara, Adana/Mersin, Konya, Kayseri und Gaziantep. Die wirtschaftliche Entwicklung der letzten drei Städte (Provinzen) ist ein Zeichen für das wirtschaftliche Aufholen der anatolischen Wirtschaft nach 1990, insbesondere aber unter dem AKP-Regime. Hier ist ein neuer städtischer Mittelstand auf der Grundlage global orientierter Wirtschaftsentwicklung und einer traditionellen, religiös beeinflussten konservativen Wertestruktur entstanden. Viele dieser aufstrebenden zentralanatolischen Unternehmen haben enge Wirtschaftsbeziehungen zu den Ländern des arabischen nah-/mittelöstlichen Raums geknüpft. So wuchs der Anteil dieser Region an den türkischen Exporten zwischen 2002 und 2010 um mehr als das Sechsfache, während die Exporte in die EU im selben Zeitraum "nur" um das Zweieinhalbfache stiegen.

Dennoch geht der größte Teil der türkischen Exporte immer noch in die EU-Länder bzw. den OECD-Raum, 2010 waren es circa 46 bzw. 54 Prozent der Ausfuhren. Die derzeit 57 Mitgliedsländer der Organisation der Islamischen Konferenz (OIK) nahmen 28,5 Prozent der türkischen Exporte ab, 20,5 Prozent davon gingen in nah-/mittelöstliche Staaten. Bei den türkischen Einfuhren zeigt sich ein ähnliches Bild: Hauptlieferanten waren die EU-Staaten mit 40 Prozent aller Importe. Unter den Einfuhren stehen Maschinen und Brennstoffe (Erdöl/Erdgas) an vorderer Stelle. Mit Importen im Wert von 54,1 Milliarden Euro war die Türkei 2008 das fünftgrößte Abnehmerland für die EU; ihre Exporte im Wert von 46 Milliarden Euro machten sie zum siebtgrößten Lieferland. Das waren 4,1 Prozent aller EU-Exporte bzw. drei Prozent aller EU-Importe. Die Türkei ist für die EU somit ein wichtiger, aber kein überragender Markt. Dabei gibt es je nach EU-Mitgliedstaat und Branche erhebliche Unterschiede.

Seit Jahren importiert die Türkei deutlich mehr als sie exportiert. Das führt zu einem ständig wachsenden Handelsbilanzdefizit und belastet die Zahlungsbilanz erheblich. Das Land ist auf einen stetigen Zustrom von Kapital angewiesen. Damit ist auch die Türkei vom Vertrauen der internatio-nalen Kapitalmärkte abhängig. Solange das Wachstum so hoch bleibt wie in den letzten Jahren und die Inflation unter Kontrolle gehalten werden kann, dürfte dieses Vertrauen auch anhalten und der Türkei genug Kapital zum Ausgleich ihrer Zahlungsbilanz zufließen. Dennoch sind durch diese Entwicklung der Handelsbilanz äußere Einflussfaktoren wirksam, die von der AKP-Regierung nicht völlig kontrolliert werden können und ihrer Wirtschafts- und Finanzpolitik in den kommenden Jahren Grenzen setzen.

Die EU liegt auch bei den Ausländischen Direktinvestitionen (ADI) in der Türkei an der Spitze: Seit 2005 kam jedes Jahr deutlich über die Hälfte aller Investitionen aus ihren Mitgliedstaaten. Von den zehn bei ADI in der Türkei führenden Ländern gehören acht zur EU. Ende 2010 gab es in der Türkei über 28 500 Firmen mit Auslandskapital, zwei Drittel von ihnen wurden nach 2003 gegründet. Allein aus Deutschland kommen über 4000 Firmen mit Auslandskapital.

Die EU-Länder, insbesondere Deutschland, spielen nicht nur im Außenhandel und bei Direktinvestitionen, sondern auch für die türkische Tourismusindustrie eine große Rolle. Im Jahr 2010 kamen von den insgesamt 28,6 Millionen Touristen etwa zwölf Millionen aus EU-Staaten (circa 40 Prozent), davon allein 4,4 Millionen aus Deutschland (circa 15 Prozent). Daneben stellen Russland (2010: 3,1 Millionen) und Iran (2010: 1,8 Millionen) in den letzten Jahren einen wachsenden Anteil. Die Tourismuseinnahmen beliefen sich im Jahr 2010 auf 15,6 Milliarden US-Dollar, das waren etwa zwei Prozent des Bruttonationaleinkommens.

Fremdenverkehr ist also durchaus von einer gewissen gesamtwirtschaftlichen Bedeutung. In den Tourismusregionen liegt seine Bedeutung als Einkommensquelle natürlich viel höher. Der Tourismus konzentriert sich als Pauschaltourismus fast ausschließlich auf die südliche Türkei im Großraum Antalya und auf die Ägäisküste. Daneben spielt noch die Metropole Istanbul eine Rolle, in der sich unzählige Zeugnisse europäischer und osmanischer Geschichte befinden. Andere Landesteile (Schwarzmeer-Region) werden nur von Einheimischen als Feriengebiet genutzt. Kulturtourismus ist in dem Land mit bedeutenden Überbleibseln zahlreicher Zivilisationen bisher wenig entwickelt.

Wirtschaftliche Ungleichheit



Hinter dieser globalen Makroansicht verbergen sich erhebliche regionale Unterschiede. Das ist bei einem Land von der Größe der Türkei (circa 785000 Quadratkilometer) mit einer entsprechend differenzierten räumlichen Charakteristik nicht ungewöhnlich. In der Türkei gibt es ein deutliches West-Ost-Gefälle. Desgleichen sind die südlichen Küstenregionen entwickelter als weite Teile des anatolischen Binnenlandes, das aber seit Beginn der 1990er-Jahre einen deutlichen Aufholprozess gestartet hat.

Die regionalen Unterschiede in der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zeigen sich, wenn man die Brutto-Wertschöpfung pro Kopf in verschiedenen Regionen vergleicht. So lag diese im Jahre 2008 in Istanbul bei 14 591 US-Dollar, in der südöstlichen Region Van-Mus-Bitlis-Hakkâri hingegen gerade einmal bei 3419 US-Dollar. In der Hauptstadt Ankara lag sie bei 12 598 US-Dollar und in der östlichen Schwarzmeerregion bei 7059 US-Dollar. Dabei sticht die wirtschaftliche Bedeutung der Region um das Marmarameer einschließlich Istanbul deutlich hervor: Sie trug im Jahr 2006 etwa 40 Prozent zur Bruttowertschöpfung der Türkei bei. Andere Wirtschaftszentren wie der Ägäisraum (14 Prozent), Zentral-anatolien mit Ankara (13,6 Prozent) oder die südliche Mittelmeerregion mit Antalya, Mersin und Adana (8,1 Prozent) blieben deutlich dahinter zurück.

Doch nicht nur regional ist der Wohlstand in der Türkei recht ungleich verteilt. Auch unter den Bürgerinnen und Bürgern herrscht eine ziemlich schiefe Einkommensverteilung. Im Jahr 2009 verfügten die reichsten 20 Prozent der Bevölkerung über 47,6 Prozent des verfügbaren Einkommens. Die andere Einkommenshälfte teilten sich die restlichen 80 Prozent der Bevölkerung. Dabei verfügten die ärmsten 20 Prozent gerade einmal über 5,6 Prozent des Einkommens. Der Gini-Koeffizient, der als statistisches Maß für die (Un-)Gleichheit der Einkommensverteilung gilt, lag für die Türkei bei 0,415 (dabei bedeutet ein Koeffizient von Null eine völlig gleichmäßige, ein Koeffizient von eins eine völlig ungleiche Einkommensverteilung), das heißt, die Verteilung in der Türkei weist eine erhebliche Ungleichheit auf.

Binnenwanderung und Verstädterung



Eine Folge dieser regionalen und personalen Einkommensunterschiede ist die seit Jahrzehnten andauernde Binnenwanderung von den armen zu den reichen Regionen, vom Land in die Stadt, vom Binnenland in die Küstenregionen der Ägäis und des Mittelmeeres. Die generelle Richtung dieser Wanderungsbewegung ist von Ost nach West, also gegen das Wohlstandsgefälle. Der wirtschaftliche Entwicklungsunterschied ist historisch bedingt, der unterschiedlichen regionalen Ausstattung mit entwicklungsfördernden Faktoren geschuldet, aber auch eine Folge der politischen Entwicklung. Hier hat sich der mal latente, mal offene Konflikt des Staates mit dem kurdischen Nationalismus (PKK) deutlich negativ auf die wirtschaftliche und soziale Entwicklung ausgewirkt.

Der wirtschaftliche Fortschritt und die anhaltende Wanderung haben auch die Verstädterung des Landes gefördert. Bis in die 1950er-Jahre überwog die Landbevölkerung den Anteil der städtischen Bevölkerung deutlich im Verhältnis von etwa drei Viertel zu einem Viertel. Heute dagegen hat sich das Verhältnis fast umgekehrt: Circa 30 Prozent Landbevölkerung stehen etwa 70 Prozent Stadtbevölkerung gegenüber. Entsprechend ist die Zahl der Städte von circa 500 zu Beginn der 1930er-Jahre auf knapp 3000 im Jahr 2010 gestiegen.

Dadurch hat sich auch das Erscheinungsbild der türkischen Gesellschaft verändert: weg von der starr strukturierten ländlichen Groß- hin zur städtischen Ein-Kind-Einzelfamilie. Doch auch die nicht-städtische Bevölkerung lebt heute in modernen Verhältnissen: Die Türkei ist mit Blick auf Verkehrswege und Kommunikationsnetze sowie auf die Gesundheits- und Bildungsinfrastruktur flächendeckend erschlossen. Natürlich gibt es dabei erhebliche regionale Unterschiede, die mit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Hand in Hand gehen.

Bildungswesen



Bevölkerungswachstum, Industrialisierung, Binnenmigration und Verstädterung stellen auch große Anforderungen an das türkische Bildungswesen. Hier liegt noch vieles im Argen. Zwar wurde die Schulpflicht bereits im Jahr 1997 auf acht Jahre erhöht, doch ist dies landesweit noch immer nicht vollständig umgesetzt. Vor allem im Südosten erfolgt in den ländlichen Gebieten der Schulbesuch nur unregelmäßig. So gelten heute (Zahlen von 2008) noch 406000 Personen (circa vier Prozent) in der Altersgruppe 15 bis 24 Jahre als Analphabeten, davon sind 79 Prozent Frauen. Alle diese Menschen hätten eigentlich die achtjährige Pflichtschule durchlaufen müssen. Insgesamt sind in der erwerbsfähigen Bevölkerung (15 bis 64 Jahre) 3,7 Millionen Menschen, das sind etwa acht Prozent, Analphabeten, über 80 Prozent davon Frauen. Diese Personen finden den Anschluss an die auch in der Türkei zunehmend fähigkeitsbasierte Arbeitswelt nicht mehr. Sie fallen in der Mehrzahl aus dem Arbeitsmarkt und finden allenfalls in der informellen Schattenwirtschaft mit ungeregelten Arbeitsverhältnissen und ohne soziale Absicherung eine Beschäftigung.

Doch auch die Mehrzahl derjenigen, die die achtjährige Primarausbildung absolvieren - das waren im Jahr 2009 10,9 Millionen Schülerinnen und Schüler bzw. 56 Prozent aller sich in einer Ausbildung befindlichen Personen - erfährt einen Unterricht, der es ihnen immer schwerer macht, die Anforderungen des modernen Berufslebens zu meistern. Hauptursachen hierfür sind eine chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems, ein eklatanter Mangel an moderner Lehrtechnologie und das Überwiegen eines lehrerzentrierten Frontalunterrichts. Infolgedessen belegte die Türkei in der internationalen Schülervergleichsstudie PISA von 2009 unter den OECD-Staaten nur den drittletzten Platz. Das Heer nur mittelmäßig ausgebildeter junger Menschen kann sich mittelfristig als eine erhebliche Bremse für die Fortsetzung des angestrebten hohen wirtschaftlichen Entwicklungstempos erweisen.

21 Prozent eines Bildungsjahrgangs (4,2 Millionen Schülerinnen und Schüler) besuchten 2009 ein allgemeinbildendes oder ein Fachgymnasium (türk.: lise). Dieser Personenkreis strebt überwiegend ein Universitätsstudium an. Der Zugang hierzu ist an das Bestehen einer landesweiten Zulassungsprüfung gebunden. Um diese erfolgreich zu bestehen, besuchen nicht wenige Schüler in den letzten zwei Jahren am Wochenende eine private "Paukschule", die gegen entsprechendes Honorar gezielt auf die Zulassungsprüfung vorbereitet. Im Jahr 2009 haben immerhin 541000 von 663000 Absolventen der verschiedenen Sekundarstufen diese Prüfung bestanden.

Die türkischen Studentinnen und Studenten verteilen sich auf über 80 Universitäten und andere Hochschulen. Diese zeichnen sich durch erhebliche Qualitätsunterschiede aus. Dem knappen Dutzend staatlicher und privater Eliteuniversitäten, die fast alle in Istanbul oder Ankara angesiedelt sind, werden die besten Absolventen aus den Zulassungsprüfungen zugeteilt. So wird der Leistungsabstand zwischen den Hochschulen systembedingt zementiert. Zu kurz kommen dabei "ländliche" Provinzuniversitäten, vor allem im Südosten. Türkische Hochschulpolitik trägt so in einem gewissen Umfang zur Aufrechterhaltung regionaler wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklungsunterschiede bei.

Ein gewisses Gegengewicht bildet die zentralistische Struktur des Hochschulwesens, in dem der Hochschulrat (YÖK) eine zentrale Leitungsfunktion innehat: Er legt die landesweit gültigen Curricula fest, entscheidet über Ernennungen zum Professor bzw. zur Professorin, bestimmt die Verteilung der Lehrkräfte auf die staatlichen Hochschulen und übt landesweit die oberste Disziplinarfunktion aus. Lediglich die privaten Universitäten, die in Form von Stiftungsuniversitäten organisiert sind und hinter denen oft Unternehmerfamilien stehen, sind in gewissen Grenzen - vor allem hinsichtlich der Bezahlung der Lehrkräfte - nicht an Vorgaben des Hochschulrates gebunden.

Stellung der Frauen



Viele Angehörige der türkischen Eliten sind stolz auf die im Zuge der kemalistischen Reformen herbeigeführte gesellschaftliche Aufwertung der Frau. 1930 erhielten Frauen in der Türkei das aktive, 1934 das passive Wahlrecht. Gemäß dem jungtürkischen Ideal wurde der weiblichen Bevölkerung der Zugang zu höherer Bildung ermöglicht. Als Folge gibt es in der Türkei einen erheblichen Anteil weiblicher Hochschullehrer, leitender Angestellter (besonders im Bankensektor), an Lehrerinnen und Rechtsanwältinnen. Doch wird dabei häufig übersehen, dass die Emanzipation der Frauen, wie so vieles bei den kemalistischen Reformen, auf den relativ kleinen Kreis der republikanischen Eliten beschränkt blieb und an der Masse der Bevölkerung vorbeiging. Die erwähnten Angaben zum weiblichen Analphabetentum sprechen in dieser Hinsicht eine deutliche Sprache.

Frauen zählen nach wie vor zu den besonders benachteiligten gesellschaftlichen Gruppen. Hier macht sich das Erbe der traditionellen Agrargesellschaft noch stark bemerkbar. Das zeigt sich nicht zuletzt an den Einstellungen der weiblichen Bevölkerung selbst. So ist knapp die Hälfte der Frauen zwischen 15 und 19 Jahren der Meinung, dass der Platz der Frau in der Familie bei ihren Kindern zu sein hat. Die Hälfte aller Frauen hält weibliche Erwerbsarbeit für unwesentlich. Da ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, dass die Türkei mit einer Rate von 25 Prozent weiblicher Erwerbstätigkeit (in der Altersgruppe 15 bis 64 Jahre) im Jahr 2008 unter 124 von der Weltbank erfassten Ländern an 115. Stelle liegt. Ein großer Teil dieser erwerbstätigen Frauen ist in der Landwirtschaft, oft als unentgeltlich mithelfende Familienangehörige, tätig. Als Folge verfügt nur ein äußerst geringer Prozentsatz von ihnen über eine eigene soziale Absicherung, die meisten sind vom Ehemann und/oder der Familie abhängig.

In einem vom Weltwirtschaftsforum entwickelten Index der geschlechtsbedingten Ungleichheit in einer Gesellschaft ("Gender Gap Index") lag die Türkei im Jahr 2009 an 126. Stelle unter 134 erfassten Ländern. Das türkische "Frauenproblem" beschränkt sich nicht allein auf den wirtschaftlichen Bereich. So besuchen etwa ein Viertel weniger Frauen als Männer eine Hochschule. Besonders deutlich ist die Unterrepräsentation von Frauen in der Politik. Zwar hatte die Türkei schon etwa zehn Jahre früher als Deutschland mit Tansu Çiller eine Regierungschefin (Çiller wurde 1993 türkische Ministerpräsidentin), doch ist der Frauenanteil in den legislativen Körperschaften und in den höheren politischen Ämtern äußerst gering. Nach den Parlamentswahlen vom Juni 2011 sind mit 78 weiblichen Abgeordneten zwar fast doppelt so viele Frauen wie in der vorangegangenen Wahlperiode in der Nationalversammlung vertreten, doch machen sie trotzdem nur 14 Prozent aller Abgeordneten aus (bei einem Frauenanteil von 50 Prozent in der Wählerschaft). Dieser geringe Anteil weiblicher Parlamentarier liegt nicht zuletzt an der Zurückhaltung der (männerdominierten) Parteien, genügend Frauen für aussichtsreiche Listenplätze zu nominieren.

Hierin kommt die in der türkischen Gesellschaft immer noch vorherrschende Meinung vom geringeren "Wert" der Frau im Vergleich zu dem des Mannes zum Ausdruck. Zwar ist die Rechtslage in dieser Frage seit den unter der AKP-Regierung verabschiedeten Reformen von Zivil- und Strafrecht eindeutig eine andere. So heißt es etwa in Artikel 10 der reformierten Verfassung unmissverständlich: "Frauen und Männer sind gleichberechtigt. Der Staat ist verpflichtet, die Gleichheit zu verwirklichen." Doch ist die faktische Diskriminierung der Frauen immer noch erheblich.

Ein besonderes Problem ist die häusliche Gewalt gegen Frauen. Sie wird trotz einer eindeutigen Rechtslage immer noch nicht in ausreichendem Maß von den staatlichen Stellen sanktioniert. Insbesondere in ländlichen Gebieten, vor allem in den südöstlichen Provinzen, finden von ihren Ehemännern missbrauchte Frauen bei der örtlichen Polizei und zum Teil auch vor den Gerichten keine ausreichende Unterstützung. Doch das Phänomen der häuslichen Gewalt ist keineswegs auf die "Kurdenregion" oder andere ländliche Gebiete beschränkt. Nach einer 2009 von Wissenschaftlerinnen der Istanbuler Sabanci-Universität durchgeführten Untersuchung haben 42 Prozent aller Frauen über 15 Jahre aus allen Regionen und allen sozialen Schichten der Türkei, das sind etwa elf Millionen Frauen, in ihrem Leben häusliche Gewalt physischer oder sexueller Natur erfahren. Diese Zahlen sind ein Indiz für die bislang unzulängliche Umsetzung des Gesetzes über den Schutz der Familie von 1998 (Gesetz Nr. 4320). Sie lassen Zweifel am ernsthaften Willen der AKP-Regierung aufkommen, ihre diesbezüglichen Verpflichtungen ernst zu nehmen.

Rolle der Zivilgesellschaft



Immerhin begehren zivilgesellschaftliche Frauenorganisationen in wachsendem Maße überall im Land gegen die Diskriminierung von Frauen auf. Neben Protesten, die an die Adresse der Politik und Öffentlichkeit gerichtet sind, entsteht auch ein Netzwerk praktischer Solidarität, etwa durch den Aufbau privater Frauenhäuser, gerade auch in den südöstlichen Landesteilen. Andere Frauenorganisationen führen vor Wahlen landesweite Kampagnen für eine stärkere Repräsentation von Frauen im politischen Bereich sowie Aufklärungs- und Werbeaktionen für eine Verbesserung der weiblichen Bildungssituation vor allem in ländlichen Gebieten durch.

Insgesamt zählen die Frauenorganisationen zum aktivsten Teil der türkischen Zivilgesellschaft, die immer mehr an Bedeutung gewinnt. Nichtregierungsorganisationen sind in der Türkei eine relativ junge Erscheinung. Sie entstanden vor allem im Gefolge der wirtschaftlichen Öffnungspolitik in der Ära von Ministerpräsident Turgut Özal. Wirtschaftliche Liberalisierung, politische Demokratisierung und zivilgesellschaftliche Mobilisierung gehen auch in der Türkei Hand in Hand. Umweltschutz, Menschenrechte, Verkehrsprobleme, Stadtentwicklung sind Fragen, die immer stärker öffentliches Interesse finden.

Doch auch zivilgesellschaftliche Solidarität mit Blick auf einzelne Ereignisse oder Vorhaben gehört immer häufiger zum gesellschaftspolitischen Leben der Türkei. Besonders spektakuläre Fälle wie schon Ende der 1980er-Jahre der Schutz der Caretta-Meeresschildkröte in der Bucht von Iztuzu oder der nach der Nuklearkatastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima im März 2011 wieder aufgeflammte Protest der Bevölkerung in der Gegend des südtürkischen Akkuyu gegen den von der russischen Firma Rosatom geplanten Bau des ersten Atomkraftwerks in der Türkei finden auch im europäischen Ausland Widerhall. Ganz generell profitiert die türkische Zivilgesellschaft von Hilfen der EU, die diese für Vorhaben zur Stärkung der türkischen Demokratie im Rahmen des Beitrittsprozesses zur Verfügung stellt.

Trotz dieser enormen Entwicklung bleibt die zivilgesellschaftliche Bewegung in der Türkei landesweit relativ schwach. Ihre Organisationen konzentrieren sich in den Großstädten und werden in der Regel vom höher gebildeten Bürgertum getragen. Eine regionale Ausnahme bildet der Südosten, wo die kurdische Nationalbewegung sich inzwischen auch in der Zivilgesellschaft etablieren konnte und andere Nichtregierungsorganisationen immer stärker gegen allgemeine gesellschaftliche Missstände aktiv werden. Doch auch hier liegen die Zentren in den Städten, weniger in den Dörfern.

Im Kampf gegen diese Missstände, sei es im Bildungswesen, sei es bei den Menschenrechten, der unvollkommenen Demokratisierung oder auch bei Nachteilen für die Beschäftigten, macht sich zudem die immer noch bestehende Spaltung der Zivilgesellschaft in ideologisch getrennte Organisationen hinderlich bemerkbar. Das gilt nicht nur für die Gewerkschaften, die in einen eher sozialistischen und einen eher konservativen Flügel sowie eine schwache nationalistische Gruppierung gespalten sind, die jeweils Verbindungen zu den entsprechenden Parteien pflegen. Die Spaltung der Gesellschaft in den mehrheitlichen konservativ-traditionellen Teil und die kemalistisch-nationale Minderheit zieht sich durch fast alle Bereiche der Zivilgesellschaft. Am ehesten wird sie im Widerstand gegen konkrete Einzelvorhaben des Staates überwunden. Auch die relativ große Solidarität unter den Frauenorganisationen wird immer wieder von Gegensätzen zwischen Laizistinnen und Traditionalistinnen in der türban-Frage auf die Probe gestellt. Selbst das Unternehmerlager ist gespalten in die laizistisch orientierte Vereinigung der türkischen Großindus-trie aus der Region um das Marmarameer, TÜSIAD, und die aus der konservativen anatolischen Industriebourgeoisie hervorgegangene Organisation MÜSIAD. Beide sind gleichermaßen um gute Beziehungen zur jeweiligen Regierung bemüht und durchaus einig in der Abwehr ihrer Ansicht nach zu weit gehender gewerkschaftlicher Forderungen.

Doch engagiert sich TÜSIAD seit Mitte der 1990er-Jahre besonders für die Verbesserung der demokratischen Verhältnisse in einem europäisch-liberalen Sinn. Auch gehört die Unternehmervereinigung zu den engagierten Befürworterinnen eines türkischen EU-Beitritts, von dem sie sich eine Festigung der vorteilhaften wirtschaftlichen Verbindungen des Landes mit der EU und der OECD-Welt generell verspricht. Bei MÜSIAD engagierte Unternehmen sind dagegen häufig in den "neuen" Märkten Zentralasiens und des Nahen und Mittleren Ostens engagiert. Sie versuchen, die neue außenpolitische Orientierung der AKP-Regierung für ihre Interessen zu nutzen.
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