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11.11.2020

Baustein 1: "Ich hab' doch nix zu verbergen ...."

Umgang mit den eigenen Daten im Internet und in der digitalen Kommunikation

Der Eingangsbaustein beschäftigt sich mit unseren Datenspuren im Netz: Die Schülerinnen und Schüler erforschen auf kreative Weise, welche persönlichen Informationen wir bei den verschiedenen Aktivitäten im Internet bzw. in der digitalen Welt hinterlassen und wie unser Umgang mit unseren persönlichen Daten im Hinblick auf Datenschutz und Datensicherheit aussieht.

Lernziele


Die Schülerinnen und Schüler …

Inhalt und Verlauf


Im Baustein soll zunächst aufgezeigt und bewusst gemacht werden, welche persönlichen Informationen bei den verschiedenen Aktivitäten im Internet bzw. in der digitalen Welt von uns - ob bewusst oder unbewusst - preisgegeben werden. In einem weiteren Schritt wird das eigene Verhalten im Umgang mit den persönlichen Daten behandelt. Dabei soll den Schülerinnen und Schülern zum einen deutlich werden, wobei und wie viel sie in ihrem Alltag über sich preisgeben. Zum anderen sollen sie sich auch darüber bewusst werden, dass sie viele dieser Daten sehr bereitwillig zur Verfügung stellen, ohne genau zu wissen, was damit alles gemacht wird bzw. gemacht werden kann.

Einstieg: Mit Impulsbild das Thema einbringen

Daten-"Ab-Fall" (© Carole Scheffels)

Für den Einstieg wird ein Impulsbild (M 01.01) verwendet. Das Impulsbild verdeutlicht, – ohne dies zu werten - dass beim Nutzen des Smartphones ständig Daten „abfallen“, die ein anderer ohne Probleme aufsammeln kann. Die Lehrkraft präsentiert den Schülerinnen und Schülern das Impulsbild – ggf. kann dabei der untere Teil mit der Person, welches die Daten sammelt, zunächst erst einmal abgedeckt bleiben, um den Fokus auf das Datenhinterlassen zu legen. Die Schülerinnen und Schüler sollen kurz beschreiben, was sie auf dem Bild sehen.
Nach der Bildbeschreibung wirft die Lehrkraft die Frage auf: Ist das wirklich so? „Verlieren“ bzw. „hinterlassen“ wir Daten auf unseren Wegen in der digitalen Welt (Internet)? Und wenn ja, wo überall geben wir bei der Nutzung digitaler Dienste und Geräte denn Daten über uns preis?

Erarbeitung: Wo bzw. wie hinterlassen wir überall Spuren in der digitalen Welt?
In einem ersten Brainstorming wird gemeinsam gesammelt, wo überall Daten anfallen. Dies kann klassisch analog an der Tafel oder per Kärtchenabfrage, aber auch digital erfolgen.

Beispiel einer Wortwolke zum Thema

Über einfache Feedbacktools können die Schülerinnen und Schüler eine Frage digital beantworten oder - wie in diesem Fall - Stichwörter zu einem Thema eingeben. Die Einträge der Schülerinnen und Schüler werden vom Tool gesammelt und je nach Häufigkeit der Nennung z. B. unterschiedlich groß in einer Wortwolke (word cloud) dargestellt. (Informationen zum Einsatz von Feedbacktools im Unterricht inkl. Tools und Hinweisen zu deren Datenschutz s. Info 01.01)

Beispiele für Datenspuren aus dem Alltag der Schülerinnen und Schüler gibt es sicher viele, z. B.: Suchanfragen in Suchmaschinen, Beiträge und Reaktionen (Posten, Liken, Teilen etc.) in sozialen Netzwerken, Cookies, Tracking beim Surfen, Registrierung auf Portalen, Teilnahme an Gewinnspielen Onlineeinkäufe, Standortübermittlung beim Handy, Sammeln von Punkten beim Einkauf, Einkauf per Karte oder Smartphone, Nutzung von digitalen Assistenten wie Alexa/Siri/Cortana & Co. und vieles mehr wie auch die Nutzung von sog. "smart (home) devices" (Internet der Dinge, IoT).
Die genannten Aspekte können zusätzlich anschließend noch nach Oberbegriffen geclustert werden. Erarbeitung: Digitale Spuren
Im Anschluss an die erste Sammlung und Sortierung überlegt die Klasse gemeinsam, wie man genauer erforschen kann, auf welche Weise konkret Menschen in der digitalen Welt Spuren, also Daten hinterlassen, und zusätzlich etwas herausfinden kann, über den Umgang der Menschen mit ihren eigenen Daten.

Verschiedene Möglichkeiten bieten sich hier an: Letztlich hängt die Wahl der Erforschungsmethode sicher auch von der zur Verfügung stehenden Zeit ab. Während die Variante mit dem Daten-Tagebuch oder Selbstexperiment relativ einfach und in kurzer Zeit zu realisieren ist, bedarf es bei der Durchführung einer eigenen Umfrage schon etwas mehr Zeit.

Allerdings birgt die Umfrage einen zusätzlichen Mehrwehrt: So gewinnen die Schülerinnen und Schüler bei der Durchführung einer eigenen Befragung nicht nur Erkenntnisse aus der Analyse ihrer Befragungsdaten, sondern erhalten – dadurch, dass sie selbständig eine eigene Befragung planen, durchführen und auswerten - zusätzlich einen Einblick in die Methoden der empirischen Sozialforschung und erlangen durch die eigene Umsetzung so parallel eine grundlegende sozialwissenschaftliche Methodenkompetenz.

Exkurs Befragung
Im Fragebogen kann abgefragt werden, welche Geräte und Anwendungen die Befragten nutzen, wie intensiv sie in der digitalen Welt aktiv sind, was sie da konkret machen und wie sie dabei mit ihren persönlichen Daten umgehen, welche Einstellungen sie in ihren Geräten oder bei Diensten verwenden usw. So kann später analysiert werden, wo und welche Informationen bestimmte Nutzergruppen über sich preisgeben, aber auch, wie sie mit ihren Daten im Hinblick auf Datenschutz und Datensparsamkeit umgehen.
Darüber hinaus bietet sich im Fragebogen die einfache Möglichkeit, auch erweiterte Aspekte gleich mit abzufragen, die dann im späteren Verlauf des Unterrichtsprojekts aufgegriffen werden können (z. B. Maßnahmen zum Schutz der eigenen Daten --> Baustein 2 und Baustein 5, Frage nach der Verantwortlichkeit im Hinblick auf den Datenschutz -> Baustein 4 etc.). Auf diese Weise kann die Befragung bzw. können deren Ergebnisse eine inhaltliche Verzahnung der einzelnen thematischen Bausteine unterstützen. Der Musterfragebogen (M 01.03) ist nach diesem Schema konzipiert und enthält Frageblöcke zu verschiedenen Aspekten der Projektbausteine.

Vorschau Musterfragebogen

Der Musterfragebogen kann eins zu eins übernommen, aber auch einfach als Basis genutzt und nach den eigenen Vorstellungen verändert und angepasst werden. Denkbar wäre auch, dass die Klasse den Fragebogen komplett selbst erstellt, was allerdings viel zeitaufwändiger und methodisch anspruchsvoller ist und einer sorgfältigen Planung bedarf.

Der Musterfragebogen (M 01.03) wird in verschiedenen Formaten angeboten: als PDF-Datei zum Ausdrucken und als GrafStat-Dateien (ZIP-Ordner), welche mit der für den öffentlichen Bildungsbereich kostenlosen Software GrafStat für die Durchführung und Auswertung der Befragung genutzt werden können.

Detailliertere Hinweise zur Durchführung einer Befragung (Befragungsarten, Vorbereitung, Datenerfassung und Auswertung der Daten) finden Sie im allgemeinen Bereich zu GrafStat bei der bpb. Eine Einarbeitung in die Handhabung der Software, die speziell für den Einsatz im Bildungsbereich entwickelt wurde und daher sehr intuitiv handzuhaben ist, fällt den Schülerinnen und Schülern in der Regel recht leicht. Eine kleine Zusammenstellung mit Hinweisen zur Datenauswertung mit GrafStat finden Sie in Info 01.02.

Aus didaktischer Sicht ist es sinnvoll, bei der Auswertung der Daten einzelne Themenaspekte separat in Gruppenarbeit auswerten zu lassen. Mögliche Schwerpunkte könnten dabei folgende sein:
a) Nutzungsverhalten (Was wird genutzt? Wie intensiv wird genutzt? Gegebenenfalls ist hier auch ein Vergleich nach Alter und Geschlecht möglich)
b) Datenpreisgabe (Welche Daten werden preisgegeben? Wo und wozu?)
c) Vertrauen in Anbieter (Ranking, wie vertrauenswürdig die einzelnen Anbieter eingeschätzt werden)
d) Verantwortlichkeit (Wer ist für den Schutz der Daten verantwortlich? Anbieter, Nutzer/innen, Staat etc.?)
e) Umgang mit eigenen Daten (Datensparsamkeit, Einstellungen am Gerät etc.)

Für die Datenauswertung hat sich zudem bewährt, hypothesenorientiert vorzugehen. Die Schülerinnen und Schüler formulieren vorab Vermutungen in Form von Arbeitshypothesen (s. M 01.05), welche dann mithilfe der Daten überprüft werden (M 01.06).

Beispielhypothesen Die Ergebnisse aus der eigenen Befragung können mit denen von ausgewählten Studien zum Thema verglichen werden. Dieser Vergleich ermöglicht eine Einordnung der eigenen Ergebnisse. Die Shell-Jugendstudie „Jugend 2019“ beispielsweise beinhaltet auch Ergebnisse zum Themenkomplex und hat Aspekte abgefragt, die im Musterfragebogen ebenfalls abgefragt werden (s. M 01.07).
Daten-Tagebuch
Das Daten-Tagebuch (s. Vorlage in M 01.02) kann entweder alleine zur Erforschung der eigenen Datenspuren eingesetzt werden, oder – sofern man sich zur Erforschung für eine Befragung oder Selbstexperiment entschieden hatte – auch nochmal als Vertiefung genutzt werden (--> Befragung = Erforschung einer größeren Gruppe, Daten-Tagebuch = Erforschung des eigenen Verhaltens auf persönlicher Ebene).

Die Schülerinnen und Schüler führen dazu ein Daten-Tagebuch, in dem sie gezielt für einen Tag (oder auch für mehrere) festhalten, wo und wozu sie in ihrem Alltag persönliche Daten hinterlassen.
Auf diese Weise wird für sie fassbar und nachvollziehbar, in welchem Ausmaß in unserem Alltag Informationen über uns "abfallen".

Gleichzeitig sollen die Schülerinnen und Schüler ergründen, zu welchem Zweck sie Daten über sich preisgeben: Ist es notwendig, um einen Dienst nutzen zu können? Ist es, um sich selbst auszudrücken oder darzustellen? (Selbstdarstellung, Meinungsäußerung, Teilnahme am politischen Diskurs etc.)

Bei der Auswertung der Daten-Tagebücher sollte verschiedenen Fragen nachgegangen werden: Ziel ist es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass im Alltag permanente Datenverarbeitung mit Bezug auf individuelle Verhaltensweisen und Orientierungen erfolgt. Darüber hinaus stellt sich hier aber auch schon die Frage nach der Eigenverantwortlichkeit im Umgang mit den eigenen Daten. (s. Baustein 5)

Bewertung, Einordnung und Diskussion
Zum Abschluss des Bausteins stehen die Diskussion der Ergebnisse und eine kritische Reflexion des eigenen Verhaltens an. Mögliche Leitfragen für die Diskussion: Neben einer Sensibilisierung für den Umgang mit den eigenen Daten, soll in der Diskussion zugleich aber auch deutlich werden, dass Jugendliche den gesellschaftlichen (digitalen) Kommunikationsraum aktiv, z. B. durch Information, Aktivismus und Partizipation, in und durch die digitale Öffentlichkeit sowohl wahrnehmen als auch mitgestalten können (Meinungsfreiheit, Kommunikation etc.)

In der Diskussion sollten die Vorteile und Nachteile des Spurenhinterlassens im Netz nochmals dezidiert aufgegriffen werden, so dass den Schülerinnen und Schülern auf dieser Grundlage ggf. typische mögliche Klassifizierungsschemata deutlich werden. Die Schülerinnen und Schüler erörtern dabei unterscheidende Kategorien wie z. B. Ziel, Zweck, Nutzen - also konkret die Art der Daten (anonym oder nicht anonym), Methode der Datensammlung (freiwillig offen oder geheim, Datensammlung im Verborgenen) sowie Verwendung der Daten (Möglichkeit der Selbstdarstellung oder Datenmissbrauch), Zweck der Datensammlung und -verwertung (Wer profitiert davon? Welcher Nutzen entsteht?). Wesentliche Punkte können - analog oder digital - als Schaubild festgehalten werden.

Die Diskussion ermöglicht so gleichzeitig eine Hinführung bzw. Überleitung zu Baustein 2, welcher sich mit den Fragen beschäftigt: Warum werden Daten gesammelt? Wer sammelt die Daten? Was wird mit den Daten konkret gemacht?

Medien und Methoden

Eine tabellarische Übersicht der Planung des Bausteins steht als PDF-Icon PDF-Datei zur Verfügung.
Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autoren/-innen: Andrea Szukala, Sabine Kühmichel, Cornelius Knab für bpb.de

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Andrea Szukala, Sabine Kühmichel, Cornelius Knab

Zur Person

Andrea Szukala

ist Politikwissenschaftlerin und Inhaberin der Professur für Fachdidaktik der Sozialwissenschaften am Institut für Soziologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. andrea.szukala@uni-muenster.de


Sabine Kühmichel

Team Forschen mit GrafStat
jetzt Team "Forschendes Lernen" am Lehrstuhl für Didaktik der Sozialwissenschaften am Institut für Politikwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

IT-Trainerin und Referentin für Software-Schulungen
- u.a. zum Thema Evaluation mit der Befragungssoftware GrafStat im schulischen und außerschulischen Bereich
(Bildungsversion und Kommerzielle Version)


Cornelius Knab

Bachelor im Major / Minor: Kommunikationswissenschaft / Politikwissenschaft
Master im Fach Politikwissenschaft

Wissenschaflticher Mitarbeiter an der Fachhochschule Münster
im Projekt "game based learning in nursing - spielerisch lernen in authentischen, digitalen Pflegesimulationen"

Team Forschen mit GrafStat


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