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20.4.2020

Personen, die im Zusammenhang mit der Treuhandanstalt eine Rolle spielten

Im Folgenden gibt es zu Personen, die mit der Treuhandanstalt von 1990 bis 1994 in Verbindung standen, kurze Angaben. Die Persönlichkeiten werden in alphabetischer Reihenfolge vorgestellt. Weitere Personen folgen.

Horst Köhler

Horst Köhler war seit 1982 in leitenden Positionen im Bundesministerium der Finanzen tätig und seit 1987 als Abteilungsleiter für Grundsatzfragen der Finanzpolitik auch für das industrielle Bundesvermögen zuständig. Zum 1. Januar 1990 wurde er in der Nachfolge von Hans Tietmeyer zum Staatssekretär im Bundesfinanzministerium berufen. Von 1993 bis 1998 war Köhler Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Bis 2000 stand er an der Spitze der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE). Danach war er auf Vorschlag von Bundeskanzler Gerhard Schröder bis 2004 er geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF). Am 1. Juli 2004 wurde Köhler auf Vorschlag von Angela Merkel (Vorsitzende der CDU) und Guido Westerwelle (Vorsitzender der FDP) zum neunten Bundespräsidenten gewählt. Von diesem Amt trat er am 31. Mai 2010 zurück.

Wolfram Krause

Wolfram Krause war von 1968 bis 1974 einer der Stellvertreter des Vorsitzenden der Staatlichen Plankommission (SPK) in der DDR. Von 1974 -79 war er 1. Sekretär der SED-Kreisleitung der SPK. „Aus dieser Funktion wurde er wegen kritischer Äußerungen zur DDR-Ökonomie entfernt und in die Bezirksleitung der Berliner SED abgeschoben.“[1] Dort war Krause bis 1989 tätig. 1989/90 wurde er Staatssekretär in der Regierung Modrow, dann folgte der Wechsel in die Treuhandanstalt. Im Juli 1992 trat Krause als Direktor zurück.

Lothar de Maizière

Lothar de Maizière studierte nach dem Abitur von 1959 bis 1965 Bratsche an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin. Bis 1975 war er als Bratschist an mehreren Orchestern tätig. Von 1969 bis 1975 absolvierte er ein Fernstudium der Rechtswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Ab 1976 war de Maizière Rechtsanwalt im Kollegium der Rechtsanwälte in Berlin. Ab 1985 war er Mitglied und später Vizepräses der Synode des Bundes der Evangelischen Kirchen. Von 1987 an war de Maizière Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Kirchenfragen beim CDU-Hauptvorstand in der DDR. Ab November 1989 war er Vorsitzender der CDU (Ost). Von November 1989 bis März 1990 war er stellvertretender Vorsitzender des Ministerrates für Kirchenfragen und von März bis Oktober 1990 Abgeordneter der Volkskammer. Lothar de Maizière löste am 12.4.1990 als neu gewählter DDR-Ministerpräsident Hans Modrow ab. Mit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten am 3.10.1990 wurde er Mitglied des CDU-Präsidiums und stellvertretender Vorsitzender der Ost-CDU und im November Landesvorsitzender der CDU Brandenburg. Zudem war de Maizière vom Oktober 1990 bis 11.9.1991 Bundestagsabgeordneter sowie Minister für besondere Aufgaben im Kabinett von Bundeskanzler Helmut Kohl. Als im Dezember 1990 bekannt wurde, dass das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in ihm einen Inoffiziellen Mitarbeiter sah, was von de Maizière dementiert wurde, bat er am 17.12.1990 um seinen Entlassung aus den Ämtern. Er ließ sie bis Februar 1991 ruhen und nahm sie danach wieder auf. Im September 1991 erfolgte sein Rücktritt als stellvertretender CDU-Vorsitzender und er gab auch sein Bundestagsmandat auf. Seitdem war er wieder als Anwalt tätig, unter anderem für ungeklärte Vermögensfragen. Im Jahr 1993 war er Mitbegründer der überparteilichen „Werkstatt Deutschland" und eine Zeit lang Aufsichtsratsvorsitzender der „Hunzinger AG". 1999/2000 war de Maizière Mitglied der Weizsäcker-Kommission über die Zukunft der Bundeswehr, Mitglied der Stiftung Denkmalschutz Berlin sowie seit Juli 2003 Mitglied und seit März 2004 Vorsitzender des Aufsichtsrats der medienport AG (Hamburg).

Thomas de Maizière (CDU), Dr.

Der promovierte Jurist war von 1985 bis 1989 Leiter des Grundsatzreferates in der Berliner Senatskanzlei und Pressesprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin. Seit April 1990 arbeitete er für seinen Cousin Lothar de Maizière am Aufbau des Amtes des DDR-Ministerpräsidenten mit und gehörte der Verhandlungsdelegation für den deutsch-deutschen Einigungsvertrag an. Im November 1990 wurde de Maizière Staatssekretär im Kultusministerium von Mecklenburg-Vorpommern. Anschließend war er ab Dezember 1994 Chef der Staatskanzlei von MV unter Ministerpräsident Berndt Seite (CDU). Am 26. Oktober 1999 übernahm er dann die Leitung der sächsischen Staatskanzlei in der von Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) geführten Landesregierung. Am 30. Januar 2001 wurde er nach der Entlassung von Georg Milbradt zum Sächsischen Staatsminister der Finanzen ernannt. Am 2. Mai 2002 übernahm er die Leitung des sächsischen Staatsministeriums der Justiz. Nach der Landtagswahl 2004 wurde er sächsischer Innenminister. De Maizière war von 2004 Mitglied des sächsischen Landtages als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Bautzen I. Im November 2005 wurde de Maizière Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes in der von Angela Merkel geführten Bundesregierung (Kabinett Merkel I). In der Bundestagswahl 2009 trat er auf Platz 1 der Landesliste Sachsen an und wurde in seinem Wahlkreis Meißen direkt gewählt. Nach der Bundestagswahl 2009 wurde er Bundesinnenminister in der Regierung der CDU-FDP-Koalition (Kabinett Merkel II). Im März 2011 löste de Maizière den zurückgetretenen Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) als Bundesverteidigungsminister ab. Bei der Bundestagswahl 2013 holte de Maizière erneut seinen Wahlkreis und baute seinen Stimmanteil deutlich aus. Von Dezember 2013 bis März 2018 war er Bundesminister des Innern (Kabinett Merkel III). Bei der Bundestagswahl 2017 gewann er erneut das Direktmandat, holte aber ein schlechteres Ergebnis als die Male zuvor. Thomas de Maizière gehört dem 19. Bundestag an und ist Mitglied der CDU/CSU-Fraktion im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages.

Hans Modrow, Dr.

Durch seine Kriegsgefangenschaft in der UdSSR, als Teilnehmer des Volkssturms 1945, besuchte Hans Modrow eine dortige Antifa-Schule (Antifaschistische Frontschulen, die im Zweiten Weltkrieg auf Initiative der Komintern für Kriegsgefangene in der Sowjetunion eingerichtet wurden). 1949 kehrte der nach Deutschland zurück. Noch vor seiner Einberufung zum Volkssturm hatte er eine Ausbildung zum Maschinenschlosser absolviert. Er wurde in der DDR zunächst Abteilungsleiter und Sekretär des Landesvorstands der Freien Deutschen Jugend (FDJ) in Brandenburg, anschließend FDJ-Landesvorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern sowie Mitglied des Zentralrats der FDJ. Modrow besuchte 1952/53 die Komsomol-Hochschule in Moskau. Danach war er 1. Sekretär der FDJ-Bezirksleitung Berlin und Sekretär des Zentralrats der FDJ. Von 1954 bis 71 war Modrow Mitglied der Bezirksleitung Berlin der SED. Er studierte an der Parteihochschule und schloss als Diplom Gesellschaftswissenschaftler ab. Danach folgte ein Studium an der Hochschule für Ökonomie in Berlin. Modrow bekleidete verschiedene Ämter innerhalb der Bezirks- und Kreisleitung sowie im Zentralkomitee der SED. 1966 erlangt er die Promotion. Von 1973 bis 1989 war 1.Sekretär der Bezirksleitung der SED Dresden und dort Anfang Oktober 1989 Mitinitiator des Dresdener Dialogs mit der oppositionellen „Gruppe der 20". Vom 8.11. bis 3.12.1989 war Modrow Mitglied des Politbüros des ZK der SED und vom 13.11.1989 bis März 1990 Vorsitzender des Ministerrats (Nachfolger von Willi Stoph). Im Dezember 1989 wurde er stellvertretender Vorsitzender der SED/PDS und legte am 1.2.1990 das Konzept „Für Deutschland, einig Vaterland" vor. Am 5.2.1990 bildete er mit Vertretern vom Runden Tisch die „Regierung der nationalen Verantwortung". Er versuchte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in ein „Amt für Nationale Sicherheit" umzuwandeln und so vor der Auflösung zu bewahren, womit er scheiterte. Ab Februar 1990 war er Ehrenvorsitzender der PDS und wurde im Oktober 1990 nach der deutschen Vereinigung Bundestagsabgeordneter. Am 27.5.1993 wurde er vom Landgericht für schuldig befunden, in drei Fällen Weisungen zur Wahlmanipulation gegeben zu haben. Er erhielt eine Verwarnung und musste eine Geldstrafe ableisten. Wegen falscher Aussage vor dem sächsischen Landtag 1996 wurde Modrow zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. 1999 zog er als einer von sechs Mandatsträgern der PDS in das Europäische Parlament ein, war dort bis 2004 im Ausschuss für Entwicklungshilfe tätig.

Peter Moreth, Dr.

Peter Moreth war Mitglied der Liberal Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD). Seit 1986 war Moreth Abgeordneter der Volkskammer der DDR. Von Juni 1986 bis zum 18. 11.1989 war er Mitglied des DDR-Staatsrates danach in der Regierung Modrows einer der drei stellvertretenden Vorsitzenden des Ministerrates für örtliche Staatsorgane, wozu neben der Verwaltung auch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) gehörte. Vom 30. November 1989 an war er Leiter der Regierungskommission zur Entwicklung der Stadt Leipzig. Vom 18.3. bis 15.6.1990 war Moreth Vorsitzender des Direktoriums der Treuhandanstalt. Danach war er als Unternehmensberater tätig.

Tyll Necker

Tyll Necker machte 1950 sein Abitur und studierte im Anschluss Volkswirtschaft und Philosophie in Göttingen, München und Hamburg. 1960 wurde er geschäftsführender Gesellschafter der Hako-Werke GmbH & Co., die der Familie seiner Frau gehörte. Seit 1980 gehörte Necker dem Präsidium des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) an. Nach dem Mauerfall war er Mitglied in verschiedenen Aufsichtsräten ehemaliger Volkseigener Betriebe (VEB). Von 1987 bis 1990 und 1992 bis 1994 war Necker Vorsitzender des BDI und danach Vizepräsident. Zudem war er Mitglied in verschiedenen Aufsichtsräten.

Ludwig Penig

Der Jurist Ludwig Penig war vor 1990 Hochschullehrer am Lehrstuhl für Wirtschaftsrecht der Akademie für Staat und Recht in Potsdam und Spezialist für rechtliche Aspekte der Wirtschaftsführung in der DDR.

Gerhard Pohl

Seit 1959 Mitglied der Ost-CDU und auf der Regionalebene politisch aktiv. Abgeordneter der Volkskammer war Pohl von 1981 bis 1990. Von 1986 bis 1990 war er stellvertretender Betriebsdirektor des VEB Forster Tuchfabriken. Nach der Volkskammerwahl 1990 war er Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion in der Volkskammer und Mitglied im CDU-Parteivorstand. Ab 12. April 1990 war er Minister für Wirtschaft im Kabinett von Lothar de Maizière. Sein Rücktritt erfolgte am 15. August 1990 wegen IM-Tätigkeit. Er war 1990/91 Geschäftsführer der Gubener Textil GmbH sowie später Geschäftsführer in einem Unternehmen für Kunststoffentwicklung und Vorsitzender des Vereins der Forster Tuchmacher.

Walter Romberg, Dr.

Walter Romberg studierte nach dem Abitur ab 1947 Physik und Mathematik an der Universität Rostock und der Humboldt-Universität zu Berlin. Dieses beendete er 1954 als Diplom-Mathematiker und promovierte. Danach war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Reine Mathematik der Akademie der Wissenschaften. Ab 1965 bis 1978 war er dort Chefredakteur des Zentralblattes für Mathematik und leitete bis 1990 die Abteilung Wissenschaftliche Information, Edition und Bibliothek. Seit 1960 war Romberg in der kirchlichen Laienarbeit aktiv und ab 1976 arbeitete er im Referat Friedensfragen der Theologischen Studienabteilung beim Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR auf den Gebieten Friedensforschung, Sicherheitspolitik und Abrüstung. Zudem war er Mitglied der Christlichen Friedenskonferenz (CFK). 1988/89 arbeitete er bei der „Ökumenischen Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ in der DDR als Berater der Arbeitsgruppe „Der Übergang von einem System der Abschreckung zu einem System der politischen Friedenssicherung“. Im Oktober 1989 trat Walter Romberg der Sozialdemokratischen Partei der DDR (SDP) bei. Am 5. 02. 1990 wurde er als Minister ohne Geschäftsbereich in die von Ministerpräsident Hans Modrow geführte DDR-Regierung berufen. Nach der Volkskammerwahl am 18. März wurde er am 12.04.1990 Minister der Finanzen im Kabinett von Lothar de Maizière. Als Finanzminister war er auch Mitglied des Präsidium des Ministerrates und Leiter der DDR-Delegation bei den Verhandlungen mit der Bundesregierung über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion. Am 18.05.1990 unterzeichneten er und Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) den entsprechenden Staatsvertrag zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland. Im August 1990 wurde Romberg von Lothar de Maizière als Finanzminister entlassen, was Anlass für den Austritt der SPD aus der Regierungskoalition am 19. August 1990 war. Über die Gründe für die Entlassung gibt es unterschiedliche Darstellungen. Im Jahr 1991 wurde Romberg als Beobachter aus dem früheren DDR-Gebiet ins Europäische Parlament entsandt. Nach dem Rückzug aus der aktiven Politik 1994 war er u. a. als Berater der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit bei einem Projekt in Kasachstan tätig.

Stephan Supranowitz

Stephan Supranowitz war Jurist und von 1970 bis 1972 Staatssekretär für Staats- und Wirtschaftsrecht beim Ministerrat der DDR, von 1972 bis 1981 stellvertretender Minister der Justiz und von Juni 1982 bis September 1990 Leiter des Amtes für Rechtsschutz des Vermögens der DDR. Supranowitz war an der Verhandlung der beiden Staatsverträge zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland beteiligt, zunächst unter Leitung von Walter Romberg. Ab August 1990 unter Günther Krause (CDU). Unter der Regierung von Lothar de Maizière gehörte er im Mai 1990 neben dessen Cousin Thomas de Maizière und Günther Krause zur Arbeitsgruppe beim Amt des Ministerpräsidenten. Diese erarbeitete eine erste Gesetzesvorlage für eine Neufassung des „Gesetzes zur Privatisierung und Reorganisation des volkseigenen Vermögens“ (Treuhandgesetz).

Quellen:

Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann u. a. (Hg.), Wer war wer in der DDR? Ein Lexikon ostdeutscher Biographien, Bd. 1 und 2, 5. aktualisierte und erweiterte Neuauflage, Berlin 2010. chronik-der-wende.de, herausgegeben vom Rundfunk Berlin-Brandenburg rbb, vertreten durch seine Intendantin Patricia Schlesinger.

Fußnoten

1.
Wolfgang Seibel, Die gescheiterte Wirtschaftsreform in der DDR 1989/1990, APuZ 11/2010, bpb.de/32891, letzter Zugriff 17.04.2020.
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