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8.4.2020

Die Corona-Krise und ihre Folgen

Ausgewählte Links aus der Sicherheitspolitischen Presseschau
Der Kampf gegen die Corona-Pandemie stellt die Welt vor gewaltige Aufgaben und macht den Ausnahme- zum Normalzustand. Ausgangsbeschränkungen und -Sperren, Grenzkontrollen, Aufrechterhaltung der kritischen Infrastruktur: Viele Staaten kämpfen im Innern mit zahlreichen Maßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung des Virus und die Folgen der Krise. Aber auch international verändert das Virus vieles grundlegend und verschärft die Situation in armen, von Sanktionen betroffenen, stark bevölkerten oder von Kriegen gezeichneten Ländern zusätzlich. Wie wird der "Notstands-Staat" (Gumbrecht) die Gesellschaft verändern? Welche politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen wird die Corona-Krise haben? Finden Sie hier gebündelt ausgewählte Artikel aus der Sicherheitspolitischen Presseschau.

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3D-Modell des SARS-CoV-2. (© picture-alliance, Hollandse Hoogte)


Links vom 07.04.2020

"Berlin lets mask slip on feelings for Trump’s America"

Der Streit um eine Lieferung von Atemschutzmasken aus Bangkok habe das Ansehen der USA in den Augen vieler Deutscher weiter sinken lassen, berichten Matthew Karnitschnig und Judith Mischke aus Berlin. "If Germans didn’t trust President Donald Trump before the coronavirus outbreak, the crisis has convinced them that his unyielding 'America First' instinct puts other countries and their citizens at risk. That such accusations should emanate from Berlin, a city the U.S. saved from Soviet domination during the Berlin Airlift, underscores the depth of distrust for the American president. (…) Not only is there no evidence that the U.S. confiscated the masks in Thailand (where Washington has no jurisdiction), so far there’s no proof that the shipment in question even ended up in the U.S. American officials told POLITICO they have no information about any mask shipment bound for Germany from Bangkok that was then redirected to the U.S. They point out that with virtually every country in the world facing a shortage of protective gear, the competition for masks and other equipment is intense. American states and cities have also been competing with one another for supplies, including ventilators, a process New York Governor Andrew Cuomo compared to 'being on eBay.'"
(Politico vom 07.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o9d

"Aufwachen, Kinder!"

Der Politikwissenschaftler Helmut Däuble schreibt, dass die deutsche Wohlstandsgesellschaft vor der Coronakrise im Bewusstsein gelebt habe, dass Katastrophen "stets woanders stattfinden". "Noch sind wir erst am Anfang, und schon haben wir über unsere Gesellschaft mehr gelernt als in Jahrzehnten der Ruhe, des Gleichlaufs. Seit Ewigkeiten kamen die kollektiven Härten immer nur aus den Medien. Waren es lange Zeit die zahlreichen Kriege und Katastrophen aus aller Welt, so müssen wir zuletzt beobachten, wie Menschen mangels einer ausreichenden Menge von Beatmungsgeräten in Italien unbehandelt sterben. Doch wer waren die Leidtragenden? Immer die anderen. Bis heute."
(Tageszeitung vom 05.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o9e

"Wie sinnvoll ist eine Corona-App?"

Die Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann erläutert in diesem Interview, warum sie die so genannte Corona-App für Smartphones für "alternativlos" hält. "Bedenken auf Gründen des Datenschutzes erteilte Hermann eine Absage. Gesundheitsschutz und maximaler Datenschutz seien angesichts des Coronavirus nicht vereinbar. Dennoch würde die Mehrheit der Bevölkerung sich wahrscheinlich tracken lassen, 'glaubt Herrmann - wenn man sagt, die Alternative ist, dass du unbeschränkt zuhause sitzt - in der Fast-Quarantäne'. Andernfalls werde die App staatlich durchgesetzt werden. 'Man muss sich klarmachen, wenn das nicht freiwillig kommt, dann wird es verordnet werden, das ist meine These, davon gehe ich aus.'"
(Deutschlandfunk Kultur vom 04.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o9f

"Was wir tun, reicht weit über die Coronakrise"

Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk fordert der Literatur- und Wirtschaftswissenschaftler Felix Maschewski, in der Coronakrise genau hinzusehen, "in welche Richtung wir wollen bezüglich dieser überwachungskapitalistischen Praktiken, bezüglich dieser Tracking-Technologie". "Dass die Telekom Funkzellendaten an das Robert-Koch-Institut gegeben habe, sei aus Datenschutzsicht erst mal unproblematisch. 'Doch das, was in den anderen Ländern wie Südkorea und China passiert sollte uns zu Denken geben, wie das Druck auf unserer Politik auslöst.' Wir steuerten auf eine Entscheidungssituation zu. Jetzt sei es wichtig, darüber nachzudenken, wie weit uns die Privatsphäre und wie weit wir sie womöglich gegen die Gesundheit ausspielen wollten, so Maschewski. 'Ich glaube, dass wir uns dafür mehr Zeit nehmen sollten, als uns das aktuell manchmal recht ist, weil wir doch hier etwas tun, was weit über die Coronakrise reichen wird.'"
(Deutschlandfunk vom 05.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o9g

"Landespolizeien setzen Drohnen ein"

Matthias Monroy berichtet über "Corona-Kontrollen", bei denen Bürgerinnen und Bürger in verschiedenen Bundesländern zum Teil von Drohnen mit Lautsprechern in öffentlichen Räumen belehrt werden. "Zur Kontrolle von Ausgangsbeschränkungen fliegen Quadrokopter (...) in mindestens zwei Städten Nordrhein-Westfalens. Laut einem Bericht des Tagesspiegel werden sie von der Polizei in Dortmund und Düsseldorf 'zur Information über die Gesundheitsgefahren bei Nichteinhalten des Kontaktverbots' eingesetzt. Die Drohnen sind dafür mit Lautsprechern ausgestattet und kreisen über Personengruppen 'an beliebten Treffpunkten'. Diese wurden anschließend zum 'Verlassen der Plätze aufgefordert'. Dem Bericht zufolge bewertet das Landesinnenministerium den Einsatz als positiv."
(netzpolitik.org vom 04.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o9h

"Der Notstand erzeugt einen eigenen Sog"

Der Rechtswissenschaftler und Bundesrichter a. D. Thomas Fischer hat sich in einem Gastbeitrag für die Neue Zürcher Zeitung mit der Rechtmäßigkeit der derzeitigen bürgerrechtlichen Einschränkungen beschäftigt. "Die Bundesrepublik Deutschland hat am 27. März weitreichende Möglichkeiten zur Einschränkung von Gewaltenteilung und Grundrechtsschutz in Kraft gesetzt. Manche sehen darin schon den Anfang vom Ende der liberalen Demokratie. Aber der Beachtung verfassungsrechtlicher Grundsätze kommt gerade im Fall der Krise, der Gemeingefahr und der Ausnahmelage grösste Bedeutung zu."
(Neue Zürcher Zeitung vom 06.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o9i

"Are we all authoritarians now?"

Austin Williams findet es beunruhigend, wie schnell der Westen in der Coronakrise zu einem "Autoritarismus" nach chinesischem Vorbild gefunden habe. "How have we lost our moral compass in such a short space of time? The medical basis for state-enforced isolation is still debatable. But even if it is a fundamental necessity to protect lives, should we be welcoming confinement so eagerly? Should we really be asking for ever-more state powers to enforce lockdowns? Shouldn’t we be defending liberty, free movement and assembly rather than accepting restraint at the behest of the political and medical establishment? I am not suggesting that we all rush out and hug each other, but it seems that Western values can be usurped and abandoned much more easily than we ever imagined. That ought to be a cause for concern, and maybe something worthy of national debate. Instead, those advocating for the liberal rights that have upheld the cause of Western societies for centuries are frequently shouted down and branded 'irresponsible' or 'dangerous'. In the words of the Chinese state, penalties will be enforced in order to ensure a harmonious society. Responsible citizens and trustworthy actions are rewarded; dissenters are blacklisted."
(spiked vom 07.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o9j

"Coronavirus marks the end of open borders in Europe"

Die Coronakrise dürfte der Idee eines Europas ohne Grenzen ein nachhaltiges Ende bereitet haben, meint Gavin Mortimer. "Humanitarian organisations must understand that the world is undergoing an unprecedented transformation, particularly in Europe where tens of thousands have already died from coronavirus as overstretched health services struggle to cope and economies are left on their knees. The continent is in the process of being reshaped and while Jeremy Corbyn may believe a new socialist dawn is on the horizon he would do well to temper his enthusiasm. Economically Europe may move to the left, but socially, the direction will be to the right. The era of open borders and mass immigration is over, at least for now, and the sooner the EU grasps this fact, the better. If they don't, then the future will belong to Matteo Salvini and Marine Le Pen and the AfD, and do they really want that?"
(The Spectator vom 06.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o9k

"The Superpower Remover"

Der relative Niedergang der Supermacht USA könnte durch die Corona-Pandemie beschleunigt werden, schreibt Martin Skold. Er erwartet, dass die massiven Staatsausgaben zur Krisenbekämpfung auch durch eine Kürzung des Pentagon-Haushalts kompensiert werden. "(…) it is important to recall that American global hegemony rests on its unparalleled ability to project force abroad. That ability is sure to be tested going forward. The U.S. defense budget will have to end up on the chopping block — if not now, then in the coming years when deficits really start to soar. At the moment, the United States is spending about $686 billion on defense annually, and $375 billion to service the national debt. The second is already projected to overtake the first. COVID-19 will no doubt accelerate this trend. (…) In the foreign policy area, the United States can cut back where it can. For example, the withdrawal of forces from Afghanistan, if it can be effected, will open up political and military options. A long-overdue look into wasteful defense procurement could mitigate some of the effects of likely future defense cuts and spur innovation. And a little leadership—even just in the form of token aid in these horrific times — would also reassure allies that the United States, for all its internal turmoil, is still present."
(The American Interest vom 02.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o9l


Links vom 06.04.2020

"Germany's devolved logic is helping it win the coronavirus race"

Philip Oltermann meint, dass der deutsche Föderalismus sich in der Coronakrise im Vergleich zu anderen Ländern trotz erster Zweifel als klarer Standortvorteil herausstelle. "At the start of the Covid-19 outbreak, such a highly devolved system of governance made the woman nominally in charge of the country look oddly powerless: even when Angela Merkel announced the first raft of social-distancing measures, she could only make recommendations that the federal states were free to implement or ignore. (…) A week and a half into the de facto lockdown, however, Germany is beginning to discover the upsides of a system which distributes, rather than centralises, power. The country suddenly finds itself being held up as the model to be emulated for its high rates of testing – seen by many as the only strategy for being able to navigate a route out of lockdown measures. German public health services are provided not by one central authority but by approximately 400 public health offices, run by municipality and rural district administrations. Such an environment allows for a variety of laboratories – some attached to universities or hospitals, others privately run, medium-sized businesses – which act largely autonomously of central control."
(Guardian vom 05.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o8x

"Das hier ist kein Krieg"

Christian Stöcker kritisiert, dass Ökonomen, Politiker und Virologen in der Corona-Debatte "ein ums andere Mal den Krieg als Metapher" bemühen. "In der Debatte über die Pandemie scheinen bei vielen ein bisschen die Maßstäbe dafür abhandengekommen zu sein, was unsere humanistisch begründeten liberalen Demokratien eigentlich ausmacht. Die Gesundheitssysteme der Industrienationen dienen allesamt dem gleichen, bislang nun wirklich unstrittigen Zweck: Sich der größten Zumutung des Menschseins, der Unausweichlichkeit des Todes, so lange und entschlossen wie möglich entgegenzustellen. Und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass das eben Unvermeidliche, wenn es dann irgendwann kommt, so erträglich und würdevoll wie möglich passiert."
(Der Spiegel vom 05.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o8y

"Wer ethisch handelt, darf Menschenleben gefährden"

Bente Lubahn und Linda Fischer analysieren die Folgen der Corona-Ausgangssperre und Möglichkeiten eines Einstiegs in eine neue Normalität. "Die Rufe nach einem Ende der Maßnahmen gegen Sars-CoV-2 werden lauter. Sollten wir uns um jeden Preis schützen oder zählt die Infektion bald zum allgemeinen Lebensrisiko?"
(Zeit Online vom 05.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o8z

"In der Corona-Krise geht es um Leben und Tod – auch für Europa!"

In einem gemeinsamen Artikel im Berliner Tagesspiegel analysieren Sigmar Gabriel und Joschka Fischer die Coronakrise als historisch größte Bewährungsprobe Europas. "Die Corona-Krise bedeutet für Europa dramatische Verluste: Wir verlieren tausende Menschenleben an eine immer wieder tödliche Viruskrankheit, wir verlieren Wohlstand und Arbeitsplätze an ihre Folgen. Aber der vielleicht größte Verlust steht uns noch bevor: Der Verlust an Vertrauen in die Sinnhaftigkeit und Glaubwürdigkeit der Europäischen Union."
(Tagesspiegel vom 05.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o93

"Europe’s economic emergency is also a geopolitical one"

Benjamin Haddad und Josh Lipsky vom Atlantic Council betrachten den aktuellen wirtschaftlichen Notstand in Europa auch als geopolitische Herausforderung der EU. "This is more than a debate about jobs and spending. As countries weigh the right measures to respond to the economic impact, including shared risk and lower borrowing costs through the creation of 'Coronabonds,' they must understand they are not just arguing over the rules of the eurozone. They are deciding the future of European power on the world stage. If the project fails now, if Europeans can’t ensure solidarity with each other after so much pain and sacrifice, it will not only be a devastating loss for Europe. It will also be a blow to a world looking for the political shape of a post-coronavirus world. (…) Think about how the rest of the world views the situation. As a result of the crisis many emerging markets are experiencing a sudden reversal in international financial flows. According the International Institute of Finance, at $80 billon and growing, this is the largest capital outflow from emerging markets ever recorded. China, especially if it recovers faster from the crisis than Europe, will have an opportunity. The Asian Infrastructure Investment Bank has already started approaching countries to make offers of reconstruction. Does the EU want to leave countries with no choice other than the Belt and Road, especially in its own neighborhood: North Africa, the Western Balkans, Central Asia?"
(Atlantic Council vom 31.03.2020)
https://kurz.bpb.de/o94

"Pistolen gegen Viren"

Jörg Wimalasena berichtet aus New York über den Hintergrund des starken Anstiegs der Waffenverkäufe in den USA. "Geschätzte 2,5 Millionen Waffen wurden dem FBI zufolge im März verkauft, knapp 85 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Die Polizeibehörde des Bundes erfasst zwar nicht die tatsächliche Menge der verkauften Waffen, wohl aber die Anzahl der Sicherheitsabfragen für Waffenkäufer. Branchenexperten sprechen von einem historischen Verkaufshoch. (…) Es dürfte vor allem das gestörte Sicherheitsgefühl vieler US-Amerikaner in Zeiten der Pandemie sein, die zu diesem Anstieg führt. 'Die Menschen sind nervös und fürchten zivile Unruhen, wenn eine große Anzahl von Menschen krank ist und eine große Anzahl von Einrichtungen nicht normal funktioniert', sagt Timothy Lytton, Waffenexperte und Professor an der Georgia State University im Gespräch mit der New York Times. 'Sie haben möglicherweise Angst, dass sie sich selbst schützen müssen, wenn die Staatsorgane zu erodieren beginnen.'"
(Zeit Online vom 06.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o95

"Der Muslim als 'Superspreader': Indiens religiöse Spannungen werden von der Corona-Krise verschärft"

Samuel Misteli berichtet, dass ein mehrwöchiges religiöses Treffen Anfang März in Indien als "Superspreader"-Vorfall in der Coronakrise angesehen wird. Eine Folge sei, dass Muslime in Indien nun von "religiösen Hetzern" angegriffen werden. "Auf Twitter verbreiteten sich Hashtags wie #CoronaJihad oder #MuslimVirus. Ein bekannter rechtsnationalistischer Fernsehmoderator schäumte: 'Diese Lockdown-Betrüger haben uns alle gefährdet. Wir waren am Gewinnen, da taten sie alles, um uns zu besiegen.' Auch Politiker der Hindu-nationalistischen Regierungspartei BJP stimmten ein. Ein führender Vertreter twitterte über einen 'islamischen Aufstand', der in Indien stattfinde. Ein Parlamentsabgeordneter forderte, die Tablighi Jamaat wegen Aufruhrs strafrechtlich zu verfolgen. So spiegeln sich in der Corona-Krise die üblichen Konfliktlinien Indiens."
(Neue Zürcher Zeitung vom 06.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o96

"11 Nations on Board as UN Secretary-General Pushes Global Ceasefire"

UN-Generalsekretär António Guterres setzt sich derzeit für einen globalen Waffenstillstand ein, um eine effektive Bekämpfung der Corona-Pandemie zu ermöglichen. "This is getting some interest beyond NGOs and the Pope. As of Friday, 11 countries have endorsed the idea, including Cameroon, Central African Republic, Colombia, Libya, Myanmar, the Philippines, South Sudan, Sudan, Syria, Ukraine, and Yemen. While the UN is still looking for a big nation engaged in foreign wars to really make this a thing, but some of these nations have some substantial domestic conflicts that might benefit from a ceasefire, and countries like Syria may find themselves influencing others. These are also some of the countries most vulnerable to the COVID-19 pandemics, with countries like Yemen, Libya, and Syria some of the nations least prepared for an outbreak, with war leaving the countries with little medical infrastructure."
(Antiwar.com vom 03.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o98

"An Unhealthy Military Is Struggling to Fight COVID-19"

Kathy Gilsinan schreibt, dass das US-Militär von der Corona-Pandemie besonders stark gefährdet sei. Die empfohlene räumliche Distanzierung lasse sich nicht nur auf Kriegsschiffen schwer umsetzen. Das Pentagon habe auf diese Fragen bisher keine Antworten gefunden. "The lack of unified instruction from the Pentagon’s leadership about necessary precautions and social-distancing enforcements has created a haphazard approach to containment, with more than 1,500 infections and five deaths so far across the military and Defense Department civilians, dependents, and contractors. 'I can’t put out a blanket policy, if you will, that we would then apply to everybody, because every situation’s different,' Defense Secretary Mark Esper told reporters in March, when the virus had recently taken the life of one defense contractor. 'Tell me, how do I do six-feet distancing in an attack submarine? Or how do I do that in a bomber with two pilots sitting side by side?'"
(The Atlantic vom 03.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o99

"Corona-Krise: Bundesregierung warnt vor rechtsterroristischen Anschlägen"

Nach einigen Opferverbänden hat nun auch die Bundesregierung vor der Gefahr rechtsextremer Anschläge während der Coronakrise gewarnt. "Vertreter des Bundesamtes für Verfassungsschutz und des Bundesinnenministeriums setzten demnach die Obleute des Innenausschusses über Aktivitäten innerhalb der rechten Szene in Kenntnis. Nach RND-Informationen bereiten sich Mitglieder sogenannter Prepper-Gruppen (to be prepared: vorbereitet sein) auf einen angeblichen Tag X vor, an dem die öffentliche Ordnung zusammenbrechen soll. In Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sollen Waffen und Munition aus Verstecken, sogenannten Safehouses, geholt worden sein."
(RedaktionsNetzwerk Deutschland vom 03.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o9a

"Did coronavirus leak from a research lab in Wuhan? Startling new theory is 'no longer being discounted' amid claims staff 'got infected after being sprayed with blood'"

Die These, dass die Corona-Pandemie ihren Ursprung in einem Forschungslabor in Wuhan gehabt habe, wird von den meisten Experten nach wie vor als unbelegt zurückgewiesen. Der Mail on Sunday zufolge wird diese Möglichkeit von britischen Geheimdiensten jedoch zumindest nicht mehr kategorisch ausgeschlossen. "Senior Government sources say that while 'the balance of scientific advice' is still that the deadly virus was first transmitted to humans from a live animal market in Wuhan, a leak from a laboratory in the Chinese city is 'no longer being discounted'. One member of Cobra, the emergency committee led by Boris Johnson, said last night that while the latest intelligence did not dispute the virus was 'zoonotic' – originating in animals – it did not rule out that the virus first spread to humans after leaking from a Wuhan laboratory. The member of Cobra, which receives detailed classified briefings from the security services, said: 'There is a credible alternative view [to the zoonotic theory] based on the nature of the virus. Perhaps it is no coincidence that there is that laboratory in Wuhan. It is not discounted.'"
(Daily Mail vom 04.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o9c


Links vom 05.04.2020

"Corona-Pandemie & Bundeswehr: Kein strategischer Lufttransport für Hilfseinsatz"

Derzeit seien keine Transportkontingente der Bundeswehr für das Heranschaffen von Pandemie-Gütern nötig, berichtet Björn Müller. "Tschechien und die Slowakei nutzen den strategischen Lufttransport ihrer Streitkräfte über die NATO für Hilfseinsätze bei der Corona-Pandemie; nicht so die Bundeswehr. 'Die zur Verfügung stehenden sonstigen gewerblichen Kapazitäten sind bislang ausreichend', so ein Sprecher des Verteidigungsministeriums auf Anfrage. Das heißt, der, die Hilfsluftfracht koordinierende Krisenstab des Auswärtigen Amts, beauftragt für das Heranschaffen von Schutzmasken und anderer Pandemie-Güter Unternehmen wie Lufthansa und DB Schenker. Deren Cargo-Kapazitäten sind wegen des globalen Stillstands der Wirtschaft kaum ausgelastet."
(Pivot Area vom 03.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o8h

"Corona-Amtshilfe der Bundeswehr: Der Sanitätsdienst ist an der Grenze"

Bei der Corona-Amtshilfe für Länder und Kommunen stoße die Bundeswehr besonders im Hinblick auf ihre Sanitätsausstattung an ihre Grenzen, berichtet Thomas Wiegold. "Zudem seien die Bundeswehr-Mediziner bereits jetzt in die Bewältigung der Pandemie eingebunden, schrieb der Abteilungsleiter. Die fünf Bundeswehrkrankenhäuser stellten derzeit rund 80 Prozent ihrer Kapazitäten für die zivile Gesundheitsversorgung zur Verfügung. Außerdem würden mobile Einheiten des Sanitätsdienstes in Bereitschaft gehlaten, die bei Bedarf eingesetzte zivile wie militärische Kräfte unterstützen könnten. (…) Außerhalb des medizinischen Bereichs hält die Bundeswehr dagegen noch eine starke Reserve vor: Fast 15.000 Soldatinnen und Soldaten stehen zeitlich gestaffelt für Transport und Logistik, aber auch für Sicherungsaufgaben bereit. Von ihnen ist bislang nur ein geringer Teil tatsächlich eingesetzt."
(Augen Geradeaus! vom 04.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o8i

"Trump schickt Soldaten nach New York City"

Der Spiegel berichtet über die Hilfe des US-Militärs für die von der Corona-Epidemie besonders stark betroffene Metropole New York. "Bislang ist der Bundesstaat New York am schlimmsten von der Epidemie betroffen. Allein dort gab es bislang rund 113.000 bekannte Infektionen und rund 3600 Tote. Binnen 24 Stunden waren zuletzt 630 infizierte Menschen gestorben. Dies sei der höchste Anstieg der Opferzahl innerhalb eines Tages, sagte Gouverneur Andrew Cuomo. Die Zahl der Infizierten in dem Bundesstaat erhöhte sich auf knapp 114.000, das sind nur rund 6000 weniger als in ganz Italien."
(Der Spiegel vom 05.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o8j

"Trump Seeks to Block 3M Mask Exports and Grab Masks From Its Overseas Customers"

Berlin beklagt derzeit, dass eine Lieferung von 200.000 für die Polizei bestimmte Atemschutzmasken in Bangkok in die USA umgeleitet worden sei. Die New York Times berichtet vor diesem Hintergrund, dass die US-Regierung versuche, internationale Lieferungen von Atemschutzmasken der US-Firma 3M auf der Grundlage eines Gesetzes aus der Zeit des Koreakriegs abzufangen. "The Trump administration is using a Korean War-era law to redirect to the United States surgical masks manufactured by 3M in other countries as part of a heated pressure campaign to force the Minnesota company to cut off sales of surgical masks abroad. The policy is a significant expansion of the American government’s reach and a reversal of President Trump’s hesitant use of the Defense Production Act, which allows the administration to force a company to prioritize the U.S. government over competing orders. But in this case, the administration is invoking the law to compel 3M to send to the United States masks made in factories overseas and to stop exporting masks the company manufactures in the United States. Those moves, some trade and legal experts fear, could backfire and prompt foreign governments to clamp down on desperately needed medical necessities destined for the United States."
(New York Times vom 03.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o8k

"Israel's Defense And Spy Agencies Step Up Anti-Coronavirus Efforts"

Israel setze im internationalen "Wettlauf" um medizinische Versorgungsgüter und Corona-Heilmittel auch auf das eigene Militär und die Geheimdienste, schreibt Daniel Estrin. "Israel does not usually divulge what its covert agencies are up to. Some of the shadowy efforts have come under criticism, particularly over privacy concerns about surveillance. But recent announcements about these agencies' coronavirus war efforts could also serve to reassure a worried public as Israel struggles to contain COVID-19, with more than 6,000 positive cases and more than 30 dead. Here are some examples: (…) A man identified as the Mossad espionage agency's technology chief told Israel's top investigative TV program that the agency was securing more than 100 ventilators, 25,000 N95 medical masks and tens of thousands of virus test kits from unnamed countries. He claimed this involved racing to factories, getting hold of supplies ordered by other countries and coordinating airlifts when airports are closed. A veteran Israeli intelligence affairs journalist criticized the Mossad's procuring medical devices from abroad while Israel's own health officials warned of dire shortages for years."
(NPR vom 02.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o8l

"Idlib - dem Coronavirus ausgeliefert"

Diana Hodali sieht die Bevölkerung der syrischen Provinz Idlib dem Coronavirus weitgehend schutzlos ausgeliefert. "Erst seit wenigen Wochen müssen die Menschen den Bombenhagel des syrischen Regimes und seines Verbündeten Russland nicht fürchten - zumindest vorerst nicht, denn es herrscht Waffenruhe. Über eine Million Menschen sind aus der Provinz seit Beginn der Militäroffensive im Dezember 2019 vor den Bombardements geflohen, die meisten von ihnen Frauen und Kinder. Sie haben ihre Häuser und ihre Dörfer verlassen. Sie alle sind Vertriebene im eigenen Land, manche bereits zum zweiten, dritten oder vierten Mal auf der Flucht, leben unter schwierigsten Bedingungen in provisorischen Lagern. Dort teilen sich nicht selten zehn Personen ein paar wenige Quadratmeter in einem Zelt. Schlafen, essen, leben dicht an dicht. 'Wie soll ich diesen Menschen sagen, dass sie Abstand halten sollen?', fragt Huda Khayti, Leiterin des Frauenzentrums in der Stadt Idlib. Sie leitet eine Aufklärungskampagne zum Thema COVID-19. 'Diese Menschen haben kaum Zugang zu sauberem Wasser, es gibt nur wenige Toiletten für viel zu viele Menschen, keine Masken, keine Handschuhe.'"
(Qantara vom 30.03.2020)
https://kurz.bpb.de/o8m

"The WHO Ignores Taiwan. The World Pays the Price."

In der Debatte über die Corona-Pandemie ist die WHO in die Kritik geraten. Politiker und Experten werfen der Weltgesundheitsorganisation vor, zu chinafreundlich aufzutreten und dabei vor allem das Nichtmitglied Taiwan vor den Kopf zu stoßen. Wilfred Chan erläutert die politischen Hintergründe der Kontroverse, die möglicherweise eine rechtzeitige Bekämpfung der Pandemie behindert habe. "Despite early warnings from Taiwanese officials, the organization kept the island cut off from its global information networks. Now, it may be the rest of the world that’s paying the price. (…) By the time Taiwan confirmed its first case of Covid-19 on January 21, the country was arguably more prepared than any other place in the world. (…) In spite of its decisive response, Taiwan was shut out of the WHO’s emergency meeting on January 22, where representatives from 16 countries — including the PRC, Japan, South Korea, and the United States — opted to delay declaring the coronavirus a global health emergency."
(The Nation vom 03.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o8o

"How WHO Became China’s Coronavirus Accomplice"

Die Haltung der WHO zu China wird von einigen Beobachtern sogar als "Komplizenschaft" ausgelegt. Der in Berlin lebende Wissenschaftsjournalist Hinnerk Feldwisch-Drentrup schreibt, dass die Weltgesundheitsorganisation von chinesischer Finanzierung abhängig sei und sich in der Corona-Krise von Peking instrumentalisieren lasse. "'I thought the greatest success of the Chinese party-state was in getting the WHO to focus on the positive sides of China’s responses and ignore the negative sides of the responses,' said Steve Tsang, director of the China Institute at the SOAS University of London. 'With the WHO presenting China’s responses in a positive light, the Chinese government is able to make its propaganda campaign to ignore its earlier mistakes appear credible and to ignore the human, societal, and economic costs of its responses.' (…) Osman Dar, global health expert at Public Health England and the Royal Institute of International Affairs, said that China is no different from other countries that seek to exert influence. WHO had evolved out of colonial-era international sanitary conferences convened by the European powers and expansionist U.S. policy, he said. Since WHO was controlled and largely influenced by the national interests of Western powers before, in the past 20 years, countries like China 'have started to have more influence in the global health space.'"
(Foreign Policy vom 02.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o8p

"Coronavirus Is Empowering Dictators And Changing The World Order"

Die Corona-Pandemie habe innerhalb weniger Wochen weltweit politische "Normalitäten" auf den Kopf gestellt, meint Seth J. Frantzman. Profitiert hätten davon vor allem autoritäre Regierungen. "What happens in the long-term due to the effects of the virus? In Europe the EU has been criticized for its response and critics say its former status quo of open borders and policies is shaken to the core. This will tarnish EU institutions. The pandemic has forced most wealthy countries to rapidly close off their economies amid lockdowns. Poorer states are having a harder time and they may risk slipping into instability if they try draconian lockdowns. On the other hand, some existing authoritarian policies, such as India’s crackdown on protests in places like Kashmir, will go unnoticed amid the wider lockdown. Some countries in Africa appear to be using harsh measures already, using the pandemic as an excuse. It’s unclear how a lockdown can be enforced from Kenya to South Africa. The pandemic both erodes trust in regional and global institutions and pits countries against their own citizens as police and the military are sent to enforce lockdowns. The end result will likely be a more divided and chaotic world order, with Western states being more isolationist in the short term."
(The National Interest vom 04.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o8q

"The Coronavirus Could Spark A Nuclear Meltdown In North Korea"

Die Corona-Pandemie sollte als Gelegenheit für einen radikalen Kurswechsel im Konflikt mit Nordkorea wahrgenommen werden, empfiehlt Harry J. Kazianis. Die USA und Südkorea sollten seiner Ansicht nach die Sanktionen gegen Nordkorea für die offizielle Dauer der Pandemie aufheben. "Now, there will be many who will say this is an absolutely crazy idea, allowing Pyongyang to regain some of the economic strength it had before maximum pressure-style sanctions were put into place back in 2017. However, we should stop and consider for a moment what would happen if the North Korean regime were to become destabilized even partially. This would create an even worse coronavirus nightmare: a loss of control of the country’s vast quantities of weapons of mass destruction and the materials that make them deadly. (…) By lifting sanctions in the short term and trying to offer North Korea a practical path towards becoming something close to a normal nation, we can finally answer the age old question of whether Pyongyang is serious about shedding its rogue regime image. I think these small concessions are certainly worth a try."
(The American Conservative vom 03.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o8r

"Die Angst wächst"

Verbände für Opfer rechter Gewalt warnen trotz rückläufiger Zahlen von rechten Gewaltdelikten in Ostdeutschland, dass die Corona-Pandemie von "neuem Hass" begleitet werden könnte. "Durch die Pandemie entstünden neue Verschwörungstheorien, auch rassistisch aufgeladene Schuldzuweisungen hätten Konjunktur, sagt Robert Schiedewitz von Lobbi aus Mecklenburg-Vorpommern. Es sei zu befürchten, dass den in sozialen Medien verbreiteten Beschuldigungen auch Angriffe folgen könnten. Auch das Thüringer ezra sieht die Gefahr einer 'weiteren Eskalation von Rassismus rund um Covid-19'. Anti-asiatischer Rassismus könne sich mit der Pandemie wieder verstärken. Umso wichtiger sei gerade jetzt 'ein solidarisches Miteinander'."
(Tageszeitung vom 04.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o8u


Links vom 02.04.2020

"Zu sechst ein Zimmer, keine Seife"

Die Tageszeitung berichtet, dass das Corona-Risiko in Sammelunterkünften für Geflüchtete besonders hoch sei. "Räumliche Distanz ist die wirksamste Maßnahme für den Infektionsschutz. Doch genau das ist in Asylbewerberheimen nicht möglich. In der ZASt in Halberstadt etwa teilen sich bis zu sechs Personen ein Zimmer, sie waschen sich in Gemeinschaftsbädern. Die Kantine ist nun geschlossen, das Essen wird einzeln abgepackt verteilt."
(Tageszeitung vom 02.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o83

"How the coronavirus threatens a geopolitical Europe"

Die EU könnte aus der Coronakrise spürbar geschwächt hervorgehen, meint Nicu Popescu. Europa werde vor denselben geopolitischen Problemen stehen, allerdings mit weniger innerer Solidarität und internationaler Glaubwürdigkeit. "There is a risk that covid-19 will reinforce the most herbivorous foreign policy instincts of EU citizens and governments alike. Of course, among the key lessons of the crisis will be that states’ healthcare systems need more resources; that their economies need stimulus measures; that the EU needs to turn a blind eye to budget deficits; and that all countries need to engage in greater international cooperation to preventing, limit, and combat pandemics. (…) After the crisis, the EU will face the same geopolitical problems it did before. But, this time, it might need to tackle them with less internal solidarity and external credibility than it once had. To avoid this outcome, the EU and its member states need to devote greater attention and resources to saving their economies and boosting their healthcare capacity, while preserving enough political bandwidth and capital to establish a more geopolitical Europe."
(European Council on Foreign Relations vom 30.03.2020)
https://kurz.bpb.de/o84

"China Concealed Extent of Virus Outbreak, U.S. Intelligence Says"

Die US-Geheimdienste haben dem Weißen einen vertraulichen Bericht vorgelegt, demzufolge China alles getan habe, um das Ausmaß des Corona-Ausbruchs zu vertuschen, berichten Nick Wadhams und Jennifer Jacobs. Chinesischen Zahlen zum Stand der Pandemie könnten bis heute nicht getraut werden. China hat die Vorwürfe zurückgewiesen. "The officials asked not to be identified because the report is secret, and they declined to detail its contents. But the thrust, they said, is that China’s public reporting on cases and deaths is intentionally incomplete. Two of the officials said the report concludes that China’s numbers are fake. (…) The U.S. intelligence community’s conclusion is an attempt to divert attention from surging deaths in the U.S. and other Western countries, Hu Xijin, editor-in-chief of China’s state-run Global Times, said on his account on Chinese social media platform Weibo. There was no way for serious data faking to occur in today’s China, especially for an incident that has drawn such widespread attention, Hu said. He said China managed to curtail the death toll in Hubei, the province where the virus first emerged late last year, by sending medical workers and equipment there from other parts of the country."
(Bloomberg vom 01.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o85

"The World Must Not Mimic China's Authoritarian Model to Fight COVID-19"

Chinas Strategie zur Bekämpfung der Corona-Ausbreitung sollte von anderen Ländern nicht nachgeahmt werden, empfiehlt Shikha Dalmia. Der chinesischen Führung gehe es in erster Linie nicht um die Rettung von Menschenleben, sondern um das eigene Überleben. "China, unlike America, has a long history of epidemics and yet seems to have learned no lessons at all. Some of the most devastating flu pandemics of the 20th century — such as the Asian flu of 1957, which killed 1.1 million people worldwide and 116,000 in the U.S. — originated in China. More recently, China generated the bird flu and SARS. Yet its first instinct is to shoot the messenger, given that it imprisoned the doctor who raised the alarm during SARS too. Why do the Chinese rulers keep making the same mistake over and over again? Because authoritarian regimes care about the survival of their people only to the extent that it ensures their own survival. (…) China has dazzled the world by building two hospitals in 10 days and many quarantine shelters by employing (read: conscripting) thousands of people round the clock. As an authoritarian country, China could single-mindedly focus on one goal — containing the spread of the disease. Its primary purpose in building hospitals and quarantine shelters was separating and isolating patients, not necessarily treating them or helping them. (One of those rapidly built quarantine hotels collapsed, killing 10.)"
(Reason vom 30.03.2020)
https://kurz.bpb.de/o86

"China’s Cartels: Those Who Control The Medicines Control The World"

Rosemary Gibson hält es für bedenklich, dass der Westen bei der Herstellung von überlebenswichtigen Medikamenten häufig auf Zulieferungen aus China angewiesen sei. In China seien bereits Drohungen laut geworden, den USA in der Corona-Krise Arzneimittel vorzuenthalten. "How dependent are we on China for medicines to care for people with severe cases of coronavirus? China is the source of 90 percent of the chemical starting materials needed to manufacture common generic drugs that help people recover. (…) Western companies cannot compete successfully because the free market doesn’t exist in generic drug and chemical ingredient manufacturing. China’s cartels fueled by government subsidies undercut U.S. and other companies, driving them out of business. Western firms aren’t competing against Chinese companies. They are competing against the Chinese government. (…) China relishes its geopolitical leverage. As the number of coronavirus cases climbed in the U.S. last month, China’s official news outlet issued this threat, 'If China announces that its drugs are for domestic use and bans exports, the United States will fall into the hell of a new coronavirus epidemic.'"
(The American Conservative vom 02.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o87

"The Diplomatic Burden of COVID-19"

Benjamin E. Bagozzi und Ore Koren präsentieren eine neue Studie, der zufolge globale und endemische Krankheiten wie Covid-19 oder Malaria die internationale Diplomatie spürbar beeinträchtigen. "Our new study, which analyzes a global sample of countries and country pairs between 1950 to 2005, finds that malaria prevalence within potential diplomatic host countries decreases the likelihood that countries will form diplomatic ties (by about 4 percent on average) over a given five-year period. While these effects may seem modest, for comparison, if GDP per capita — a very strong predictor of diplomatic ties — drops to relatively low levels, the likelihood two state forms a tie is similarly lowered by roughly 4%. High malaria prevalence also translates into the receipt of fewer total diplomatic engagements for a given country — specifically, a reduction of roughly eight hosted diplomatic missions per a five-year period. For context, a comparable decrease in GDP per capita is associated with a decrease of only two hosted diplomatic missions per a similar country-period. Our models’ estimates of these effects are conservative; the true effects are likely stronger, especially given the impact of additional pandemics and local epidemics — for example, tuberculosis, flu, and Ebola."
(Political Violence @ a Glance vom 29.03.2020)
https://kurz.bpb.de/o8c

"Nutzt das russische Militär die Corona-Krise aus?"

Nato-Generalsekretär Stoltenberg hat gegenüber der F.A.Z. davor gewarnt, dass Russland die Coronakrise nutzen könnte, um die Sicherheit von Nato-Mitgliedsstaaten zu untergraben. "Gegenüber der F.A.Z. präzisierte der Nato-Generalsekretär: 'Unser Fokus liegt darauf, die Coronavirus-Krise zu bestehen. Obwohl Russland zu einem Stopp militärischer Aktivitäten aufgerufen hat, sehen wir, dass seine Aktivitäten auf dem üblichen saisonalen Niveau bleiben.' Das Manöver, auf das Stoltenberg sich bezog, wurde von Präsident Wladimir Putin für den 25. bis 28. März angeordnet, um, wie es offiziell hieß, zivile Anstrengungen in der Corona-Krise zu unterstützen. Es betraf bis zu 80 000 Soldaten, darunter nuklear bewaffnete Einheiten. 'Nach unserer Einschätzung sollte es auch ihre Kampfbereitschaft demonstrieren, ungeachtet von Covid-19', erläuterte Stoltenberg. Seither seien die militärischen Aktivitäten 'etwas vermindert' worden. Offenbar ist das Manöver aber noch nicht vorüber."
(Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 02.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o8d

"Saudi-Arabien rät Muslimen von Vorbereitungen für Pilgerfahrt nach Mekka wegen Coronavirus ab"

Mekka und der muslimische Wallfahrtsort Medina sind wegen der Corona-Pandemie bereits vor einigen Tagen abgeriegelt worden. Nun habe Saudi-Arabien den Gläubigen weltweit davon abgeraten, Wallfahrten nach Mekka vorzubereiten, berichtet der Deutschlandfunk. "Die große Pilgerfahrt nach Mekka findet jedes Jahr im Sommer statt und gilt im Islam – mit Einschränkungen – als religiöse Pflicht. Jedes Jahr nehmen Millionen Menschen daran teil. Wegen des Coronavirus wurden Mekka und der Wallfahrtsort Medina bereits vor einigen Tagen abgeriegelt. Die kleine Pilgerfahrt Umrah, die das ganze Jahr über möglich ist, wurde ausgesetzt. In Saudi-Arabien haben sich laut den amtlichen Statistiken knapp 1.563 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, zehn Menschen sind gestorben."
(Deutschlandfunk vom 01.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o8f

"The infodemic is as virulent as the pandemic"

Péter Krekó und Patrik Szicherle haben sich eingehend mit der Flut an irreführenden Informationen ("Infodemic") beschäftigt, die die Corona-Pandemie begleitet. "From genocide accusations to alleged cures, the coronavirus pandemic is accompanied by a swathe of conspiracy theories. These are perpetrated not only by clickbait websites but also authoritarian regimes who exploit the crisis for political purposes and try to shift the blame from their inadequate responses. An international survey and a detailed case study."
(VoxEurop vom 01.04.2020)
https://kurz.bpb.de/o8g


Links vom 01.04.2020

"Is Viktor Orbán Using The Pandemic To Impose Dictatorial Rule?"

Die neuen Notstandsgesetze in Ungarn stießen selbst unter denjenigen auf Kritik, die Premierminister Orbans "konservativ-nationalistischen" Kurs ansonsten durchaus unterstützen, schreibt der in Ungarn lebende Will Collins. Orban wolle möglicherweise die Gelegenheit der Krise nutzen, um endgültig mit dem liberalen demokratischen Westen zu brechen. "The absence of any time limit on Orbán’s sweeping new authority raises several thorny questions. It is genuinely unclear how long the present emergency will last. (…) Theoretically, Parliament can revoke Orbán’s emergency powers at any time, but Parliament is controlled by the prime minister’s political allies. Allowing the regime to jail people for spreading 'false or misleading' information is also worrisome. (…) It is possible that Orbán’s critics have once again missed the mark and the Hungarian government will return to business as usual after the crisis is over. The scope of the coronavirus outbreak has led to a number of policies in Western democracies that would be unthinkable under any other circumstances. But there is another outcome that even those who sympathize with Fidesz’s populist-nationalist conservatism should consider. If Orbán does mean to break with the liberal democratic West, now is the time to do so." (The American Conservative vom 01.04.2020) https://kurz.bpb.de/o7k

"Tiefgreifende Verunsicherung"

Nach Ansicht von Richard Herzinger befinden sich die Demokratien in Europa und die Grundkonzeption der EU derzeit in ihrer schwersten Krise seit 1945. "Seit die Corona-Krise die meisten europäischen Länder mit voller Wucht erreicht hat, sind dort sämtliche sonstige innen- und außenpolitische Themen fast vollständig aus dem Blickfeld verschwunden. Extreme Herausforderungen wie der Ansturm von Flüchtlingen an der griechischen EU-Außengrenze und der Vernichtungs- und Vertreibungskrieg in Syrien gerieten schlagartig in Vergessenheit. Selbst von der drohenden Klimakatastrophe, die in Deutschland lange Zeit in geradezu religiöser Überhöhung alle politischen und gesellschaftlichen Diskurse durchdrungen hat, ist nicht mehr die Rede. Da sich die Krise noch über viele Monate hinziehen könnte, droht Europa nicht nur ein schwerer wirtschaftlicher und sozialer Einbruch, sondern auch eine lang andauernde politische Lähmung - besonders in Hinsicht auf seine globalen Aufgaben. Während aber die gesamten Energien der westlichen Demokratien von der Suche nach effektiven Abwehrmaßnahmen gegen die Pandemie absorbiert werden und sie sich dabei gezwungen sehen, bürgerliche Grundrechte wie das auf Bewegungs- und Versammlungsfreiheit und freie Religionsausübung auf unbestimmte Zeit außer Kraft zu setzen, sind autoritäre Mächte massiv bestrebt, diese Situation zu ihren Gunsten auszunutzen." (Perlentaucher vom 01.04.2020) https://kurz.bpb.de/o7l

"Der Corona-Moment: Wenn der Staat erstarkt, so ist dies keineswegs ein Übel"

Russell Berman von der konservativen Hoover Institution findet, dass das "Loblied auf die schrankenlose Globalisierung, das dreissig Jahre lang erklang", mittlerweile "ziemlich blauäugig" klinge. Die Coronakrise zeige, dass nur ein starker Nationalstaat heutigen Bedrohungen wirksam begegnen und die Freiheit verteidigen könne. "Als Donald Trump Einreisen aus China untersagte, nannten ihn seine Kritiker einen Rassisten. Als er Einreisen aus Europa beendete, klagten dieselben Kritiker, dass der Schritt verspätet sei, während ihm führende Vertreter der EU vorwarfen, die Massnahme nicht abgestimmt zu haben. Innerhalb einer Woche verhängte die EU dann ihrerseits Einreisesperren analog zu denen, die zu den Angriffen auf Trump geführt hatten – allerdings erst, nachdem führende Politiker einzelner Mitgliedsstaaten, wie der österreichische Kanzler Sebastian Kurz, ähnliche Entscheidungen getroffen hatten. Es ist kein Zufall, dass nationale Führungsansprüche aus dem Bestehen auf der Kontrolle nationaler Grenzen hervorgehen: Ein Staat, der seine Grenzen nicht kontrollieren kann, ist ein gescheiterter Staat. Die Grenzschliessungen von 2020 sind der Widerruf der deutschen Grenzöffnungen von 2015." (Neue Zürcher Zeitung vom 31.03.2020) https://kurz.bpb.de/o7m

"What Sept. 11 Taught Us About Confronting Catastrophe"

In New York habe die Coronakrise Erinnerungen an die Anschläge vom 11. September 2001 geweckt, berichtet Jim Dwyer. "Suzanne Pugh, the manager of emergency services at St. Vincent’s on 9/11, now does the same job at NewYork-Presbyterian Queens in Flushing, one of many hospitals where people sick with coronavirus seek help. 'Some of my staff were very young 19 years ago,' Ms. Pugh, 60, said. 'I speak on disaster preparedness, and sometimes I have to shake my head — 'Oh, yeah, you were 5 years old when this happened.'' New York is living the coronavirus disaster a few days ahead of most states on the epidemiological curve, so it offers a cram course on getting ready. It is as if the towers were falling in slow motion. As of Sunday, just under 60,000 people in the state had tested positive, and 1,000 have died." (New York Times vom 29.03.2020) https://kurz.bpb.de/o7n

"Covid-19 Is Our 9/11. Who Will Be Our Rudy Giuliani?"

Auch Garrett M. Graff fühlt sich durch die Coronakrise in den USA an 9/11 erinnert und beklagt, dass die heutigen Verantwortlichen nicht genügend Tatkraft an den Tag legten. Als positives Gegenbeispiel nennt er u.a. Bundeskanzlerin Merkel. "The Covid-19 pandemic is a clear opportunity for history-making leadership (…). Yet the scale of the economic and public health calamity seems to dwarf the imagination of most of our nation’s leaders. (…) A few countries overseas, like South Korea and Singapore, have fared well in their response to the crisis, but have done so quietly, with national leadership that has not translated far beyond their borders. Perhaps the strongest example of leadership internationally has come from Germany, where Angela Merkel has been speaking bluntly to her country and setting a good example in her personal behavior. The chancellor, who lives in a modest apartment in Berlin and often does her own shopping, was recently 'spotted' buying wine and a single roll of toilet paper, her own not-so-subtle message to avoid hoarding and panic buying. By the end of last weekend, Merkel found herself in self-isolation after having had contact with a confirmed Covid-19 case." (Wired.com vom 31.03.2020) https://kurz.bpb.de/o7o

"The Case Against Waging ‘War’ on the Coronavirus"

Yasmeen Serhan bezweifelt, ob die Anstrengungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie von Regierungen tatsächlich als "Krieg" bezeichnet werden sollten. "By choosing to frame the pandemic in military terms, governments are clearly trying to communicate the gravity of this public-health crisis — one that requires the type of state intervention and personal sacrifice most nations haven’t experienced in peacetime. But drawing this imperfect parallel can have the unintended consequence of causing fear and panic too. One look at the barren supermarket shelves and the surge in U.S. firearm sales suggests that it may have already had that impact. If the aim of such imagery is to compel the public to act in the national interest, framing this crisis in war terms may achieve just the opposite. (…) Some leaders have already demonstrated ways of reframing the pandemic that are less likely to spur panic. In Denmark, Queen Margrethe II likened the virus to a 'dangerous guest,' and urged Danes to 'show our togetherness by keeping apart.' Tedros Adhanom Ghebreyesus, the director-general of the World Health Organization, invoked perhaps the one thing that is better than any war at rallying nations: sport. 'You can’t win a football game only by defending,' he wrote on Twitter. 'You have to attack as well.'" (The Atlantic vom 31.03.2020) https://kurz.bpb.de/o7p

"Will they ever learn? Chinese markets are still selling bats and slaughtering rabbits on blood-soaked floors as Beijing celebrates 'victory' over the coronavirus"

George Knowles berichtet, dass die Wildtiermärkte in China, die von Experten als möglicher Ursprung der Corona-Pandemie betrachtet werden, nach dem offiziell erklärten "Sieg" über den Virus wieder eröffnet worden sind. "Those were the deeply troubling scenes yesterday as China celebrated its 'victory' over the coronavirus by reopening squalid meat markets of the type that started the pandemic three months ago, with no apparent attempt to raise hygiene standards to prevent a future outbreak. As the pandemic that began in Wuhan forced countries worldwide to go into lockdown, a Mail on Sunday correspondent yesterday watched as thousands of customers flocked to a sprawling indoor market in Guilin, south-west China. (…) 'Everyone here believes the outbreak is over and there's nothing to worry about any more. It's just a foreign problem now as far as they are concerned,' said one of the China-based correspondents who captured these images for The Mail on Sunday. The correspondent who visited Dongguan said: 'The markets have gone back to operating in exactly the same way as they did before coronavirus.'" (Daily Mail vom 29.03.2020) https://kurz.bpb.de/o7q

"Here's How China Is Rewriting the History of the Coronavirus Pandemic to Make Itself the Hero"

David Gilbert mit einem Überblick über die "Desinformationskampagne" der chinesischen Regierung, mit der die Geschichte der Corona-Pandemie umgeschrieben werden soll. "(…) the Chinese government has employed a unique mixture of tactics including disinformation, soft power, conspiracy theories, and even a book that tells the heroic story of China’s victory over coronavirus — all of which are designed to reframe the narrative around the virus and Beijing’s role in allowing it to get out of control in the first place. 'In the last few weeks, the CCP has stepped up its propaganda efforts to shape the narrative with respect to COVID-19, both within China and internationally,' Adam Ni, director of the Australia-based research organization the China Policy Centre, told VICE News. 'In essence, the party wants to make the best out of a terrible situation and spin the story in favor of the party by deflecting blame, sowing doubts on its culpability, whipping up nationalism, and highlighting the superiority of the Chinese party-state.' (…) 'I would say it has been quite successful inside China. Due to censorship and the lack of independent news sources, many Chinese people have bought the theory that the virus was brought by the U.S. to China,' Yaqiu Wang, a China researcher at Human Rights Watch, told VICE News." (Vice vom 30.03.2020) https://kurz.bpb.de/o7r

"Was Europa von Südkorea nicht lernen kann"

Kimyoung Kim berichtet über die landesspezifischen Hintergründe der niedrigen Corona-Infektionsraten in Südkorea. "(...) warum macht es der Westen nicht so wie die Koreaner*innen? Meine These ist, dass in den Ländern Europas die Kernelemente der südkoreanischen Maßnahme von Anfang an nicht umsetzbar waren, obwohl einige der Technologien, die das Land verwendet hat, 'so einfach wie Gummihandschuhe und Wattestäbchen sind'. Denn die meisten Maßnahmen sind nur in einer besonderen Form der polizeistaatlichen Gesellschaft möglich, gegen deren Regeln sich die meisten Europäer*innen sperren würden." (Merkur vom 01.04.2020) https://kurz.bpb.de/o7s

"Das Virus erfasst die Nato"

Auch die NATO werde durch die Coronakrise "vor ungeahnte Herausforderungen" gestellt, berichtet der SPIEGEL. "Aus dem Baltikum wurden schon die ersten Infektionsfälle gemeldet, mindestens fünf Soldaten aus Deutschland, die auf dem Übungsplatz Pabrade eingesetzt waren, sind positiv getestet und am Wochenende ausgeflogen worden. Bei der Nato heißt es, insgesamt seien 20 Soldaten der in Litauen stationierten Battle Group betroffen. Da die anderen Kameraden nun ebenfalls in Quarantäne mussten, ist die Mission derzeit 'nur eingeschränkt sichergestellt', so ein interner Vermerk. Noch drastischer hat sich die Coronakrise in Afghanistan ausgewirkt. Da der US-Kommandeur eine Überlastung der Nato-Feldkliniken vermeiden will, hat er den eigentlich erst für den Sommer geplanten Abzug mehrerer tausend Nato-Soldaten beschleunigt. Sein Befehl ist eindeutig: Alle Soldaten, die nicht unbedingt gebraucht werden, sollen umgehend ausfliegen. (…) Unter den Militärs gibt es abseits der Durchhalteparolen mittlerweile kaum Zweifel, dass die Krise auf mittlere Sicht auch die Einsatzbereitschaft beeinträchtigen wird." (Der Spiegel vom 01.04.2020) https://kurz.bpb.de/o7u

"Intel: US stands down on Europe’s new trade mechanism with Iran"

Mit einer Corona-Hilfslieferung an den Iran habe Europa zum ersten Mal den INSTEX-Mechanismus zur Umgehung der US-Sanktionen gegen Teheran genutzt, schreibt Bryant Harris. Die USA hätten dies akzeptiert. "'The US has no issues with humanitarian trade so long as it is conducted with strong due diligence measures to prevent the Iranian regime from hijacking the aid for itself,' a State Department spokesperson told Al-Monitor. (…) While Iran has accused US sanctions of inhibiting its response to the coronavirus pandemic, the United States did revise its sanctions guidelines last month to allow for medical and agricultural trade via Iran’s Central Bank. This means INSTEX might never actually violate US sanctions — so long as it engages only in humanitarian transactions." (Al-Monitor vom 31.03.2020) https://kurz.bpb.de/o7v

"US may reconsider Iran sanctions in light of coronavirus outbreak"

US-Außenminister Pompeo hat aufgrund der Coronakrise zum ersten Mal eine Lockerung der Sanktionen gegen den Iran in Aussicht gestellt. "U.S Secretary of State Mike Pompeo held out the possibility Tuesday that the United States may consider easing sanctions on Iran and other nations to help fight the coronavirus epidemic but gave no concrete sign it plans to do so. The comments reflected a shift in tone by the U.S. State Department, which has come under withering criticism for its hard line toward sanctions relief even in the face of a call by the U.N. secretary-general to ease U.S. economic penalties." (The Daily Star vom 31.03.2020) https://kurz.bpb.de/o7w

Links vom 31.03.2020

"Die EU ist auch nach der Corona-Krise gefährdet"

Peter Münch kommentiert in der Süddeutschen Zeitung die Notstandsermächtigungen in Ungarn. "Viktor Orbán demonstriert, wie schnell eine Demokratie zur Autokratie werden kann. Das wird die Europäische Union noch lange nach dem Virus beschäftigen." (Süddeutsche Zeitung vom 30.03.2020) https://kurz.bpb.de/o74

"Auf den Krieg folgt die Coronavirus-Gefahr"

Oliver Bilger schreibt, dass ein Ausbruch der Corona-Pandemie in der Ukraine den umkämpften Osten des Landes besonders überfordern würde. "Das Gesundheitssystem der Ukraine, erklärte Gesundheitsminister Ilja Jemets, sei 'nicht bereit' für die Pandemie. Dies gilt besonders für die Krisenregion im Osten, für die Gebiete Donezk und Luhansk, aus denen bislang jeweils zwei Covid-19-Fälle bekannt [sind]. In den angrenzenden, von prorussischen Separatisten kontrollierten Teilen der Regionen, den selbsternannten 'Volksrepubliken' Donezk und Luhansk, soll es nach Angaben der dortigen Anführer keine Coronavirus-Fälle geben. Verlässliche Informationen liegen allerdings nicht vor. Stattdessen gibt es Berichte über Dutzende Fälle verdächtiger Lungenentzündungen in den Pseudo-Republiken. (…) während des Krieges hat die medizinische Infrastruktur stark gelitten – mit verheerenden Folgen für die Zivilbevölkerung, auch ohne Coronavirus-Gefahr. Nach Angaben [der] Vereinten Nationen sind 3,4 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen. Mehr als die Hälfte aller Haushalte in der Pufferzone hat keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Selbst weiter im Landesinneren haben viele Schwierigkeiten, an adäquate Hilfe zu gelangen." (Tagesspiegel vom 28.03.2020) https://kurz.bpb.de/o75

"COVID-19 widens the divide in the fractured Middle East"

Die notwendigen Reaktionen auf die Corona-Krise im Nahen Osten werden Seth J. Frantzman zufolge durch die geschwächten Staaten sowie durch die Bürgerkriege, Aufstände und Terrorbedrohungen vor Ort behindert. "The picture across the region is troubling. The Middle East Center for Reporting and Analysis documented 36,389 cases on March 25, an increase of almost 8,000 in two days. This is the same situation faced in other countries, but the Middle East is unique in its divisions brought about by conflicts and insurgencies. On a global level, the region forms a bridge between countries in sub-Saharan Africa, which similarly lack testing and measures to confront the virus, and wealthier states in Europe that also are struggling and cannot likely send aid. The only positive emerging in the region is that some militant groups, such as Hamas and Hezbollah, reportedly are devoting resources to fighting the virus rather than attacking others. However, if the pandemic weakens states and increases poverty, it appears only a matter of time before new conflicts erupt." (The Hill vom 28.03.2020) https://kurz.bpb.de/o77

"Ob es das politische System des Iran unbeschadet durch die Corona-Krise schafft, ist höchst fraglich"

Die iranische Regierung habe die Kontrolle über die Corona-Ausbreitung weitgehend verloren und damit das Vertrauen der Bevölkerung weiter untergraben, schreibt Wilfried Buchta. "Wie kritisch die Lage ist, verdeutlichte eine am 18. März durch internationale TV-Sender wie al-Jazeera publik gemachte Studie der Technischen Sharif-Universität in Teheran, die sogar in Irans Staatsmedien Erwähnung fand. Mithilfe von statistischen Computermodellen hatten Fachmediziner dort drei Szenarien entwickelt, die den potenziellen weiteren Verlauf simulierten. Das realistischste Szenario war das dritte, vom schlimmsten Fall ausgehende. Entsprechend müsste man in Iran mit einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems rechnen, was bis zu 3,5 Millionen Tote zur Folge haben könnte. Dazu käme es, so die Wissenschaftler, wenn die Bevölkerung mehrheitlich den Corona-Schutz-Anordnungen der Regierung nicht Folge leisten und die Regierung selbst nicht den Grossteil Irans oder idealerweise das gesamte Land einer strengen Quarantäne unterwerfen würde." (Neue Zürcher Zeitung vom 29.03.2020) https://kurz.bpb.de/o79

"Coronavirus cease-fire offers pause in Yemen war"

In Jemen habe die Corona-Krise eine Einigung auf den ersten landesweiten Waffenstillstand seit vier Jahren herbeigeführt, berichtet Amberin Zaman. "Yemen’s warring parties have agreed to their first nationwide cease-fire in four years, part of an effort to fend off calamity should the war-ravaged nation controlled by rival governments be struck by the coronavirus pandemic. No COVID-19 cases have been documented in Yemen so far, but the World Health Organization has warned of an imminent explosion in the number of cases. The acceptance of a cease-fire by the domestic protagonists and their regional backers was in response to the UN secretary-general’s March 25 call for an immediate end to hostilities. This week marked the fifth anniversary of the Saudi-led coalition’s intervention against Iran-backed Houthi militias in Yemen." (Al-Monitor vom 27.03.2020) https://kurz.bpb.de/o7b

"Allzu fruchtbarer Boden für das Virus"

Krisengebiete wie Kolumbien, Mali, Syrien und Jemen seien in der Corona-Pandemie besonders gefährdet, schreibt die Süddeutschen Zeitung. "In Europa und den USA wütet die Corona-Pandemie immer stärker, in vielen konfliktreichen Regionen kommt sie erst langsam an. Gerade in schwachen Staaten könnte die Pandemie ein Vakuum schaffen, das sich Terroristen oder Konfliktparteien zunutzemachen." (Süddeutsche Zeitung vom 30.03.2020) https://kurz.bpb.de/o7c

"Sicherheitsexperte: 'Cyberkriminelle machen keine Pause, nur weil Krise ist'"

Der Sicherheitsexperte Michael Krausz, Chef des IT-Sicherheitsunternehmens ISC-Group, beklagt sich in diesem Interview über vermehrte Cyberangriffe gegen Einrichtungen, die in der Corona-Krise für die Versorgung wichtig sind. "Die Angriffe fokussieren sich jetzt auf Unternehmen, die für die Versorgung der Menschen gerade wichtig sind, etwa Essenslieferdienste. Das sind im Moment meiner Meinung nach die verwerflichsten Attacken überhaupt und gehörten hart bestraft. Viele Menschen, die nicht rausgehen können oder schlecht zu Fuß sind und jetzt nicht ihre gewohnte Hilfe haben, sind auf diese Dienste angewiesen. Betriebe aus den jetzt besonders notwendigen Branchen, die in die Bereiche IT und Sicherheit unterinvestiert haben, sind jetzt auf der Zielliste beziehungsweise werden leicht zu Opfern. Dazu gehören auch Logistikunternehmen." (Standard vom 30.03.2020) https://kurz.bpb.de/o7d

"Projects using personal data to combat SARS-CoV-2"

Auf der Wiki-Seite GDPRHub (General Data Protection Regulation) werden Informationen über Entscheidungen zusammengetragen, die den europäischen Datenschutz betreffen. Aus aktuellem Anlass gibt es hier einen Überblick über die unterschiedlichen staatlichen und privaten Ansätze bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie mit Hilfe persönlicher Daten. "This page is meant to collect different approaches by government and private projects to use personal data to combat SARS-CoV-2. It does not include mere information apps on the corona virus." (GDPRhub vom 31.03.2020) https://kurz.bpb.de/o7e

"Policing the Corona State"

Die beiden britischen Initiativen Netpol (Network for Police Monitoring) und Undercover Research Group verfolgen auf dem Blog "Policing the Corona State - A diary of security and surveillance during Britain's state of emergency" die sicherheitspolitischen Entscheidungen und Überwachungsmaßnahmen der britischen Regierung in der Coronakrise. "(…) this project aims to collect examples and publish them in daily diary entries, putting them in context by providing some background reading. Now the government has announced a lockdown of the population backed by police enforcement, we intend to monitor the everyday impact of the new policing powers and whether they are used proportionately." (Policing the Corona State vom 30.03.2020) https://kurz.bpb.de/o7f

"Das Datenschutz-Dilemma"

Während in Europa immer noch darüber diskutiert werde, ob der Datenschutz in der Coronakrise dem Schutz von Menschenleben untergeordnet werden soll, sei diese Frage in Südkorea längst beantwortet, schreibt Finn Mayer-Kuckuk. "Südkorea ist eines der technikgläubigsten Länder der Welt. Als die Infektionszahlen dort im Februar deutlich anzusteigen drohten, machten sich die Programmierer ans Werk, um ihren Teil zur Eindämmung der Epidemie beizutragen. Ein Großteil der Bürger lud Apps wie 'Corona 100m' oder 'Corona Map' auf ihre allgegenwärtigen Smartphones, um ihre Daten für den Kampf gegen das Virus zur Verfügung zu stellen. Der Blick aufs Display verrät ihnen im Gegenzug, ob sich bestätigt positive Fälle in ihrer Nähe befinden. Nutzer erhalten zudem einen Hinweis, wenn sich herausstellt, dass einer ihrer engen Kontakte der vergangenen Woche positiv auf das Coronavirus getestet wurde. In solchen Fällen macht der Staat sogar alle aufgesuchten Orte der Infizierten online einsehbar. Die Behörden wissen sogar, wann die Betreffenden in welchem Imbiss etwas gegessen haben – und teilen diese Informationen auch über die Apps. In Südkorea hat die Technik dazu beigetragen, die Überträger zu erfassen und die Seuche zügig einzudämmen." (Tageszeitung vom 31.03.2020) https://kurz.bpb.de/o7g

"Pressefreiheit in der Corona-Krise"

Die Organisation Reporter ohne Grenzen mit einem Überblick der Auswirkungen der Coronakrise auf die weltweite Pressefreiheit. "Die Covid-19-Pandemie hat in vielen Ländern weltweit gravierende Auswirkungen auf die Pressefreiheit. Regierungen halten Informationen über Ansteckungs- und Todesfälle zurück und versuchen, die Berichterstattung zu manipulieren. Journalistinnen, Journalisten und ihre Redaktionen werden verfolgt oder schikaniert, weil sie unabhängige Informationen verbreiten. Forderungen nach flächendeckender Datenerfassung und nach Strafen für die Verbreitung falscher Informationen werden salonfähig. Inhaftierte Medienschaffende sitzen in überfüllten Gefängnissen mit schlechter Gesundheitsversorgung fest. Akut bedrohte Journalistinnen und Journalisten können wegen geschlossener Grenzen nicht ins Ausland fliehen." (Reporter ohne Grenzen vom 31.03.2020) https://kurz.bpb.de/o7h

"Krisenzeit"

Joris Steg sieht Krisen wie die Corona-Pandemie als "Konstante der Gegenwart". "Es gibt wohl kaum einen anderen Begriff, der in der jüngeren Vergangenheit den politischen, wissenschaftlichen, medialen und öffentlichen Diskurs in vergleichbarer Weise prägt. Krisendiagnosen haben eine gewissermaßen permanente Konjunktur. Aufgrund der Allgegenwart des Krisenbegriffs hat der Historiker Reinhart Koselleck einst behauptet, dass sich die Krise 'zur strukturellen Signatur der Neuzeit' entwickelt habe." (ipg-journal vom 30.03.2020) https://kurz.bpb.de/o7i

Links vom 30.03.2020

"Der Rechtsstaat leidet unter Corona"

Kai Biermann erläutert, warum manche der aktuellen Corona-Maßnahmen der staatlichen Stellen auch in Deutschland zu "gefährlicher staatlicher Willkür und Überwachung" führen. "Berlin beispielsweise hat überdies verfügt, dass jeder nun ständig einen Personalausweis dabei haben muss beziehungsweise einen anderen 'amtlichen Lichtbildausweis nebst einem Dokument, aus dem die Wohnanschrift der Person ersichtlich ist'. Eine solche Ausweispflicht steht allerdings in keinem deutschen Gesetz, es gebe für sie keine Rechtsgrundlage, sagt Clemens Arzt, der als Staats- und Ordnungsrechtler unter anderem an einer Polizeihochschule lehrt: 'Das ist aus meiner Sicht grob rechtswidrig. Auf einer Bank zu sitzen begründet nicht, warum ich einen Ausweis vorzeigen müsste', sagte er. Polizeibeamte hätten seiner Auffassung nach in einem solchen Fall 'keine Kontrollbefugnis'. Die Polizei habe zwar neue Befugnisse bekommen, schreibt Arzt auch im Verfassungsblog. Die Anwendung dieser Befugnisse aber sei in der Regel wohl 'nicht rechtmäßig'." (Zeit Online vom 30.03.2020) https://kurz.bpb.de/o6n

"Autoritäre Machtspiele"

In Ländern wie Ungarn seien aktuelle Maßnahmen in der Coronakrise, "die viel weiter gehen als bisher und den Exekutivorganen unbeschränkte und weitreichende Macht geben, eine explizite Gefahr für die demokratische Ordnung und vielleicht sogar für die gesamte EU", schreibt Paul Hockenos. "Sogar in den stärksten europäischen Demokratien wie Deutschland und Frankreich gefährden die außerordentlichen Maßnahmen die demokratischen Normen. Aber der erste eindeutige Griff nach der Macht findet in Ungarn statt. Staatsführer Viktor Orban – ein Vorbild für nationalistische Populisten in ganz Europa – hat die Gelegenheit genutzt, seine Macht auszuweiten. Letzte Woche schlug er ein weitreichendes Notstandsgesetz vor, das es seiner Regierung ermöglicht hätte, für unbegrenzte Zeit per Dekret zu regieren. Diese umfassende neue Macht, mit der die Regierung die legislativen Prozesse umgehen und die Medien kontrollieren kann, geht über alle anderen europäischen Notstandsregelungen hinaus." (ipg-journal vom 28.03.2020) https://kurz.bpb.de/o6o

"Der Rechtsstaat geht nicht in Quarantäne"

Auch die ungarische Ärztin und Europaabgeordnete der Oppositionspartei "Momentum", Katalin Cseh, kritisiert in diesem Interview, dass die Orban-Regierung die Corona-Krise zum eigenen Machtausbau nutze. "Natürlich verlangen besondere Zeiten besondere Maßnahmen und aktuell ist es gerechtfertigt, dass Regierungen extra Befugnisse bekommen, um die Situation in den Griff zu kriegen. Aber solche Befugnisse sollten nie bedingungslos sein und niemals für einen unbegrenzten Zeitraum gelten, denn der Rechtsstaat geht während einer Pandemie nicht in Quarantäne! Alle Oppositionsparteien haben gesagt, dass sie für den Entwurf stimmen würden, wenn die Maßnahmen auf 30 oder 40 Tage begrenzt wären. Aber die Regierung war nicht bereit, zu verhandeln. Da denke ich mir doch: Wenn es euch mit dem Gesetz wirklich darum ginge, die Krise in den Griff zu kriegen, dann wärt ihr kompromissbereit." (jetzt.de vom 30.03.2020) https://kurz.bpb.de/o6p

"Der Süden Zyperns schließt Grenzübergänge"

Auf der geteilten Insel Zypern haben die mit der Corona-Krise begründeten Grenzschließungen Proteste ausgelöst. Manfred Götzke berichtet, dass die Kritiker der Maßnahme politische Gründe unterstellen. "Noch Tage bevor es den ersten Corona-Fall auf der Insel gab, hat die griechisch-zyprische Regierung vier der neun Checkpoints auf der geteilten Insel dicht gemacht. Einseitig, ohne sich mit der türkischen Seite abzusprechen. Die offizielle Begründung der zyprischen Regierung: das Coronavirus. Christina Valanidou hält das für einen Vorwand: 'Wir sind hier, weil wir gegen die Schließung der Checkpoints sind. Griechische wie türkische Zyprer. Das wird nicht gemacht, um gegen das Coronavirus zu kämpfen. Das hat politische Gründe. Wir wollen nicht, dass die Kommunikation, der Austausch zwischen beiden Volksgruppen jetzt gestoppt wird – wir versuchen miteinander zu sprechen unsere Probleme zu lösen.'" (Deutschlandfunk vom 30.03.2020) https://kurz.bpb.de/o6q

"Two ways the coronavirus crisis will change Britain’s relationship with China"

Großbritannien werde seine Beziehungen zu China nach der Corona-Pandemie ernsthaft überdenken, ist James Forsyth sicher. Auch die Entscheidung über die Beteiligung Huaweis am 5G-Ausbau werde auf dem Prüfstand stehen. "In the same way that policy makers wanted to achieve 'food security' after World War Two, coronavirus will lead to a desire for ‘medical security’: that’ll mean the ability to produce medical equipment, vaccines and drugs here. When I asked one influential government figure what the most significant change brought about by this virus would be, I was told: 'We’re going to be doing a lot less trade with China after this'. China’s reaction to this crisis has underlined the kind of regime that it is. Chinese efforts to cover up information about Covid-19 were bad enough, but there has been shock at the use of China’s diplomatic network to spread misinformation about the origins of the pandemic. One close ally of the Prime Minister who had always defended Boris Johnson’s decision to allow Huawei to build part of the UK’s 5G network now concedes that there will need to be a rapid timetable to replace it with a supplier from a more trustworthy state." (The Spectator vom 26.03.2020) https://kurz.bpb.de/o6r

"How China’s Lies Brought The World To Its Knees"

In der Debatte über Chinas Rolle in der Corona-Pandemie führt nach Ansicht von Barbara Boland kein Weg an der Tatsache vorbei, dass Peking alles getan habe, um den Ausbruch in Wuhan zunächst zu vertuschen und bis heute falsche Informationen über die Pandemie zu verbreiten. In den USA seien viele Politiker und Experten der Ansicht, dass dies nach dem Ende der Pandemie Konsequenzen haben werde. "From ordering Chinese scientists to destroy evidence of the virus, to suppressing physician warnings, to turning around ships loaded with vital supplies and threatening to block critical pharmaceuticals so that America might experience 'the hell of a novel coronavirus epidemic,' there can be no question that when the dust clears, a day of reckoning will be at hand for China. 'China’s actions are going to come back to bite them when this virus is over,' said Harry Kazianis, senior director of Korean Studies at the National Interest, in an interview with TAC. 'I think we’re in a whole new world after this. The way people think about the world, globalism — this pandemic is going to have an effect that’s maybe even greater than 9/11.'" (The American Conservative vom 30.03.2020) https://kurz.bpb.de/o6s

"Stillstand in Israel – denn Sicherheit geht vor. Diese Devise hat auch einen Preis"

Der israelische Soziologe Natan Sznaider betrachtet die Corona-bedingten Restriktionen in Israel als grundsätzliche Herausforderung des Gesellschaftsvertrags. "Was wir derzeit vielleicht beobachten, ist ein 'Restart' der Moderne unter anderen Vorzeichen. Am Beginn der historischen Moderne – angesichts der europäischen Kriege des 17. Jahrhunderts – sah der englische Theoretiker Thomas Hobbes in der Todesangst die ursprüngliche Triebfeder für die Schaffung moderner Institutionen. Es ging dabei um die Unterwerfung des Einzelnen unter die Souveränität des Staates, welche das Recht auf Leben garantieren konnte (…). Gerade dieser Anspruch des Staates wurde durch Globalisierungsprozesse herausgefordert. Der Staat verschwand, die Grenzen wurden durchlässig, die Souveränität diffus. Nun hat sich der Staat in bester Manier zurückgemeldet." (Neue Zürcher Zeitung vom 30.03.2020) https://kurz.bpb.de/o6t

"Zwischen aktivem Eingreifen und grotesker Verharmlosung"

Sofian Philip Naceur beschreibt den unterschiedlichen Umgang Ägyptens und Tunesiens mit der Bedrohung durch den Coronavirus. "Während Tunesien proaktiv agierte und auf eine offensive Öffentlichkeitsarbeit setzte, wurde in Ägypten auf Covid-19 spät und in einer verharmlosenden Manier reagiert – mit potenziell verheerenden Folgen." (Qantara vom 27.03.2020) https://kurz.bpb.de/o6u

"COVID-19 and Conflict: Seven Trends to Watch"

Die International Crisis Group macht in dieser Analyse auf sieben Bereiche der internationalen Sicherheitspolitik aufmerksam, die in der Coronakrise aufmerksam beobachtet werden sollten. "This briefing, the first in a series of Crisis Group publications on COVID-19 and its effects on the conflict landscape, draws primarily from the input of our analysts across the globe, and identifies seven trends to watch during the pandemic. I. The Vulnerability of Conflict-affected Populations (…) II. Damage to International Crisis Management and Conflict Resolution Mechanisms (…) III. Risks to Social Order (…) IV. Political Exploitation of the Crisis (…) V. A Turning Point in Major Power Relations? (…) VI. Opportunities to Be Seized. While the warning signs associated with COVID-19 are significant, there are also glimmers of hope. The scale of the outbreak creates room for humanitarian gestures between rivals. (…) VII. Potential Crisis Mitigation Measures (…) The COVID-19 pandemic threatens to be long and draining. It will make diplomacy, and especially crisis diplomacy, harder. But it is crucial to keep channels of communication – and a spirit of cooperation – intact in a period when the international system seems as ready as ever to fragment." (International Crisis Group vom 24.03.2020) https://kurz.bpb.de/o6z

"Corona-Tracking & Datenschutz: kein notwendiger Widerspruch"

Johannes Abeler, Matthias Bäcker und Ulf Buermeyer erläutern in diesem Gastbeitrag für Netzpolitik.org, wie eine Kontaktnachverfolgung von möglichen Covid-19-Infizierten mit Hilfe von Handydaten datenschutzfreundlich gestaltet werden könnte. "Nach unserer Überzeugung ist eine schnelle und effiziente Kontaktnachverfolgung möglich, ohne in einem zentralen Datenbestand eine riesige Menge sensibler Daten zu sammeln. Ein System zur Kontaktnachverfolgung kann so gestaltet werden, dass die meisten benötigten Datenverarbeitungen nicht zentral, sondern lokal auf den Mobiltelefonen der Teilnehmer*innen stattfinden. Lediglich die Benachrichtigung im Infektionsfall müsste zentral veranlasst werden, und auch dabei könnten Daten verwendet werden, die eine Identifikation der Kontaktpersonen der infizierten Nutzerin durch die zentrale Benachrichtigungsstelle praktisch ausschließen. Das System käme zudem ohne die besonders sensiblen Standortdaten aus. Als Vorbild eines datensparsamen Corona-Tracking-Systems kann dabei das App-Konzept der Regierung von Singapur dienen, das den Grundsatz Privacy by Design bereits weitgehend berücksichtigt und das wir hier mit einigen Modifikationen vorstellen." (netzpolitik.org vom 29.03.2020) https://kurz.bpb.de/o71

Links vom 29.03.2020

"Der Rechtsstaat wankt nicht"

Frank Jansen sieht den deutschen Rechtsstaat trotz des Ausnahmezustands der Coronakrise "uneingeschränkt handlungsfähig". Trotzdem hofft er, dass "sich das bürgerliche Umfeld von Personen, bei denen eine deutliche Tendenz zur Radikalisierung erkennbar ist, an Polizei und Verfassungsschutz wendet." "Die Extremisten gleich welcher Couleur können ihre Hoffnungen begraben, bald zum Sturmlauf auf die Demokratie ansetzen zu können. Der Rechtsstaat bleibt stark genug, die Grundordnung auch in schwierigen Zeiten zu schützen. (…) Um Extremisten in Schach zu halten, benötigen die Sicherheitsbehörden mehr Unterstützung. Es hilft schon, dass sich das bürgerliche Umfeld von Personen, bei denen eine deutliche Tendenz zur Radikalisierung erkennbar ist, an Polizei und Verfassungsschutz wendet. Wer im Internet, auf der Straße oder auch im Hausflur Hassparolen verbreitet, ist nicht ungefährlich und kann im schlimmsten Fall zum Attentäter mutieren. Die Demokratie wird die Coronakrise besser überstehen, wenn sie auf wachsame Bürger zählen kann." (Tagesspiegel vom 27.03.2020) https://kurz.bpb.de/o66

"Die Krise als Hebel für Überwachung und Kontrolle"

Unter dem Vorwand eines energischen Vorgehens in der Coronakrise versuchten einige Staaten derzeit, "die Gunst der Stunde zu nutzen, um ihre Macht abzusichern und ihre Kritiker zum Verstummen zu bringen", schreibt Tomas Rudl. "Dabei ist gar nicht sichergestellt, dass rigorose Überwachung tatsächlich mehr hilft als schadet. In Südkorea etwa, das von CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn am Montag lobend für sein Handy-Tracking erwähnt wurde, kam es zu einer Reihe an Datenschutzskandalen. Leichtfertig veröffentlichte Details aus dem Privatleben von möglicherweise mit dem Coronavirus Infizierten führten zu Online-Hetzjagden, Verschwörungstheorien und Erpressungsversuchen. Und letztlich zu der Ankündigung der südkoreanischen Gesundheitsbehörden, ihre bisherige Praxis überarbeiten zu wollen. Sie fürchten, die Vorfälle könnten Menschen davon abhalten, sich testen zu lassen – was die bis dahin geschafften Erfolge umgehend zunichte machen könnte." (netzpolitik.org vom 26.03.2020) https://kurz.bpb.de/o67

"Bundeswehr und Coronavirus-Pandemie: Vorbereiten auf eine lange Krise"

Die Bundeswehr habe auf die Coronakrise mit der Schaffung neuer Befehlsstrukturen reagiert, berichtet Thomas Wiegold. "Einen ersten Hinweis auf die Eventualfallplanung hatte Generalinspekteur Eberhard Zorn bereits am Donnerstag bei seinem Besuch bei der 10. Panzerdivision in Veitshöchheim gegeben: Die ist als einer von vier neu eingerichteten regionalen Führungsstäben vorgesehen, die künftig die Hilfen der Streitkräfte im Inland organisieren sollen. Bislang orientiert sich die Führungsstruktur der Bundeswehr für die Amtshilfe im Katastrophenfall an den Bundesländern, die für den Katastrophenschutz zuständig sind: In der Regel sind bisher die so genannten Landeskommandos die Ansprechpartner, übergeordnet das Kommando Territoriale Aufgaben in Berlin, das wiederum dem Inspekteur der Streitkräftebasis (SKB) als Nationalem Territorialen Befehlshaber untersteht. Mit der neuen Krisenstruktur werden künftig neue Organisations- und Führungsstränge eingezogen. Damit soll die Truppe schneller auf Bitten um Amtshilfe aus den Bundesländern reagieren können." (Augen Geradeaus! vom 27.03.2020) https://kurz.bpb.de/o68

"Polizei schafft mehr Heimarbeitsplätze"

Die hessische Polizei forciert infolge der Coronakrise die Schaffung von Telearbeitsplätzen, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. "Die hessische Polizei verfüge derzeit über einige tausend Heimarbeitsplätze für ihre Mitarbeiter, erklärte die Sprecherin. Darunter seien auch einige hundert Plätze, die von Angehörigen des Landeskriminalamtes für die Telearbeit genutzt werden. Diese Möglichkeit könnten aber nicht alle der rund 1000 LKA-Beschäftigten aufgrund ihres Aufgabenbereichs nutzen." (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 29.03.2020) https://kurz.bpb.de/o69

"80 Prozent der deutschen Kommunen ohne Notfallplan"

Einer aktuellen Umfrage unter 2.300 Bürgermeistern zufolge ist ein Großteil der deutschen Städte und Gemeinden nicht gut auf die Corona-Pandemie vorbereitet. "Das geht aus einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Zeitschrift 'Kommunal' hervor, die eng mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund zusammenarbeitet. Sie lag WELT AM SONNTAG vorab vor. Demnach hat die Coronavirus-Krise deutsche Städte und Gemeinden meist unvorbereitet getroffen. Die anonymisierte Umfrage unter mehr als 2300 Bürgermeistern zeigt, dass 80 Prozent der Kommunen keine Notfallpläne für Epidemien haben – trotz der ersten Sars-Pandemie Anfang des Jahrtausends und der Ehec-Ausbreitung in Norddeutschland vor etwa zehn Jahren. Dabei zeigt sich zudem ein Gefälle zwischen Großstadt und ländlichen Gebieten: Knapp 80 Prozent der Bürgermeister von Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern gaben an, dass sie über entsprechende Pläne verfügten. Die Ergebnisse zeigen außerdem: Selbst dort, wo es entsprechende Notfallpläne gebe, seien nur rund ein Viertel nach Meinung der Bürgermeister 'weitgehend' anwendbar. In knapp 70 Prozent der Kommunen wären die Pläne nur 'teilweise“ anwendbar.'" (Die Welt vom 29.03.2020) https://kurz.bpb.de/o6a

"The EU’s Betrayal Of Italy May Be Its Undoing"

Die zögerliche Reaktion der EU auf den Ausbruch der Coronakrise in Italien habe das italienische Vertrauen in die europäischen Institutionen möglicherweise irreparabel beschädigt, schreibt Francesco Giubilei. "What has the coronavirus in Italy taught us so far? A great nation is doing what it can to become self-sufficient as the crisis proves daily that the propaganda of the prophets of globalization is false. We see that there are strategic sectors, such as health care, transport, energy, defense, and telecommunications, that have to be considered from the perspective of national security and not strictly business. This is a new, unspoken understanding that unites Italy today. We have witnessed a return of patriotism: flags are hanging from windows and Italians are singing the national anthem. (…) It is too soon to draw long-term economic conclusions from the coronavirus pandemic, but it is clear that those who reacted best are nation-states with the freedom to manage their borders and fiscal policy. When this emergency ends, the legitimacy of EU institutions will no doubt be questioned." (The American Conservative vom 28.03.2020) https://kurz.bpb.de/o6b

"Western Values May Not Survive the Coronavirus"

Die Corona-Pandemie habe kaum erwartete Schwächen der westlichen Welt offengelegt, meint Ali Demirdas. Dies könne den Niedergang der liberalen Demokratien im Westen beschleunigen. "For the first time since WWII, the Europeans feel invaded, and for the first time in nearly two centuries, the United States is struggling to defeat an invading army on its soil. All these things considered, the contagion will likely have monumental social, economic, and political impact on Europe and America. For most Europeans, the bitter fact dawned on them that the motto 'United in Diversity,' which signifies the common desire to 'work together for peace and prosperity,' is good as long as the bubble of safety, affluence, and wealth is intact. The pandemic revealed the cherished ideal of European unity can easily be replaced by 'everyone for themselves.' (…) The pandemic scare will change the way the people of the West see the world. The faith in democracy, liberalism, and institutionalism is likely going to decline in favor of a state-centric, and strongman infused system, just as was the case in the interwar era (1918–1939)." (The National Interest vom 28.03.2020) https://kurz.bpb.de/o6c

"Das 'Meine-Nation-zuerst-Virus' infiziert die Staaten"

Ausgerechnet China liefere derzeit Unterstützung an Italien, Spanien und Afrika, moniert Ex-Außenminister Sigmar Gabriel im Tagesspiegel. Von einer transatlantischen Gemeinschaft könne derzeit kaum noch die Rede sein. "Bei der letzten großen Krise 2008 war China noch nicht so stark und die USA noch nicht so auf sich bezogen. Als die Jongleure an den Finanzmärkten sich und den Rest der Welt in den Abgrund geführt hatten, fand kurz nach dem Höhepunkt der Krise in den USA das Treffen der Finanzminister der wichtigsten 20 Industriestaaten der Welt statt, um gemeinsame Reaktionen zu beraten. Bislang gab es nicht einmal den Ansatz zu einem ähnlich gelagerten Vorgehen. Immerhin hatten die Präsidenten Frankreichs und Chinas einen Sondergipfel der G 20 gefordert, der am Donnerstag kurzfristig in Videoform stattfand." (Tagesspiegel vom 27.03.2020) https://kurz.bpb.de/o6d

"Pandemic Unsettles Ukraine’s Zelensky"

Die Ukraine treffe die Coronakrise zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, schreibt Konstantin Skorkin. "The country’s economic downturn and political turmoil had already impacted the president’s ratings, which were record-high not so long ago. The pandemic, which has shaken the foundations of far more stable countries, could have very serious consequences for Zelensky and his team. (…) Restricting access to the EU labor market could lead to a growth in Euroskepticism in Ukrainian society. People there are watching with trepidation as national egoism triumphs over European solidarity in the fight against the virus. The apparent indifference of EU officials to the problems faced by Italy and Spain, and the sight of each EU country waging its own battle against the coronavirus, is pouring cold water on Ukrainians’ ambition to join the EU. In the long run, this could strengthen the pro-Russia cause in Ukrainian politics, though a lot will depend on how effectively Russia manages to deal with the epidemic. (…) Under these circumstances, the chaos caused by the pandemic combined with Ukraine’s existing political problems could sharpen the appetite for authoritarianism in Ukrainian society." (Carnegie Moscow Center vom 26.03.2020) https://kurz.bpb.de/o6e

"Es drohen Rassismus, Pogrome, Hungersnot"

Matthias Meisner beschreibt am Beispiel Bulgariens, wie schnell Minderheiten wie die Sinti und Roma in der Coronakrise zu Sündenböcken erklärt werden können. "Es ist nur ein Gerücht, aber es entfacht eine verheerende Wirkung: Angeblich haben Roma-Migranten, die aus Deutschland und anderen Teilen Westeuropas nach Bulgarien zurückreisten, das Coronavirus in den Balkanstaat eingeschleppt. Die ersten beiden Bulgaren, die sich infizierten und später sogar starben, sollen sich, wie es heißt, nur deshalb angesteckt haben, weil Roma entgegen den Empfehlungen der bulgarischen Regierung sorglos gehandelt und so ihre Landsleute in Gefahr gebracht hätten. Von 'mangelnder Disziplin' der Roma ist die Rede. Soweit die Legende. In der Praxis haben nun in Bulgarien Politiker der extremen Rechten die Regierung aufgefordert, als 'nationale Maßnahme' Kontrollstellen an allen von Roma bewohnten Stadtvierteln einzurichten. Wie der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma berichtet, sind in der Folge von nationalen und lokalen Behörden bereits mehrere Roma-Stadtviertel abgeriegelt worden." (Tagesspiegel vom 26.03.2020) https://kurz.bpb.de/o6f

"Coronavirus and the looming refugee crisis"

Denis Dragovic warnt vor den Konsequenzen eines Ausbruchs der Corona-Epidemie in Flüchtlingslagern. Die betroffenen Regierungen hätten in diesem Fall drei Optionen: "The first is to focus medical services on their own people, mobilising health workers and drawing on strategic stockpiles to do what they can to protect their citizens. The refugees in this scenario will be left in the already overstretched hands of the international community. (…) The second is to contain the camps by force. Just as the Chinese government shut down Hubei and the Italian government shut down Lombardy, any geographic area including a refugee camp can be closed off. The difference, though, is the built environment. Camps don’t have running water, piped gas or sewerage systems. (…) The last option, the most audacious yet also the easiest, is to facilitate a mass migration of people out of a host government’s territory. Don’t think that that’s beyond the realm of possibility. (…) From a humanitarian perspective, none of these three options is preferable. But for pragmatic decision-makers in Western donor capitals, the first is the best of the three as it contains the risks. To convince governments hosting refugees to choose this path, wealthy countries will need to do more than express empathy or organise donor conferences — they will need to provide financial support now." (The Strategist vom 26.03.2020) https://kurz.bpb.de/o6g

"Ausgerechnet Terroristen erstarken in der Krise"

Die Coronakrise könnte in besonders schwer betroffenen Ländern und Regionen zu einer Schwächung von Sicherheitsstrukturen und damit zum Wiedererstarken terroristischer Netzwerke führen, befürchtet der ehemalige Direktor des Nachrichtendienstlichen Lage- und Auswertungszentrums der EU, Gerhard Conrad, im Gespräch mit der Welt am Sonntag. "Seine Forderung: Sowohl in Deutschland als auch international müsse der Druck auf terroristische Strukturen aufrechterhalten werden. 'Darüber hinaus verdienen jedoch die direkten und indirekten Auswirkungen der Pandemie auf die Stabilität der betroffenen Staaten weltweit ein besonderes Maß an Aufmerksamkeit'." (Die Welt vom 29.03.2020) https://kurz.bpb.de/o6m

Links vom 26.03.2020

"Why are so few Germans dying from the coronavirus? Experts wonder"

Viele internationale Experten schauen Carlo Angerer and Alexander Smith zufolge derzeit verwundert auf Deutschland, in dem es trotz hoher Infektionszahlen immer noch relativ wenige Corona-Todesfälle gebe. "While countries around the globe struggle to cope with the death, panic, restrictions and economic dislocation wrought by the coronavirus pandemic, a different picture has emerged in Germany. Experts are scrambling to figure out why the country has around 34,000 confirmed infections — the fifth most in the world — but far fewer deaths than other countries. (…) many experts believe that the main reason behind its relatively low death rate is the large number of tests it has been able to conduct. The government has not released official figures, but it says it has the capacity to test about 160,000 people every week. As well as potentially helping identify and slow the spread of the contagion, widespread tests are likely to detect more mild cases that are going unrecorded in other countries, according to Dr. Mike Ryan, health emergencies director at the World Health Organization. (…) Nevertheless, there is still the fear in Germany that if the outbreak does start to spread among older circles, the country could also see a spike in deaths." (NBC News vom 25.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5n

"Hoffen auf den Kollaps der Demokratie"

In der Coronakrise habe der Berliner Verfassungsschutz einen besonderen Blick auf die aktuelle Agitation von "Neonazis, Reichsbürgern, Linksextremisten und Salafisten" geworfen, berichtet Frank Jansen. "Sie hoffen auf die große Krise der Demokratie und geizen nicht mit Verschwörungstheorien. Die Coronakrise bietet Neonazis, Reichsbürgern, Linksextremisten und Salafisten Stoff für Agitation, vor allem im Internet. Was da zusammengerührt wird, hat sich jetzt der Berliner Verfassungsschutz genauer angeschaut. In einer fünfseitigen Analyse beschreibt der Nachrichtendienst, wie Verfassungsfeinde das Virus instrumentalisieren wollen. Das Papier liegt dem Tagesspiegel vor. Die geschilderte Propaganda wirkt bizarr, zum Teil auch menschenverachtend." (Tagesspiegel vom 25.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5o
"Die andere Gefahr" Christian Bangel warnt davor, sich an die derzeit notwendigen Grundrechtseinschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus zu gewöhnen. "(...) die alte demokratische Denkaufgabe, wie stark wir unsere Freiheit zugunsten der Sicherheit einschränken müssen, haben uns keineswegs die Virologen abgenommen. Im Gegenteil: Sie selbst mahnen, dass die Frage danach, was die gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Situation sein könnten, nicht zu kurz kommen darf. So unvorstellbar das in diesen Tagen erscheint: Das Coronavirus wird wahrscheinlich eines Tages handhabbar sein. Es wird Impfstoffe und Medikamente geben – und hoffentlich treffen die Staaten wirksame Vorkehrungen für den nächsten Ausbruch. Die Wirkungen dessen aber, was jetzt unter und zwischen uns geschieht, werden lang, womöglich länger als das Virus anhalten." (Zeit Online vom 23.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5p

"Was sagt die EU dazu?"

Ungarn verabschiede sich mit seinen neuen Notstandsgesetzen in der Coronakrise von europäischen Werten, so Thomas Gutschker. "Auch in anderen Ländern finden Parlamente kreative Wege, wie sie angesichts von Kontaktverboten und Ausgangsbeschränkungen arbeitsfähig bleiben. Orbán dagegen redet von 'kollektiver Verteidigung' und von 'Schlachtfeldern', als befände sich sein Land im Krieg. Die Europäische Union muss nun – abermals – darüber entscheiden, wie sie glaubwürdig mit einem solchen Staat in ihren Reihen umgeht, einem Mitglied, das sich von wichtigen europäischen Werten offenbar verabschiedet." (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 26.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5q

"Coronavirus Is Closing Borders in Europe and Beyond. What Does That Mean for Refugees?"

Viele Flüchtlinge und Migranten an den Grenzen zu Europa sorgen sich Mélissa Godin zufolge aktuell nicht nur um ihre Gesundheit in den überfüllten Lagern, sondern grundsätzlich um die Erfolgsaussichten ihrer Pläne. "While only one case of COVID-19 has been recorded on the five Greek islands that shelter 42,000 refugees, experts say the coronavirus will spread uncontrollably if it reaches the camps. But the virus puts more than just refugees’ health at risk: it could threaten their relocation to other E.U. countries as part of the asylum-seeking process. 'I’m worried that coronavirus will affect whether I can be in a country that I want to be in,' Rahimi says. Human rights activists worry that E.U. countries, particularly Greece, will use the coronavirus as an excuse to suspend asylum or relocation. (…) experts fear that as politicians scramble to contain the spread of the coronavirus, asylum seekers will be affected. They also worry that the relocation of refugees from Greece’s overcrowded camps to other E.U. countries will likely be put on the back burner." (TIME.com vom 25.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5r

"Covid-19 Poses a Heightened Threat in Jails and Prisons"

Der Coronavirus stelle in den USA besonders in überfüllten Gefängnissen und Haftanstalten eine ernste Bedrohung dar, schreibt Emma Grey Ellis. "The steady influx of new people into prisons and especially jails makes an outbreak more difficult to prevent. According to Daniel Lopez Acuña, a public health physician who helped craft the World Health Organization’s guidance for managing Covid-19 outbreaks in prisons, new arrivals are a frequent vector for prison outbreaks. During the 1918 influenza pandemic, a single new prisoner precipitated a mass outbreak in California’s San Quentin prison. (…) On top of the ease of spread, the incarcerated population also includes a large number of at-risk older adults, due to the long sentences that are common in the US justice system. People in prison are also more likely to be in poor health to begin with." (Wired.com vom 24.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5t

"Israelis bleibt Radius von 100 Metern"

In Israel arbeiten Armee und Polizei im Rahmen verschärfter Notstandsmaßnahmen in der Coronakrise eng zusammen, berichtet tagesschau.de. "Die israelische Armee ist nach eigenen Angaben bereits darauf vorbereitet, die Polizei wenn nötig bei der Durchsetzung der Ausgangsbeschränkungen landesweit zu unterstützen. Vorgesehen sei ein Bataillon pro Polizeidistrikt, sagte Armeesprecher Jonathan Conricus. Insgesamt gibt es in Israel demnach acht Polizeidistrikte. Die Polizei habe dabei die Führungsrolle inne, die Armee verstärke personell, sagte Conricus. Im Moment gehe die Armee nicht davon aus, dass die Soldaten dabei Waffen tragen würden. Beispielsweise könnte die Armee die Polizei bei der Abriegelung eines Dorfes unterstützen - etwa die Ein- und Ausgänge blockieren. Außerdem bereite sich die Armee auf die Situation vor, die Truppen im Westjordanland zu verstärken." (tagesschau.de vom 25.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5u

"In den Köpfen ist noch nichts wie vorher"

Der Alltag in China sei heute ein anderer als vor der Coronakrise, berichtet Ning Wang für den Berliner Tagesspiegel. "Die Unsicherheit ist nicht nur in der Bevölkerung zu spüren. Bei der Staats- und Parteiführung hat sie sich in eine Form von Kontrollwahn umkanalisiert. So werden seit Montag internationale Flüge nach Peking mittlerweile in die benachbarte Provinz umgeleitet und die Passagiere müssen auf eigene Kosten in designierte Hotels in Quarantäne. Bei denen, die noch zu Hause in Selbstquarantäne gehen durften, weil sie schon vor zwei Wochen ins Land gekommen sind, wurden teils Überwachungskameras vor der Haustür installiert, um sicher zu sein, dass sie sich an die Regeln halten. Die Angst, dass die aus dem Ausland einreisenden Menschen die Zahl der Infektionen wieder ansteigen lassen könnten, ist groß. So groß, dass dafür Rassismus und noch mehr Überwachung in Kauf genommen wird. Galt es bisher, Menschen aus Wuhan und Hubei zu meiden, werden inzwischen ausländisch aussehende Menschen gemieden." (Tagesspiegel vom 25.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5w

"Pentagon sees coronavirus crisis lasting several months"

Das Pentagon geht davon aus, dass die Coronakrise mehrere Monate anhalten wird und in einigen Ländern zu "politischem Chaos" führen könnte. "US Defense Secretary Mark Esper (…) and General Mark Milley, the chairman of the Joint Chiefs of Staff, addressed questions from members of the US military around the world in a virtual online event. (…) The two men warned that the pandemic could destabilize some countries, to the point where they could present a threat to the United States. The pandemic 'could lead in some cases... to sort of breakdowns. It could lead to political chaos in certain countries. We have to be attuned to that,' Milley said. He noted that shortages of masks, gloves and respirators could have 'severe internal consequences to certain countries that go well beyond the immediate medical issues.' The US will aid its allies, said Esper, but 'with potential adversaries or adversaries (the coronavirus) may cause them to act out in different ways, in ways that impact our security posture, our readiness.' 'So we need to be very conscious and be on the lookout for that as this unfolds,' he said." (Yahoo News vom 24.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5s

"Wir müssen vorbereitet sein"

Auch die Außenpolitikexpertin Nora Müller erwartet, dass die Coronakrise "bekannte sicherheitspolitische Krisen noch verschärfen" wird. "Nordafrika und dem Nahen Osten, Europas von Krisen geplagter südlicher Nachbarschaft, droht durch das Coronavirus eine weitere Destabilisierung. (…) Dass die Corona-Pandemie auch den geopolitischen Großkonflikt des 21. Jahrhunderts, die Rivalität zwischen den Weltmächten USA und China, beeinflusst, ist kaum zu übersehen. Anders als noch während der Vogelgrippe-Epidemie, in der Washington und Peking auf Zusammenarbeit setzten, verschärft sich der amerikanisch-chinesische Gegensatz in der aktuellen Situation zusehends. US-Sicherheitsexperten wie Hal Brands vom American Enterprise Institute (AEI) schließen nicht aus, dass die Volksrepublik die Gunst der Stunde, in der die USA und andere westliche Länder durch das Management des Gesundheitsnotstands abgelenkt sind, nutzen könnte, um den Druck auf Taiwan zu erhöhen oder ihre expansive Politik im Südchinesischen Meer fortzusetzen – beides eine klare Provokation gegenüber dem Westen." (Zeit Online vom 25.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5y

"Sunlight Exposes Dangers: Free Speech In (and After) a Pandemic"

Die aktuelle Menge an falschen Informationen über die Corona-Pandemie hat in vielen Ländern zu Forderungen nach einer Einschränkung der Meinungsfreiheit geführt. Walter Olson empfiehlt einen Beitrag von Greg Lukianoff von der Organisation FIRE (Foundation for Individual Rights in Education), der argumentiert, dass Redefreiheit die gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit gegenüber Bedrohungen wie dem Coronavirus keineswegs schwäche. "Lukianoff argues, an arena of free expression does not really function as a 'marketplace of ideas' in which competition works to drive out peddlers of falsehood the way a market for goods tends to drive out peddlers of lamps that don’t light. In the idea business, there are people, institutions, and movements that prosper for the longest time selling total junk. Hence the observed failure of the hope for 'the good ideas to ever finally defeat and drive from the earth bad ideas.' The difference is that in systems controlled by the government, like China, those who operate the control switch can cut you off from those trying to reach you with the truth. 'Freedom of speech gives you a fighting chance to know the world as it really is.' Lukianoff’s further and subtler point is this. The free venting of false notions on an ongoing basis, together with the study of false notions circulated in the past, gives us crucial information about the human psyche — what people are prone to believe, and how if ever they might come to be talked out of it — and about the particular landscape of false beliefs we must face in this world right now. It is 'the lab in the looking glass.'" (Cato Institute vom 17.03.2020) https://kurz.bpb.de/o64

Links vom 25.03.2020

"Wollte der Bund sich selbst ermächtigen?"

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet über den Entwurf des neuen Infektionsschutzgesetzes, das der Bundesregierung eine größere Machtfülle gegenüber den Bundesländern geben soll. "Nach nur wenigen Wochen der Ausbreitung des Coronavirus sieht die Bundesregierung erhebliche Mängel in der länderübergreifenden Krisenbewältigung. Sie fürchtet eine 'Destabilisierung des gesamten Gesundheitssystems', wie es in einem Entwurf für ein Gesetz 'zum Schutz der Bevölkerung' heißt. (...) Mit dem Entwurf will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zahlreiche Änderungen des Infektionsschutzgesetzes durchsetzen, die an diesem Mittwoch vom Bundestag, am Freitag dann vom Bundesrat beschlossen werden sollen. Der zentrale Satz des Gesetzentwurfs lautet: 'Die Bundesregierung wird zur Feststellung einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite ermächtigt.' Der Bund rückt damit auf ein Gebiet vor, das bislang von den Ländern in eigener Regie geregelt wurde." (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25.03.2020) https://kurz.bpb.de/o54
"Coronavirus: 'Risikogruppen haben nichts davon, wenn alle 'weggesperrt' werden'" Katja Thorwarth hat sich mit der Juristin Jessica Hamed über die Rechtmäßigkeit der derzeitigen rigiden Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus unterhalten. "So etwas gab es noch nie in der bundesdeutschen Geschichte. Es wirft die Frage auf, ob es gerechtfertigt sein kann, Millionen Menschen, denen wohl kein schwerer Krankheitsverlauf droht, von anderen Menschen, bei denen ebenfalls nicht mit einem solchen zu rechnen ist, fernzuhalten." (Frankfurter Rundschau vom 25.03.2020) https://kurz.bpb.de/o55

"Wir müssen unsere Freiheiten wieder wertschätzen"

Die Politikwissenschafterin und Soziologin Ulrike Ackermann erwartet, dass die Coronakrise nach der "derzeitigen Schockstarre" gesellschaftliche und politische Verwerfungen vertiefen wird. "Es ist der grösste Stresstest, den die liberalen Gesellschaften zu bestehen haben. (…) Man denke an das verheerende Gefälle zwischen Stadt und Land, alter absteigender und neuer aufsteigender Mittelschicht oder die Tabula rasa im gesamten Sektor der Kulturschaffenden aus Kunst, Musik, Literatur und Wissenschaft, die nicht staatlich abgesichert sind. Dem müssen wir ins Auge sehen und uns damit ohne Denkverbote und Tabus offen und ehrlich auseinandersetzen. Auch wenn die Corona-Krise im Moment noch alte gesellschaftliche und politische Konfliktlinien scheinbar eingefroren hält, werden sie noch vor dem Ende der Krise wieder hervortreten. Im Ausnahmezustand tritt der Streit zwar zurück. Aber ohne diesen gibt es auch keinen Wettbewerb der Ideen und kein produktives Ringen um die besten Lösungen." (Neue Zürcher Zeitung vom 25.03.2020) https://kurz.bpb.de/o56

"Angst ruft nach Autorität"

Die Ärztin Kirsten Kappert-Gonther zeigt sich in diesem Interview erleichtert darüber, dass "uns das Virus in einer gefestigten Demokratie erwischt" habe. "Alle Maßnahmen sind bisher überwiegend von Vernunft geleitet. Natürlich schauen PolitikerInnen, was andere machen – und wollen nicht nachstehen. Keiner will eine Entscheidung verpassen, die sich im Nachhinein als relevant erweist. Das ist in der Suchbewegung, in der sich die Gesellschaft gerade befindet, nur natürlich. Es darf aber keine Autoritätsspirale einsetzen, bei der einer den anderen in vorauseilendem Gehorsam nachahmt. (…) Die Politik hält die Balance zwischen nötigem Gesundheitsschutz und der Wahrung von Grundrechten. (…) diese Erfahrungen werden nicht einfach aus dem kollektiven Gedächtnis verschwinden. Das Erstarken der Nachbarschaftshilfe, was sich im Moment zeigt, finde ich bemerkenswert. Junge Menschen unterstützen alte, wer nicht mehr zur Arbeit muss, bietet an, auf Kinder aufzupassen. Da entsteht ein neuer, hoffentlich nachhaltiger Zusammenhalt." (Tageszeitung vom 25.03.2020) https://kurz.bpb.de/o57

"Coronavirus: Um was es bei dem angeblichen 'Geheimplan der Regierung' 2012 wirklich ging"

Eine öffentliche Risikoanalyse der Bundesregierung von 2012 ist im Internet als "Geheimplan der Regierung" dargestellt worden, in dem die Corona-Pandemie ziemlich genau vorhergesagt worden sei. Das Recherchezentrum Correctiv erklärt, warum diese Darstellung irreführend sei. "Zwar gibt es eine Risikoanalyse der Bundesregierung, in der eine Pandemie mit einem ausgedachten Virus namens 'Modi-SARS' im Jahr 2012 hypothetisch durchgespielt wurde. Es handelt sich dabei aber nicht um einen 'Geheimplan', sondern einen öffentlich zugänglichen Bericht des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), der der besseren Prävention einer Virus-Pandemie dienen sollte. (…) Nach der Risikoanalyse zu einer hypothetischen Coronavirus-Pandemie wurde laut BBK der Nationale Pandemieplan des Robert-Koch-Instituts entsprechend überarbeitet. Was das konkret bedeutet, schreibt die Behörde nicht. Es ist also richtig, dass eine Virus-Pandemie, die der aktuellen in manchen Punkten ähnelt, schon im Jahr 2012 hypothetisch von den deutschen Behörden durchgespielt wurde. (…) Das fiktive Szenario von 2012 unterscheidet sich aber auch von der aktuellen Covid-19-Pandemie: So nahm man in der Risikoanalyse an, dass alle Altersgruppen gleich betroffen wären (Seite 58). Zudem ging sie davon aus, dass zehn Prozent der Erkrankten sterben würden (Seite 64)." (Correctiv vom 18.03.2020) https://kurz.bpb.de/o58

"Risikoanalyse zu fiktivem Virus passt nicht zu Corona"

Auch der Bayerische Rundfunk hat sich mit der Faktenlage zum "Bericht zur Risikoanalyse zum Bevölkerungsschutz 2012" beschäftigt. "Im Netz wird derzeit ein Dokument des Deutschen Bundestags verbreitet: Im 'Bericht zur Risikoanalyse zum Bevölkerungsschutz 2012' vom 3. Januar 2013 geht es neben dem Risiko eines Schmelzhochwassers auch um eine Analyse einer möglichen Pandemie durch ein Virus. Dabei werden sehr hohe Sterblichkeitszahlen genannt, die aufhorchen lassen. Sie passen aber nicht zur aktuellen Entwicklung um das Coronavirus." (Bayerischer Rundfunk vom 13.03.2020) https://kurz.bpb.de/o59

"Has Germany Defeated the Coronavirus?"

Hunter DeRensis betrachtet die Entwicklung der Coronakrise in Deutschland als Außenstehender und im Vergleich zu anderen Staaten durchaus optimistisch. "As the number of confirmed cases of coronavirus and the subsequent deaths continual to rise in places like Italy and New York state, other places in the western world are beginning to get ahead of the pandemic. Germany, through a strong public healthcare system and stringent quarantine measures, is beginning to see light at the end of the tunnel. Despite earlier, apoplectic predictions, Germany has been able to keep a low death toll during the crisis. With over 26,000 positive cases, they have only had 111 deaths. This percentage far surpasses the countries of southern Europe, like Italy and Spain." (The National Interest vom 24.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5a

"Spain ‘shifts to a war economy’ and calls on NATO for help with COVID-19"

Das von der Corona-Pandemie hart getroffene Spanien hat die "Kriegswirtschaft" ausgerufen und die NATO offiziell um Unterstützung gebeten. "On Tuesday afternoon, NATO’s Euro-Atlantic Disaster Response Coordination Center (EADRCC) said it had received 'a request for international assistance from the Armed Forces of Spain in their response to the global pandemic'. The EADRCC said in a press statement that the Spanish military had asked its 'international partners […] to provide assistance to the Ministry of Defense of Spain'. Spanish media reported that the request included '450,000 respirators, 500,000 rapid testing kits, 500 ventilators and 1.5 million surgical masks'. Meanwhile the Spanish military helped convert an ice ring in Madrid’s popular Palacio de Hielo mall into a makeshift morgue, in order to accommodate the projected surge in deaths due to COVID-19 in the coming days. The Spanish capital has suffered over 30 percent of all coronavirus-related deaths in the past week." (IntelNews vom 25.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5b

"EU fires warning shot at China in coronavirus battle of the narratives"

Die EU betrachtet die chinesischen Corona-Hilfslieferungen an europäische Länder wie Italien als Versuch Pekings, die Krise auszunutzen und den chinesischen Einfluss in Europa auszudehnen. "The European Union’s top diplomat has fired a warning shot at China’s 'politics of generosity', amid a growing sense of unease over Beijing’s targeted strategy to help certain European countries with medical supplies to fight Covid-19, the disease caused by the new coronavirus. In an unusual choice of language, the bloc’s foreign policy chief Josep Borrell called on EU countries to stand ready for a 'struggle for influence' in a 'global battle of narratives'. (…) Mikko Huotari, executive director of the Berlin-based Mercator Institute for China Studies, called it a 'good signal' that Borrell showed awareness of the geopolitical dimensions of 'Chinese diplomatic spin'. 'This is clearly not just apolitical altruism,' Huotari said. '[China’s efforts] will backfire with many advanced economies. Trust is based on reciprocating ... deeds, not words and certainly not spreading conspiracies.' Andrew Small, an expert on EU-China relations at the German Marshall Fund, said initial EU goodwill towards China had gone. 'The level of politicisation, propaganda and outright disinformation on the Chinese government’s part has really stepped up in recent days,' he said." (South China Morning Post vom 24.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5c

"The EU Struggles for Relevance in the Fight against Coronavirus"

Die EU-Länder haben bei ihrer Bekämpfung der Corona-Pandemie den Schutz der eigenen Bevölkerung und der nationalen Grenzen an erste Stelle gerückt. Der SPIEGEL berichtet in diesem Beitrag, dass die EU-Führung in Brüssel in dieser Phase nicht viel zu sagen habe. "In short, as the pandemic takes hold in Europe, the decades-old union is showing its weaknesses. While the EU managed to survive Brexit and the euro crisis, the corona crisis may yet prove to be an insurmountable challenge. Instead of trying to come up with joint solutions, the Continent is becoming balkanized and is reverting to national solutions. Instead of helping each other out, EU countries are hoarding face masks like panicked Europeans are hoarding toilet paper. (…) Europeans are even divided on the question as to how to combat the virus. Whereas Germany is eager to prevent as many people as possible from encountering the virus and becoming infected, the Netherlands wants to see as many healthy people as possible fight off COVID-19, thus becoming immune. The signal is clear: When things get serious, every member state still looks out for itself first – even 60 years after the founding of the community." (Der Spiegel vom 23.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5d

"Libya Reports First Coronavirus Case as the Pandemic Sweeps Across the Middle East"

Der Coronavirus ist nun offiziell auch in Libyen angekommen. "Libya recorded its first confirmed case of the coronavirus on Tuesday, the U.N.-backed government announced, stoking concern that an outbreak could overwhelm the war-torn country’s already weakened health care system. As the coronavirus pandemic sweeps across the Middle East, countries have sought to slow the increase of cases by limiting the movements of hundreds of millions of people. The Arab world’s most populous country, Egypt, as well as Syria, a country ravaged by nine years of war, became the latest countries to impose nightly curfews starting this week." (TIME.com vom 24.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5g

"Why a one-size-fits-all approach to COVID-19 could have lethal consequences"

Die weltweiten rigiden Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie könnten Alex Broadbent zufolge einen Kollaps der globalen Wirtschaft herbeiführen, der afrikanische Länder besonders hart treffen und zum Tod von Millionen Menschen, darunter vielen Kindern, führen würde. "Suppose you had the choice between two health policies, A and B. Policy A would result in the death of a lot of elderly people. Policy B would result in the death of a lot of children, especially infants. Which would you choose? (…) Many leaders are doubtless aware of their dilemma, but their ability to express this and their ability to make choices is restricted, as the treatment of British leadership shows. In Africa, it’s questionable whether leaders have a political choice, given intense pressure from an international community that isn’t thinking about the differences of the African context, and a WHO offering no region-specific technical advice. Leaders need to be given the space to say shocking things, to be upfront about what might go wrong, to change their minds in the face of new evidence, and to pick the lesser of two evils. Doctors face such choices every day, and they are horrible. But they are unavoidable. Without a proper estimation of the costs as well as the benefits of the measures currently being implemented, no rational assessment of their merit can be made." (The Conversation vom 24.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5i

"Wie die Plattformen durchgreifen und welche Fragen das aufwirft"

Julian Jaursch, Projektleiter beim Berliner Think Tank Stiftung Neue Verantwortung, analysiert in einem Gastbeitrag für netzpolitik.org die im Zuge der Coronavirus-Pandemie erlassenen Maßnahmen der großen Internetplattformen. "Das Vorgehen der Plattformen zu Desinformation bei COVID-19 ist bisher beflissen. Ebenso wie in Krisensituationen politische Entscheidungsträger:innen schnell neue Lösungen finden müssen, sind sich nun offenbar auch große Plattformen ihrer Verantwortung für den öffentlichen Diskurs bewusst. Was Millionen Menschen auf Facebook, Twitter oder YouTube zu COVID-19 lesen, hören und sehen, kann Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben. Doch während Politiker:innen sich erklären müssen und wieder abgewählt werden können, beruhen die Maßnahmen großer Tech-Unternehmen nicht auf demokratisch legitimierten Vorgängen. Es ist weder im Interesse der Plattformen selbst noch der Gesellschaft, solche Macht unkontrolliert zu lassen." (netzpolitik.org vom 24.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5k

"Even the 'best science' doesn’t have the final word on covid-19"

David Adam widerspricht der Ansicht, dass die Politik sich in der Corona-Krise nur auf verlässliche wissenschaftliche Informationen stützen müsse, um schnelle und richtige Entscheidungen treffen zu können. Die besten Wissenschaftler wüssten selbst, dass ihr Arbeitsfeld von eigenen Einschränkungen und Unsicherheiten geprägt sei. "Decisions on covid-19 have to be made urgently, and it’s right that the latest scientific data and expertise are taken into account. Evidence-based policy-making is presented as the gold standard and rightly so, especially in public health. But it’s vital to stress that 'the science' of this pandemic – and what should be done in response – is quite different from 'the science', say, of how soap and water protect against the coronavirus. (…) Earlier this month, an editorial in The Guardian complained that the UK’s response to the virus was 'confused and hesitant', and argued that disclosure of the scientific evidence was needed to protect public trust. Yet confused and hesitant is how the best science proceeds. Policies, even evidence-based ones, aren’t based on science alone. They emerge from a process that also accounts for values and priorities. Right now, politicians must balance the way a wider lockdown of the population could help protect against infection, against the negative sociological consequences of isolation and the impact on civil liberties. These are political decisions, and they must be seen and presented as such by politicians and others, particularly as the continuing pandemic and the severe restrictions on people’s lives start to fray the collective patience." (New Scientist vom 19.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5e

"Andrew Sheng Says More…"

Andrew Sheng vom Asia Global Institute der University of Hong Kong erläutert in diesem Interview, welche systemischen Herausforderungen die Corona-Pandemie für die Welt bereithält. Er hält es für falsch, in der Debatte über angemessene Krisenstrategien den Fokus auf vertraute Dichotomien zu richten und z.B. Markt und Staat bzw. Kapitalismus und Sozialismus gegenüberzustellen. Die Pandemie sei die Folge globaler Phänomene wie dem Klimawandel und der rasanten Zunahme der Weltbevölkerung, die neue zoonotische Infektionskrankheiten hervorriefen. "The real existential enemy has always been climate change, caused by excessive human consumption, in turn enabled by unlimited debt creation. If every developing-country citizen consumes like every Westerner, there will be no natural resources left and the planet will become inhospitable to human life. The American Dream of maximum freedom to consume cannot be for everyone; it can’t even be for Americans anymore. If the COVID-19 crisis doesn’t wake up everyone to this reality, nothing will." (Project Syndicate vom 24.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5m


Links vom 24.03.2020

"Zwei Millionen Überstunden"

In der Coronakrise sei die Bundespolizei auch aufgrund struktureller Probleme "heillos" überlastet, stellt Jörg Köpke fest. "Die Beamten der Bundespolizei haben im vergangenen Jahr exakt 1 988 171 Überstunden angesammelt. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor. Demnach ist die Zahl der Überstunden bei der Bundespolizei gegenüber 2018 sogar um 109 798 gesunken – ein Rückgang von 5,2 Prozent. 'Aufgrund der nun angeordneten Grenzkontrollen dürfte es in den kommenden Wochen schwieriger werden, die Zahl der Überstunden zu reduzieren. Vielmehr dürften eher neue Überstunden hinzukommen', sagte Konstantin Kuhle, innenpolitischer Sprecher der FDP. Seit Ausbruch der Corona-Epidemie haben die Aufgaben der Bundespolizei zugenommen. So sind die Beamten der acht Bundespolizeidirektionen auch für Kontrollen an den Grenzen zu Frankreich, Luxemburg, Österreich und der Schweiz im Einsatz. Und der Weg von Rheinland-Pfalz nach Frankreich oder umgekehrt ist seit Einführung der vorübergehenden Binnengrenzkontrollen jetzt nur noch über drei Grenzübergänge möglich. Diese müssen rund um die Uhr von der Bundespolizei gesichert werden. Auch an den Grenzen zu Baden-Württemberg und Sachsen führen Bundespolizisten Kontrollen durch." (Frankfurter Rundschau vom 23.03.2020) https://kurz.bpb.de/o3b

"Infamie"

Christian Thomas kritisiert die "Kriegsmetaphorik", die in der Coronakrise aus dem linken politischen Lager ertöne. "'Kein Corona-Burgfrieden für Merkel', so rief der Energie- und Klimapolitiker der Linken, Lorenz Gösta Beutin, im 'Neuen Deutschland' den Massen zu. Eine Anspielung auf das wilhelminische, weltkriegsbegeisterte Deutschland 1914 – und eine Niederträchtigkeit schon deswegen, weil die Bundeskanzlerin, anders als der eine oder andere europäische Regierungschef auf jede Kriegsmetaphorik im Kampf gegen Corona verzichtete. Offenbar können Teile einer gegen Infamie nicht immunen Linken nicht anders als in absurden historischen Analogien denken." (Frankfurter Rundschau vom 23.03.2020) https://kurz.bpb.de/o3c

"Freiheit braucht eine Wahl"

Aladin El-Mafaalani, Soziologe an der Universität Osnabrück, schreibt, dass die Coronakrise dabei sei, unsere Gesellschaft radikal zu verändern. Als mögliches Resultat sei auch eine neue "Weltgesellschaft" denkbar: "Sind wir mit der Globalisierung zu weit gegangen oder nicht weit genug? Sollte das Land in einigen Bereichen wieder Selbstversorger werden, etwa bei medizinischen Produkten? Oder müssen wir global viel enger kooperieren? Eine Weltgesellschaft, die vom Macht- und Konkurrenzmodus auf Kooperation, Solidarität und Zusammenhalt umschaltet, wäre etwas Neues. Sie täte das nicht aus Altruismus, sondern weil es sein müsste. Vor Corona dachte ich, es bräuchte Außerirdische, um diesen Zwang zu erzeugen. Vielleicht sind es winzig kleine Viren, die uns zeigen, dass wir alle im selben Boot sitzen und von systematischer Kooperation abhängig sind. Vielleicht hilft diese Erfahrung auch für die Bewältigung der Klimakrise. Grundlegende Änderungen erscheinen plötzlich nicht mehr unrealistisch. Es wird in jedem Fall bei all diesen Fragen nicht mehr ohne Weiteres möglich sein zu sagen: geht nicht. Es geht sehr viel." (Tageszeitung vom 23.03.2020) https://kurz.bpb.de/o3d

"In der Corona-Krise stellen wir die Weichen für die Zukunft: Wir müssen den Totalitarismus bekämpfen und den Bürgersinn stärken"

Auch Yuval Hoah Harari meint, dass "republikanische Ermächtigung der Bürger" und "globale Solidarität" in der Coronakrise nicht aufgegeben werden müssen. "Die Leute zwischen Freiheit und Gesundheit wählen zu lassen, ist die Wurzel des Problems. Denn es ist eine falsche Wahl. Wir können und sollten sowohl Privatheit als auch Gesundheit geniessen. Wir können unsere Gesundheit schützen und die Epidemie stoppen, indem wir den Bürgern nicht ein totalitäres Überwachungsregime aufzwingen, sondern sie ermächtigen. (…) Die Menschheit muss eine Entscheidung treffen. Gehen wir den Weg der Zwietracht oder wählen wir den Pfad der globalen Solidarität? Wenn wir uns für die Zwietracht entscheiden, verlängern wir nicht nur diese Krise, sondern verursachen in Zukunft wohl noch weit schrecklichere Katastrophen. Wenn wir uns aber für die globale Solidarität entscheiden, trägt uns das nicht nur den Sieg gegen das Virus ein, sondern gegen alle Epidemien und Krisen, die die Menschheit im 21. Jahrhundert treffen können." (Neue Zürcher Zeitung vom 23.03.2020) https://kurz.bpb.de/o3e

"Diese sieben Lektionen erteilt uns das Coronavirus"

Der bulgarische Politikwissenschaftler Ivan Krastev erwartet dagegen, dass die Coronakrise "die Staatengemeinschaft verändern und einzelne Länder vor eine tragische Frage stellen" wird. "Die erste von sieben Lektionen, die wir jetzt schon ziehen können, ist, dass das Coronavirus im Gegensatz zur Finanzkrise 2008/2009 die Rückkehr des starken Staates erzwingen wird. (…) Die zweite Lektion ist, dass das Coronavirus den Mythos der Grenze wiederauferstehen lässt und dazu beitragen wird, die Rolle des Nationalstaates innerhalb der Europäischen Union wieder zu stärken. (…) Die dritte Lektion, die uns die Coronavirus-Pandemie lehrt, bezieht sich auf das Vertrauen in Fachwissen. (…) Professionalität ist wieder in Mode. (…) Die vierte Lektion ist Interpretationssache, aber dennoch sehr wichtig. Leider könnte das Coronavirus die Attraktivität des von der chinesischen Regierung eingesetzten Big-Data-Autoritarismus erhöhen. (…) Die fünfte Lektion betrifft das Krisenmanagement. Was die Regierungen im Umgang mit Wirtschaftskrisen, der Flüchtlingskrise und Terroranschlägen gelernt haben, war, dass Panik ihr schlimmster Feind war. (...) 'Keine Panik' ist die falsche Botschaft für die Coronavirus-Krise. Um die Pandemie einzudämmen, sollten die Menschen in Panik geraten - und ihre Lebensweise drastisch ändern. Die sechste Lektion ist, dass die Coronavirus-Krise einen starken Einfluss auf Generationenkonflikte haben wird. (…) Dieser Konflikt zwischen den Generationen könnte sich verschärfen, wenn die Krise lange anhält. (…) Die siebte Lektion ist, dass die Regierungen ab einem bestimmten Zeitpunkt gezwungen sein werden zu entscheiden, ob sie die Pandemie eindämmen und die Wirtschaft zerstören oder viele Menschenleben in Kauf nehmen, um die Wirtschaft zu retten." (Cicero vom 23.03.2020) https://kurz.bpb.de/o3f

"Eine Versuchung für Autoritäre"

Einige Regierungen könnten in der Coronakrise eine Chance sehen, autoritäre Strukturen im eigenen Land zu festigen, schreibt Ulrich Krökel mit Blick auf Ungarn und Polen. "Und tatsächlich scheint vor allem Viktor Orbán die Corona-Pandemie für eine weitere Festigung seiner Macht nutzen zu wollen. Noch diese Woche will der ungarische Ministerpräsident dem Parlament einen Gesetzentwurf für ein nationales Notstandsrecht vorlegen, das es ihm erlauben würde, bis Ende des Jahres per Dekret zu regieren – ohne Möglichkeit einer Revision durch die Abgeordneten. Stattdessen soll es eine 'parlamentarische Zwangspause' geben. Oppositionspolitiker in Budapest und Orbán-Gegner im In- und Ausland sprachen in ersten Reaktionen von der Etablierung einer 'Junta wie in Südamerika' und einem 'Übergang zur Diktatur'." (Zeit Online vom 23.03.2020) https://kurz.bpb.de/o3g

"Es gibt keine Corona-Toten in Russland. Punkt"

Alice Bota berichtet aus Moskau über den Umgang der russischen Regierung mit der Coronakrise. Offiziell würden derzeit keine Corona-Toten, sondern Menschen gezählt, die an Lungenentzündung sterben. Anastasija Wassiljewa, Vorsitzende der 2018 gegründeten Gewerkschaft "Allianz der Ärzte", habe Mediziner nun dazu aufgerufen, die Ausbreitung des Erregers nicht länger zu verschweigen. "'In der ganzen Welt tobt ein Ausbruch des neuen Coronavirus. Doch bei uns in Russland tobt ein Ausbruch an Lungenentzündungen. Und wie immer toben die Lügen der Machthaber und die Einschüchterung des medizinischen Personals.' Es fehle an Schutzausrüstung, an Atemmasken und Aufklärung – selbst wenn Corona die Ursache sei, würde man nur von Lungenentzündungen sprechen, meint Wassiljewa. Die Ärzte wüssten nicht, ob sie Corona- oder Pneumonie-Erkrankte behandelten. Dadurch würden sie das Virus weiter verbreiten. 'Ärzte, Pfleger, wir bitte[n] Sie: Bitte beenden Sie Ihr Schweigen!', flehte Wassiljewa. Das Moskauer Gesundheitsamt reagierte umgehend: Wassiljewa droht eine Anzeige wegen Verleumdung." (Zeit Online vom 22.03.2020) https://kurz.bpb.de/o3h

"The Staggering Collapse Of U.S. Intelligence On The Coronavirus"

Die Corona-Krise in den USA ist nach Ansicht von Scott Ritter auch das Resultat eines Versagens der US-Geheimdienste. Die Defense Intelligence Agency des Pentagons betreibt demnach das National Center for Medical Intelligence (NCMI), das vor solchen Gefahren eigentlich warnen soll. "The sufficiency and efficacy of the Trump administration’s response to the coronavirus pandemic remains to be seen. As President Trump noted on March 17, however, it would have been helpful to have had advance warning. That was the job of the NCMI, and they failed. This failure may have been a result of complacency, incompetence, or just a byproduct of circumstance. Regardless of the reason, the NCMI needs to learn from this experience, and reexamine the totality of the intelligence cycle — the direction, collection, analysis and feedback loop — associated with its failure to adequately predict the coronavirus pandemic. This reexamination should ensure that the U.S. will not be caught flat-footed the next time around, because there will be a next time around." (The American Conservative vom 24.03.2020) https://kurz.bpb.de/o3i

"Iran glaubt an eine Corona-Verschwörung"

Der Vorwurf der chinesischen Regierung, dass die Vereinigten Staaten den Coronavirus entwickelt hätten, sei nun auch vom Iran aufgegriffen worden, berichtet Rainer Hermann. "So hat Revolutionsführer Ali Chamenei in seiner Begründung, weshalb er ein amerikanisches Hilfsangebot ablehnt, eine von China in die Welt gesetzte – und durch nichts belegte – These aufgegriffen. Sie besagt, die Vereinigten Staaten hätten das Virus selbst hergestellt, um Feinde wie China oder Iran zu schwächen. Dazu habe Amerika, behauptete Chamenei, sogar genetisches Material von Iranern gesammelt. Unter solchen Umständen dürfe man Angeboten wie denen von Außenminister Mike Pompeo und Präsident Donald Trump keine Beachtung schenken, zumal die Hilfsgüter selbst mit dem Virus infiziert sein könnten." (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24.03.2020) https://kurz.bpb.de/o3j

"The Comprehensive Timeline of China’s COVID-19 Lies"

Jim Geraghty hat in der konservativen National Review eine Zeitleiste chinesischer Maßnahmen zur Vertuschung der Corona-Epidemie zusammengestellt. "The story of the coronavirus pandemic is still being written. But at this early date, we can see all kinds of moments where different decisions could have lessened the severity of the outbreak we are currently enduring. You have probably heard variations of: 'Chinese authorities denied that the virus could be transferred from human to human until it was too late.' What you have probably not heard is how emphatically, loudly, and repeatedly the Chinese government insisted human transmission was impossible, long after doctors in Wuhan had concluded human transmission was ongoing — and how the World Health Organization assented to that conclusion, despite the suspicions of other outside health experts. Clearly, the U.S. government’s response to this threat was not nearly robust enough, and not enacted anywhere near quickly enough. Most European governments weren’t prepared either. Few governments around the world were or are prepared for the scale of the danger. We can only wonder whether accurate and timely information from China would have altered the way the U.S. government, the American people, and the world prepared for the oncoming danger of infection." (National Review vom 23.03.2020) https://kurz.bpb.de/o3k

"Analysis: No, the coronavirus was not bioengineered. The rumors are false"

Nach wie vor hält sich das Gerücht, dass der Coronavirus biotechnologisch hergestellt worden sei. IntelNews hat in diesem Beitrag wissenschaftliche Informationen zusammengetragen, die für eine natürliche Herkunft des Erregers sprechen. "(…) it appears, from genetic and biochemical analysis, that SARS-CoV-2 started in bats, moved to pangolins, and then to humans. It is unclear whether the evolutionary changes that gave rise to the SARS-CoV-2 variant changed once it entered pangolins from bats, or whether it entered humans and continued evolving into the strain we see today. While the evidence indicates that it is highly unlikely that the virus was bioengineered, it is impossible to determine whether it entered humans in its present form, or evolved once it crossed the species barrier." (IntelNews vom 24.03.2020) https://kurz.bpb.de/o3q

"Coronavirus Pandemic an Opportunity for Wars, and Peace"

Einige Experten fürchten Jason Ditz zufolge, dass extremistische Gruppen die Corona-Pandemie für ihre Zwecke ausnutzen könnten. Andere Konflikte hätten sich angesichts der neuen Bedrohung dagegen beruhigt. "International relations specialist Bertrand Badie called it a 'godsend' for such groups, and predicted 'the revenge of the weak over the strong' in the weeks to come. As the virus spreads around, this attitude could spread to more countries. For extremist groups, the global panic over the pandemic is just a multiplier for terrorist groups. Civilians are less resilient to high-profile attacks if they are already terrified over other issues, and terrorists can more easily provoke desperation in those already desperate. On the other hand, some groups are taking this as an opportunity for peace. The Philippines ordered a halt to their offensive against Communist rebels, a major fight spanning decades which may be getting a rare break. Elsewhere in Idlib, fighting has been on the decline." (Antiwar.com vom 22.03.2020) https://kurz.bpb.de/o3n

"Hände waschen, auf Investoren warten"

Bernd Graff hält die "staatstragende" Reaktion der großen Internetkonzerne in der Coronakrise für "beunruhigend". "So wird erschütternd deutlich: Diese Unternehmen klingen nicht nur staatstragend. Sie sind es auch. Denn die Garantie von Alimentierung und medialer Grundversorgung, dazu Hilfsprogramme für Arbeitnehmer, das Fördern von Forschung, der aktive Erhalt von Volksgesundheit, kostenlose Tests, die Abwehr von Fake News, die Ermöglichung von Öffentlichkeit und sozialem Austausch, die Bereitstellung von kommunikativer Infrastruktur - all das sind eigentlich staatliche Hoheitsaufgaben, die diese Unternehmen ja nicht nur für sich reklamieren, sondern auch schultern. Das ist nicht nur eine gute Nachricht: Unternehmen sind nie demokratisch legitimiert, sie unterliegen keinerlei Kontrolle außer der durch ihre Aufsichtsratsgremien. Philanthropie und Gemeinwohl fördern börsennotierte Konzerne gern, solange es dem eigenen Aktienkurs nützt. Wenn die Global Player des Silicon Valley also nun stolz erklären, dass ihre Systeme in der Krise so sicher bleiben wie früher nur die Renten des Norbert Blüm, dann zeigt das zweierlei: die Hybris der Unternehmen wie die Bereitschaft der politischen Systeme, das Steuer aus der Hand zu geben." (Süddeutsche Zeitung vom 23.03.2020) https://kurz.bpb.de/o3o

"The Real Pandemic Danger Is Social Collapse"

Die Corona-Pandemie könnte zu einem Kollaps der globalen Wirtschaft mit entsprechenden sozialen Folgen führen, warnt Branko Milanovic. "The economic repercussions of the novel coronavirus pandemic must not be understood as an ordinary problem that macroeconomics can solve or alleviate. Rather, the world could be witnessing a fundamental shift in the very nature of the global economy. The immediate crisis is one of both supply and demand. Supply is falling because companies are closing down or reducing their workloads to protect workers from contracting COVID-19, the disease caused by the new coronavirus. (…) The supply shock is exacerbated by a decrease in demand due to the fact that people are locked in, and many of the goods and services they used to consume are no longer available. (…) The world faces the prospect of a profound shift: a return to natural — which is to say, self-sufficient — economy. That shift is the very opposite of globalization. (…) the human toll of the disease will be the most important cost and the one that could lead to societal disintegration. Those who are left hopeless, jobless, and without assets could easily turn against those who are better off. (…). If governments have to resort to using paramilitary or military forces to quell, for example, riots or attacks on property, societies could begin to disintegrate." (Foreign Affairs vom 19.03.2020) https://kurz.bpb.de/o3p


Links vom 23.03.2020

"'Senizid' heisst das Wort der Stunde: Das Coronavirus wirkt im höchsten Masse altersdiskriminierend"

In dieser deutschsprachigen Version einer Kolumne in der britischen Sunday Times prognostiziert der Historiker Niall Ferguson, dass die Corona-Pandemie im Westen zum Tod vieler älterer Menschen führen wird. Dies wäre zu verhindern gewesen, so Ferguson. "Der russische Historiker Nikolai Karamzin definierte Senizid im 19. Jahrhundert als 'das Recht der Kinder, Verwandte zu ermorden, die, durch Alter und Krankheit überlastet, für die Familie zu teuer und für Mitbürger nutzlos sind'. Wie die Entdecker Knud Rasmussen und Gontran de Poncins berichteten, war Senizid von den Netsilik auf King William Island noch bis in die 1930er praktiziert worden. Doch in den 2020ern wird ein Senizid niemals toleriert werden, am allerwenigsten in modernen, entwickelten Demokratien. Diejenigen, deren Unterlassungssünden und mangelhaft durchgeführte Aufgaben zu landesweiten Seniziden geführt haben, werden wie die Täter der Genozide im 20. Jahrhundert streng verurteilt werden – nicht nur von der Geschichte, sondern auch von Wählern und ziemlich wahrscheinlich auch von Richtern." (Neue Zürcher Zeitung vom 22.03.2020) https://kurz.bpb.de/o3a

"Coronavirus-Pandemie und Bundeswehr"

Thomas Wiegold stellt Informationen über die derzeitigen Hilfsaktionen der Bundeswehr in der Coronakrise zusammen. "Der Sammel-Thread zum Thema Bundeswehr und Coronavirus-Pandemie am 23. März 2020 (und wie üblich nur Meldungen mit Bezug zu den Streitkräften, keine generelle Debatte über die Pandemie und die Maßnahmen dagegen)." (Augen Geradeaus! vom 23.03.2020) https://kurz.bpb.de/o34

"Use of Military Forces in the COVID-19 Emergency"

Mark F. Cancian erläutert in diesem FAQ, auf welche Weise sich das US-Militär an der Bekämpfung der Corona-Pandemie in den USA beteiligen könnte. "As the effects of COVID-19 are increasingly felt around the United States, many officials and commentators have asked what role the U.S. military might play as part of the response. Several state governors have already called up elements of the National Guard as part of their emergency measures. This analysis addresses the distinctive roles of U.S. federal military forces and state National Guard units, the ways U.S. forces could be most helpful, the limitations on military forces, and the potential cost of employing the military to help fight the coronavirus." (Center for Strategic and International Studies vom 17.03.2020) https://kurz.bpb.de/o2w

"How the coronavirus outbreak is like a nuclear attack: An interview with Jeffrey Lewis"

Der Abrüstungsexperte Jeffrey Lewis beschreibt die Corona-Pandemie in diesem Interview als einen "Atomkrieg in Zeitlupe". Dabei bezieht er sich konkret auf das Problem der politischen Führung. "The biggest parallel is that what is about to happen will have been largely preventable, particularly in the United States (…). In the nuclear field, we do worry that decisions made under tight timelines will be worse decisions, and that’s probably true. But I don’t think any amount of time would allow Trump to make better decisions. It’s just the situation might be slightly more forgiving. But as we’re learning now, it’s not. It’s not more forgiving. (…) One thing about nuclear command and control, which the virus outbreak underscores, is that it is so hard to get good information in a crisis. The epidemic spiraled out of control so quickly in certain countries that even the best experts were rushing to figure out what was going on. To me the danger of a nuclear war is not that somebody’s going to get up one morning and say, 'Ah, fuck it,' and push the button. It’s that we’re deeply flawed as human beings, and we have imperfect information, and we’re always trying to make decisions under complexity. And I think you saw the same things here. There was enough uncertainty early on that people could argue about how contagious the virus is, or how deadly it is. That uncertainty hampered the response at a critical moment." (Bulletin of the Atomic Scientists vom 20.03.2020) https://kurz.bpb.de/o2v

"Gaza: Corona-Gefahr hinter dem Zaun"

Thomas Pany fürchtet, dass sich der Coronavirus im dicht besiedelten Gazastreifen explosionsartig ausbreiten könnte. "Zwei Millionen Menschen leben im Gazastreifen hinter einem 'Sicherheitszaun' (…) auf 375 Quadratkilometern. Umgerechnet auf einen Quadratkilometer sind das 6.000 Menschen, die auf engsten Raum zusammenleben. Noch riskanter für Ansteckungen ist die Situation im Flüchtlingslager Jabalia im Gazastreifen, wo 140.000 palästinensische Flüchtlinge auf 1,4 Quadratkilometer leben. Das sind pro Quadratkilometer 82.000 Personen." (Telepolis vom 23.03.2020) https://kurz.bpb.de/o2x

"Corona kämpft nun mit in Syrien"

Der Deutschen Welle zufolge spielt Covid-19 nun auch im Syrienkonflikt eine gefährliche Rolle. "Seit neun Jahren Bürgerkrieg, und nun auch noch die Pandemie: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt, das 'fragile Gesundheitssystem' in Syrien sei wahrscheinlich nicht in der Lage, mit der Lage fertig zu werden." (Deutsche Welle vom 23.03.2020) https://kurz.bpb.de/o2y

"Idlib, völlig unvorbereitet"

Die syrische Rebellenhochburg Idlib sei im besonderen Maße durch den Coronavirus gefährdet, schreibt Tomas Avenarius. "Drei Millionen Flüchtlinge leben im Nordwesten des Landes unter extrem beengten und unhygienischen Bedingungen: Ärzte und NGOs warnen vor einer unkontrollierten Ausbreitung des Virus und Zehntausenden Toten. Regelmäßiges Händewaschen oder Duschen sei angesichts des Wassermangels in der syrischen Rebellenhochburg eine Illusion. Es fehle dort an Test-Kits, Quarantäne-Plätzen, Intensivbetten, Beatmungsgeräten und medizinischem Personal." (Süddeutsche Zeitung vom 23.03.2020) https://kurz.bpb.de/o2z

"Tödliche Sanktionen in Iran"

Dass der Iran besonders stark von der Coronakrise betroffen ist, hängt nach Ansicht von Marmar Kabir auch mit den US-Sanktionen zusammen. "Das Gesundheitssystem ist heillos überfordert. Und es besteht kein Zweifel, dass die US-Sanktionen ihren Teil dazu beitragen. 'Wenn man einem Land 40 Prozent seiner Einnahmen raubt, indem man es hindert, sein Erdöl und Erdgas zu exportieren, ist das Gesundheitssystem zwangsläufig betroffen', fasst der Ökonom Thierry Coville zusammen." (Tageszeitung vom 23.03.2020) https://kurz.bpb.de/o30

"How China brought the world to a standstill"

Nach Ansicht von Gordon Watts kann kaum ein Zweifel daran bestehen, dass China für die schnelle globale Ausbreitung von Covid-19 mitverantwortlich ist. Nun wolle Peking die Gelegenheit nutzen, die durch die Pandemie entstanden sei. "'Beijing’s late, inadequate and skewed information disclosures accelerated the virus’ global spread. China’s manipulation of information continues to hamper response efforts. Now, as the world wrestles with the pandemic, and its human, economic and social costs, Beijing is maneuvering to 'seize the opportunity' that the crisis presents,' a report by Horizon Advisory, a consultancy in Washington and New York which tracks Chinese government and economic activity, revealed. ''At present, the Covid-19 situation has been contained in China; most regions have resumed work and production … It is possible to turn the crisis into an opportunity – to increase the trust and the dependence of all countries around the world of [the] 'Made in China' [concept],'' Han Jian, of the Chinese Academy of Sciences, wrote earlier this month, according to the Horizon study, compiled by co-founders Emily de La Bruyere and Nate Picarsic." (Asia Times vom 23.03.2020) https://kurz.bpb.de/o31

"Coronavirus and the Collapse of the Liberal Order: Europe's Fate Called Into Question."

Die Krise der liberalen Weltordnung sei durch die Corona-Pandemie offengelegt worden, meint der russische Politikwissenschaftler Timofey V. Bordachev. Europa sei davon besonders betroffen. "The 'liberal world order' is living its last days, and it will be good if this demise is not accompanied by a world war. It is unlikely that any new order will turn out to be better or fairer – the strong states, which now include China and Russia, address problems that are so great in scale that their solution does not leave many opportunities for attendance to the rights and feelings of the weak states. Europe, which, alas, was never able to build a humanitarian paradise, is living out its last days, months, and even years, having served as an example that at least it’s possible to pantomime progress towards a multinational order that marries utopia and reality." (Russia in Global Affairs vom 19.03.2020) https://kurz.bpb.de/o32

"Why Autocrats Love Coronavirus"

Für Autokraten kommt die Corona-Krise nach Ansicht von Melinda Haring und Doug Klain vom Atlantic Council wie gerufen. "Around the world, authoritarian governments are exploiting the global COVID-19 pandemic to crackdown on dissent and suppress their political enemies. From the Nile to the Dnieper, strongmen are shuttering opposition offices, silencing journalists, and banning public demonstrations at crucial moments — often under the guise of public health. (…) Authoritarian leaders are constantly searching for scapegoats, working to rile up the fears of their populace, and trying to tighten their grips. To them, the coronavirus pandemic is a bonanza — the liberal democracies that would typically call them out for their violence, repression, and racism are distracted, with the necessities of stopping the virus in their home countries. If these strongmen go unchecked, the COVID crisis may end with all of us emerging to find a world in which authoritarianism triumphs. More political prisoners, more presidents-for-life, and more despotism. Now, the West needs to figure out how to stop a pandemic and fight authoritarianism at the same time. It can be done." (The National Interest vom 22.03.2020) https://kurz.bpb.de/o33

"How Surveillance Could Save Lives Amid a Public Health Crisis"

Sidney Fussell findet, dass eine verstärkte Überwachung der Bevölkerung in der aktuellen Krise nicht rundheraus abgelehnt werden sollte. "Officials have a powerful potential surveillance tool unavailable in past epidemics: smartphones. Government officials are anxious to tap the information from phones to help monitor and blunt the pandemic. White House officials are asking tech companies for more insight into our social networks and travel patterns. Facebook created a disease mapping tool that tracks the spread of disease by aggregating user travel patterns. Such efforts clash with people’s expectations of privacy. Now, there's a compelling reason to collect and share the data; surveillance may save lives. (…) The rapid spread of the disease has prompted even some traditional defenders of personal privacy to acknowledge the potential benefits of digital tracking. 'Public policy must reflect a balance between collective good and civil liberties in order to protect the health and safety of our society from communicable disease outbreaks,' the Electronic Frontier Foundation wrote in a blog post earlier this month. (…) a disease surveillance database could include lots of people who did nothing other than sit next to an infected person on a flight. It’s deeply troubling, but could become a necessity in urgent times. 'The problem is, I don't actually believe that that’s where the use of the data ends,' [Jake Williams, a cybersecurity expert and former member of the NSA’s hacking unit,] said. 'I would challenge you to find any government surveillance program, for that matter, that hasn't suffered a large number of abuses.'" (Wired.com vom 21.03.2020) https://kurz.bpb.de/o35

"How Religious Leaders Can Help Stop the Spread of Coronavirus"

Elaine Howard Ecklund meint, dass Religionsführer einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Corona-Pandemie leisten könnten. "The interaction between religious and scientific communities can sometimes be inhibited by a perception that they don’t share the same worldview. But my research shows that scientists often do their work out of a core value to heal the world around them. In my interviews with religious scientists, I’ve found that many of them feel similarly about their work and their goals, sometimes drawing on the concept of Shalom, a Hebrew word that broadly refers to seeking peace, harmony, well-being and prosperity that result from the flourishing of all creation. One immunologist told me not long ago, 'I see science as an amazing tool to intervene on the human condition.' If ever religious and scientific communities need to join together in pursuing wholeness and healing for the world, it’s now. Many studies over the past decade shows us that congregations are often the first and most trusted responders in the most vulnerable communities. People are more likely to turn to their faith communities during times of anxiety and emergency. We need to be sure that religious leaders have accurate and up-to-date scientific and medical information to pass on to their congregations in order to slow the rate of disease spread." (TIME.com vom 21.03.2020) https://kurz.bpb.de/o37

"Rechtsextreme nutzen allgemeine Verunsicherung aus"

Der Konfliktforscher Andreas Zick erklärt in diesem Interview, warum die Coronakrise "Verschwörungstheoretikern und Rechtsextremen ein optimales Betätigungsfeld" biete. "In WhatsApp-Gruppen, im Internet oder Sozialen Medien werden zahlreiche Falschmeldungen oder bewusst gestreute Verschwörungstheorien verbreitet. Der Bielefelder Konfliktforscher Andreas Zick sagte im Dlf, dass die rechte Szene zwar auch direkt von der Corona-Pandemie – beispielsweise durch Veranstaltungs- und Versammlungsverbote – betroffen sei, aber dafür im Internet sehr aktiv sei. Man müsse davon ausgehen, dass sich im Zuge der Coronakrise die Szene auch noch einmal über Verschwörungstheorien- und mythen 'neu vernetzt', sagte Zick im Dlf." (Deutschlandfunk vom 22.03.2020) https://kurz.bpb.de/o38


Links vom 22.03.2020

"Nach Corona: Wir sind nurmehr das nackte Leben"

Der italienische Philosoph Giorgio Agamben macht sich Gedanken über die gesellschaftlichen Begleitumstände des Corona-bedingten Ausnahmezustands. "Zuerst einmal hat die Panikwelle, die ganz Italien zum Erliegen brachte, deutlich gezeigt, dass unsere Gesellschaft an nichts mehr glaubt ausser an das nackte Leben. Es ist offensichtlich, dass die Italiener angesichts der Gefahr, sich mit dem Coronavirus anzustecken, praktisch alles zu opfern bereit sind, die normalen Lebensbedingungen, die sozialen Beziehungen, die Arbeit, sogar die Freundschaften, die Gefühle, die religiösen und politischen Überzeugungen. Das nackte Leben – und die Angst, es zu verlieren – ist nicht etwas, was die Menschen verbindet, sondern was sie trennt und blind macht. (...) Was wird aus den menschlichen Beziehungen in einem Land, das sich daran gewöhnt, auf unabsehbare Zeit so zu leben? Und was ist das für eine Gesellschaft, die keinen anderen Wert mehr hat als das eigene Überleben? Die Epidemie bringt eine zweite, nicht minder beunruhigende Tatsache zum Vorschein: Der Ausnahmezustand, auf den uns die Regierungen seit geraumer Zeit einstimmen, ist zu unserem Normalzustand geworden. Es kam in der Vergangenheit zu schlimmeren Epidemien als der heutigen, aber niemand hatte jemals daran gedacht, deshalb einen Notstand wie den jetzigen auszurufen, der uns sogar daran hindert, uns frei zu bewegen." (Neue Zürcher Zeitung vom 18.03.2020) https://kurz.bpb.de/o2d

"Wir müssen wach bleiben und diskutieren"

Nora Bossong plädiert in ihrer Reaktion auf den Beitrag von Giorgio Agamben dafür, angesichts der aktuellen Krise und den damit verbundenen notwendigen Einschränkungen die "Balance staatlicher Macht und bürgerlicher Freiheiten" nicht aus dem Auge zu verlieren. "So wenig es derzeit darum geht, die aktuellen Vorsichtsmaßnahmen zu boykottieren oder desavouieren, so sehr bleiben es außerordentliche Einschränkungen bürgerlicher Rechte in demokratischen, freiheitlichen Gesellschaften. Deshalb sollten wir uns die Balance staatlicher Macht und bürgerlicher Freiheiten vor Augen führen – damit eben nicht das geschieht, wovor Agamben warnt, nämlich ein sanftes Übergleiten einer Ausnahmesituation mit bestimmten Restriktionen in einen Normalzustand beziehungsweise ein späterer Missbrauch dieser Ausnahmesituation durch tatsächlich antifreiheitliche, antiliberale Herrschaftswünsche. Frei nach dem Motto: Die Leute haben sich ja jetzt dran gewöhnt, also weiter so! Ein solches Nachdenken ist allemal sinnvoller als der nächste Hamsterkauf." (Zeit Online vom 20.03.2020) https://kurz.bpb.de/o2e

"Der Ausnahmezustand"

Im Verfassungsblog beschäftigt sich auch Uwe Volkmann, Professor für Öffentliches Recht an der Universität Frankfurt, mit den Umständen und möglichen Grenzen des Ausnahmezustands. "Auch bei den bisherigen Epidemien von der Schweinegrippe bis zur normalen Influenza hätten wir durch Einreisesperren, Verbot von Großveranstaltungen oder zuletzt auch Isolierungen der Menschen voneinander die Todesrate von vornherein erheblich senken können. Aber wir haben es nicht getan, weil uns diese Einschränkungen zu schwerwiegend erschienen und alle Erkrankten in den Krankenhäusern behandelt werden konnten. Und ganz generell könnte irgendwann der Punkt kommen, an dem wir uns eingestehen müssen, dass es Krankheiten gibt, die wir nicht besiegen können, ebenso wenig wie wir den Tod besiegen können. Wir können uns, wie jetzt, eine Zeitlang dagegen anstemmen, am Ende aber eben doch immer nur eine Zeitlang. So oder so werden wir irgendwann wieder lernen müssen, die Welt nicht nur durch die Brille der Virologen zu betrachten." (Verfassungsblog vom 20.03.2020) https://kurz.bpb.de/o2f

"Die Demokratien müssen Krise lernen"

Die Gemeinschaft werde den Ausnahmezustand nicht wehrlos ertragen, "wenn sich nur der Hauch eines Verdachts ergibt, dass diese Rechte und Freiheiten nicht wieder zurückkehren", ist Stefan Kornelius überzeugt. "Das größte ethische Dilemma kann (...) auch die Demokratie nicht lösen: Wie viel Schaden ist ein Gemeinwesen in der Lage zu ertragen, um Menschenleben zu retten? Oder umgekehrt und in aller Härte formuliert: Muss die Gesellschaft sich entscheiden, ob sie lieber Menschen vor dem Tod bewahren will - oder ob sie ihren gemeinschaftlichen Charakter erhalten möchte mit all seinen Arbeitsstrukturen, dem Lebensstil, den Institutionen aus der Zeit vor der Krise? Dabei geht es nicht um die Spaßgesellschaft und ihre Spielwiesen. Es geht um grundlegende Errungenschaften wie etwa die Europäische Union und ihre Währung, um gesellschaftliche Stabilität dank niedriger Arbeitslosigkeit oder das Sicherheitsversprechen für Rentner und junge Leute gleichermaßen." (Süddeutsche Zeitung vom 21.03.2020) https://kurz.bpb.de/o2g

"COVID-19 poses unprecedented operational challenges for America’s spy agencies"

Die US-Geheimdienste müssen sich bei ihrer Arbeit den neuen Bedingungen der Corona-Pandemie anpassen, berichtet Joseph Fitsanakis. "America’s Intelligence Community is facing unprecedented challenges as it tries to adjust to the coronavirus pandemic. These challenges are affecting every aspect of the intelligence cycle, including collection and dissemination functions. Moreover, spy agencies are hurriedly redirecting their analytical resources to combating COVID-19, thus slowing the pace of work on other areas of national security, according to Time magazine. (…) the COVID-19 pandemic is affecting human intelligence collection, which involves the use of case officers to recruit foreign assets in order to extract information in accordance with national security directives. Countless case officers stationed around the world are currently finding it difficult to operate in cities that are either empty or under lock-down mandates. Their assets are also limited in the work that they can do, while it is expected that many will be infected by the coronavirus. One consolation to American intelligence agencies, said Time, is that their adversaries’ operations are also being hampered by the same pandemic." (IntelNews vom 20.03.2020) https://kurz.bpb.de/o2h

"Trump’s 'Maximum Pressure' Is Helping COVID-19 Ravage Iran"

Die iranische Bevölkerung leide aufgrund der US-Sanktionen besonders hart unter der Corona-Pandemie, schreibt Spencer Ackerman. "The Trump administration’s policy of crippling Iran economically through 'Maximum Pressure' is exacerbating the novel coronavirus outbreak in one of the epicenters of the global pandemic, according to sanctions experts. With Iran experiencing at least 1,284 deaths and over 18,000 reported cases as of Wednesday, Tehran’s public health infrastructure is under its own kind of maximum pressure. Iran has identified urgent needs for face masks, ventilators, test kits, x-ray machines, and other supplies. While U.S. sanctions formally exempt humanitarian supplies, sanctions-watchers say the reality is more complex. The breadth of the Maximum Pressure sanctions is extensive enough to dissuade firms, foreign governments, and banks from participating in the transfer of life-saving medical supplies, for fear of incurring secondary or third-degree sanctions from Washington." (The Daily Beast vom 19.03.2020) https://kurz.bpb.de/o2o

"Wie in einem Horrorfilm"

Andrea Backhaus wirft dem "ägyptischen Diktator" Abdel Fattah al-Sissi vor, die Coronakrise für ein noch härteres Vorgehen gegen Oppositionelle zu nutzen. In den Gefängnissen müssten politische Gefangene nun "um ihr Leben fürchten". "Wenn in Europa diskutiert wird, inwieweit die vorübergehenden Einschränkungen im öffentlichen Leben die Freiheit des Individuums beschränken dürfen, stellt sich in Ägypten wie in vielen autokratisch geführten Ländern eine existenziellere Frage: Wie kann der Einzelne leben – oder überleben – wenn das Regime noch repressiver agiert? (…) Mehr als 60.000 Menschen sollen in Al-Sissis Amtszeit aus politischen Gründen verhaftet worden sein, die genaue Zahl kennt niemand. (…) Viele von ihnen wurden in Geheimgefängnisse in der Wüste verschleppt, über ihren Verbleib gibt es kaum Informationen. Jene, die in den staatlichen Gefängnissen sind, leben ohnehin schon unter unwürdigen Bedingungen. (…) Sollte sich das Coronavirus in den Gefängnissen ausbreiten: Es wäre für viele Häftlinge das sichere Todesurteil. Für viele Ägypterinnen und Ägypter bedeutet die Corona-Krise also nicht nur die Sorge um die eigene Gesundheit, sondern vor allem Angst um ihre Angehörigen, die unschuldig in Haft sitzen." (Zeit Online vom 21.03.2020) https://kurz.bpb.de/o2j

"Komplett virenfrei"

Nordkorea ist bisher zumindest offiziell nicht von der Coronakrise betroffen. Sollte sich das ändern, wäre das Land in keiner Weise gewappnet, berichtet Fabian Kretschmer. "NGO-Mitarbeiter aus dem Gesundheitsbereich berichten regelmäßig, wie schlecht es um die Krankenhäuser gerade in den Provinzen des Landes bestellt ist: Vielen Kliniken fehlt es am nötigsten, etwa Antibiotika und Betäubungsmittel, ja manchmal sogar fließend Wasser." (Tageszeitung vom 21.03.2020) https://kurz.bpb.de/o2l

"Top Geopolitical Risks in 2020: Coronavirus Update"

Der Politikwissenschaftler Ian Bremmer hat unter dem Eindruck der Corona-Pandemie einen erneuten Blick auf seine zu Beginn des Jahres erstellte Liste der geopolitischen Risiken für 2020 geworfen. "Coronavirus hasn’t just overturned daily life as we know it; it’s also upended global politics. I’ve been working on figuring out what coronavirus means for geopolitics beyond the immediate crisis that we’re in. As such, I’ve revisited our Top Risks 2020 that we published back in January and have updated them (the first time in our history we’ve ever done that) with the potential impact that the coronavirus will have on each of them." (TIME.com vom 21.03.2020) https://kurz.bpb.de/o2p

"Ransomware Gangs to Stop Attacking Health Orgs During Pandemic"

Einige kriminelle Hackergruppen haben Lawrence Abrams zufolge versprochen, Ransomware-Angriffe auf Krankenhäuser und medizinisch wichtige Organisationen während der Corona-Pandemie zu unterlassen. "Some Ransomware operators have stated that they will no longer target health and medical organizations during the Coronavirus (COVID-19) pandemic. Last night, BleepingComputer reached out to the operators of the Maze, DoppelPaymer, Ryuk, Sodinokibi/REvil, PwndLocker, and Ako Ransomware infections to ask if they would continue targeting health and medical organizations during the outbreak. Below is what two of them said. Whether they plan on keeping their promise will have to be seen." (Bleeping Computer vom 18.03.2020) https://kurz.bpb.de/o2q

"Wie Linksextreme Corona für Plünderungen nutzen wollen"

Mona Jaeger berichtet über die in linksradikalen Kreisen zirkulierenden Aufrufe, die Coronakrise zu nutzen, um den "kapitalistischen Körper" anzugreifen". "'Nun ist schließlich jenes destabilisierende Ereignis eingetroffen, das das kapitalistische System blockieren könnte', schreibt der Nutzer 'Antikalypse'. Er spricht vom 'kapitalistischem Körper', in dem sich das Virus mit derselben Geschwindigkeit wie im menschlichen Körper ausbreite. Wenn nun die Bevölkerung den Aufrufen der Regierungen folge und zu Hause bleibe, dann sei das nur ein 'neuer Nachweis des Gehorsams'. (...) 'Im Moment ist das Erste, was wir tun müssen, miteinander zu kommunizieren und nicht, uns zu isolieren.' Man solle darauf warten, dass sich die Situation weiter zuspitze – 'und versuchen wir, unseren revolutionären Beitrag zu den Ausbrüchen von Wut, Ärger, Protesten, Plünderungen und Unruhen zu leisten'. Der Beitrag soll aus Italien stammen, auf 'Indymedia' wird er verbreitet." (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 20.03.2020) https://kurz.bpb.de/o2s


Links vom 19.03.2020

"Wir müssen wachsam sein"

Der Soziologe Richard Sennet warnt in diesem Interview davor, dass der durch den Coronavirus bedingte Ausnahmezustand zu einer neuen Normalität werden könnte. "Wie jede Pandemie ist auch diese ein vorübergehendes Phänomen. Aber für manche Länder mache ich mir Sorgen darum, dass die Notfallmaßnahmen, wie sie nun überall ergriffen werden, dauerhaft installiert bleiben. Gesetze gegen öffentliche Versammlungen, die für einen bestimmten Zeitraum erlassen werden, könnten weiter gelten, sodass die Versammlungsfreiheit langfristig beeinträchtigt wird. In China ist es in der Vergangenheit schon vorgekommen, dass Notsituationen als Vorwand dafür genutzt wurden, um die Freiheit im öffentlichen Raum permanent einzuschränken." (Tagesspiegel vom 18.03.2020) https://kurz.bpb.de/o1x

"Linksextremisten rufen zum Plündern auf"

In der linksautonomen Szene werde die Coronakrise als "Chance zum Aufstand" wahrgenommen, berichtet Frank Jansen. "Mit Sorge beobachten die Sicherheitsbehörden, dass Linksextremisten die Coronakrise in Deutschland für militante Agitation nutzen. Auf dem Internetportal de.indymedia.org erschien am Dienstag ein Aufruf zum Aufstand, zum Plündern und zu Anschlägen auf die Energieversorgung. Sollte sich die Situation weiter zuspitzen, 'versuchen wir, unseren revolutionären Beitrag zu den Ausbrüchen von Wut, Ärger, Protesten, Plünderungen und Unruhen zu leisten', heißt es in dem Text eines unbekannten Autors, der sich 'Antikalypse' nennt. 'Ungeduldige' könnten allerdings den starken Wunsch verspüren, einen sofortigen Beitrag zur Erschütterung der 'Produktionskreisläufe' zu leisten und einen Schlag versetzen wollen, der 'ihre Energieversorgung unterbricht." (Tagesspiegel vom 18.03.2020) https://kurz.bpb.de/o1z

"Israel Joins Totalitarian States Using Coronavirus To Spy On Citizens"

Barbara Boland kritisiert die neuen israelischen Überwachungsmaßnahmen zur Verfolgung von Coronavirus-Trägern. "Israel’s new regulations come as governments around the world adopt increasingly draconian measures. Iran rolled out an app ostensibly for the purpose of informing the public of coronavirus symptoms, but which actually spied on Iranians. The Communist government of China has brought the full weight of its mass public surveillance and social credit system to bear, using face recognition software, apps, drones and CCTV cameras to enforce quarantines. Domestic police forces in Europe are adopting measures that would have been unthinkable in democratic societies a few months ago. The U.K. plans to give police new authority to detain people and place them in isolation. Police in Madrid, Spain are deploying drones with cameras and loudspeakers to order people in parks and on the streets to go home." (The American Conservative vom 18.03.2020) https://kurz.bpb.de/o25

"In einem Zelt leben bis zu 15 Menschen"

Andrea Backhaus hat mit dem Gesundheitsexperten Mohammed Isa über die Corona-Lage in Syrien gesprochen. "Offiziell sagt das Regime zwar, dass es keine Corona-Fälle in Syrien gibt, aber das darf bezweifelt werden. Das Regime hat die Grenzen zu den Nachbarländern noch immer geöffnet, zum Irak etwa, wo es bereits eine große Zahl von Infizierten gibt. Die Grenze mit dem Libanon war bis vorgestern offen, die libanesische Regierung hat nun die Schließung angeordnet. Wir nehmen also an, dass es durchaus Infizierte in Syrien gibt." (Zeit Online vom 19.03.2020) https://kurz.bpb.de/o26

"Das Virus als Propagandawaffe"

Die Coronakrise wirke sich negativ auf das Verhältnis zwischen den USA und China aus, stellt Steffen Richter fest. "Mit 'China-Virus' wirbt Trump jetzt in seiner Wählerschaft und stichelt gleichzeitig gegen Chinas Führung, denn er weiß, dass die Formulierung genau das Gegenteil dessen ist, was man in Peking dem Volk wie dem Ausland vermitteln will. Entsprechend protestieren offizielle Stellen in Peking gegen solche Aussagen. Gleichzeitig bedient sich die KP-Propaganda angesichts der schweren Covid-19-Krise und der nach harten Quarantänemaßnahmen sinkenden Infektionen verschiedener Erzählungen. Dazu gehört eine Desinformationskampagne, für die zuletzt beispielhaft Tweets von Pekings Außenamtsprecher Zhao Lijian stehen." (Zeit Online vom 19.03.2020) https://kurz.bpb.de/o28

"Mass Panic Is Unlikely, Even During a Pandemic"

Matt Simon schreibt, dass Naturkatastrophen und Pandemien in vielen Hollywood-Filmen in der Bevölkerung regelmäßig Massenpanik auslösen. In der Realität sei ein solches Verhalten nach Ansicht vieler Experten unwahrscheinlich. "While it might be tempting to panic when you think about coronavirus and all it entails — relatives falling ill, running out of food, or just the thought of isolating yourself for weeks on end — you probably won’t. (…) As humanity confronts the coronavirus, we’re not seeing mass panic right now — far from it, really. Around the world, people are engaging in behaviors that are not only decisive but uplifting. (…) Studying the trope of the panicked populace goes back to the fearful days of the Cold War. The federal government paid for researchers to look at how people behave before, during, and after a disaster. 'Their general notion was that people would fly to pieces, that people would panic, they would fight, they would loot,' says Knowles. 'And that society was basically one missile warning away from total chaos. The sociologists found again and again and again and again that that was just completely wrong, that people are mostly pro-social in a disaster and they don't panic. They help each other, they seek out information.' We’re seeing this play out in real time with the coronavirus crisis, as communities come together to develop systems that facilitate solidarity." (Wired.com vom 18.03.2020) https://kurz.bpb.de/o2a

"Will the coronavirus kill globalization?"

Die Corona-Pandemie könnte der Globalisierung, wie wir sie seit Jahrzehnten kennen, nach Ansicht von John Feffer ein nachhaltiges Ende bereiten. "It might seem ridiculous to expect that a pathogen, even one that spreads at the rate of a pandemic, could reverse an economic trajectory that’s more than a century in the making. But the coronavirus outbreak coincides with attacks on economic globalization from many different quarters. (…) Globalization has been challenged before by financial crises, pandemics like the Hong Kong Flu, even the specter of Y2K. This time around, however, the failure of the global community to establish new rules of the road for the economy, the environment, and health care is creating a perfect storm of international disfunction. If something with a relatively low mortality rate like the coronavirus — between one percent and four percent, compared to 50 percent for Ebola — can do such a number on the global economy, perhaps the patient was already suffering from some pretty dire underlying conditions. (…) The coronavirus is a wake-up call for both Beijing and Washington. The new status quo of a revived Cold War between the two hegemons is unworkable. It’s time for another wave of globalization, but this time one that reduces carbon emissions, proceeds more equitably, and strengthens the capacity of international institutions to fight pandemics." (Responsible Statecraft vom 13.03.2020) https://kurz.bpb.de/o2b


Links vom 18.03.2020

"Privat ist privat"

Tanja Tricarico warnt davor, den "mühsam errungenen Schutz unserer Privatsphäre" aufgrund der Coronakrise leichtfertig aufzugeben. "China, Südkorea oder Israel machen es derzeit vor, indem sie positiv Getestete per Handy orten und ihre Bewegung im öffentlichen Raum sichtbar machen. Zweifelhaft ist allerdings, wie sinnhaft eine solche Auswertung ist. (…) Besser, als sich diesen Fragen zu widmen, ist es, die Verbreitung seriöser Informationen zu sichern und diese allen Bevölkerungsgruppen zugänglich zu machen. Dies ist die Aufgabe von Behörden. Wer Fake News bewusst verbreitet und entlarvt wird, wer die Coronakrise öffentlichkeitswirksam verharmlost, sollte dafür bestraft werden." (Tageszeitung vom 18.03.2020) https://kurz.bpb.de/o0t

"Staatsräson als erste Medienpflicht?"

Andrey Reisin hat sich mit der Rolle der Medien in der Coronakrise beschäftigt und weist darauf hin, dass es auch in Krisenzeiten nicht die eigentliche Aufgabe der Medien sei, "den verlängerten Arm der Regierung zu spielen und Kampagnen à la 'Wir vs. Virus' (die 'tagesschau' auf Social Media) zu inszenieren. (…) das Verkünden und Implementieren von Maßnahmen ist keine Strategie. Ein dauerhaftes 'Flatten the Curve' würde (ohne Impfstoff und wirksame Medikamente) Jahre dauern. Einen dauerhaften Shutdown werden Wirtschaft und Gesellschaft aber nicht verkraften. Wie will man also eine erneute Ansteckungswelle vermeiden, wenn man die Maßnahmen in absehbarer Zeit wieder aufheben muss? Wie sollen die Kapazitäten des Gesundheitssystems dauerhaft gesteigert werden? Diese Fragen zu stellen, ist und bleibt eine mediale Aufgabe." (Übermedien vom 17.03.2020) https://kurz.bpb.de/o0u

"Telekom gibt Handydaten an RKI weiter"

Die Deutsche Telekom wird anonymisierte Mobilfunkdaten ihrer Nutzer wegen der Coronakrise an das Robert Koch-Institut übermitteln. "Die Deutsche Telekom hat Handydaten ihrer Nutzer in anonymisierter Form an das Robert Koch-Institut (RKI) weitergegeben, um die Ausbreitung des Virus besser simulieren zu können. Einzelne Bürger - egal ob infiziert oder nicht - sollen durch die Weitergabe der Handydaten nicht getrackt werden." (Golem.de vom 18.03.2020) https://kurz.bpb.de/o18

"As COVID-19 crackdowns grow in Europe, rights groups urge caution"

Menschenrechtsexperten der UNO warnen Ylenia Gostoli zufolge davor, dass Regierungen die aktuell notwendigen Einschränkungen bürgerlicher Rechte missbrauchen könnten. "UN human rights experts called on states to tread carefully, warning against misusing emergency powers invoked. 'The danger is that states, particularly non-democratic or less open societies, would use the opportunity given by the health emergency to crack down on particular minority groups, or individuals or groups that they see as highly problematic,' Fionnuala Ni Aolain, the UN special rapporteur on the promotion and protection of human rights and fundamental freedoms while countering terrorism, told Al Jazeera. 'We need to ensure that when the emergency ends, states return to normal and do not continue to use these powers in ways they were not intended to do,' she said, adding that emergency powers introduced after 9/11 and still in place after 20 years constitute an undesirable precedent. 'States might find, as we often see in the counterterrorism space, that extensive powers are very comfortable, and they give them a lot more leeway than they usually have. The key point is that leeway shouldn't be used indefinitely.'" (Al Jazeera English vom 17.03.2020) https://kurz.bpb.de/o0v

"Coronavirus Fears Fueling Spike in Sales of Guns and Ammunition"

In den USA hat die Furcht vor dem Coronavirus den Absatz von Waffen und Munition in die Höhe schnellen lassen. "The world’s largest gun store, in metro Atlanta, has had lines that are six and eight people deep. A gun store in Los Angeles had lines that stretched down the block. And at least one store in Idaho put limits on sales after its shelves were nearly cleared out. (…) Sales spiked in a matter of days, industry experts say. Some of the purchases are made by people buying their first firearm. Others are existing gun owners adding to their collection or stocking up on ammunition after seeing grocery stores depleted, schools closed and big events canceled, including the National Rifle Association’s annual meeting. (…) Betsy Terrell, a 61-year-old resident of Decatur, Georgia, said she thought for years about purchasing a handgun and decided to finally get one after seeing chaos at her local Costco, with long lines and people stockpiling goods. She feels the metro Atlanta area already has a lot of crime. She’s worried that if the economy tanks, crime will rise even more. (…) It was a decision she’s somewhat surprised she took. She has a lot of friends who oppose firearms and won’t be advertising her purchase on Facebook. 'I’m crashing a line I thought I’d never crash.'" (TIME.com vom 17.03.2020) https://kurz.bpb.de/o0z

"Waffen statt Toilettenpapier"

Auch die F.A.Z. berichtet über den Corona-bedingten Anstieg von Waffenkäufen in den USA. "In Culver City bei Los Angeles warteten am Wochenende Hunderte Kunden oft mehrere Stunden, um in Martin B. Rettings Gun Store vorgelassen zu werden. Auch der Onlineanbieter Ammo.com beobachtete in den vergangenen Wochen eine unerwartete Zunahme von Bestellungen. 'Wir wissen, dass bestimmte Entwicklungen, vor allem politische Ereignisse und wirtschaftliche Instabilität, den Verkauf von Waffen und Munition antreiben. Jetzt erleben wir zum ersten Mal, dass auch ein Virus den Umsatz erhöht', sagte Alex Horsman, der Marketingchef des Unternehmens. Zwischen 23. Februar und 4. März verzeichnete Ammo.com fast 70 Prozent mehr Umsatz als im gleichen Zeitraum in den Wochen zuvor." (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18.03.2020) https://kurz.bpb.de/o10

"Coronavirus in Syrien: Warnung vor möglichem 'Massensterben'"

In Syrien bestehe aufgrund der prekären humanitären Lage die Gefahr eines unkontrollierbaren Ausbreitens des Coronavirus, berichtet die Frankfurter Rundschau. "Hilfsorganisationen warnen vor dramatischen Folgen, sollte sich das neuartige Coronavirus unter Vertriebenen im Nordwesten Syriens ausbreiten. 'Dann muss man, so brutal sich das anhört, fast schon mit einem Massensterben rechnen', sagte Dirk Hegmanns, Regionaldirektor der Welthungerhilfe für Syrien. 'Da die russische Luftwaffe systematisch Klinken zerstört hat, gibt es dort keine Gesundheitsversorgung.' So gebe es im gesamten Nordwesten Syriens ganze 50 Beatmungsgeräte." (Frankfurter Rundschau vom 18.03.2020) https://kurz.bpb.de/o11

"China is winning the coronavirus propaganda war"

Die Corona-Pandemie werde von einem "Propagandakrieg" begleitet, den China aktuell mit deutlichem Vorsprung gewinne, meint Matthew Karnitschnig. Von öffentlichkeitswirksam durchgeführten Hilfslieferungen Pekings profitierten auch europäische Länder wie Belgien und Italien. "Over the past few days, China has sent planeloads of masks, teams of doctors and even ventilators around the world to help battle the crisis. Chinese billionaire Jack Ma donated one million masks and hundreds of thousands of testing kits to the U.S., with the first load arriving in Seattle on Monday. (…) A shipment of 300,000 masks, sent by Chinese charities founded by Ma and his Alibaba empire, arrived in Belgium this week. Chinese state news agency Xinhua published a photograph of one of the containers draped with the slogan 'Unity makes strength' in French, Flemish and Chinese. Though the saying serves as the national motto of both Haiti and Bulgaria, it would appear the Chinese were taking a swipe at a lack of solidarity on display in Europe in recent weeks. Italy, by far the hardest hit country in Europe so far, has struggled to get supplies and assistance from its EU partners, for example. (…) Likely sensing the shift in the PR tide, China has become bolder in recent days in trying to rewrite history, claiming without any evidence that the virus originated not in China, but in the U.S. 'More evidence suggests that the virus was not originated at the seafood market in Wuhan at all, not to mention the so called 'made in China,'' Lin, the Chinese ambassador, tweeted on Monday, as if to prove the maxim that truth is the first casualty of war. Trouble is, with the U.S. facing its own credibility issues in recent years, China's false narrative threatens to spread as quickly as the coronavirus." (Politico vom 18.03.2020) https://kurz.bpb.de/o14

"U.S. sanctions Iran, seeks release of Americans amid coronavirus outbreak"

Der Iran gehört zu den Ländern, die vom Coronavirus besonders hart getroffen worden sind. Die US-Regierung will trotzdem nicht auf die Verhängung neuer Sanktionen gegen Teheran verzichten. "The United States imposed fresh sanctions on Iran on Tuesday, keeping up its economic pressure campaign even as it offered to help Tehran cope with the coronavirus pandemic and called on the Islamic Republic to release detained Americans. (…) On Monday, sources familiar with the matter who spoke on condition of anonymity because of the sensitivity of the issue said the United States was unlikely to ease sanctions on Iran despite an appeal from China that it do so because of the pandemic." (Reuters vom 17.03.2020) https://kurz.bpb.de/o16

"US ramps up sanctions devastating Venezuela’s health sector as coronavirus spreads"

Auch in Venezuela werde der Kampf gegen die Corona-Pandemie durch die US-Sanktionen erheblich erschwert, berichtet Leonardo Flores. "The effects of the sanctions are most noticeable in Venezuela’s health sector, which has been decimated over the past five years. The US measures have impeded banks from carrying out financial transactions for the purchase of medical supplies. What’s more, they have caused a 90% decrease in Venezuela’s foreign income earnings, depriving the health sector of much needed investment. Were it not for the solidarity of China and Cuba, which sent testing kits and medicine, Venezuela would be woefully ill-equipped to handle the coronavirus. The sanctions are worsening an already dangerous situation, forcing Venezuela to spend three times as much for testing kits as non-sanctioned countries." (The Grayzone vom 17.03.2020) https://kurz.bpb.de/o17

"How Dictatorships Make Pandemics Worse"

Danielle Pletka macht China und Iran für den weltweiten Corona-Ausbruch mitverantwortlich. Diktaturen seien in derartigen Krisenfällen generell schlechter gerüstet als Demokratien. "Dictatorships make you sick. Not spiritually, not morally (though both may apply), but actually sick. Consider the responses to coronavirus by China and Iran, two authoritarian regimes whose rank mismanagement and compulsion to cover-up have driven the world to a full-blown pandemic. (…) Cultural differences aside, the real difference between the Chinas and Irans and the rest of the world is the nature of communication between the people and their government. To put it bluntly, more people contract disease and more people die in countries without democratic governance. (…) At the end of the day, The Economist found what some of us instinctively know: Democracies, despite the lack of diktat, despite the consensus building required, despite the cumbersome decision-making process, are not afraid of the people. Democratic leaders are not afraid of information, and as a result, can judge the efficacy of their efforts, can fine tune and adjust, and can respond to the flow of news in a way that optimizes life saving." (The Dispatch vom 13.03.2020) https://kurz.bpb.de/o19


Links vom 17.03.2020

"GdP kritisiert unkontrollierte Iran-Flüge"

Die Gewerkschaft der Polizei moniert, dass zwar die deutschen Landesgrenzen wegen der Coronakrise weitestgehend geschlossen seien, nicht aber der Flugverkehr nach Deutschland. "Die deutschen Landgrenzen sind wegen der Corona-Pandemie nur noch für Pendler und den Warenverkehr geöffnet. Anders sieht es auf dem Luftweg aus: Selbst aus Hochrisikozonen wie dem Iran landen Flüge planmäßig in Deutschland. Medizinische Kontrollen sind demnach Fehlanzeige." (n-tv vom 17.03.2020) https://kurz.bpb.de/o0c

"Coronavirus could break the EU"

Die Corona-Pandemie könnte die EU noch härter treffen als die Finanzkrise von 2008, die Flüchtlingskrise von 2015 und der Brexit, schreibt Dalibor Rohac vom American Enterprise Institute. Dass die EU auch diesen Schlag übersteht, sei angesichts der finanzpolitischen Reaktion der Europäischen Zentralbank (EZB) keineswegs ausgemacht. "The EU’s response (…) has been pitifully weak. According to [the eurozone’s top central banker, Christine Lagarde’s] statement last week, there are 'no material signs of strains in the money markets or liquidity shortages' and any policy response to the developments should be primarily fiscal — and therefore national. That is irresponsible. (…) If there is one lesson from the Great Depression, it is that when international leadership fails, it is replaced by the destructive, non-cooperative behavior of national governments. When the U.S. failed to provide liquidity to the global financial system and imposed the Smoot-Hawley tariff instead of keeping its markets open, competitive devaluations and tariff hikes ensued. The EU’s leaders and the European Central Bank’s president in particular face a similar choice today. Either they move boldly to help the periphery, or the periphery is going to help itself in whatever way it can — even if it means the unraveling of the eurozone and the EU." (Politico vom 16.03.2020) https://kurz.bpb.de/o0d

"The EU Is Abandoning Italy in Its Hour of Need"

Elisabeth Braw wirft der EU vor, Italien in der Coronakrise sträflich im Stich gelassen zu haben. Sie warnt vor langfristigen Folgen des empfundenen Mangels an Solidarität. "To be sure, all governments need to make sure they have enough supplies for their own hospitals, patients, and medical staff. But no European country is suffering remotely as badly as Italy. (…) Europe’s selfishness is morally lamentable, and it’s unwise, because misery loves company. A struggling Italy will drag its European friends down, too, starting with their economies. But the cold response to Italy’s plea points to a larger issue: How would European allies respond in case of crisis even more devastating than the coronavirus — say, a massive cyberattack that knocks out power for a prolonged period of time? (…) at a moment of extreme hardship for a key EU (and NATO) member, Italy’s allies are showing that they can’t be counted on in a severe crisis — and that means Italy may increasingly turn toward China. It will remain stalwart member of the EU and NATO, but why should it support its various European allies next time they’re in a pinch? And why should it pay heed to European allies’ calls for it to reverse its participation in China’s Belt and Road Initiative, which it joined last year?" (Foreign Policy vom 14.03.2020) https://kurz.bpb.de/o0e

"Grösstes Truppenaufgebot für einen Ernstfall seit dem Zweiten Weltkrieg"

Georg Häsler Sansano berichtet in der Neuen Zürcher Zeitung über den Einsatz des Schweizer Militärs in der Coronakrise. "Es ist der Ernstfall, keine Übung: Der Bundesrat kann nach seinem Beschluss vom Montag bis zu 8000 Angehörige der Armee in den Assistenzdienst aufbieten, um die zivilen Behörden zu unterstützen. (…) Das Schwergewicht liegt klar auf Leistungen zugunsten des Gesundheitswesens. Dafür setzt der Bundesrat sämtliche dafür zur Verfügung stehenden Kräfte der Schweizer Armee ein: alle vier Spitalbataillone, fünf Sanitätskompanien, dazu die Rekruten- und Offiziersschulen aus Airolo." (Neue Zürcher Zeitung vom 17.03.2020) https://kurz.bpb.de/o0g

"Dems Call for 'War' on Coronavirus, But Military Says Help is Limited"

Eine zunehmende Zahl von US-Demokraten fordert eine Beteiligung des Militärs im "Krieg" gegen den Coronavirus. Das Pentagon hat Katie Bo Williams zufolge zurückhaltend reagiert. "Pentagon officials speaking to reporters Monday afternoon cautioned that the military’s ability to create hospital facilities to help handle the growing cases may be limited. 'We do have tent hospitals, deployable hospitals. The challenge is, they’re designed to take care of trauma patients and combat casualties,' U.S. Air Force Brig. Gen. Paul Friedrichs, the Joint Staff surgeon, told reporters at the Pentagon and on a conference call, 'We don’t have any 500-bed hospitals designed for infectious disease outbreaks.' The military’s largest moveable medical facility is USNS Comfort, the Navy’s hospital ship. But Friedrichs cautioned that the Comfort is also not designed to care for highly infectious disease patients — its close quarters and enclosed spaces are the opposite of public health recommendations for preventing the spread of the virus." (Defense One vom 16.03.2020) https://kurz.bpb.de/o0h

"How the coronavirus could force Benny Gantz to shake Benjamin Netanyahu's hand"

In Israel könnte der Coronavirus zur Bildung einer Regierung der nationalen Einheit führen, berichtet Jonathan Cook. "(…) the coronavirus crisis appears to be coming to Mr Netanyahu’s rescue. Last week he ordered a raft of emergency measures, including the effective closing of the country’s borders, and the shutting of schools and colleges, and large parts of the economy. Tens of thousands of Israelis have been required to quarantine themselves at home, and gatherings of more than 10 people are banned. Given Israel’s self-proclaimed status as a sanctuary for Jews, following the trauma of the Holocaust, these precautions have been readily accepted by the public. But they are also playing to Mr Netanyahu’s talent for manipulating a crisis. (…) What does Mr Gantz fear most: Mr Netanyahu exploiting the coronavirus crisis to evade justice and stay in power, or damaging his own public image by seeking temporary assistance from the Joint List? The next few days should provide the answer." (The National vom 15.03.2020) https://kurz.bpb.de/o0i

"Geopolitical Implications of the Coronavirus"

Die Corona-Pandemie könnte im Indo-Pazifik vier geostrategische Folgen haben, stellen Patrick M. Cronin, Michael Doran und Peter Rough in ihrer Analyse für das Hudson Institute fest. "Without knowing the full impact of the virus, it seems probable that the shock will amplify several existing economic, technological, and security trends already underway in the region. First, the post-coronavirus environment will fuel rather than defuse U.S.-China geoeconomic competition. (…) Second, U.S.-China techno-nationalism and protectionism will sharpen. (…) Third, the coronavirus will create new fissures in the CCP and a potential leadership crisis in North Korea. China’s initial cover-up on the severity of the outbreak created a moment that could be Xi’s 'Chernobyl,' especially in the wake of revelations regarding the brutal crackdown in Xinjiang, heavy-handedness in Hong Kong and harassment of Taiwan. (…) Fourth, the threats emanating from synthetic biology will multiply. The coronavirus most likely started in an illegal wet market, not a biology lab. However, the demonstrated impact of a dangerous new virus could encourage CCP authorities to set in motion new plans to weaponize synthetic biology." (Hudson Institute vom 13.03.2020) https://kurz.bpb.de/o0l

"War-ravaged Afghanistan battles a new threat: coronavirus"

Afghanistan könnte von der Corona-Pandemie noch tiefer in die Krise gestürzt werden, fürchtet Ali M Latifi. "With 22 verified cases so far, Afghanistan is still among the countries with a relatively low rate of coronavirus cases. However, the outbreak of the illness comes at a particularly trying time for the country. (…) it is not just clean water, Afghanistan's health system has also had to deal with overcrowding at facilities that have struggled to treat the increasing number of civilians affected by the ongoing war. Currently, there is only one hospital in the capital that can properly diagnose patients with the coronavirus. The hospital, located in West Kabul, can only treat 150 patients at a time. (…) The shutting of borders with Iran and Pakistan - Kabul's main trading partners - has led to a rise in food prices. In a bid to address price-gouging schemes, which has seen the price of wheat increase by 72 percent in a single 24-hour period, the Ministry of Interior has instructed police to take 'serious action' against any price gougers." (Al Jazeera English vom 17.03.2020) https://kurz.bpb.de/o0m

"Why Trump should trigger NATO’s Article 5 vs. COVID-19"

Frederick Kempe vom Atlantic Council meint, dass US-Präsident Trump angesichts der Corona-Pandemie den Bündnisfall nach Artikel 5 des NATO-Vertrags ausrufen sollte. "If NATO could bend Article 5 to combat a non-state terrorist actor striking the United States, why not also to combat the Chinese-originated COVID-19, which by Friday had infected more than 28,000 individuals and killed more than 1,200 among NATO allies. Given current transatlantic divisions, there is far greater need now than after 9/11 for a symbolic gesture of unity. (…) There’s also a strong America First reason why President Trump should have leaned more in that direction. He’s going to need Europe, just as the United States did in 2009, as this health crisis is quickly becoming a markets and financial crisis that could be addressed far more effectively through coordinated public health and fiscal stimulus measures." (Atlantic Council vom 14.03.2020) https://kurz.bpb.de/o0n

"Und Gott sandte mit Corona die Plage – Wie christliche Fundamentalisten das Virus instrumentalisieren"

Katja Thorwarth hat sich mit der Reaktion der Kirchen auf die Coronakrise beschäftigt. Für "brandgefährlich" hält sie dabei christliche "Fundamentalisten" wie den Schweizer Weihbischof Marian Eleganti, der in der Pandemie eine "Strafe Gottes" sehe. "Was Bischof Eleganti hier in warmen Worten unter seine Schäfchen predigt, klingt zwar nach einem Priesterseminar aus dem tiefsten Mittelalter. Dennoch sind seine Verknüpfungen manipulativ und nicht ungeschickt. (…) Entsprechend haben wir es hier mit einem christlichen Fundamentalismus zu tun, der die Handlungsoptionen des Menschen in Richtung einer imaginierten Gottheit kanalisiert. Eine Abkehr vom 'Herrn' wird entsprechend mit Krankheit, aktuell Corona, bestraft, was sozusagen im Subtext als Beweis für dessen Existenz behauptet wird. Das klingt einigermaßen irrational, ist aber brandgefährlich. Immerhin gibt es genug Menschen, die gerade einen Bischof als Autorität anerkennen und existentielle Schutzmaßnahmen als Teufelszeug abtun. Weiter gedacht schützt also nicht Desinfektion oder körperlicher Abstand vor dem Virus, vielmehr befriede man potentiell mit der Einnahme der Hostie oder dem Baden in Weihwasser den göttlichen Zorn, auf dass er die Menschheit wieder von den 'Plagen' erlöse." (Frankfurter Rundschau vom 16.03.2020) https://kurz.bpb.de/o0p


Links vom 16.03.2020

"Coronavirus: Wenn eine Quarantäne in Deutschland nötig ist - Das darf der Staat im Ernstfall"

Die Frankfurter Rundschau erklärt, welche rigiden Sicherheitsmaßnahmen der deutsche Staat zur Bekämpfung der Corona-Pandemie erlassen dürfte. "Das Wesentliche regelt das bundesweit gültige Infektionsschutzgesetz (IfSG). (…) Zuständig wären bei einer Coronavirus-Epidemie in Deutschland die Behörden der einzelnen Bundesländer einschließlich der Gesundheitsämter, wie der Bayreuther Staatsrechtler Stephan Rixen erläutert. 'Als Folge des Föderalismus hat der Bund in erster Linie nur koordinierende, keine operativen Aufgaben und Befugnisse.' (...). Wird die Lage ernster, übernehme ein Krisenstab mit Vertretern mehrerer Ministerien, der Kontakt zum Robert Koch-Institut (RKI), zum Bundesministerium und zur lokalen Ebene halte. Den Behörden stehen dann verschiedene Maßnahmen zur Verfügung, um das Auftreten einer Krankheit, wie Covid-19, zu verhindern oder eine Ausbreitung zu bekämpfen. Dann dürften umfangreiche Kontrollmaßnahmen auch auf Grundstücken oder in Verkehrsmitteln aller Art - Flugzeugen, Bussen, Bahnen - vorgenommen werden, erklärt Rixen. Veranstaltungen oder Ansammlungen dürften verboten werden. Personen könne vorgeschrieben werden, einen Ort nicht zu verlassen. Per Verordnung könne zum Beispiel geregelt werden, dass Bahnreisende nach Passieren der Grenze kontrolliert werden und bis zur Klärung eines Krankheitsverdachts nicht weiterreisen dürfen." (Frankfurter Rundschau vom 16.03.2020) https://kurz.bpb.de/nz1

"Wo ist das Europa, das schützt?"

Ulrich Ladurner kritisiert die aktuellen Grenzschließungen der europäischen Länder als "Kleinstaaterei" und meint, dass eine "europäische Antwort viel effektiver" wäre. "Früher oder später wird das Virus unter Kontrolle gebracht werden. Natürlich werden diejenigen, die die Schlagbäume niedergehen ließen, sagen: Es waren die Schlagbäume. Gewissheit werden wir darüber nicht haben können. In diesen Tagen sehen wir mit wachsendem Entsetzen, dass Europa schwach ist. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bittet schon fast verzweifelt um das eigentlich Selbstverständliche: Dass medizinische Schutzausrüstung unter den Europäern geteilt wird, dass man sich koordinieren und die Grenzen offenhalten müsse, um produzieren zu können, was in dieser Krise notwendig sei. Was heute in Italien gebraucht werde, das könne morgen in Deutschland benötigt werden und übermorgen in Frankreich, Spanien oder Österreich. Das ist richtig. Nur, stehen da jetzt Schlagbäume im Weg." (Zeit Online vom 16.03.2020) https://kurz.bpb.de/nz3

"African Nations Turn the Tables, Imposing Travel Restrictions Against U.S., Europe, and China to Stave Off Coronavirus"

Afrika ist vom Coronavirus bisher (zumindest offiziellen Zahlen zufolge) weitgehend verschont geblieben. Damit das so bleibt, hätten afrikanische Regierungen nun Reiseeinschränkungen für Personen aus westlichen Ländern und aus China beschlossen, berichtet Joe Penney. "In a dramatic shift in fortunes, African countries — whose citizens often have to prove their health status to even get a visa to travel to Europe — have moved swiftly to control arrivals from European countries. (…) The U.S.’s failure to prepare adequately for the spread of coronavirus, and the confused messaging from President Trump, has meant the U.S. is a weak link in the world health system, making it more difficult to fight the disease globally. 'I expected America to stand strong against this pandemic, but they failed the world — that’s my clear assessment,' an Ethiopian health official, who asked not to be named, told The Intercept." (The Intercept vom 15.03.2020) https://kurz.bpb.de/nz8

"Wird das Coronavirus zur Gefahr in Afrika?"

Mark Heinrichs befürchtet dagegen, dass der Coronavirus sich in Afrika längst ausgebreitet habe. "Einige Wissenschaftler fürchten, dass aufgrund der eingeschränkten Testmöglichkeiten und der schwachen Gesundheitssysteme das neue Coronavirus bereits unbemerkt in Afrika ausgebrochen sein könnte. Dr. Ngoy Nsenga, Teamleiter der Notfallsektion für Ost- und Südafrika bei der WHO, widerspricht dem: 'Unsere Gesundheitsüberwachung in Afrika funktioniert. Der Beweis sind die Signale, die wir bekommen, die Fälle, die wir aufgreifen.' Nsenga verweist auf die kontinuierlich gemeldeten Fälle sowie getätigten Tests in der ganzen WHO-Region Afrika - nach Stand vom 5. März 2020 waren es 390 Tests. Zur Einordnung: In Deutschland wurden laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung allein in der ersten Märzwoche 10.700 Menschen getestet. Nsenga bescheinigt den Gesundheitsbehörden gute Arbeit beim Aufspüren der Verdachtsfälle." (ZDF vom 12.03.2020) https://kurz.bpb.de/nz9

"US sees new pressure point as coronavirus hits Iran"

Der Iran ist vom Coronavirus besonders stark betroffen. Die US-Regierung sieht die Krise Shaun Tandon zufolge als Gelegenheit, um Teheran noch stärker unter Druck zu setzen. "After months of piling pressure on Tehran, the United States is seeing an unexpected new variable - the novel coronavirus, which has taken a substantial toll not just on Iran but inside its government. US policymakers are asking whether deaths within the regime are widespread enough that they could alter decision-making - although a deadly rocket attack Wednesday in Iraq, which Washington blamed on Iran, showed at least that the cycle of conflict between the countries is not abating. (…) One key test will be if the United States blocks Iran's request for an IMF loan - the first sought by Tehran since the late shah's era. Barbara Slavin, director of the Future of Iran Initiative at the Atlantic Council, doubted the impact of coronavirus deaths on the sprawling leadership. 'Iran has experienced extraordinary pressure since the US imposed the oil embargo, with blow after blow, but the regime is still there,' she said. The big exception, she said, would be if the pandemic somehow reaches Supreme Leader Ayatollah Ali Khamenei, an 80-year-old whose health has long been the subject of speculation." (Yahoo News vom 14.03.2020) https://kurz.bpb.de/nzb
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